Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Sonntag, 22.8.2010
Tag 75 - Mission gescheitert, Martin lebt
Chialvetta → Passo Rocca Brancia → Pontebernardo → Rosse → Colle di Stau → Prati del Vallone
Es war wirklich noch stockdunkel als ich hochgelaufen bin.
Es ist kurz nach 17 Uhr und ich komme nicht weiter, weil das Rif. Zaetti nur mit Schluessel zugaenglich ist, den ich zurueckbringen muesste. Wie genial. 1 h und ca. 500 HM bin ich jetzt bei der Huette davor, aber das ist auch O.K. Im Vergleich zu Gestern hab ich einiges zurueckgelegt. Leider bin ich aber nur auf ca. 2750 HM nach oben gekommen und ca. 31 km in der Strecke.

Zurueck am Punkt von dem gestern der Weg nach unten abzweigte.
Relativ frueh ging ich ins Bett, naemlich gegen 23 Uhr, nachdem ich noch 2 Folgen einer Serie auf meinem Handy zum Entspannen schaute und mein Bier austrank. 3x 0,66 Liter Bier sollten Heute daran glauben. Vllt. lag's an dem vielen schmackhaften Bier oder daran, dass ich alleine schlafen durfte, aber ich schlief sehr schnell ein, musste aber in der Nacht 1x wohl bierbedingt einmal auf's Klo. Als mein Wecker klingelte, war's draussen noch stockdunkel. 2x schaltete ich ihn weiter, bis ich um 5:20 Uhr aufstand und anfing, meine Sachen zu packen. Nebenher futterte ich anfangs die 2 Marmeladenbrote, die ich mir gestern vorschmierte, danach schmierte ich mir weitere Brote und packelte meinen Rucksack weiter. Meine Morgendurft verrichtete ich wieder mal auf so einem doofen WC, bei dem man in die Hocke gehen musste. Wie sehr ich diese [WCs] hasse!!! Die Thermoskanne zerlegte ich beim Oeffnen so, dass irgendetwas drinnen schwamm. Ich bin aber sicher nicht der Einzige, dem das bisher mit dieser seltsamen Plastikschraube oben drauf passiert ist. Das ganze Aufsteh-Prozedere war mit dem fixen Fruehstueck auch sehr schnell erledigt und um 6 Uhr war ich abmarschbereit.

Ein Gipfel der in der Morgenroete.
Vor ein paar Wochen als ich schon mal kurz nach 6 Uhr in etwa mit den Leuten aus England losmarschiert war, war es deutlich heller. Jetzt aber war es sogar so dunkel, das ich mit meiner Stirnlampe losgelaufen bin.Das ist jetzt doch etwas heftig fuer mich als eigentlichen Spaetaufsteher. Sogar die Sterne waren noch zu sehen! Es war so warm, dass ich nur mit dem T-Shirt losgelaufen bin. Deshalb ging ich auch davon aus, dass es Heute sehr heiss werden wird und hatte damit nicht ganz unrecht. Den Weg nach oben kannte ich zum Glueck schon, denn die Wegmarkierungen waren mit der Stirnlampe sehr schlecht zu erkennen. Aber auch so haette ich ihn wohl gefunden. Es ging bei Abzweigungen eigentlich immer gerade aus. Schon in der Frueh fing ich damit an, mich zurueck zu halten. Nur in ganz gemuetlichem Tempo stieg ich hoeher ohne jemals ausser Atem zu kommen. Sonst stuermte ich bisher immer hoch zum ersten Pass aber heute musste ich mich stark zurueckhalten um genug Energie auf den Tag verteilt verfuegbar zu haben. Seltsamerweise fiel mir heute diese Zurueckhaltung nicht all zu schwer. Mein Koerper schien genau zu wissen, dass er heute leiden wird :-).

Bis kurz vor'm Uebergang konnte ich noch im Schatten laufen.
Nach nur 20 Minuten konnte ich meine Stirnlampe abnehmen. Es war jetzt hell genug. Die Gipfel waren von der Sonne in ein tiefes Rot gehuellt, das genug Licht abstrahlte um die Umwelt zu erhellen. Jetzt standen erst mal die ersten 1000 HM auf dem Programm. Wieder entlang des Flusses, aber dieses Mal aufwaerts, durch das darueberliegende kleine Dorf, vorbei an Viviere, weiter hoch und schon war ich an dem Platz, an dem ich gestern zum weiteren Absteigen abgezweigt bin. Die ersten 350 HM des Aufstieges waren damit erledigt. Nun ging's erst mal auf der Strasse weiter. Lt. Karte sollte ein separater Weg hoch gehen, aber naja. Mich wundert bei der Karte nichts mehr. Aber der Wanderweg war gut ausgeschildert und auch gut markiert.

