Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Freitag, 25.6.2010
Tag 17 - 1,5 Etappen, Teil 2 oder "Im Kreis gehen"
Biberacher Huette → Oberlutalpe → Buchboden → Blons → St. Gerold (Gasthof Kreuz)
Das Tal der kommenden 2 Tagesetappen
So. Endlich in St. Gerold. Das war heute ein ziemlicher Hatsch, da wieder 1,5 Etappen anstanden. Nachdem ich Gestern noch nach 10 Uhr an meinem Bier genippelt hab, packte ich meine Sachen und zog von der Gaststube aus, um der Wirtin die Tuer zusperren zu lassen (Sie draengte mich dazu zu keinem Zeitpunkt! [ich wollte sie aber nicht von ihrem Schlaf abhalten]). Draussen rauchte ich noch ruhigen Gewissens eine Zigarette und trank mein Bier aus. Das hatte ich mir heute wirklich verdient! Nach dem Zaehneputzen ging es dann ins Matratzenlager. Die Ohrenstoepsel steckte ich mir auch schnell rein, als Horst und Ivan zu saegen anfingen. Dieses Mal brachten die Stoepsel aber nicht viel, weil irgend ein Schnarcher seinen Bassverstaerker aktivierte. Mitten in der Nacht musste ich auch noch den rechten Ohrenstoepsel herausnehmen, weil er zu Jucken begann. Zu ein bisschen Schlaf bin ich dann doch noch gekommen und stand um 7:30 Uhr auf. Horst und Ivan waren auch schon wach. Als Fruehstueck gab es fuer mich eine Kaminwurz und 2 Scheiben Knaeckebrot, was ich mir in Oberstdorf gekauft hatte. Das reichte dann auch.

Huebscher Fels
Nach Verabschiedung von der Wirtin ging es dann auch los. Es war kurz nach 8 Uhr. Aus irgendeinem Grund ist Ivan noch nicht losgelaufen, aber was soll's. Laut der Wanderkarte waren es aber nur ein paar HM hoch, bis es runter ins Tal ging. Zuerst folgte ich dem Weg entlang eines Hanges, bis ich an die erste Kreuzung kam. Statt direkt nach Buchboden abzusteigen was deutlich schneller waere, folgte ich brav der Via Alpina, die rechts weiter hoch fuehrte, bis zu einer kleinen Huette. Auch dort folgte ich nicht dem Weg direkt nach Buchboden sondern ging weiter geradeaus. Dieser Weg fuehrte noch weiter hoch ueber ein kleines Joch, in dem ich von der Ferne Schnee sehen konnte. Mein einziger Gedanke war: "Hoffentlich ist dahinter kein Schnee". Meine Befuerchtungen erwiesen sich zum Glueck als ueberfluessig und der Weg fuehrte Schneefrei aber auf etwas glitschigen Wegen wieder 50-100 HM runter. Das schoene an diesem Weg ist, dass man schoene Ausblicke auf andere Berge und Schneemassen in gleicher Hoehe hatte. Wieder fuehrte eine Abzweigung direkt nach Buchboden hinunter. Nein! Geradeaus ging es weiter und runter um danach wieder hoch zu gehen. Von der Ferne sah ich doch noch ein kleines Schneebrett, das ueberquert werden wollte. Vor Ort sah ich dann, dass es darunter etwas ausgehoehlt war [als ich bei der Umgehung darunter stand]. Zwar war es nur 15 Meter breit, aber weder ich, noch Horst hatten Lust dort einzubrechen. Die Loesung lag 20 HM darunter, bei der die Sonne schon volle Arbeit geleistet hatte [damit war der Weg schneefrei]. So wurde auch diese Passage sicher ueberquert. Nur die 20 HM hoch waren wg. Geroell etwas schwer. Danach ging es schon wieder hoch und endlich hatte das 100 HM auf und ab endlich ein Ende. Der Weg verlief jetzt auf einer Schotterstrasse. Ein Murmeltier gab es auf dem auf und ab Weg auch zu sehen. Total putzige Viecher! Bald war die Oberlutalpe in Sicht, bei der es gleich weiter ging, weil keine Einkehrmoeglichkeit existierte. Gleiches bei der Unterlutalpe, die etwas tiefer lag. Um den Hatsch auf der Strasse zu umgehen, beschloss ich hier und da, direkt ueber Wiesen abzukuerzen. Da schon wieder der Wanderweg bei der Unterlutalpe zugewuchert und unverfolgbar war, ging der Hatsch weiter bergab ueber die Strasse. Schon bei der Bieberacher Huette konnte man bis nach Feldkirch schauen (glaube ich jedenfalls [im nachhinein nicht mehr :-)]). Jetzt brauchte ich 2 Tagesmaersche, um dorthin zu gelangen und jede Kehre und jeder Schritt brachte mich etwas naeher.

