Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Mittwoch, 9.6.2010
Tag 1 - Endlich frei!
Muenchen (Marienplatz) → Gruenwald → Kloster Schaeftlarn → Wolfratshausen
Wieder einmal auf dem traditionellen Startpunkt Marienplatz
Wasser! Ich trinke Wasser! Und wieso? Weil mir irgendwie die Haxen sakrisch weh tun und ich dringend ein paar kg loswerden muss. Aber ich fang am besten am Anfang an.

Nach stressigen Tagen, wie ich sie in meinem Leben noch nie erlebt habe, endlich frei!!! Die Diplomarbeit musste ich auch noch fertig schreiben und gab sie gestern vorzeitig ab. Deshalb ist dem Wandern auch das letzte Kapitel zum Opfer gefallen. Gestern uebergab ich auch noch mein Appartement. Bis auf die Moeglichkeit, bei meinen Eltern zu schlafen bin ich ab sofort obdachlos :-). Aber ich hab jetzt immerhin ein Zelt mit dabei, womit schon meine neue mitgenommene Ausruestung aufzuzaehlen waere: Erst mal das 2 Personen ultraleicht Zelt, doppelwandig. Dann eine Termorest Matte, die auf der Seite von meinem Rucksack herumbaumelt was auch noch anders geloest werden will. Zelt + Matte sind wg. der Schlafplatzmisere meiner letzten Tour mit dabei. Wg. meinem fruehen Aufbruchdatum sind auch Steigeisen mit im Rucksack und veranschlagen ueber 1 kg! Karten! Karten! Einen riessen Pack Karten habe ich mit dabei, der fuer 2 Monate ausreicht. Saemtliche Funktionsshirts wurden durch T-Shirts aus 100% Merinowolle ausgetauscht. Dann habe ich auch noch eine Zipperhose statt der Kurzen. Die hab ich absichtlich eine Nummer (oder zwei?!?) zu klein gekauft um mehr Ansporn zum Abnehmen zu haben. Irgendwie habe ich nach jeder Alpenueberquerung ein paar kg verloren, aber ein paar Wochen darauf doppelt soviel draufgeschlagen, weil ich mich keinen mm mehr bewegen konnte. Wenn alles klappt wie geplant und ich wieder ueber die Alpen mit der geplanten Strecke komme, wiege ich kurz darauf 1 Tonne :-). Vorausgesetzt, es existiert negative Masse. Wobei mich das schon wieder an meine DA erinnert und das Zeug will ich eigentlich nicht mehr im Kopf haben. Oja! Das tolle ist auch, dass ich jetzt 5 Monate frei und danach meinen Job habe. Zusammen mit meinen Ersparnissen steht also einem ausgiebigen Wandertrip nichts mehr im Wege. Eigentlich waere es besser, wenn ich frueher anfangen wuerde, aber 1. ist das wohl meine letzte Chance vor der Rente, einen so ausgiebigen Trip zu machen und 2. haben die Huetten fuer Wanderer bis Mitte Oktober offen :-).

Im Biergarten beim Kloster Schaeftlarn
So. Zurueck zur Ausruestung: Ein neuer Kompass ist auch mit an Bord. Irgend so ein Profiteil aber ich hab's mir nur gekauft, weil es am wenigsten wog. Aus Platzgruenden habe ich auch einen Fliessersatz besorgt, der nur halb soviel Platz braucht. Leider habe ich nur ein neues Paar Wandersocken von Icebreaker bekommen. Die alten sind schon etwas stark abgenutzt, ein Paar davon muss jetzt aber wieder her halten.
Vielen Dank vor allem an Stefan und Philipp (ein p, zwei pp?!?), ohne die ich die verfruehte Abgabe und Qualitaet (ich schreibe bewusst nicht "gute" oder "schlechte") nicht hinbekommen haette!

