Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Donnerstag, 3.8.2010
Tag 56 - Schlaflos in den Bergen
Pont de Nant → Cinglo → Euzanne → La Tourche → Col du Demecre
Bei dem Anblick einer solchen Suppe hat man wenig Lust in diese hochzusteigen.
Die Nacht war wieder mal einmal grauenhaft. Aber nicht wg. moeglichen Schnarchern sondern weil es einerseits etwas warm im Zimmer war und ich andererseits nicht richtig einschlafen konnte. Dafuer hatte ich immerhin die Gelegenheit, einmal den Akku in meinem Handy zu wechseln um auch diesen zu laden. Der Riss an meinem rechten Daumen der sich vor ein paar Tagen bildete schmerzte auch hoellisch, weshalb ich ihn in der Nacht wieder mit einem kleinen Compeed Blasenpflaster fuer Zehen versorgte und ein Leukoplast darum klebte, um das Ganze zu fixieren. Ich glaube gegen 3 Uhr duerfte mich der Schlaf doch noch hingerissen zu [-] haben.

Der erste Teil war sehr schlammig.
Als ich aufwachte, fuehlte ich mich total niedergeschlagen. Was aber noch schlimmer war, war[en] die Wassertropfen, die ich von draussen aufschlagen hoerte. Fuck! Es regnet! So ein Mist. Wieso haette es z. B. nicht bei einem Flachlandhatsch wie dem ab Ulrichen regnen koennen? Oder hageln! Da waere es egal gewesen. Den Wecker stellte ich beim klingeln um 7:10 Uhr gleich auf Stopp und drehte mich um. Ich hatte ueberhaupt keinen Bock. um 7:36 stand ich dann auch mit den anderen auf. Die sahen etwas erholter aus. Meinen Rucksack bereitete ich schon Gestern vor, sodass ich nur meinen Schlafsack packen musste und den Rest mit taktischem Stopfen gut verstaute. Das Fruehstueck bot auch Einiges. Ich glaub sogar Wurst, aber heute hatte ich keine Lust darauf. Mit frischem Marmeladenbrot und einer Art Muesli begnuegte ich mich und hoerte etwas dem Nachbartisch zu, an dem Freunde aus England sassen (zumindest dem Akzent nach). Im Lager trafen wir uns wieder und ich quatschte ein bisschen mit den Leuten. Die kamen genau von dem Weg her, den ich heute gehen wollte. Der Weg soll sehr matschig sein, was bei dem naechtlichem Regen definitiv auch der Fall sein wird. Erst um 9 Uhr war ich Abmarsch fertig. War ich jemals so spaet dran?

Nach der Besichtigung dieser kleinen Huette...
Beim Blick in die Richtung zum Pass den ich gehen sollte fiel mir die Entscheidung nicht schwer, den Alternativweg zu waehlen. Die Suppe stand geradezu nur dort oben drin und die 400 HM mehr wolte ich nur dann machen, wenn wenigstens Hoffnung auf eine gute Aussicht existiert, aber so machte das keinen Sinn. Gerade bei einem matschigen Boden, der mir schon gestern viel Kraft gekostet hat. Einen Wegweiser fuer den alternativ-Weg fand ich nicht. Ganz im Gegenteil zeigten alle Wegweiser ueberall hin, nur nicht die Strasse runter, bei der nach ein paar Metern der Wanderweg direkt nach dem Fluss abzweigte. Wohl wegen dem Regen war das Wasser eine truebe Bruehe, die wild herunterschwappte. Mit viel Schwingen so wie ich es gern hatte, schlaengelte sich der Weg hoch. Etwas matschig war der Weg schon, aber immerhin musste ich ihn nur raufgehen. Da er durch den Wald fuehrte, war er durch die Wurzeln der Baeume auch gut gefestigt. Pont de Nant konnte ich auch bald wieder sehen, da ich auf dem Hang hochlief, der von der Huette durch den Fluss getrennt ist.

