Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Samstag, 28.8.2010
Tag 81 - Zu schnell fuer eine Etappe
Rif. Garelli → Colle del Pas → Passo d. Mastrelle → Carnio → Rif. Mongnioie → Viozene → Fasce → Quarzina → Aimoni → Ormea
Aufstieg zum ersten Uebergang.
Die Wochentage verfliegen regelrecht. Ich hab gar nicht mitbekommen, dass schon Samstag ist. Gestern war ich in der Huette auch der Einzige. Bis in den spaeten Abend hinein schaute ich noch 2 Serienfolgen [auf meinem Handy, dem einzigen Technikzeug das ich dabei hatte] und holte mir noch mehr Wein. Der halbe Liter war einfach nicht genug. Schliesslich hatte ich am naechsten Tag nicht viel zu tun, dachte ich mir jedenfalls. So schlief ich auch wieder gut ein. Nur mein Ruecken schmerzt momentan fast jede |Nacht, aber nur dann, wenn ich mich eine Zeit lang hingelegt habe. Aber eine Woche muss er jetzt noch durchhalten.

Weiterer Aufstieg zum zweiten Uebergang.
Das Fruehstueck bestellte ich mir auf 7 Uhr und war um diese Uhrzeit auch am Fruehstueckstisch. Es gab sogar ein einigermassen frisches Brot, wobei ich frisch mit deutschem Massstab messe. Bis auf eine Scheibe verputzte ich das ganze Brot im Korb mit Butter und Marmelade. Irgendwann um 7:30 Uhr war ich dann abmarschfertig, hatte aber vergessen, einen Kontrollgang zu machen, ob ich auch nichts vergessen habe. Also Schuhe wieder ausziehen und den Kontrollgang machen. Alles war schon mit dabei, aber wenn ich das nicht gemacht haette, haette ich mir den ganzen Tag Gedanken darueber gemacht, ob ich nicht doch etwas vergessen habe. Nach der Verabschiedung vom Chef ging's dann aber wirklich los.

Der Tuempel auf dem Weg zum naechsten Pass.
Der erste Pass wollte nur mit einer Hoehendifferenz von 250 HM bestiegen werden, was fuer mich natuerlich ein Klacks war. Der Weg verlief durch viel Gras, meist leicht geschottert, sodass das schnelle Vorankommen gesichert war. Oben angekommen ging es wieder ein bisschen runter, um dann an einem See - besser gesagt Tuempeln - ueber den naechsten Pass zu setzen. Dann fing der Spass an. Den Wegmarkierungen folgend lief ich rechts fernab von der geschlossenen Huette weiter runter aber ich sollte doch direkt bei der Huette vorbei kommen! So ein Mist.

Weit ab vom Weg: Hirn aus und nach Gefuehl weiterlatschen.
Was nun? So lief ich einfach in die Richtung des tieferen Bereiches herunter, bei dem ich einen Pfad von der Ferne sah. Ueber Gras und Geroell stand ich dann auf dem Weg, der aber leider keine Markierungen aufwies. Na super. Was nun? Egal. Ich bleibe auf dem Trampelpfad drauf. Lt. Kompass ging dieser auch in die richtige Richtung, wird dann schon passen. Nur das Wegschild rechts ueber mir, dass an einem anderen Pass angebracht war, machte mir Sorgen. Wenn das der Pass ist, ueber den ich musste, darf ich die ganzen HM wieder hoch laufen. Nach kurzem Zoegern lief ich weiter in die Richtung der grossen Schneise vor mir, hinter der km-lang kein weiterer Berg war und bei der ich das Tal vermutete, das ich hinunter muss. Kurz bevor es steil runter ging, stand dann auf einmal ein Wegschild vor mir. Yeeeha! Glueck gehabt. Hier bin ich richtig.

