Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Dienstag, 15.6.2010
Tag 7 - Easy Hatsch
Meilerhuette → Schachen → Bockhuette → Reintalangerhuette
Die Meilerhuette von weiter unten am morgen
Heute war ein ziemlich cilliger Tag. Gegen 9 Uhr stand ich auf. Fast, weil ich natuerlich wieder Funktion von meiner Snooze Funktion machte sodass es 10 nach 9 wurde. Die Sachen waren schnell gepackt. Verfrachtet wurde ich ja alleine ins Matratzenlager, sodass ich bis auf einmal Bier wegbringen und bissl Sturm einen sehr erholsamen Schlaf hatte. Im Gastraum angekommen war ich sehr erfreut ueber meine trockene Hose, die noch am spaeten Abend sehr durchfeuchtet war. Meine Rucksackriemen haben mittlerweile auch den typischen Schweissgestank angenommen, genauso wie alles andere von mir. Wuah. Es wird Zeit, dass ich mal wieder in eine Unterkunft komme, in der ich alles gruendlich reinigen kann. Solange ich mich bewege und der Wind von vorne kommt, geht's ja noch aber wenn ich meinen Rucksack abnehme........ Wobei Tripple F alles uebertrumpft!

Das Schachenhaus und Schloss bei "freier" Sicht
Im Gastraum angekommen packte ich erst mal meine Sachen etwas besser zusammen, holte die Regenschutzsachen, befestigte den Regenueberzug an meinem Rucksack, zahlte ohne ein Fruehstueck zu nehmen und hoerte draussen, wie die Wirtin einem sagte, er moechte beim Schachen schoene Gruesse ausrichten. Ah! Perfekt! Ein vermeintlicher Wegbegleiter? Gleich fragte ich ihn, ob wir vllt. zusammen gehen und schon war ich bis zum Schachen nicht mehr alleine. Vor allem nicht bei dem verfluchten Schneefeld! 10 Minuten spaeter stand ich auch an dem Ort, an dem ich ratlos den Weg suchte, mit der Meilerhuette in meinem Blickfeld. Ein herrlicher Anblick, wenn man ihn geniesen durfte. Ich konnte mich vom letzten Mal gar nicht mehr so recht an die Huette erinnern. Sie stand wie ein Koloss, wie eine Burg die erobert werden will. Gleich danach stiessen wir auf das Schneefeld, welches nun in seiner ganzen Pracht vor mir lag. So gross erschien es mir gar nicht mehr, da ich jetzt die Raender erblicken konnte. Dieses Mal fuehrte mein Weg aber nicht mehr quer durch, bedingt durch den damaligen Nebel, sondern erst seitlich ueber ein Geroellfeld um dann fast waagerecht ueber den Rest des Schneefeldes wieder auf den urspruenglichen Weg zu gelangen. Endlich hatte ich den Ausblick, den ich mir gestern gewunschen haette. Ein paar Minuten spaeter verschwand dann auch die Meilerhuette hinter einem Berg, aber nicht endgueltig. Von oben konnte ich naemlich die Holzhuette von Koenig Ludwig sehen, was ja neben dem Schachen steht. Schritt fuer Schritt ging es dann weiter hinunter zum Schachenhaus, das endlich auch von der Ferne aus zu sehen war und schon bald betraten wir die Gaststube. Zeit fuer Fruehstueck! Ich uebernahm Peters Idee, Spinatspaetzle zu essen. Hmmm... die waren lecker. Spaetzle mit Spinat und Kaese! So gestaerkt aergerte ich mich noch ein bisschen ueber die Schildkroete, die aus ihrem Versteck unter dem Kamin gekrochen kam und sich schon wieder zurueckziehen wollte. So schnappte ich sie, legte sie beim Kamineingang wieder ab und legte vor ihr Salat hin, den sie auch schon bald anfing, zu fressen. Total putzig und furchtbar langsam.