... wurde die Toilette besichtigt - aber nicht aufgesucht.
Von den Baeumen fielen noch vereinzelte Regentropfen herunter. Fuer meine Kamera und meinen Rucksack hatte ich den Regenschutz drauf, weshalb das kein Problem dargestellt hat. Ein kleines Stueck ging es auch ueber einen Feldweg, bei dem bald wieder ein kleiner Pfad abzweigte und ehe ich mich versehen konnte stand vor mir eine Huette und die Wegkreuzung. Die ersten 400 HM waren geschafft. Die Huette schien aber interessant. Man konnte sogar in den ersten Raum rein in dem eine Eckbank stand. Es ist schon schade, dass solche Unterstell- und Uebernachtungsmoeglichkeiten nicht in Karten verzeichnet sind. Wie oft haette ich mir z. B. bei Regen eine solche Unterstellmoeglichkeit gewuenscht. Sogar eine Toilette befand sich um die Ecke. In etwa gleicher Hoehe riss sogar das Wolkenmeer auf und ich sah den Genfer See. Jedenfalls glaube ich, dass der so heisst :-). Im Norden lag der, wo ein Stueck zwischen 2 Bergen herausschaute. Den See konnte ich eigentlich die ganze naechste Zeit anschauen.

Blick auf den Genfer See
Wieder einmal sah ich in weiter Ferne ein Haeuschen und dachte mir, dass das viel zu weit weg waere, als dass es auf meinem Weg liegen koennte, aber fast war das auch der Fall. Nur lief ich oberhalb daran vorbei, nachdem ich an Euzanne vorbeilief. Euzanne haette auch eine Einkehrmoeglichkeit gehabt, aber ich lief einfach weiter. Nach ca. 1 h Gehzeit war es noch zu frueh zum Einkehren.

Der Eierknacker!!!
Ein weiterer Grund faellt mir ein, warum ich nicht gut schlafen konnte: Heftige Bauchschmerzen, die nach einer halben Stunde wieder verschwanden. Das war einfach eine grauenhafte Nacht. Das gemeine am Wanderweg kurz nach Euzanne war, dass eine Art Holztreppe [Um ueber einen Zaun hinweg zu steigen] benutzt werden musste, bei der die Sprossen mit je nur 2 Naegeln befestigt waren. Ist das ein schlechter Scherz?!? Ich wuerde mit meinem Schreien die Bergwacht in 50 KM Umkreis alarmieren, wenn oben beim Druebersteigen eine Sprosse den Halt verlieren wuerde. Zum Glueck hielt aber auch dieses mal dieses Graffl und weiter ging es, immer auf fast gleicher Hoehe.

Liebe, putzig huebsche Esel!!!!
Der Weg kam auf einer Strasse heraus, die direkt nach Javerne ging. Dort war Bauernhof angesagt. Ziegen, Schweine und die von mir so geliebten Esel waren dort zu finden. Der Beschilderung nach La Tourche folgend bemerkte ich, dass das nicht der Weg war, den ich geplant hatte. Ich waere lieber erst rechts den Hang aufgestiegen, um im Anschluss auf dessen Grat zu laufen. Jetzt aber ging der Weg zuerst unten entlang und am Schluss des Talbereichs nach oben. Naja. Egal. Das wird schon seine Gruende haben, warum das so ausgeschrieben war. Unerfreulich an dem Weg waren mal wieder 2 scheiss Dreckskoeter, die auf mich zu kamen und bellten was das Zeug hielt. Erst nach mehrmaligem Geplaerr ihres Herrchen gaben die Ruhe. Wenn man die Viecher nicht im Griff hat, sollte man sie evtl. anketten... oder zu Hot Dogs verarbeiten!

So wirklich schoen war die Aussicht auf dem Grat auch nicht :-(
Am Ende des Tals ging der Weg dann mit ein paar Kehren den Hang hoch. Da es sich um einen Weidebereich handelte, war der Weg auch ziemlich matschig. Schon vor Tagen dachte ich darueber nach, wie schoen es sein mueste, ein Paarhufer zu sein. Einfach eine Kuh. Wenn man keine Lust mehr auf's Laufen hat, bleibt man stehen und faengt das Grasen an. Oben beim Grat angekommen, holte mich auch der Nebel wieder ein und nur wenn das Spaghettiemonster es so wollte, konnte ich durch den kurz aufreissenden Schleier einen Blick nach unten werfen.

