Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Dienstag, 24.8.2010
Tag 77 - Viel See, viel Cola, viel Essen, viel Fussschmerz
Rif. Malinvern → Colletto di Valscura → Rif. Questa → Terme di Valdieri → Rif. Morelli-Buzzi → Colle del Chiapous → Rif. Genova Figari
Rueckblick auf die Huette und den bisherigen Weg meines Aufstieges.
So. Auch wenn ich erst um 17:30 angekommen bin, war's ein gemuetlicher Hatsch. Viele gut gezielte Pausen, nicht ganz soviel HM, viele Einkehrmoeglichkeiten. Aber auch ein Entschluss, nie mehr so viel wie gestern zu laufen, weil's mir einfach dreckig ging, doch dazu mehr in spaeteren Zeilen.

Gestern Abend wurde ich in's Bett gezwungen, weil die Gaststube abgesperrt werden musste. Im Zimmer ging ich dann statt weiter zu schreiben einfach in's Bett. Einschlafen konnte ich aber nur nach einiger Zeit, da mir immer noch die Fuesse pochten. Um 6 Uhr klingelte dann der Wecker. Meine Guete, fuehlte ich mich niedergeschlagen. So fertig war ich vllt. erst nach 8 Bier aber noch nie vom Wandern! Und der halbe Liter Wein gestern war sicher auch nicht daran schuld. Die halbgefuellte Trinkblase belies ich in ihrem Zustand, weil es unterwegs genug Moeglichkeiten zum Auffuellen geben wuerde. Meine noch nassen Socken haengte ich hinten an den Rucksack.

Der See nach dem ersten kurzen Stueck des Aufstieges.
Dann ging ich zum Fruehstueck, wo schon der Wirt auf mich wartete. So ganz happy sah der nicht aus, was mich nicht wunderte. Ich an seiner Stelle waere erst gar nicht aufgestanden sondern haette das Fruehstueck gestern Abend hingestellt. Die Nutella Packungen im Mini Format sind ja echt der letzte Mist - spaetestens bei dem geriffelten angedeuteten Flaschenhals bekommt man das Nutella nur mehr sehr schwer heraus. Gibt's noch eine groessere Verschwendung?!? Viel hab ich heute nicht gefruehstueckt und als ich fertig war, verzog sich der Wirt schon wieder in sein Zimmer, nachdem er sich kurz verabschiedete, aber hey, ich kann das verstehen! Um 7 Uhr stiefelte ich dann los.

Oben angekommen gab's gleich den naechsten See.
Ich fuehlte mich wie erschlagen. Was aber noch viel schlimmer war, war das Schwindelgefuehl. So watschelte ich vor mir her. Nach einer kurzen Ueberquerung eines kleinen Flusses begann auch schon der Aufstieg. Zuerst 300 HM bis hoch zum See um den ich herumlaufen musste. Meine Fuesse spuerte ich auch noch deutlich. Diese hatten wohl zu wenig Zeit zum Erholen. Gerade in diesem Gebirgsteil sah ich immer wieder noch viel Schnee herumliegen, was vermutlich an der Steilheit der Berge lag, die den entsprechenden Flecken Schutz vor der Sonne gaben. Die restlichen 400 HM hoch zum Pass waren auch schnell erledigt. Die Sonne strahlte mir jetzt in's Gesicht.

Die mit Geroellsteinen gebaute Strasse.
Wieder einmal dachte ich, dass auch dieser Bergteil nichts interessantes zu bieten haette, aber da sollte ich mich taeuschen. Wie schon in den letzten Tagen waren die Berge ab 2000 HM voll von Geroellhalden, aber solchen mit riessen Bloecken. Zu gross um darauf abfahren zu koennen. Unter mir lag ein See. Nichts Aufregendes. Aber als ich beim See angekommen war, ging ich auf einem alten Militaerweg weiter, der mit Felsen in diese karge Landschaft gebaut wurde. Nachdem er ein kleines Stueck hoeher ging, lief ich schon bald ueber eine der Geroellhalden in der ein solcher Weg fast einer Autobahn glich! Die Platten bildeten fast eine Ebene. An vielen weiteren kleinen Seen lief ich dann vorbei, was das eigentlich Schoene an diesem Weg war.