Die Meilerhuette von weiter unten am morgen
In der gestrigen Nacht, als ich zum Bierwegbringen aufstand spuerte ich auch wieder meine Sehne oben am Fuss und hoffte, dass es mit dem Abstieg problemlos klappt. Bisher ist das so und sollte auch noch bis ins Reintal anhalten. Nach einer Stunde ging's dann weiter. So recht wusste ich nicht, wie ich mich anziehen sollte. Ein bisschen nieselte es, aber nicht genug, um mich dicht einzupacken. Nur der Rucksack und die Kameratasche wurden verpackt. Die Zipperhose zog ich auch in der "Langform" an, allerdings auch das kurze T-Shirt. Ein Long-Sleeve Shirt waere auch nicht schlecht im Gepaeck zu haben. Jetzt ist es aber zu spaet. Ausserdem wird es weiter unten normalerweise auch waermer. Vor dem Abstieg ging ich aber nochmal zur Ludwig-Huette, um von dort aus die mittlerweile winzig kleine Meilerhuette zu sehen und mich auf diese Weise von ihr zu verabschieden. Dann ging's ueber zum Abstieg, welcher schon auf der Karte unmenschlich aussah. Gerade noch, dass die Hoehenlinien reinpassten und nicht weggelassen wurden, schlaengelte sich der Weg in Zick-Zack Kurven herunter. Anfangs fand ich die Drahtseilsicherungen an vielen Stellen schlicht ueberfluessig, spaeter benutzte ich doch ein paar davon, als es auf abgetretenen Steinen steil bergab ging. Immerhin waren meine Sohlen, genauso wie der Rest des Weges einfach nur nass. Die ganze Zeit nieselte es auch leicht. Das was mich am Abstieg aber am meisten nervte waren die Hubschrauber, die staendig um mich herumkreisten. Die Wirtin von der Meilerhuette meinte schon, dass das Militaer Uebungsfluege macht: Immerhin besser als ueber mir schwebende Todesengel in Form von Gondeln! Mit den Schuhen hatte ich jetzt auch die Moeglichkeit herauszufinden, ob diese auch etwas fuer den Abstieg taugen. Der Umstieg auf die bunten Teile von der Firma Scarpa haben sich bisher echt rentiert. Die trocknen auch sehr schnell. Ich bin gespannt, wann wir bei denen das Innenfutter reisst [Das ist mir bei saemtlichen bisherigen Wanderschuhen passiert]. Hoffentlich gar nicht! Ich koennte mich nicht daran erinnern, wann ich schon mal so einen steilen Abstieg von aehnlicher Laenge hatte. Nach einiger Zeit hoerte ich auch Stimmen, die sich bald als Ue 60 Wandergruppe entpuppte. Wenn ich mal so alt bin, will ich auch so fit sein. Lustig und fidel hatschten die da einfach den Berg hoch.

Die Schildkroete im Schachenhaus
Dann kam ich endlich an die Abzweigung ins Reintal. Von da an wusste ich, dass die Steilheit ein Ende hatte. Einziges Problem: Der Partnachfluss erschien mir immer noch so klein, wie wenn ich nur 100 HM geschafft haette, aber 400 waren's laut Karte schon. Weitere 400 wollten noch totgeschlagen werden! Und weiter ging es entlang des Reintalbaches, der in scheinbar unendlich vielen Wasserfaellen nach unten rauschte. Nach einigen weiteren Schleifen und schnellerem Tempo, da der Weg jetzt locker leicht begehbar war, kam ich bei der Bockhuette raus, welche leider unbewirtschaftet war. Gleichnamiges Bier haette bei den _unglaublichen_ bevorstehenden 300 HM Rueckenwind gegeben. Doch so hatschte ich eben einfach so weiter, traf noch ein paar andere Wanderer/Touristen, die sich auf den Weg zurueck nach G-P machten und lief so vor mich hin. Natuerlich genoss ich auch den herrlichen Ausblick auf die umzingelnden Gebirge, was immer noch haeufig mit Schnee bedeckt war, aber auch den Anblick des glasklaren Bergwassers der Partnach. Ach ist das hier schoen! Nur der Weg war eine Autobahn. Da faellt mir ein, dass ich schon wieder viel zu viel Muell schreibe. Aber was soll's. Besser als hier doof herumzusitzen. Bei dieser Gelegenheit moechte ich mich auch selbst gruessen und mir viel Spass beim Abschreiben mit dem PC wuenschen [Dank an mich zurueck, dass ich den ganzen Muell jetzt abtippen kann :-(]! Immer weiter entlang der Partnach in einem leichten auf und ab, aber insgesamt staendigen auf. Bald erreichte ich auch eine nette Bank, die mich anlaechelte. Bei dieser entschloss ich mich dann zu einer kurzen Rast. In meine Trinkblase schmiss ich mir sozusagen als Belohnung eine Brausetablette und schluerfte vergnuegt an dem Nuckelteil, welches mir eine gewisse Susi mit dem Nuckeln eines Babys an der Brust der Mutter verglich. Daran muss ich jeden Wandertag mind. 1x denken! Auf der Bank blieb ich eine halbe Stunde sitzen.

