Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Freitag, 18.6.2010
Tag 10 - Regen, Regen, Regen
Wolfratshauser Huette → Obergarten → Bichlbach → Berwang → Rinnen → Weissenbach am Lech (Gasthof goldenes Lamm)
Blick zum Sommerbergjoechle, als es noch sichtbar war
Heute war mal ein richtiger scheiss Tag. Ca. 30 km bin ich gehatscht in stroemenden Regen.

Der gestrige Abend war noch ziemlich schoen. Von der Wolfratshauser Huette konnte ich auf die kleinen Staedte bzw. Doerfer hinunterschauen, die von Zeit zu Zeit aus der Wolkendecke auftauchten. Sehr schoen fand ich auch, dass sich genau ein Woelkchen genau auf der Zugspitze festsetzte und somit dieses pott haessliche Muenchner-Haus zudeckte. Dabei kam ich auch auf die Idee, dass irgendein Land ein 10 m² Feld von einer ihrer 3000er Deutschland schenken sollte. Dann koennte man den ganzen Schrott auf der Spitze abreissen und jeder, der zu Fuss hochgeht wuerde nicht von einer Horde Touris und einem "Hotel" an der Spitze ueberrascht werden. Wirt und Wirtin sind ueber den Abend ins Tal gefahren, sodass ich zusammen mit einem Angestellten alleine war. Nach einem Bier meinte er, dass er jetzt in sein Zimmer geht, um Fussball zu schauen. Schauen?!? So wurde ich ins Zimmer eingeladen und konnte mir auch dieses Spiel anschauen. Nach ein paar weiteren Bier und streicheln der Haflinger vom Wirt ging ich dann auch ins Bett.

Meine Wippe!
Schlafen konnte ich nicht wirklich gut. Um kurz nach 7:30 Uhr bin ich dann aber doch aufgestanden. Es soll ja den ganzen Tag regnen, da will ich frueher "daheim" sein. Leider ist die Heizung im Trockenraum doch nicht angesprungen, weshalb meine gewaschene Waesche noch nicht ganz trocken war. Aber es hilft ja nix. Also rein in die Hose und spaeter auch noch in die Regenjacke. Die Wirtsleute waren natuerlich auch schon wach. So bekam ich auch bald mein Lunchpaket mit Apfel, 2 Broten, einer Gurke und Wanner Waffeln. Den Apfel verputzte ich wie schon bei der Reintalangerhuette gleich, der Rest wurde eingepackt. Die Huette ist ein typisches Beispiel, wie auch ein modernes Gebaeude gemuetlich sein kann: Durch die richtigen Wirtsleute, welche die Huette betreiben. Hier haette ich es sicher noch laenger ausgehalten :-). Leider laeuft sich die Via Alpina nicht von alleine und so zog ich los... im Regen... Also ging es sogleich los.

Zuerst wieder die 2 Minuten hoch bis zu dem Punkt, an dem ich gestern den Schnee in dem Sommerbergjoechle sehen konnte. Dort stauten sich schon die Wolken. Die Wirtin bat ich auch um Rat, was sie machen wuerde: Noch weiter ins Tal runter oder doch ueber das Joechle? Sie meinte nur, dass man vom Joechle einen schoenen Ausblick haette. Na toll. Ausblick bei diesem Wetter? Wohl eher nicht. Bis ich mich zwischen Joechle und Tal entscheiden musste, verging aber noch etwas Zeit. Zuerst musste ich naemlich noch herunter bis kurz vor die Gartner Alm. Ueber einen relativ steilen Wanderweg ging es die ersten paar HM herunter. Dann wurde er etwas gemuetlicher. Relativ schnell erreichte ich die Abzweigung der "Entscheidung". Ein Blick zurueck liess aber auf keinen grandiosen Ausblick hoffen. Das Joechle war immer noch von einer Suppe verhaengt - zumindest ein Teil des Aufstiegs, da das Joechle direkt nicht mehr zu sehen war. Bei Regen ueber eine Wiese runter? So steht es zumindest im Fuehrer. Nicht mit mir. Auf diese Weise sparte ich mir auch 500 HM Anstieg,wobei ich bei dem Weg ueber's Tal erst runter und dann auch wieder hoch muss. Wg. dem Regen und der Kaelte entschied ich mich dann doch fuer den laengeren Weg ueber das Tal. Ein paar Minuten spaeter kam ich dann auch bei der Gartner Alm vorbei, die ich links liegen liess. Dann fuehrte ein Weg ueber die Forststrasse mit 1,5 h und ein Wanderweg mit 1h angeschriebener Zeit. Ist ja klar, dass ich den Wanderweg nahm. Ich muss auch nicht erwaehnen, dass es immer noch regnete!