In der Huette dort unten haette ich auch uebernachten koennen - wenn ich nur eine besser Karte gehabt haette :-(.
Nach ein paar Minuten auf der Strasse entlang des hoehergelegenen Flussteils von vorhin zweigte schliesslich ein Wanderpfad ab, der urgemuetlich nach oben stieg. So lief ich hoeher, hoeher, schaute mir ein bisschen die Nachbarberge an, lief hoeher und freute mich insbesondere darueber, wie angenehm es ist, wenn einem beim Aufstieg nicht die Sonne anscheinte. Diese war naemlich immer noch hinter dem oestlichen Hang versteckt. Kurz unterhalb des Passes durfte ich schon wieder Bunker mit Schiessscharten betrachten, zu denen ich jetzt nicht viel mehr [andersrum] schreiben will. Auf dem Pass angekommen sah ich auch das daruntergelegene Rif. d. Gardetta, das ich bei guten Karten statt der gestrigen Unterkunft angesteuert haette. Jetzt ist es aber zu spaet :-(.

Der Weg zum naechsten Pass rueber.
200 HM fehlten jetzt noch zum naechsten Pass, zu dem ich ueber eine alte Strasse die teils mit Geroell vollbeladen war, rueberlief. Ich vermute mal wieder, dass dieser Weg nur zu einem Grund geschaffen wurde: Schneller Munitionsnachschub. Wie froh koennen wir sein, dass schon die Generation vor mir in Europa in Frieden leben darf und die Bunker ohne Funktion blieben. Der 2-te Pass war schnell erreicht und es begann der langwierige Abstieg. Wieder einmal 1000 HM, die sich quaelend langsam hinzogen. Erst mal musste ich aber nach dem Weg suchen, da bei der ersten Abzweigung keine deutliche Wegmarkierung auszumachen war. Statt den direkten Weg runter zu waehlen, der sichtbar bis zu einem Bunker fuehrte, blieb ich brav und lief weiter entlang einer alten Strasse, wo ich schon bald wieder auf Markierungen stiess und schwupps war ich auf einem absteigenden Wanderweg. Quaelend langsam ging dieser runter - durch eine huegelige Landschaft. Deshalb gab es auch nur wenige Moeglichkeiten, abzukuerzen. An einem See ging's auch vorbei von dem ich wohl gar kein Foto gemacht habe.

Irgendwo ging irgendwie der Weg runter - u. a. ueber diese huegelige Landschaft.
Allmaehlich habe ich schon so viele Seen gesehen, dass mich so etwas nicht mehr bewegt. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen war der Weg auch gut markiert. Eine der Ausnahmen war z. B. kurz nach einer Ruine, nach der ich den Trampelspuren in Richtung Westen folgte. Nur gab es hier weder Markierungen, noch verlief es in die richtige Richtung. Als ich wieder zurueck ging, fand ich doch noch Markierungen. Genauso verlor ich den Weg bei der daruntergelegenen Alm, wo ich links daran vorbei laufen haette sollen, ich aber rechts vorbei lief. Querfeldein gelangte ich aber sehr schnell auf die Hauptstrasse, auf der ich auch auf dem richtigen Weg gelandet waere. Sogar hier unten wurde ich noch vom Anblick vieler Schiessscharten verfolgt, die im Felsen zu sehen waren. Staendig musste ich nicht auf der Strasse laufen. In der "Schlucht" verlief auch einmal ein Weg neben der Strasse und natuerlich nahm ich bei jeder Kehre der Strasse die direkte Abkuerzung [quer durch Gestruepp].

Wieder auf der anderen Seite oben beim naechsten Uebergang mit der stacheligen Spitze.
So war ich schnell in Pontebernardo um ca. 11 Uhr, dem Etappenziel. Bevor ich gleich zur naechsten Etappe startete, wollte ich aber etwas zu Essen und trinken bekommen. Die GTA Einkehr fand ich sehr schnell, allerdings war dort kein Schwein anzutreffen. Eine weitere Einkehrmoeglichkeit hatte dann noch nicht offen und zu meinem Erfreuen fand ich dann ein Hotel, das schon ausschenkte. Dabei stellte sich heraus, dass das Hotel der GTA Einkehr angegliedert war. Hmm... wohl eher anders herum. Dort bestellte ich mir einen Liter Mineralwasser und eine Cola. Weder gab es Orangen- noch Apfelsaft. Zum Essen bekam ich ein leckeres Salami-Kaese Sandwich.

