Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Sonntag, 27.6.2010
Tag 19 - Lichtenstein
Feldkirch (GH Loewen) → Fellengatter → Feldkirchener Huette → Gafadura Huette
Der Steig hoch zur Feldkircher Huette
Die heutige Nacht war der absolute Graus. Zuerst war es so dermassen warm, dass ich irgendwann auf der Bettdecke schlief. Dann fing es an, mal kurz an meiner Hand und am Fuss zu jucken. Bis ich ein summen ueber mich hinwegfliegen hoerte. Ja zefix! Jetzt ist hier im Zimmer eine Muecke. Horst bekam mein Fluchen mit und wir gingen auf Mueckenjagd. 4 Blutflecken spaeter packelte ich meinen Schlafsack aus, um ihn als Mueckenschutz ueber meine Fuesse und leichte Decke zu verwenden. So passte das schon gut. Dann noch ein weiteres Fenster auf und ich haette bald einschlafen koennen, wenn nicht Horst sein Saegewerk auf voller Lautstaerke angeschmissen haette. Ja Scheisse. Ein Ziehen an der Decke, ein Geraschel mit dem Schlafsack, ein auf- und abspringen im Bett - alles half nix. Es war fuer 10 Sekunden Ruhe, dann ging das Saegen weiter. Ohrenstoepsel bringen auch nichts, wenn Horst seine Bassschwingungen direkt neben mir von sich gibt.

Blick von der Feldkircher Huette
Um 7:00 Uhr klingelte der Alarm. Ich war total fertig. Zu wenig Schlaf. Viel zu wenig Schlaf. Gestern schauten wir auf irgendeinem oesterreichischen Sender noch USA gegen Ghana. Ich muss wirklich sagen, dass ich noch nie einen Moderator soviel Scheisse wie diesen oesterreichischen reden gehoert zu haben [nix gut Deutsch]. Ja soviel Muell kann eine Person doch ueberhaupt nicht von sich geben! Wenn was war, sah er nichts und wenn nichts war, sah er einen halben Weltuntergang. Ein Alkoholverbot fuer Moderatoren waere vllt. mal hilfreich. Aber Hauptsache Ghana hat gewonnen! Horst packelte ab 7 Uhr sein Graffl und ich hoffte, wenigstens die naechste halbe Stunde schlafen zu koennen. Da die Sonne schon ins Zimmer brannte, ging aber wieder nichts und um 7:45 Uhr quaelte - nein - ich zwang mich gerade zu aus dem Bett. So beschissen hab ich seit meiner letzten Tour vor 2 Jahren nicht mehr geschlafen. Voller Frust begann dann auch ich, meine Sachen zu packen und ging dann runter zum Fruehstueck. Dieses war aehnlich enttaeuschend wie der Salat von Gestern. Nur weisse Semmeln, Wurst und Kaese [In Italien in ein paar Wochen waere das ein Luxus gewesen!!!]. So schmierte ich mir eine Semmel, die ich wieder ohne sie zu essen in mein Zimmer nahm.

Der Weg runter und rauf zum letzten Joch fuer Heute
Nach dem Bezahlen von dem Zimmer ging es dann endlich los. Es war kurz nach halb 9. Die Sonne brannte jetzt schon stark herunter. Zuerst ging es den Weg von Gestern wieder zurueck, durch den Stadtkern, dann aber entlang der Strasse, die auf die andere Flussseite von gestern fuehrte. Schon ging es ganz gemuetlich der Strasse entlang bergauf. Bisher war noch an jeder Strassenabzweigung ein Wegweiser, jedoch gab es irgendwann nur noch einen gelb-weissen Aufkleber. Hmmm... also gerade aus weiter, was natuerlich nicht ganz richtig war. Wie sollte es auch anders sein. 5 Minuten spaeter stand dann doch wieder ein Wegweiser, der ueber einen kleinen Umweg ueber das lokale Dorf-Krankenhaus (?!?) fuehrte. Schon seit den ersten Schritten des heutigen Hatsches schmerzte meine rechte Wade mit kleinen Stichen beim bergauf gehen. Wieder ganz in meinen Koerper vertrauend lief ich einfach weiter. Der wird das schon richten. Bald fuehrte der Weg hinein in den Wald. Endlich! Die Sonne brannte mittlerweile noch staerker herunter. Der Gaissweg jedoch war genauso hart. Sehr steil ging es von nun an bergauf. 800 HM wollten bis zur ersten Einkehrmoeglichkeit geschafft werden. Da die 800 HM auf 1 km Luftlinie geschafft werden mussten, schlaengelte isch der Weg dementsprechend steil nach oben. Auf halber Hoehe gelangten wir auf einen Feldweg, den Horst wie ein Muli weiter nach oben tappte. Er war wieder sehr fertig, sodass ihm die Forststrasse ganz recht kam. Leider uebersah ich, dass man die Strasse nur kurz haette runtergehen muessen um wieder steiler nach oben steigen zu koennen. So aber hatte der "alte Opa" etwas Zeit zum verschnaufen. Aber auch diese 5 Minuten hatten bald ein jaehes Ende und schon ging es wieder [steil] bergauf. Leider verschaetzte ich mich in der Zeit, da die alten Kompass Karten einen Hoehenlinienstand von 100 [Meter] haben, nicht 40. Aber nach ein paar kleinen Verschnaufpausen kamen wir auch schon bei der Feldkirchner Huette an. Zeitmaessig auch nicht mal so schlecht: 1,5 h statt der angeschriebenen 2,5 h. Um wieder mal was neues zu trinken, gab es heute erst mal Orangensaft-Schorle. Horst tat es mir gleich, obwohl ich in seinen Augen schon das Radler und Bier blitzen sah :-). Wegen dem spaerlichen Fruehstueck goennte ich mir noch einen Strudel. Leider was das ein Reinfall. Zwar wurde mir gesagt, dass nur der Apfelstrudel selbst gemacht ist, der Heidelbeer Strudel aber trotzdem gut schmeckt, aber so richtig gut war der doch nicht. Dann sah ich am Nachbartisch doch noch einen Apfelstrudel. Tja. Das war sicher die richtige Entscheidung [Von dem Besteller am Nachbartisch]. Der laechelte mich auch an aber es ging dann doch weiter zur naechsten Huette.