Und los geht's mit dem Tag 0: DA drucken & abgeben, Muffin essen, Zimmer putzen & weiseln, den ganzen Restschrott im Zimmer ausraeumen und spaet in der Nacht mit der U-Bahn nach Muenchen fahren. Schon da fing das seltsame Gefuehl eines Weitwander-Puristen wie mich an: Das letzte Mal Rolltreppe fahren fuer die naechsten Wochen. Kurz nach 12 kam ich dann bei Gregor an um gleich weiter ins naechste Lokal zu gehen. Bier! Eigentlich sollte ich ja am naechsten Tag frueh raus aber wie ich schon durch Erfahrung weiss, kann man auch besoffen ueber die Alpen [gehen]. Also Bier! An dem Abend bzw. der Nacht blieb es aber bei 5 Bier, danach ab ins Bett! Mein! Mein Schlafsack. Genau. Der Schlafsack ist auch neu. Der Ultraleichte [der von der letzten Ueberquerung] haette fuer's Zelten in den Bergen nicht gereicht. Um kurz vor 9 kuesste mich dann die Sonne wach. Geplantes Aufstehen war aber 10. Egal. Einfach aufstehen. Vllt. wirkte auch noch der Alkohol von gestern noch nach. Kurz nach 9 verliess ich dann nach der Verabschiedung Gregors Wohnung und stampfte wieder die alte, knarrende Holztreppe mit meinen bedingt steigeisenfesten Schuhen herunter. Beim Metzger gab's noch eine Wurstsemmel zum Fruehstueck und der Weg zum Marienplatz wurde in Zick-Zack Wegen - je nach gruener Ampel - gefunden. Begleitet von einer 100 Mann starken Blaskapelle, die gestern 5 Paulaner Bier zuviel getrunken haben :-).

Durch das Wehr
Das obligatorische Foto vor der Mariensaeule war auch gleich erledigt und los ging's. Deutsches Museum, Isarauen, ... Der Rucksack zog schon nach einer Stunde. Mir tun immer noch die Schultern weh aber das legt sich hoffentlich in den naechsten Tagen. Dieses mal nahm ich mir vor etwas langsamer zu gehen. Die beiden Male zuvor stuermte ich los und hatte immer wieder schlimmste Schaeden an den Fuessen: Eingerissene Nagelbette, Blasen, Schmerzen. Dieses Mal eigentlich nur kleinere Blasen. Aber das ist eher nichts im Vergleich zu den beiden Malen vorher. Nach gut 2 Stunden kam ich dann beim Biergarten bei Gruenwald an und machte Mittag: 1 Radlermass und 1 Wurstsalat. Die Bedienung war glaub ich die vom ersten Mal. Da ging ich nach langer Wartezeit einfach wieder. Dieses Mal erwischte es ein anderes Paar. Die warteten 45 Minuten, bis sie regelrecht nach der Bedienung geschrieen hatten. Die bringt es nicht fertig, ca. 20 Gaeste zu bedienen und motzte bei den anderen Bedienungen herum, die aber mind. doppelt so viel Gaeste bedienen mussten. Wenn ich so ne Chefin haette, wuerde ich mich noch am gleichen Tag in der Isar ersaufen. Nein! Ich wuerde an die Chefin einen Felsen ketten und..... Da haetten mehr davon :-)

1 Stunde verbrachte ich im Biergarten und zwaengte mir das Essen rein. Nicht weil es schlecht war (ganz im Gegenteil hatten die einen super Kaese beim Schweizer Wurstsalat), aber mit dem gestrigen Bier, dem fruehen Aufstehen und der Anstrengung zwaengte ich es mir regelrecht rein.