Gleich der naechste See bei Rif. Questa.
Statt direkt abzusteigen, wollte ich erst zum Rif. Questa gehen um einzukehren und wieder zu Kraeften kommen. An einem weiteren grossen See lag sie dann wunderschoen gelegen. Drinnen bestellte ich mir sogleich 2 Cola und ein Sandwich. Zucker und Energie. Das Sandwich waren 2 Scheiben frisches Brot (woher das immer auf dieser Hoehe kam - wohl selbstgebacken), leckerer Schinken und Kaese. So gestaerkt wagte ich mich an die 1000 HM Abstieg auf die sich meine noch schmerzenden Fuesse freuten!

Weiter unten gab's gleich ein Fort.
Zuerst lief ich ein gutes Stueck ueber die Steinlandschaft bergab bis ich jemanden rufen hoerte. Hab ich vllt. was bei der Huette vergessen? Als dann noch eine Frauenstimme etwas rief und der Huettenwart antwortete "No way", war ich mir sicher, dass diese Botschaft nicht fuer mich sein konnte und stieg weiter ab, vorbei an Kuehen, die ich teils mit Freude vor mir hertrieb, teils von der Strasse den Hang runter :-). Bisschen mehr Baeume wuchsen hier auch schon, aber nicht genug um genug Schatten beim Laufen zu spenden. Die ersten 500 HM waren wegen dem steilen Hang "schnell" geschafft. Nun kam der quaelend langsame Teil. Eine alte Militaerstrasse ging ein gutes Stueck langsam bergab. Diese Strassen haben es heutzutage an sich, dass deren Steine jenseits von flach lagen und so bei jedem Schritt punktuell in einen meiner Fuesse drueckten.

Der Abstieg war mal wieder herrlich.
Dieser Teil war aber nach ein paar hundert Metern auch vorbei und eine Schotterstrasse ging weiter, bei der es zum Glueck viele Moeglichkeiten zum Abkuerzen der Schlinger gab. Links entlang des rauschenden Flusses lief ich so meist ueber einen Wanderweg weiter herunter, weiter weg von diesem idyllischen Oertchen zu dem mir entgegenkommend viele andere Leute hochliefen. Weiter oben haette es auch noch eine Art Festung oder Fort zu besichtigen gegeben, was ich natuerlich ignorierte. So war ich schon bald in Terme di Valdieri wo ich mich in einer passenden Einkehrmoeglichkeit einfand. Ich hatte schon wieder Hunger und schwindelig war's mir auch noch. Zum fit machen staerkte ich mich nun. Erst mal ein Stueck Kuchen, dann ein Lion. Nebenbei Saft mit Mineralwasser. Als Hauptgang wieder ein Sandwich mit Schinken-Kaese, dessen Chiabatta Brot knusprig war. So laesst es sich aushalten :-).

Das ist z. B. ein Wegstueck der unzaehligen Serpentinenkurven.
Diese Staerkung in der halben Stunde gab mir auch neue Kraft, die ich fuer die naechsten 1000 HM Aufstieg zur naechsten Huette gut gebrauchen konnte. Noch ein bisschen die Strasse weiter runter ging rechts der Wanderweg weg. Das erste Stueck fuehrte ueber schattenspendende Baeume, bei der ich mich aber ueber jeden kuehlen Windstoss freute. Es war wieder einmal schweine heiss! Leider bestand der Wanderweg aus unzaehlbar vielen Kehren, die sich scheinbar nicht nach oben schlaengelten. Quaelend langsam gewann ich an Hoehenmetern. Auch die Baeume wurden schon nach 1/3 der Strecke rar. Den Hut zog ich mir immer wieder fest auf den Kopf. Immerhin der Wind war auf meiner Seite.