Saftig gruene Wiese bei schlecht grauseligem Wetter
Entlang eines Flusses fuehrte der Weg weiter herunter. Immer wieder lagen die schwarzen Glubschis auf dem Weg. Da ich nicht mehr weiss, wie diese schwarzen Gecko aehnlichen Tiere heissen, nenn ich die einfach Glubschis. Ca. 8 Stueck lief ich ueber den Weg. Wenn es kalt ist wie heute sind die putzigen Dinger auch richtig traege. Ein Glubschi hab ich vorsichtig mit einem Wanderstecken auf den Ruecken gedreht. Beim Umdrehen haette es auch wie beim morgentlichen Aufstehen sein koennen. Traege und sehr langsam wand sich der Glubschi, streckte seine Arme und Beine aus und begann, sich zu drehen, bis er wie vorher da stand und sich nicht mehr weiter bewegte. Wieder haette ich mir beim Abstieg beinahe den Fuss verknickt, aber das Band haelt - 3 Berge Taff. Allmaelich fuehrte der Weg auch mehr und mehr durch Baeume und erdigem Untergrund mit rutschigen Wurzeln. Dann kam ich unten raus und musste ueber ein Brett den Fluss ueberqueren. Ein einfaches Brett? Darauf kann man ja schwingen. So verplemperte ich eine weitere Minute, indem ich in der Mitte der "Bruecke" diese nach oben und unten schwingen liess. Wegweiser zeigten mir dann den Weg Richtung Laehn oder Bichlbach. Erst ueber eine Forststrasse, dann ueber eine Teerstrasse hatschte ich weiter und weiter. Die Teerstrasse fuehrte hierbei direkt der Hauptstrasse entlang. Dort "ueberholte" mich auch ein Fahrradfahrer. Das einzige menschliche Gesicht nach einer Ewigkeit im Regen. Und ich hatsch hier herum, muehte mich um jeden km ab!

