Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Samstag, 31.7.2010
Tag 53 - Kaputt und fertig
Gilbach → Geilsbuel → Hahnenmoospass → Bueelberg → Lenk → Stoss → Betelberg → Stueblenipass → Lauenen
Diese scheiss drecks Gondeln!
Ich bin wie gestern geplant schon wieder 2 Etappen weiter und sehr kaputt. Vorhin wollte bei mir im Zimmer schon eine Sehne am rechten Oberschenkel verkrampfen, die ich nicht einmal kannte. Ich hab's wieder einmal uebertrieben aber wenn morgen das Wetter passt, wird das so weitergehen. Gerade waere mir auch eine Sehne in der linken Hand verkrampft. Ja, ich hab's wohl etwas uebertrieben.

... und noch mehr drecks Gondeln...
Etwas vor 8 Uhr war ich unten im Speiseraum, wo das Fruehstueck gerade aufgebaut wurde. Diese Zeit nutzte ich gleich, um meine Oma anzurufen und sie zu ihrem Geburtstag zu beglueckwuenschen. Dann ging's los mit dem Fruehstueck. Bei der ganzen Auswahl wusste ich gar nicht, was ich zuerst essen soll. Verschiedenste Kaese und Wurstsorten, frische Marmelade aus Glaesern die darauf schliessen liesen, dass sie selbstgemacht waren (auch geschmacklich), Obstsalat, diverse Mueslis, frisches Brot, frische Semmeln. Einfach der Wahnsinn. Ich stopfte rein, was ging. Auch als mein Magen nein sagte, drueckte ich noch eine Semmel nach. So etwas koestliches bekomme ich wohl nicht mehr so schnell.

... spaetestens beim Abstieg war dann wieder Schluss mit Gondeln...
Um halb 9 brach ich dann auf. Der Himmel hatte kein einziges Woelkchen, der Mond war auch noch zu sehen und um diese Uhrzeit war die Kaelte der Nacht auch schon weg. Ueber die Strasse kam ich zu "Berglaeger", einer Gondelstation, die bei Adelboden startete und auf meinen letzten Schritten zur Gondelstation haesslichste Schatten der Gondeln neben mir ins Gras warf. Wie sehr ich _das_ hasse. Aber der Anblick der Gondeln sollte mir heute oft nicht erspart werden. Ab der Gondelstation ging's dann ueber einen kleineren Weg weiter den Gilsbach entlang und schon hatte ich die ersten 300 HM hinter mir als ich in Geilsbuehl herauskam. Schoen ist aber was anderes.

Unten angekommen ging's gleich wieder hoch!
Ueberall gingen Gondeln hoch. Ich war in einem Skifahrgebiet gelandet, dass im Sommerbetrieb lief. Ploetzlich hielt ein Auto neben mir an und der Fahrer fragte mich, wo ich hin will. Zum Hahnenmoospass sagte ich darauf. Er empfahl mir, rechts zu gehen, da der andere Weg ueber die Fahrstrasse nach oben fuehrt. Mei hat mich das gefreut, dass der von sich aus angehalten hat. Nur eine Sache war wieder mal gemein: Er bot mir an, mich mitzunehmen. Dieses Mal machte es mir aber ueberhaupt nichts aus, das zu verneinen und so stapfte ich rechts entlang weiter, wobei auch dieser Weg ueber eine kleine Strasse nach oben fuehrte. Eine Premiere gab es auch zu feiern: Den ersten Via Alpina Aufkleber so wie er auf den Swiss Topo Karten abgebildet ist!

Und fast oben angekommen war schon wieder alles voll mit Grattlern!!!
Ab und zu kuerzte ich auf passenden Wegen ueber die Wiese ab und kam dann beim Pass an, wo mich schon viele viele Grattler erwarteten, die teils mit Koffern dort oben herumstanden. Wahnsinnig toll. Schnell weg von hier dachte ich mir und lief schnell weiter. Direkt hinter dem Pass fuehrte zuerst mal eine Strasse herunter. Eigentlich kann ich mich an diese 2 km gar nicht mehr erinnern. Der Hatsch schien sehr monoton gewesen zu sein. Die Einkehrmoeglichkeit in Bueelberg liess ich auch links liegen und meist ueber Wanderwege laufend war ich schon in Link, deutlich vor 12 Uhr, ich glaube sogar 11 Uhr. Bei der Touristeninformation machte ich mich auf einer Bank breit. Jetzt gab's erst einmal eine Pause. Meinen Ruecken spuerte ich in der Frueh immer noch, aber die Schmerzen haben jetzt schon wieder etwas nachgelassen.