Ab diesem Zeitpunkt war endlich auch die Frage geklaert, wo's runter ging: links vom Brocken.
Jetzt ging's steil runter. Viel Schotter und groesseres Gestein saeumte den Weg, sodass ich oft mehr schlitterte als lief und schwupps, hat's mich auch schon auf die Fresse gehaut. Zefix! Fluchend stand ich auf und bemerkte, dass mich eine Frau 10 m unter mir anschaute, die bei der Weggabelung die Wegweiser anschaute. 10 Meter bevor der steile Teil des Abstieges zu Ende war hat's mich tatsaechlich hingehaun. Der Rest war kein Problem mehr. Mehr flach als steil ging der restliche Weg oft unter Baeumen weiter. Besonders faszinierte mich der Anblick der Berge die das Tal schufen. Bis zu deren Gipfeln waren diese mit Baeumen bewachsen. Zusammen mit den noch sehr steilen Haengen und dem Dunstschleier hatte das Ganze schon etwas von einem Science Fiction Film.

Steil ging's runter.
In Carnio, dem kleinen Dorf am Ende des Wanderweges war ich schnell angekommen. Wieder mal war das ein Dorf mit vielen, sehr alten Haeusern, bei denen aber fast Keiner mehr zu leben schien. Schnell weiter, wenn's hier kein Bier gibt! Der Wegbeschilderung folgend ging's durch das naechste Dorf (Carnioinfer), das schon belebter aussah um dann wieder ueber einen Wanderpfad hoeher zu steigen, teils ein bisschen auf der Fahrtstrasse zu einer Huette zu laufen [besser gesagt in die Richtung einer Huette], um dann die Entscheidung zu treffen, ob [del] ich [del] 5 Minuten zu einer Huette zu laufen um etwas zu trinken, wobei ich die Strasse wieder zuruecklaufen muesste, oder gleich weiter zu laufen. Ach was soll's. Ich lauf gleich weiter!

Hey! Schon wieder ein Selbstportrait!
So ging's auf einem Wanderweg leicht ansteigend quer ueber einen Hang, bis ich dahinter auf einen leicht absteigenden Weg nach ein paar Minuten vor einer Haengebruecke stand. Ach wie fein. Sowas kenne ich ja noch gar nicht. Voller Freude stieg ich drauf. Schon bei den ersten Schritten fing das Teil unglaublich stark zu schwanken an! Mit beiden Haenden an dem "Lauf" lief ich weiter. Als ich wieder festen Boden unter den Fuessen hatte, spuhlte es mich auf einmal. Ist das jetzt von der Hitze oder der Bruecke? Wohl eher Letzteres. Das Schwindelgeguehl war nach 1 Minute auch wieder voellig verschwunden. War ja klar, dass ich waehrenddessen weiterlief :-).

Ploetzlich hatte ich das Gefuehl mich in einer Urwaldlandschaft zu befinden.
Nach ein bisschen Weiterscheppern ueber nicht mehr durch Baeume geschuetzte Flaechen war ich dann schon bei der Huette. Perfekto! Es war kurz vor 12 und ich war schon da. Da hab ich mich wohl etwas zu sehr beeilt. Tja. Was nun? Erst mal 1,5 Liter Mineralwasser, eine Cola und ein Sandwich mit Kaese und Salami, das leider in Form von 2 Scheiben Toastbrot kam, aber soweit eigentlich ganz gut war. Sollte ich wirklich noch die naechste Etappe mit drauf packen? Aber klar! Noch schnell ein weiteres Cola rein und auf ging's!

Die Haengebruecke des Schwindels.
Erst mal runter nach Viozene und der Wegbeschilderung nach Pian del Fo folgen. So landete ich wieder auf einem kleinen Pfad, der durch einen schoenen Wald ging. Dieser Wald und der Weg erinnerte mich schon sehr an den zu Hause. Auch wenn ich am anderen Ende der Alpen bin, hatte das doch etwas Vertrautes an sich. Als es kurz nach einem kleinen Bach hoeher ging, meinte ich schon falsch zu sein was sich dann aber bei der Ankunft in Pian del Fo und einem VA Schild doch als richtig erwies. Ab jetzt ging's auf einer Schotterstrasse weiter, die Unmenge an Zeit und Geduld kostete.