Geflicktes Hosenloch
Wenn ich das "Loch" von Gestern und dessen Essen mit dieser Huette vergleiche, waere es besser gewesen, doch noch hoch zu steigen. Der weitere restliche Weg verlief ueber eine Forststrasse, erst mal vorbei an 2 fetten Funkantennen. Mittlerweile war auch kein Baum mehr um die Forststrasse. Mein Schlapphut leistete mir wieder gute Dienste gegen die Sonne. Mit der Sicht von diesem Weg ist aber eines klar: Ich war an einem Ende der Alpen angekommen. Das duerfte auch das letzte Mal fuer die kommenden Wochen sein, dass ich Flachland sehen werde. Ausser natuerlich ich breche vorher ab. Zum Glueck war der Weg bald wieder von Baeumen umrandet. Schatten bei Sonne ist so schoen wie einen Unterstand zu haben, wenn es eine Woche lang regnet. Aber nix geht ueber ein kuehles Bier, wenn man den ganzen Tag unterwegs war :-). Nach 45 Minuten hatte es schon wieder eine Einkehrmoeglichkeit gegeben, die Sarojaalpe, aber ohne Unterbrechung ging es weiter. Es war nur noch eine Stunde zu laufen, dann hatte der heutige Hatsch ein Ende. Etwas steil ging es nochmal zum Sarojasattel hoch, aber nur 150 HM. Mittlerweile machte ich mir Sorgen um Horst, der mit Herzproblemen hier herumstiefelte und ans Limit ging. Bisher scheint aber noch alles gut zu laufen und ich bleibe auch immer in seiner Naehe.
Der Sattel war schnell erreicht und nach einer kleinen Trinkpause stuermten wir die letzten 200 HM bergab, teils querfeldein, weil 1. solche Wege schon eingetrampelt waren und so die Baender wieder etwas zu tun hatten, nachdem in den letzten Tagen tote Hose war. [Den Punkt '2.' gibt es wohl nicht.] Und schon tauchte die Huette auf. Dort bekam ich endlich das, was ich seit Tagen sehr ersehnte. Einen eigenen Raum ohne Schnarcher. Bisher [Zum Zeitpunkt des Schreibens] hab ich naemlich das 2. Matratzenlager fuer mich alleine :-). Schon um 2 Uhr gab es Mittag- und Abendessen: Salatbuffet mit Grillwurstbuffet. Endlich soviel Essen wie man will und Hunger hatte ich enorm. So stopfte ich mich voll, bis ich nicht mehr konnte. Ein Problem habe ich jetzt aber schon. Die Leute hier sprechen irgendwie kein wirkliches Deutsch mehr, sodass ich oft 2x nachfragen muss, was Sie meinen.

Feierabendbier!
Heute erledigte ich auch die letzte Kompass Karte von den Karten, die ich mit dabei habe. Ab sofort navigiere ich nur noch mit Swiss Topo Karten, die sehr genau zu sein scheinen. Ich bin gespannt. Ein grosser Nachteil der Karten ist, dass keine weiteren Infos wie z. B. Gasthoefe eingezeichnet sind.

Meine Hose hat heute auch einen Riss bekommen, als ich ueber eine Bank bei der Gafadura Huette rutschte. Da es sich um eine Stretch Hose handelt, war es nicht mal so einfach, diese zu flicken. Zuerst fragte ich die Huettenleute nach einem Flicken. Da bekam ich ein Rotztuch aus Stoff. Hoffentlich war das gewaschen. Ein kleines ausgeschnittenes Rechteck davon naehte ich zuerst aussen herum. Zumindest wollte ich das. Die Berandungsstiche beruehrten 2x den Riss. Dann naehte ich noch den Riss auf das ausgeschnittene, festgenaehte Rechteck-Rotztuch fest mit ziemlich groben Stichen. Sieht eigentlich ganz gut aus. Ich bin gespannt, wie lange das haelt. Jetzt laufe ich mit einer schwarz besticktem grauen Hose [mit einem eingenaehtem Rotztuch] herum :-).

Heute ist auch der erste Tag, an dem ich locker mit dem Schreiben fertig wurde und so den Abend in vollen Zuegen geniesen kann. Im uebrigen habe ich von gestern Abend ueber 14 Mueckenstiche! Die meisten sind aber klein. Vermutlich Probebohrungen.

Horsts Anekdote: Ein Flieger braucht von Muenchen nach Monaco 1 1/2 Stunden, nein, nicht ganz, 90 Minuten.