Weiter oben ging's nur noch ueber Geroell. Ohne Weg waere das Vorankommen nur sehr langsam moeglich gewesen.
Nach gut der Haelfte des Aufstieges sah ich endlich die Huette, die auf einem Felsen im Geroell lawinensicher gebaut wurde. Genau ueber so ein Geroell ging's jetzt weiter, das nicht sehr schoen zu gehen war. Schon vorher querte der Weg immer wieder kleinere und groessere Geroellfelder. Jetzt aber ging ich auf einem einzigen Geroellfeld hoch. Einigermassen schnell fuer meinen koerperlichen Zustand war ich so bei der Huette, wo ich mir 1 Sprite und 1 Cola reinschuettete. Ich wollte naemlich immer noch weitergehen. Auf der Haelfte der naechsten Etappe lag eine Huette, bei der ich noch vor 18 Uhr ankommen konnte. Die restliche Keks-Schokolade, die ich heute angebrochen hatte, glaubte jetzt auch noch dran und auf ging's zum letzten Teil.

Rif. Morelli-Buzzi wurde mitten in die Geroellhalde reingebaut.
Ueber einen Geroellhatsch gelangte ich die restlichen 200 HM hoch zum Pass, bei dem mich ein Ausblick auf viel Geroell, den See, den dazugehoerigen Staudamm und auch die Huette erwartete, die unten wunderschoen am See gelegen auf mich wartete. Ueber Geroell ging es nun wieder bergab und zwar genauso quaelend langsam wie beim ersten Teil des vorherigen Aufstiegs. Da wurde mir auch klar, warum fuer den Abstieg mehr als eine Stunde eingeplant war. Die ersten paar hundert HM schmerzten nicht mal meine Fuesse! Das aenderte sich aber nach der Haelfte der nur 500 HM Abstieg. Dieses verfluchte Geroell! [Auch vor dem Staudamm machte der Weg noch eine extra Kehre dass sich wie ein Tritt in den Magen anfuehlte, wenn man schon am Boden liegt.]

Der Staussee mit der Huette.
Ueber den Staudamm laufend [, vorbei an der Abzweigung zum Aufstieg des naechsten Tages, weiter ueber eine Schotterstrasse] und etwas bergab lief ich noch ein paar Minuten zu der Huette, wo ich mir fuer 2 € mehr sogleich ein Zimmer fuer mich holte :-). Das ist mir das Geld echt wert, auch wenn mir das Geld tatsaechlich noch vor Monaco ausgehen koennte. Vor allem, da ich nicht mehr so viel zusammenlegen will. Das hat mich viel zu sehr kaputt gemacht in den letzten Tagen und wirklich entspannend ist das auch nicht mehr. Ich will geniesen, nicht hetzen.

Nicht mehr weit bis zur Huette.
Das ganze Auf und Ab hier wundert mich doch sehr stark. Ich haette nicht gedacht, dass das so heftig wird gegen dem [del] Ende. Deshalb bin ich unglaublich froh, dass bisher das Wetter die letzten Tage so gut gehalten habe [ich war beim Schreiben echt kaputt :-)] und hoffe das auch noch fuer die naechsten 3-4 Tage. Dann muesste ich die hohen Paesse bis auf eine Ausnahme hinter mir haben. Beim Vorbeilaufen am See und den Wellen, die der starke Wind darauf schuf musste ich spontan an das Meer denken. Ja, das wird wieder ein Gefuehl, am Meer angekommen zu sein. In weniger als 2 Wochen koennte das schon der Fall sein. Zum Essen gab's erst mal Nudeln, wobei ich mich auch noch an der Suppe der Tischnachbarn vergriff, die diese nicht mehr wollten. Hauptgang war Fleisch mit Kartoffelbrei und Aubergine und als Nachspeise irgendeine Art Pudding.