Der Weg entlang des Flusses im Tal
In Buchboden sah ich dann wieder Ivan vor dem Hotel Kreuz stehen... Seltsam... Wie kommt der denn her? Der ist doch erst nach uns losgelaufen... Der hat doch tatsaechlich die Abkuerzung genommen! Aber wenn ich an seiner Stelle waere, haette ich es wohl auch so gemacht, da die Abkuerzung eine gute Stunde einsparte. Horst und ich kehrten dann zu Mittag beim Hotel Kreuz ein, um uns Kaesespaetzle und einen Salat zu teilen. Danach folgte die Via Alpina weiter dem Walserweg. Nach einem kleinen Abstieg zum Lutzbach folgte der Weg oder besser gesagt die Schotterstrasse diesem zur rechten Seite. So kamen wir sehr schnell voran. Dann ueberquerten wir den Weg ueber eine Bruecke und folgten dem Fluss zur linken Seite, bis dieser auf eine Landstrasse stiess. Links ging diese hoch und nach rechts herunter ueber eine Bruecke. Laut Karte geht die Via Alpina aber hoch! Also doch noch mehr Hoehenmeter... Heute hatte ich schon ueber 1300 HM runterwaerts und ca. 300 HM aufwaerts hinter mir. Aber es hilft ja nix. So ging es weiter die Strasse hoch, bis ich eine Hilfskraft sah, die Heu von der Strasse zurueck auf das gemachte Feld befoerderte. Diese meinte, dass es auch einen Weg entlang des Flusses gibt, aber auch einen oben herum. Diesen obigen Weg hatte ich in meiner Karte auch als Via Alpina markiert, weshalb es auf dem Asphalt weiter nach oben ging bis ein Wanderweg rechts abzweigte. Bei dem Taefelchen war auch angeschrieben, dass der Weg nach Sonntag gesperrt waere. Dieses Sonntag lag in der Naehe von der Bruecke bei der der untere Weg abgezweigt haette. Ein gleiches gesperrt Schild stand auch an der Abzweigung, die den "unteren" Weg mit dem "oberen" zusammen fuehrte. Nochmal Glueck gehabt, dass meine Faulheit nicht siegte :-). Bald darauf kamen wir bei Garsella heraus und ueberquerten den Fluss erneut zur rechten Seite und auch das letzte Mal fuer heute. Vorbei am Cafe Jenny, das leider geschlossen hatte, ging der Weg bald wieder mit einem kleinen Wanderweg herunter, durch ein kleines Stueck Wald hindurch und verlief weiter auf einer kleinen Strasse, deren Ende ein riesiger Misthaufen war. Immerhin war ein Schild zu sehen "Walserweg", nur zweigten 2 Wege ab. Dieses Mal wurde aber der untere Weg genommen, der in einen schoene gruene und zum Glueck gemaehte Wiese endete, die leider eine ordentliche Steigung hatte. Da Blons, das Dorf vor der Entstation St. Gerold, schon sichtbar war, wurde eben ueber die Wiese gelaufen, was wg. der Steigung sehr anstrengend war. Weiter oben schien nach einiger Zeit auch eine Strasse zu verlaufen. Statt sich nun weiter ueber die Wiese zu quaelen, quaelte ich Horst bergauf. Er war mittlerweile schon ziemlich fertig, so dass auch 30 HM sehr strapazioes waren. Die Strasse war goldrichtig und weiter ging es leicht bergab. Nach ein paar Minuten konnten wir auch wieder Ivan treffen, der etwas kaputt auf einer Bank sass. Wir gingen aber schnell weiter, schliesslich waren wir kurz vor dem Ziel fuer heute. Vllt. nur noch 1/2 bis 1 h war zu gehen.