Einfach herrlich.
Nach einer halben Stunde Erholung ging's schon wieder weiter. Auf der Strasse von der ich hergekommen bin, ging ich ein kleines Stueck zurueck, da dort der Wanderweg hoch ging. Schoen schattig unter Baeumen ging's erst mal hoeher. Mir fallen gleich die Augen zu. Ich bin total kaputt! Es ist gerade erst mal 22 Uhr! Der Weg war meistens sehr gut mit "gta" Schildern beschriftet. GTA sehe ich als kleinen Bruder der Via Alpina, da dieser Weg nur von der Schweiz runter ans Meer fuehrt. 2x verlor ich den Weg, aber fand ihn nach etwas Suchen gleich wieder.

Pause im Schatten.
In einer halben Stunde wird hier [also hier, wo ich gerade schreibe] das Licht ausgemacht! Deshalb die Kurzfassung: Zum Grossteil ging's schattig unter Baeumen hoeher. Es war aber auch so sackrisch heiss. Desdo weiter ich aufstieg, desdo mehr konnte ich von meinem vorherigen Abstieg auf dem gegenueberliegenden Hang sehen. Wieder mal kam ich bei Befestigungsanlagen vorbei. Der erste Uebergang dieser Etappe war schnell erreicht, wo sich ein paar Leute von der Sonne brutzeln liesen. Ein Hund kam auch zu mir hergelaufen und schleckelte meine wohl vom Schweiss salzige Wade ab! Dann ging's runter. Eine wunderschoene Landschaft durchwanderte ich.

Die Kerle, die mit Pferdal wandern/reiten gehen.
Am tiefsten Punkt bei einer Bruecke angelangt war ich froh, dass eine HM Angabe in dem VA Guidebook falsch war. Das ersparte mir 300 HM. Der Weg verlief aber weiter ohne die Bruecke zu ueberqueren und zog schon bald sehr steil an. Nach gefuehlten 300 HM machte ich Pause unter einem der letzten Baeume. Das restliche Toastbrot, der Kaese, das Mineralwasser und etwas Schocki glaubten dran. Den kaputten Schnuersenkel reparierte ich mit einem Knoten, der die Aussenschicht verknotete. Jetzt ist er zwar um einige cm kuerzer, aber so passt das schon. Weiter ging's zum quaelenden weiteren Anstieg. Vom Pass kamen mir Leute mit Pferden entgegen! Auf dem Weg nach oben kurz vor dem Pass lag auch ueberall Stacheldraht verteilt. Zefix! Scheiss Zeug. Das koennte man mal wegraeumen. Oder auch nicht. So werden mehr Leute mit der Thematik konfrontiert.

Ueber dem Pass gab's wieder einen herrlichen Ausblick - leider auch auf das, was mir noch bevorstand.
Vom Pass ging's wieder mal sackrisch runter. 1000 HM. Jede Abkuerzung nahm ich und war dann unten bei der Einkehr um Fluessigkeit zu tanken. 2 Cola und ein Multivitaminsaft wurden es. Meine Trinkblase war bis auf einen kuemmerlichen Rest auch leer. Dann fragte ich, ob das Rif. Zanotti offen ist in der Hoffnung, dass fuer mich angerufen wird. Da stellte sich heraus, dass das Rif. nur mit Schluessel zugaengig ist und ich den Schluessel hier her zurueckbringen muesste. Mist! Umsonst Cola getrunken! So blieb ich hier, duschte mich, wusch Waesche und plante die naechsten Etappen. Als Essen gab es zuerst Suppe, dann Kaese mit Bohnen und einen Scheissdrecks Polentabrei den ich stehen liess. Nachspeise waren Kekse. Das Ganze war sehr schlicht, aber gut. Die HP soll hier mit Uebernachtung nur 24 € kosten. Ich bin gespannt, ob das stimmt. Morgen stehe ich wieder sehr frueh auf. Auf 6 Uhr bestellte ich mein Fruehstueck.

Unten sieht man das Endziel fuer heute. Den sackrisch steilen Hang mit den Baeumen musste ich am Tag darauf hoch.
Im Gegensatz zu Heute will ich morgen auch nicht gemuetlich loswandern sondern schnell starten, um 2,5 Etappen durch zu bekommen. Meine Fuesse schmerzen im uebrigen immer noch. Es war Heute doch sehr viel. Es ist irgendwie heftig, dass man jetzt am Schluss kurz vor dem Ende noch ueber sehr viele, sehr hohe Paesse gehen muss.