Da ich von der Via Alpina abgekommen war, zog sich der Weg noch laenger hin.
Wurst und Knaeckebrot sowie etwas von der Schocki die ich mir in Leukerbad gekauft hatte gab es zu essen. Zu trinken 1/2 Liter Mineralwasser. Die Dose Bier hob ich mir noch auf. Bei der Touristeninfo machte ich mich auch noch schlau ueber die Unterkuenfte in Lauenen und informierte mich, ob die Einkehrmoeglichkeiten beim weiteren Weg offen hatten. Ich plante naemlich mein Wasser mit einer Einkehrmoeglichkeit ein. Viel Pause goennte ich meinem Koerper nicht. Nach 20 Minuten trieb es mich weiter. Dem Wegweiser zum Stueblenipass folgend (sowie ich es in meiner Karte markiert hatte) lief ich eine gute halbe Stunde lang, bis sich mein Weg von den Via Alpina Tafel schieden. Diese zeigte naemlich nach rechts auf einen Weg, auf dem es keine Einkehrmoeglichkeit gibt. So ein Mist! Entweder hab ich es falsch markiert oder der GPS Weg auf der Via Alpina Seite ist falsch. Wie auch immer ging ich den Weg mit den Einkehrmoeglichkeiten entlang der Gondelstationen :-(.

Hier war noch Handarbeit angesagt.
Immerhin waren noch 1000 HM und der Abstieg zu machen! Spaeter stellte sich das als mehr oder weniger grossen Fehler heraus, da der Weg laenger und haesslicher war. Vor allem der erste Teil des Abstieges [kommt spaeter!]. Zuerst durch ein Waldstueckchen, dann abwechselnd ueber Wiesen und unter Baeumen kam ich endlich bei der ersten Einkehrmoeglichkeit an, die auch als einzige geplant war. Die ersten 600 HM waren damit erledigt, 300 HM ueber 5 km verteilt waren noch tot zu schlagen. 2 Apfelschorle und Freiheit fuer die Fuesse gab es... und schon ging es wieder weiter. Nach einer halben Stunde fand ich den Weg dann doch etwas heftig. Eine regelrechte Menschenhorde erwartete mich wieder einmal dort oben von denen vllt. 1 % hochgelaufen war. Zefix! Sowas kann doch nicht sein. Schnell weg von hier! Da die Steigung nicht sehr hoch war, fetzte ich schnell weiter. Seltsamerweise waren die einzigen Leute, die hoch liefen ein Ehepaar, das sicher schon ueber 60 war. Mit denen plauschte ich dann auch ein wenig. Es freute mich wieder mal tierisch, dass gerade so "alte" Leute die einzigen waren, die ich beim Hochlaufen sah. Leider hatte ich es aber eilig und lief schnell weiter. Und schon war ich bei der oberen Gondelstation, die mir wie ein Grattlerstall vorkam. Wieder mal galt: Nix wie weg von hier!

Pause + Bier = YEEEEHA.
Auf gleichbleibender Hoehe fuehrte der Weg rechts unterhalb des "Gipfels" vom Leiterli weiter und stieg dann kurz vorm Stuebleni doch nochmal schnell an und "schon" befand ich mich auf ueber 2000 Metern wo der Pass links unter mir lag. "Schon" ist gut gesagt. Das hier hoch war schon eine Qual. Die Fuesse schmerzten und ich war von gestern noch sehr kaputt. Von jetzt an ging es aber nur noch bergab - allerdings schleppender und qualvoller als gedacht. Mit wenig Steigung ging ich erst einmal ueber eine Wiese zum Stueblenipass herunter, wo der Weg ueber halbe Sumpfgebiete fast auf gleicher Hoehe bleibend, sodass ich mich auf der Karte vergewisserte, ob das auch der richtige Weg ist. Endlich kam ich beim Obersblatti heraus, wo ich echt nach einer Markierung suchen musste. Immer wieder mit Schleifen ging der Weg ueber eine Wiese herunter. Fuer mich war total unverstaendlich, warum der Weg nicht direkt auf gerader Linie herunter fuehrte. Dann kam der schlimme Teil. Eine Strasse wurde zum Wanderweg. Als ob mir meine Fuesse nicht schon genug weh taten. Was ich ganz vergessen hatte: Die Unterkunft in Lauenen hatte ich schon angerufen um mir ein Zimmer zu sichern.