Vllt. war's bei diesem Weg wieder gut, dass ich nicht nach unten sehen konnte.
Kurze Zeit spaeter war ich endlich bei der Huette La Tourche, die aber geschlossen hatte. Das wusste ich aber schon. Der Grund war eine totale Renovierung. Das stoerte mich aber nicht sonderlich, da die Sonne heraus kam und ich auf einer Bank Brotzeit machen konnte. Endlich futterte ich die Dose heimatlichen Bratwurstgehacks, das ich seit Leukerbad mit mir herumtrug. Es ist unbeschreiblich, wie gut so ein Stueck Heimat tut! Nach der Pause lief ich noch ein gutes Stueck den Hang entlang, immer auf gleicher Hoehe bleibend. Das gleiche erwartete ich dann auch von dem Weg, der entlang vieler steil abfallender Haenge fuehrte. Teils auf kleinen Wiesen, teils auf Stein kam ich voran, wobei ich meistens rein gar nichts sah. Wie toll. Hinzu kam, dass es immer wieder auf und ab ging. Der Weg waere sicher schoen zu laufen gewesen, wenn ich doch wenigstens ab und zu ein wenig Aussicht gehabt haette :-(. Die Drahtseilversicherung, die ab und zu vorhanden war, brauchte ich auch nie. Diese war wohl fuer das Fruehjahr gedacht, wenn hier und dort noch Schnee liegt.

Allmaehlich riss die Wolkendecke wieder auf.
Wegen der geringen Sicht war ich dann froh, dass dieses Auf- und Abgehatsche endlich ein Ende hatte und genau ab diesem Teil hatte ich wieder etwas Sicht auf den Hang, den ich gleich hoch musste. Doch erst ging es noch etwas herunter, wo ich auch eine nicht bestimmbare Pflanze gefunden habe. Wie alle Pflanzen fuer die ich mich interessiere, sieht auch diese huebsch aus. Vllt. ist es einfach nur eine Wiesenpflanze. Eine einzige Scharfgezackte Kehre befand sich in dem Weg, der knapp 400 HM bis kurz vor die Huette fuehrte. Deshalb wollte und wollte die Kehre auch einfach nicht kommen. Es war, wie wenn die Kehre sich wieder und wieder weiter nach hinten verschieben wuerde. Mit meinen monotonen Hatsch stieg ich so die erste Haelfte hoch und trank erst einmal ein bisschen was. Die Restzeit bis zur Huette verflog schnell. Der Weg war nicht mehr so steil und ein paar Meter vor der Huette schlossen 2 Kehren und 50 weitere HM den Ueberstieg ueber den Pass ab e voila, ich war da.

Die geschuetzt liegende Huette.
Die Huette lag wunderbar versteckt oben im Sattel in einer kleine Mulde und sah schon von aussen [huebsch aus]. Innen kuemmerte ich mich um meinen Durst. Ich habe es mir die letzten Wochen angewoehnt, nur etwas zu trinken, wenn mein Mund trocken wird. Mit einem halben Liter Wasser und Cola stillte ich den ersten Durst. Das Bier darauf machte mich etwas muede (oder war's der Schlafmangel?), weshalb ich zu 2 starken Kaffees und 1 Stueck Kuchen griff. Zur Halbpension gab es Spaghettis mit Fleischsauce und davon soviel man wollte. Genau das Richtige fuer den morgigen Hatsch, bei dem ich vor habe, etwas in die naechste Etappe reinzulaufen um einen 2000 Meter Aufstieg und mehr Unabhaengigkeit vom schlechten Wetter zu erzielen. Mal schaun, ob ich mir das morgen antun werde. Etwas seltsames geht auch mit meinem rechten Daumen vor sich. An einer Stelle an der Spitze ist er wie eingeschlafen. Aber das gibt sich sicherlich bald wieder.