Der kleine Pfad nach Wolfratshausen
Hab ich schon erwaehnt, wie heiss es war?!? Boah war ich fertig. Ueber jede kleine Briese freute ich mich - auch wenn ich meistens im Schatten war. Sonnencreme habe ich natuerlich auch dieses Mal mit dabei. Dafuer pellt sich immer noch meine Haut von dem Sonnenbrand vor 2 Wochen ab. Aaaah: Mein erstes Bier heute und dazu ne Zigarette. Jetzt ist's chillig. Also nach dem 1. Biergarten ging's weiter zum 2. Biergarten :-D. Aber das zog sich wieder 2 Stunden hin. Bisher hatte ich das Gefuehl, die Strecke in- und auswendig [zu kennen], aber bei dem zweiten Drittel der heutigen Tagesetappe ging's endlich weg von den Schotterstrassen, hin zu den kleinen Pfaden. Genau deshalb gefallen mir wohl die Berge so gut. Es ist immer wieder was neues. Es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken, auch wenn man die Strecke schon oefters gelaufen ist. Schon alleine wg. dem unterschiedlichen Wetter, den Jahreszeiten, etc. Schritt fuer Schritt mit einer kleinen Pause, einer Schlamm Rutscherei und 1/2 km Teerstrecke kam ich dann beim 2. Biergarten an und spuerte, wie sich schon wieder ein Wolf zwischen meinen Beinen bemerkbar machte. Trotz Strumpfhose hatte ich mir wieder mal die Haut aufgewetzt wg. diesen bloeden monotonen Schotterstrassen-Gehatsche. Beim Kloster Schaeftlarn bediente auch wieder der Gleiche wie vor 2 Jahren. Dieses Mal bestellte ich mir aber ein Wasser!!! Nach einer Stunde Aufenthalt ging's auch schon wieder weiter. Aber nur fuer 1 km. Dann beschloss ich, was gegen meinen Wolf zu unternehmen. Stellt sich nur die Frage, was man da machen kann. Die Unterhose und Strumpfhose zurecht zu ruecken brachte keine Abhilfe, ABER die kleine Tuete, die mir Gregor in der Frueh mitgab. Eigentlich ist diese dazu gedacht, mein Handy vor Wasserschaeden zu bewahren. Jetzt wurde sie aber als Wolf-Fix missbraucht. Nach 3 Anlaufen in Form vom Herumwurschteln in meiner Hose lag diese jetzt auf der betroffenen Stelle und schaffte deutliche Abhilfe. Warum nur bin ich erst jetzt auf diese Idee gekommen?!? Aber so passte das. Alle paar km wurde die kleine Tuete wieder richtig positioniert und der Weg fortgefuehrt. Erst ueber die Bruecke zu dem 3. Biergarten, den ich wieder links liegen liess, dann der Isar entlang und durch das Wehr zu dem kleinen Trampelpfad der mich die letzten km nach Wolfratshausen fuehrte zum Gasthof "Gruener Baum".

- SCHNIPPL DINGS BUMS -

Ankunft beim gruenen Baum
Tja. So kann's laufen. Jetzt hab ich mich noch mit der Wirtin unterhalten. Und Freibier gab's auch noch. Soviel zu meinen kalorienarmen Vorsaetzen. Jetzt ist es schon 12:40 und ich bin in meinem Zimmer, um noch den Rest dieses Schmarrns zu schreiben und auch, um den Wetterbericht fuer morgen zu hoeren. Das Essen hier war uebrigens wie letztes Mal schon wieder der Wahnsinn. Frisches vom Gas Grill. Schweine Medallions in selbst gemachter Marinade. Sowas von geil! Boah hab ich jetzt wieder Hunger! Leider will die Wirtin dieses Jahr auch mit der Bewirtschaftung aufhoeren :-(. Aber fuer das naechste Mal ist sowieso schon was anderes geplant.

Ich bin hier gerade auch in dem Dachgeschosszimmer, das die Wirtin anscheinend extra fuer M-V Wanderer hergerichtet hat. Sozusagen als Notfallplatz weil unter der Woche normalerweise alles ausgebucht ist. Als ich heute bei dem Biergarten in Gruenwald angerufen hatte, meinte sie erst, dass sie "nur" noch ein Zimmer mit Gemeinschaftstoilette hat. Aber hey! Was will man mehr. Man hat ein Dach ueber dem Kopf und eine Dusche ist sowieso Luxus! Aber sie wusste ja nicht, dass ich ein Wanderer bin.

So. Ich Bett!