Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Freitag, 23.7.2010
Tag 45 - Deprimierendes Warten
Robiei → ... → Robiei
Der Damm mit dem haesslichen Hotel
Heute ist mal so ein Tag, wie er nicht beschissener sein koennte. Mir wurde gesagt, dass das Wetter Nachmittags besser werden sollte. Deshalb bin ich extra spaet aufgestanden. Meinen Wecker stellte ich dazu immer eine halbe Stunde weiter, schliesslich regnete es immer noch draussen. Gegen halb 8 Uhr beschloss ich dann doch aufzustehen. Langsam packte ich meine Sachen, die im Haus verteilt waren. Die eine Haelfte inkl. Rucksack im Trockenraum, der ganze Kleinkram bei mir im Zimmer. Ich bekam eine kleine Kammer mit einem Stockbett. Genau das Richtige fuer mich. Gegen 9 Uhr ging ich dann runter zum Fruehstueck, wo frisches Brot, Marmelade und Streichkaese auf mich wartete, dazu noch eine Schokomilch.

"Etwas" neblig war's schon ab den ersten Metern Aufstieg
Bis auf meine Schuhe war auch alles trocken, aber in die Schuhe musste ich auch so rein, sonst laeuft's sich in den Bergen schlecht. Den Regenschutz fuer meinen Rucksack packte ich auch gleich drueber und startete kurz vor 10 Uhr durch. Die Wolken hingen sehr tief, so dass ich sicher schnell mitten in der Suppe stecken werde. Wie erwartet befand sich 5 Minuten von der Huette entfernt ein wirklich haesslicher Platz. Ein Staudamm, viele Strommasten und das haessliche Hotel. Zumindest vom Hotel haette ich mir mehr erwartet. Der Wanderweg ging sehr schnell hoeher mit einer grossen Steigung. Schon bald befand ich mich mitten in der Suppe und konnte mich nur an den Weggabelungen orientieren. Die ersten 400 HM hatte ich schnell heruntergebrochen. Bisher war bis auf Nebel nicht viel los. Ab und zu hoerte ich ein leichtes Rumoren im Himmel. Dann machte der Weg ploetzlich einen Knick. Davon steht aber nichts in der Karte! Trotzdem ging ich den Weg weiter. Nach ein paar Minuten knickte dieser wieder in meine Wunschrichtung ab. Genau an dieser Stelle fing es an, wie aus Eimern zu giessen. Also zog ich wieder einmal meine Regenkluft an und lief weiter. Das Rumoren wurde auch lauter, was mich noch nicht sehr stoerte.

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Bei 2 kleinen Steinhaeuschen kamen mir 2 Angler entgegen, die ihr Glueck wohl an dem etwas hoeher gelegenen See versuchten. Diese meinten, dass es dort oben keine Huette o. ae. gibt [Der Tonfall in dem mir das gesagt wurde war schon mehr als eine Warnung]. Ja. Das war mir auch klar, aber in 1 h waere ich ueber die Problemstelle hinweg. Genauso lange muesste ich jetzt wieder absteigen. Also lief ich weiter und nahm meine Kapuze ab, um das Donnergrollen besser deuten zu koennen. Nach guten 15 Minuten gab es dann nicht mehr viel zu deuten: Es schepperte ordentlich aus allen Richtungen und ich stuermte los - aber bergab. Das ist es mir doch nicht wert. Den Abstieg schaffte ich sehr schnell, haute mir dabei aber 1x das Schienbein sakrisch an, so dass es sogar etwas blutete wie ich bei der Huette feststellte. Das Hotel kam fuer mich als Uebernachtungsmoeglichkeit nicht in Frage und bei der Huette wunderte es den Wirt nicht, dass ich umgekehrt bin. Was fuer eine Scheisse! Laecherliche 250 HM haetten mir noch zur Ueberschreitung gefehlt. Geblitzt hat es auch nicht, aber das konnte niemand wissen. So war es auf jeden Fall sicherer.

Das Gleschergebiet, das ich erblicken konnte.
Jetzt sitze ich hier herum und schaue alle paar Minuten zum Fenster raus, aber die Suppe verzieht sich einfach nicht. Ich bin einfach nur deprimiert, dass ich diesen 4h Kinderhatsch nicht hinter mich gebracht habe. Diese Wartezeit ist einfach nur deprimierend. Ab und zu kommt sogar die Sonne heraus! Es ist gerade auch erst halb 6 und ich hab noch 4 1/2 Stunden tot zu schlagen, bis Huettenruhe ist :-(. Und jetzt ist es 19:45 Uhr. Die Zeit schlage ich mit Zeitung lesen tot. Zum Essen gab es als Vorspeise erst einmal wieder Gemuesesuppe. Ich bekam dann als Hauptspeise Nudeln mit Fleischsosse. Alle anderen Polenta mit Gullasch. Das freute mich schon, dass die Huettenleute an mich dachten und mir vor allem nicht schon wieder meine ach so geliebte Polenta vorsetzten. Die Nachspeise bestand aus kleinen Ananasringen und Sahne. Das Fruehstueck werde ich morgen um 7 Uhr machen um frueh aufzubrechen. Wenn ich morgen wieder hier stecken bleibe, werde ich wahnsinnig. Ich glaube zwar nicht, dass es klappt, aber wenn morgen alles gut laeuft, koennte ich es bis nach Ulrichen schaffen und haette die Etappe wieder reingelaufen. Aber das klappt nur bei besonders schoenem Wetter. Das ist fuer morgen zwar gemeldet, aber in den Bergen ist das ja immer so eine Sache... [So wie heute]. [Was ich gar nicht erwaehnte war der Ausblick auf ein im Nebel auftauchender, in der Ferne liegender schneebedeckter Berg am Punkte meiner Umkehr. Das Ganze machte mir auch unheimlich Angst, da der Schnee auf gleicher Hoehe wie meine aktuelle Position war. Nur wusste ich erst spaeter, dass ich dabei auf einen Gletscher schaute.]