Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Freitag, 9.7.2010
Tag 31 - [Ueberschrift vergessen]
Malghera → Alpe Salina → Rif. Schiazzera
Die huebsche Feuerlilie
Nach dem gestrigen Scheiss-Hatsch mit fehlenden Wegmarkierungen und ohne erkennbare Wanderwege, ohne Einkehrmoeglichkeit und mit viel Schnee ging es heute gemuetlicher zur Sache. Auf dem heutigen Weg hatte ich die Idee, den Wegewart des gestrigen Hatsches selbst mal einen in seiner Form markierten Weges bei Schnee gehen zu lassen. Sogar das Fuchskar hatte mit dem ganzen Schnee bessere Markierungen als dieser Grampf.

Genauso wie Horst konnte ich auch nicht gut schlafen. Aber was soll's. Der Heutige Weg geht schliesslich etwas angenehmer (das hoffte ich). Um 7 Uhr stand ich auf. Da die gestrige Ankunft sehr spaet war, waren auch noch ein paar Sachen dreckig. U. a. auch meine Zipperhose, die Gestern voll Dreck stand. Deshalb haengte ich sie draussen in den Wind und ging schon bald zum Fruehstueck. Das war wirklich enttaeuschend. Furz trockene Semmeln, 2 Sorten Marmelade und der Kaese, den es gestern zur Halbpension gab. Da haette ich echt mehr erwartet. Der Preis, den ich dafuer bezahlte warum so besser. 44 € fuer viel Mineralwasser, Halbpension und 4 Bier. Der Halbpensionpreis war dabei mit 35 € veranschlagt. Das freute natuerlich auch meinen Geldbeutel. 2 Semmeln mit Salami gab es sozusagen als Lunchpaket oben drauf. Heisse Duschen gab es auch umsonst. Aber es war ja auch keine Huette mehr sondern eher ein Gasthof.

Eigentlich ging es die ganze Zeit ueber solch schoen gemuetliche Wege
Gegen halb 9 ging es los, also relativ spaet. Der Himmel war blau ohne nur ein Woelkchen. Das kann ja noch heiter werden. Vorsichtshalber fuellte ich meine Trinkblase schon mit den ganzen 3 Litern. Gestern abend nahm ich mir auch noch eine 1/2 Liter Wasserflasche mit, um auf laengeren Touren ohne Einkehrmoeglichkeit eine Art "Notwasser" zu haben. Das ist mit der Trinkblase um so wichtiger, da ich erst ein paar Schluecke vor dem Ende feststellen kann, dass die Blase gleich leer werden wird. Die Via Alpina fuehrte zuerst ueber einen schoenen Wanderweg, der von Anfang an mit Rifugio Schiazzera ausgeschildert war, dem heutigen Endziel. Da der heutige Weg auch nicht ganz auf meiner Wanderkarte drauf ist, machte ich ein Foto von einer Wanderkarte, die einen der vielen Deutschen gehoerte, die auch in Malghera uebernachteten. Bis zum Ende verlaeuft der Weg immer auf fast gleicher Hoehe und schlaengelt sich entlang der Haenge. Der Weg bis zur ersten "Einkerbung" war schnell abgehatscht. Ueber einen sehr unwegsamen Pfad fuehrte diese. Unwegsam deshalb, da ich Mountainbikern begegnete, die diesen Weg wohl ihr Fahrrad geschoben haben. Fuer Wanderer ist dieser Weg kein Problem. Da heute der 31te Wandertag ist, bin ich "stolz" auf mich, ein Montat unterwegs zu sein, ohne einen Kacktus in die Landschaft gepflanzt zu haben. Anders erging es Horst. Der hatte wohl etwas Falsches zu sich genommen. Auf den ersten paar hundert Metern hier her konnte ich auch immer auf die kleine Kirche in Malghera zurueckblicken, die wohl so etwas wie eine Station einer Wallfahrt darstellt. Diese wurde gestern auch noch mit einer Audio Anlage ausgestattet. Ganz sicher, um darin eine Techno Party zu schmeissen. Dann waere der Laden auch mal zu was gut und man wuerde nicht einschlafen.... Ueber eine Forststrasse ging es weiter. Auf dieser kam ich auch schneller voran. Wieder mal machte ich die Entdeckung einer neuen Pflanze: Der Feuerlilie, von der ca. 4 Stueck am Wegesrand standen. Jedenfalls hoffe ich, dass das die Pflanze ist, weil ich ja nur ein Laie bin. Seit dem Fuehrer fuer Alpenblumen und der Moeglichkeit, den Pflanzen Namen geben zu koennen, laufe ich auch mit offeneren Augen durch die Natur.