Die Wiese ohne Wanderweg
Wieder weiter runter mit der Strasse fragte Horst doch glatt Leute von einer Privathuette (Lechelhuette), ob sie 2 Bier verkaufen wuerden! So ein Alki! So kamen wir auch zu einer Weghalbe :-). Ich glaube aber, dass Horst allmaehlich sehr fertig war. Bei mir ging es noch etwas, aber bei mir wurde auch sehr bald das Quaelen anfangen. Nach einer guten halben Stunde Pause brachen wir dann wieder auf - zusammen mit Ivan, der uns wieder eingeholt hatte. Noch einmal durch den Wald und wieder knapp 100 HM hoch waren wir dann auch in Blons und liefen gleich wieder die Strasse runter um rueber nach St. Gerold zu kommen. Laut Karte fuehrte auch nur ein Weg ohne Abzweigung rueber, also folgte ich einfach den Markierungen. Die Strasse muendete in einem Wanderweg, welcher schon bald scharf nach rechts durch Markierungen angezeichnet rechts abknickte und steil nach oben ging. Horst und Ivan folgten mir ohne Widerspruch. Wirklich zaeh ging es hoch. Erst durch einen kleinen Waldteil, dass seitlich einer Wiese, auf deren Seite Baeume wertvollen Schatten spendeten. Mein linker Arm wird naemlich von Tag zu Tag roter, sodass ich den roten Teil des Arms sogar schon von der Sonne weg wende, um die andere noch weisse Seite etwas zu faerben. Nach dem Wiesenhatsch sah ich ein Haus mit einem Schild "Hausnummer 5, Blons". Ja ZEFIX!!! Jetzt sind wir im Kreis gelaufen! Beim genaueren Blick in die Karte wurde klar, warum. Wer auch immer die Kompass Karte erstellt hat, hat 1. mit einer Via Alpina Tafel und 2. mit einem fetten ueber die halbe Wanderkarte sich erstreckenden Textes den Weg bis auf ein kleines rotes Fleckchen ausradiert. Tolle Leistung. Jetzt war's mir aber auch egal. Nochmal runter geh ich nicht mehr.

Die Waeschestaenderlampe
So ging es gute 20 Minuten weiter ueber die Hauptstrasse bis zum Gasthof Kreuz. Eigentlich haette ich Heute gerne ein Einzelzimmer gehabt um endlich mal ruhig schlafen zu koennen, aber Ivan wollte sich nicht mit Horst ein Zimmer teilen. So waeren die 2 Schnarcher mal vereint gewesen! Da aber nur noch ein Einzelzimmer frei war, opferte ich mich, beim Saegewerk Horst zu schlafen... nein... schlafen wohl eher nicht :-(. Heute wurde auch mal wieder richtig Waesche gewaschen. Unter der Dusche stand ich auch ganze 20 Minuten. Heisses Wasser. Da fuehlte ich mich wie neu geboren. Zu Essen gab es heute etwas besonderes! Grosser Salat mit Putenbruststreifen. Dazu eine A-Schorle. Vielleicht bringt das meinen Nachbrenner zum Stoppen.

Ivan scheint ausschliesslich mit GPS zu navigieren, was ich nicht verstehen kann. Man laeuft die Via Alpina doch auch, um dem Alltag zu entfliehen und vor allem dem technischen Zeug. Jedenfalls bei mir. Mit GPS zu laufen ist dann so wie ferngesteuert herumzulaufen. Vor allem bekommt man von der Gegend weniger mit. Ich kann so etwas nicht verstehen...

Der kleinere Zehernagel, den ich mir am ersten Tag schon angeschlagen hatte, wird immer blauer. Weh tut er zwar nicht, aber es wird vllt. noch interessant, was dabei herauskommt.