Abstieg nach der ersten Einkehr.
Zwischenzeitlich braute sich am Himmel auch noch etwas zusammen. Ca. 300 HM ueber mir wartete eine Suppe nur darauf, dass ich hoeher stieg. Die Fahrtstrasse war auf einmal gesperrt, aber zum Glueck zweigte der Wanderweg, der Karte widersprechend, ab. Wird schon passen dachte ich mir und stiefelte den Markierungen folgend durch eine Dorfruine und stieg anschliessend hoeher. Als nicht wirklich hoch, sondern vllt. nur 200 - 300 HM. Bei der Weggabelung an der ich oben heraus kam hatte ich nun die Entscheidung zu treffen, ob ich der VA weiter folge und hoch in die Suppe steige oder versuche, ueber Strassen (Teer!!!) direkt runter nach Ormea zu kommen.

Auf einmal zweigte der Wanderweg von der Schotterstrasse ab und ging in diesen Trampelpfad ueber.
Bei dem dichten Nebel und den beschissenen Karten fiel mir die Entscheidung nicht schwer. Ausserdem sparte ich mir so ca. 300 HM ein, die ich aber sicher hochgefetzt waere. Nach ein bisschen Wegeraten lief ich dann auf der Teerstrasse von Quarzina nach Aimoni. Auch wenn es nur ca. 4 km waren, zog sich der Hatsch ewig hin was wohl an dem Teer lag. Bei Amoni waren dann die ersten 300 HM Abstieg geschafft. Fehlten noch 300 HM, doch von dem in der Karte eingezeichneten Wanderweg fehlte jede Spur. Tja. Dann geht's die letzten 300 HM eben nochmal ueber Teer herab. Mit den paar Kehren zog sich der Weg noch laenger hin als der vorherige Abstieg. Das Gemeine war zu sehen, dass auf dieser Seite des Berges kein Woelkchen zu sehen war :-(.

Der Punkt, an dem ich beschloss doch nicht mehr hoeher aufzusteigen und stattdessen die Autobahn zu benutzen.
Nach einem weiteren km entlang von Haeusern war ich endlich im Zentrum von Ormea und damit am Ziel. Campen wollte ich nach dem langen Marsch nicht. Die 2 naheliegendsten Unterkuenfte waren beide fuer 35 € zu haben und da das Hotel erst ab 8 Uhr Fruehstueck hatte, bin ich jetzt in irgendeinem grossen huebschen Zimmer ueber einem Cafe. Erst mal ging ich im gegenueberliegenden Supermarkt shoppen. Saefte, Wasser und Bier. Dann ging's an's Duschen und Waesche waschen und wieder zum Einkaufen: Ein bisschen Salat und Brot zum gleich essen, Streichwurst und Kaese fuer Morgen. Dann ging ich in die nahe gelegene Pizzeria Regina, wo ich mich restlich satt ass und einen viertel Liter Wein trank. Hier im Zimmer nehme ich mich gerade dem restlichen Bier an :-).

Zu dem Kaff und noch ein bisschen weiter runter musste ich noch - dann gab's endlich wieder ne Dusche.
Die scheiss Wolken haben sich uebrigens gegen Abend wieder vollstaendig verzogen. Morgen werde ich die Etappe abkuerzen, weil's erst auf einer Talseite hoch geht, um wieder rueber zur Anderen zu gehen. Da bleibe ich gleich im Tal. [Auch im VA Guidebook steht diese Empfehlung von einer Wanderin]. So kann ich vllt. auch die naechste Etappe mit drauf schlagen. Wie schon bei den vorherigen Alpenueberquerungen machte ich mir auch hier schon Gedanken ueber die noch max. zurueckzulegenden HM. Ab und zu geht's aber nochmal ganz schoen hoch, aber nichts, dass ich nicht schon mal zuvor gemacht haette.