Entlang vom Stausee
Gerade komme ich auch von meinem 3-Gaenge Menu in mein Zimmer. schon beim Essen waeren mir beinahe die Augen zugeklappt.
Schnell war ich in Bichlbach. Es schiffte noch immer. Zum Glueck nicht in Stroemen. Heute habe ich auch meinen langaermligen Pullover unter die Regenjacke angezogen, weil es sehr kalt ist - nicht nur oben im Berg. Eine bittere Erkenntnis hatte ich auch noch zu schlucken, als ich spaeter auf die Karte schaute: Der Punkt, bei dem ich beim Abstieg herauskam, ist nur ca. 4 km von dem Aufstiegspunkt [dem Startpunkt des Aufstiegs] der gestrigen Etappe. Aber so war ich immerhin auf der Wolfratshauser Huette. Von Bichlbach aus hatschte ich dann weiter Richtung Berwang. Zum Zeitvertreib stellte ich mir dieses Mal vor, wie sich ein Preusse und ein Bayer darueber unterhalten, wo der Bayer herkommt: "I kim aus Beawang". Irgendetwas muss man ja tun, um sich die Zeit zu vertreiben. Die Spitzen der Berge um mich herum waren immer noch in Wattebaeusche gehuellt und - soll ich's ueberhaupt noch schreiben? - es pisste immer noch. Auf dem Weg nach Berwang fand ich dann wieder eines der Via-Alpina Schilder. Endlich wieder auf dem richtigen Weg! Nur stellt sich die Frage, ob sich mein Weg wirklich rentiert hat. Jetzt will ich mir aber keine Gedanken mehr darueber machen. Sicherer war er auf jeden Fall. Bei dem Punkt des Wiedereintritts stand auch ein Schild, dass die Bruecke auf diesem Weg beschaedigt ist und das Begehen des Weges auf eigene Gefahr erfolge. Toll. Was soll's. Also weiter. Diese kaputte Bruecke schien dann vermutlich ein weggespuehltes Brett zu sein, aehnlich wie dem, das ich heute schon ueberquert hatte. Deshalb ging's ueber grosse Steine, die schon leicht unter Wasser lagen. Aber meine Schuhe haben damit kein Problem. In Berwang angekommen, suchte ich mir einen Unterstand, da ich eine weitere Durchnaessung der Wanderkarte verhindern wollte. Dann ging's weiter nach Rinnen, das ueber eine Fortstrasse erreichbar war. Auf dem Weg durfte ich auch einer Kuh zuschauen, wie sie ein Bad in einem vom Regen geschaffenen See nahm. Die anderen Kuehe schauten mich, wie immer, einfach nur Kuh-bloed an. Schon bald war ich in Rinnen. Die Fuesse schmerzten schon sehr. Mittlerweile war ich seit ueber 4 h ohne Pause unterwegs. Es war 12:40 und Schland spielte in 50 Minuten gegen irgend jemand. Entweder ich suche mir jetzt hier eine Moeglichkeit Fussball zu schauen und komme dann ueber 2 h spaeter an oder ich laufe gleich weiter. Frueh ankommen ist wichtig, also weiter.

Feines Fressi Fressi
Steil ging es dann bergab, wie den ganzen Restweg des Tages. Eine dreiviertel Stunde spaeter erreichte ich dann den Stausee. Wie immer gilt fuer solche Seen: Huebsch anzuschauen, aber haessliche Grundlage fuer dessen Schaffung. Nach einer schier endlos langen Strasse, die nicht bergab fuehrte, lief ich entlang einer immer tiefer werdenden Schlucht. Dann fuehrte der Weg auf einmal monoton mit gleicher Steigung fallend hinab. Man, das war wieder ein Hatsch! Nach 150 HM bergab war ich dann endlich in Rinnen und vllt. weitere 20 Minuten spaeter in Weissenbach (Ich mache die Sache jetzt kurz). Dort fand ich auch ein Schild zum Gasthof goldenes Lamm. Dort bekam ich ein Zimmer mit Halbpension fuer knapp 50 €. Zefix! Jetzt hab ich mir u. a. 2 Flaschen alkoholfreies Bier gekauft!!! Fix!!! Im Zimmer packelte ich erst mal alles von meinem Rucksack aus, da die Regenschutzfolie auch nicht stundenlange Naesse aushielt. U. a. war z. B. mein Schlafsack feucht. Der Regenschutz fuer meine Kameratasche hielt auch nicht ewig dicht, aber das Groesste wurde abgehalten. Heute verzichtete ich auch auf das Abkleben meiner Blase am Ballen. Die, die Millimeterdick war. Die Haut scheint jetzt auch wieder angewachsen zu sein. Nach dem Waschen ging ich auch noch in die "Dorfmitte", um Getraenke einzukaufen. 1 Hohes C Fruehstueckssaft, 1,5 Liter Apfelschorle, 1 Radler, 1 Zipfer und 2 Schlossgold. Wieder in meinem Zimmer verdrueckte ich dann auch mein Lunchpaket, nach dem Apfel mein erstes Essen fuer heute. Zum Essen gab es dann 1/4 Liter Rotwein, eine Lauchcremesuppe, Salat, einen Hausspiess mit Pommes und zum Abschluss irgendein Gebaeck mit Vanillesosse. Mjiam. [PS: Dass ich ein alkoholfreies Bier kaufte merkte ich erst im Zimmer am Geschmack...]