Schon diese kleine Steigung war nach dem ewig langem Hatsch etwas Erfreuliches.
Das schlimmste an der Strasse war, dass diese keinen gefuehlten HM nach unten ging. Schon kurz vor dem Pass suchte ich nach einer Moeglichkeit, mein Bier zu trinken, doch kein Platz schien mir angenehm. Entweder matschig oder ein Kuhfladen vor der Bank. Doch genau jetzt war eine frisch gemaehte Wiese neben mir. Perfekt! Ein Hoch auf diesen Bauern!!! So flackte ich mich mitten auf diese Wiese, packelte meine Fuesse und die Dose Bier aus. Ja wie geil war das denn! Jetzt entspannte ich wieder richtig. Kein Grattler weit und breit, kein zu hoerender Verkehr, die Sonne strahlte mich an und ich hatte ein Bier, das in der Dose tatsaechlich noch frisch war! So liess ich es mir fuer eine halbe Stunde gut gehen, relaxte und erholte vor allem meine Fuesse, die trotz keiner Blasen doch spueren liessen, dass ich neue Schuhe hatte.

Oft ging's ueber solche Teerstrassen runter.
Als ich weiter ging, begegnete ich 2 Jungen, die mich fragten, ob dort hinten jemand weint. "Wieso? Habt's ihr jemand zam gfotzt?" fragte ich :-). Die beiden wurden aber von jemanden geschickt, weil von weiter hinten Heulgeraeusche hoerbar sein sollen. Aber ich hab sicher nix gehoert, was ich den beiden auch sagte und stiefelte weiter ueber die scheiss Strasse. Dieser verfluchte Strassenhatsch. Wenn diese wenigstens bis zum Ende waeren aber meine Schuhe wollte ich nur einmal mit den Schlappen tauschen. Um's wieder mal kurz zu machen, kam mir der Abstieg wie die Hoelle vor, auch wenn es "nur" 800 HM waren. Immerhin ging es noch ab und zu ueber kurze Strecken von Wanderwegen und ueber einen solchen kam ich auch in Lauenen an, wo ich mich nach meiner Unterkunft bei einem Bewohner erkundigte.

Das Essen vor dem Essen.
Immerhin musste ich heute nur in den 2. Stock hoch laufen. Mehr Stockwerke hat das Haus wohl nicht. Bevor ich irgend etwas anderes machte, ging ich zum Dorfladen um mich mit O-Saft, Wasser, einem anderen Saft, Wurst und Granini einzudecken. Im Zimmer schmiss ich dann meinen Kocher an, um mir eine Pilzsuppe mit Wurststuecken zu kochen. Danach ging's ab zum Duschen und dann spazierte ich kurz durch's Dorf um ein offenes W-Lan zu finden, allerdings erfolglos. Zu Essen dachte ich zuerst an ein Kinderschnitzel. Als ich dann die Speisekarte sah, entschloss ich mich doch zu einem Schweinesteak mit Pommes und Gemuese. Das Ganze war auch super lecker und nicht einmal so teuer fuer schweizer Verhaeltnisse. Interessanterweise luestete es mich seit Tagen nicht mehr nach Zigaretten - trotz Bier. Mal schaun, ob sich dieser abnorme Zustand bald wieder richtet :-).

Seit ueber einer Woche bin ich auch wieder in deutschsprachigen Gefilden der Schweiz unterwegs mit Trend zu Franzoesisch. Das wird bald spannend, weil ich immer noch kein Touristenuebersetzungsbuch mit Standardfloskeln gefunden habe.