Die letzten paar HM Anstieg...
Nach ein paar weiteren mehr oder weniger still gelegten Almen die sich immer in Einkerbungen des Berges befanden, wurde der Weg auch wieder zum kleinen Trampelpfad, nachdem eine kleine Strasse wieder etwas hoeher fuehrte. Dort zog sich der Weg wieder 200 HM hoch, um ueber einen kleinen, gerade noch mit Baeumen bepflanzten Huegel zu gehen. Bis zur Alpe Salina verlief der Weg dann wieder auf fast gleicher Hoehe, was mich sehr erfreute. Ich hatte nach dem gestrigen Hatsch keine Lust mehr auf viel Hoehenmeter. Bei der Alpe Salina wurde nach 3-4 Stunden Gehzeit auch Rast gemacht. Mein Ruecken meldete sich wieder. Vllt. ist er wegen dem hohen Rucksackgewicht doch etwas ueberlastet. Da sich aber selbst in diesen waermeren Gefilden noch die Schneemassen tuermen, nehme ich meine Steigeisen weiter mit. Erst in Gsteig, der Halbzeit, werde ich sie meinen Eltern mitgeben. Nach 1/2 Stunde Pause und dem Verzehren einer der beiden furz trockenen Semmeln ging es weiter bergauf. Ein blauer Himmel ist ja schoen und gut, aber wenn man in den Bergen bei der Baumgrenze den Packesel spielen darf, ist das nicht mehr so schoen. So blieb ich unter fast jedem schattenspendenden Baum stehen. Es ging naemlich steil bergauf. Nach weiteren 200 HM war der Uebergang erreicht, bei dem auch 2 Mountainbiker sassen, die mit uns in Malghera uebernachtet haben. Da stellt sich mir die Frage, wieso man sich den Weg mit dem Mountainbike antut. Teilweise waren sehr lange Schiebestrecken drin.

Huebsche Schueli, nicht war?
Beim Uebergang ging es auch ueber 2 Wegweiser runter zum Rifugio. Einmal ueber 2 h, der andere in 20 Minuten. Die Mountainbiker meinten dann, dass es dort sehr steil runtergeht. Keine Ahnung was die damit genau sagen wollten, aber ich bin doch ein Wanderer! Desto steiler der Abstieg, desto schneller bin ich beim Bier! Nach 20 Minuten eines eigentlich meist nicht steilen Abstieges war ich schon bei der Huette. Ich hatte am Morgen noch vor, gleich weiter abzusteigen, aber wegen meinem Ruecken wollte ich die 1600 HM heute nicht mehr in Angriff nehmen. Genauer gesagt werde ich ueberhaupt nicht nach Tirano absteigen, weil ich nicht wuesste, was es mir bringen sollte, in eine Grossstadt herunterzugehen, bloss um wieder teils auf dem teils gleichen Weg wieder hochzusteigen. Dann habe ich alle bisherigen Wanderpausen und den Weg Muenchen-Meilerhuette reingeholt :-). Wird schon gut gehen. Die Huette hier scheint fast das Gegenteil der gestrigen zu sein. Schon bei der Ankunft bekamen wir einfach so ein paar Gebaecksachen, es ist auch eine richtige Huette und die Leute hier versuchen auch auf Englisch zu kommunizieren. 30 € kostet hier die Halbpension und ich bin gespannt, wie gut die ist. Ich vermute mal exzellent, da ich bereits kleine Apfelkuechlein probieren durfte. Auch sind die Wirtsleute viel freundlicher und haben meist ein Laecheln im Gesicht. Ich geniesse dann mal noch die Abendsonne.

Wuschl, der Wachhund fuer meine Sachen
So. Das Abendessen liegt hinter mir und eine Horde von 42 Kindern, die die Huette in die Hoelle verwandelten. Aber sie sind sicher selbst hochgelaufen. Eine Gondel gibt es hier nicht. Schon gestern war das Rifugio Malghera mit einer Kindermeute vollgestopft. Die scheinen irgendwelche Kirchentage zu haben. Beim Essen lernte ich auch ein Schwensch kennen. Ein Lebewesen, halb Schwein, halb Mensch von sehr seltener Gattung. Das Essen war etwas seltsam. Der erste Gang war ein Risotto. Dann gab es Zuchini mit Kaese, der so eine harte Rinde hatte, dass das Messer auf dem Teller schepperte, als man durch war. Dann noch einen Apfel und zum Finale einen koestlichen selbst gemachten Kuchen. Mir fehlte irgendwo der Fleischfaktor, aber die Huette ist immerhin auf ueber 2000 HM ohne Materiallift und die Wirtsleute sind endlich mal wieder supernett. Das Fruehstueck ist morgen auf 7 Uhr bestellt, weil ich am Zielort noch einige Besorgungen zu erledigen habe: Etwas Essen fuer unterwegs, Zahnpasta und vor allem einen funktionierenden Geldautomaten, da der beim Stilfser Joch keine meiner Karten akzeptierte.