Der Weg zur Reintalangerhuette
Gerade spielten 2 Jungs von der Huette (vllt. war auch der Wirt einer von beiden) bissl Musik. So laesst es sich hier um so mehr aushalten! Nur ein Problem: Die wollen mich hier um 6:30 Uhr aus dem Bett schmeissen!!! AAAAAHHH! Aber mei. Man muss es nehmen, wie es kommt. Zurueck zur Ausruhbank. Irgendwann hatschte ich dann weiter. Die Autobahn war mittlerweile teilweise mit Stahllochblechen ausgelegt. Nicht sehr einladend, aber was soll's. Dann sah ich auch den Wasserfall zur linken, der lt. Peter ausschrieb, dass die Huette nur noch 10 Minuten weg sein sollte. Auf dem weiterem Weg konnte ich auch noch andere Wasserfaelle bewundern. Z. B. einen zu meiner Rechten, der von irgendwo her ueber viele Steilplatten herunterprasselte. Noch 2 Kurven, dann stand ich vor der Reintalangerhuette, wunderschoen bei einem stillen Stueck des Flusses gelegen. Trotz fehlender Sonne und stark bewoelktem Himmel standen Liegestuehle herum :-). Tibetische Gebetsfahnen waren auch zu sehen, wie ich sie auf meinem alten Balkon haengen hatte. Bis zum Auszug. Gestern schrieb ich auch ins Huettenbuch der Meilerhuette beim Feld Wohnsitz "Obdachlos" rein, was momentan auch sehr zutreffend ist. Natuerlich kann ich immer zu meinen Eltern, aber effektiv bin ich jetzt wirklich obdachlos - ein Penner unterwegs von Muenchen nach Monaco :-D.

Die "Band" in der Reintalangerhuette ;-)
Bei der Huette angekommen verbrachte ich noch einige Zeit draussen um mein Tagebuch weiter zu schreiben. Ab und zu kaempfte sich auch die Sonne durch die Wolkendecke und spendete wohltuende Waerme. Dann ging ich doch wieder rein, um bald wieder mit der Dose Fruehstuecksfleisch und Knaeckebrot raus zu gehen. Das trug ich schon seit 5 Tagen umher! Aber ich schaffte nur die halbe Dose, dann ging nix mehr rein. Das muss unbedingt morgen weg, sonst kann ich's wegschmeissen. Auf der Huette traf ich auch Leute, die einen Alpen-Cross machen von G-P nach irgendwohin. Geeeeenau. Als ob G-P _vor_ den Alpen liegt. Sollen die halt gleich ueber den Brenner laufen. Hauptsache, die reden alles schoen. Sowas verstehe ich nicht. Z. B. wuerde Murnau sicher vor den Alpen oder auf der Grenze dazu liegen.

Das Bergsteigeressen hat hier auch gepasst. Es war kein Gaumenschmaus, aber soweit ganz gut: Eine Portion Nudeln mit einer Scheibe Schweinebraten und Sosse. Schon ganz lecker, aber sehr schlicht. Wg. meinem vorherigen Fruehstuecksfleisch blieben aber ein bisschen Nudeln uebrig. Geduscht habe ich mich heute auch noch. Diese Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen. Wer weiss, ob die naechsten Huetten eine Dusche o. ae. bieten. Den scheiss Pickeln oder was auch immer das ist, tut das auch gut. Mittlerweile sind diese am Abklingen. Der Trockenraum ist auch richtig warm. Noch zur Dusche: Das ist die erste, bei der der Minutenzaehler unterbrochen wird, wenn man das Wasser abdreht. Sonst laeuft der immer weiter. Auf diese Weise konnte ich auch in aller Ruhe meine langen Zotteln schampoonieren.