Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Montag, 23.8.2010
Tag 76 - Vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang
Prati del Vallone → Passo Sott. d. Scolettas → Rif. Zanotti → Passo di Bravaria → San Anna di Vinadio → Colle della Lombardia → Passo d' Orgials → Rif. Malinvern C.A.I.
Das Viech ist auch schon frueh auf und schon weiter als ich.
Erst mal zaehle ich die HM nach oben: 550 bis Zanotti, 400 hoch zum Pass, 1000 ab Strepesi, 400 zu einem Grat, 400 zum Passo d' Orgials. Macht zusammen 2750. Dann kommen sicher noch 250 HM wegen dem Auf und Ab hinzu und ich habe die 3000er Marke geknackt. Dafuer bin ich auch am Ende. Ich bin erst nach 18 Uhr bei der Huette angekommen.

Das Rif. Zanotti.
Die Nacht war sehr angenehm, da ich das Zimmer fuer mich hatte. Um 5:30 Uhr klingelte mein Wecker, den ich gleich weiter stellte. Nach dem erneuten Klingeln stand ich auf und packelte alles bis auf die noch leicht nassen Klamotten ein. Dann ging's zum Fruehstueck, wo ich meine heisse Schokomilch und Brot mit Marmelade bekam. Wie erwartet war die Uebernachtung mit HP saubillig. Das freut auch meinen Geldbeutel, denn ich muss wohl mit dem Geld noch bis nach Monaco kommen, weil es womoeglich unterwegs keinen Bankautomaten mehr gibt.

Weiter ging's zum ersten Pass fuer heute.
Um 6:30 Uhr startete ich dann los. Es war gerade hell genug um ohne Lampe loszulaufen. Wie gestern beschlossen, ging ich nicht behutsam und energiesparend an die Tour ran, sondern stuermte regelrecht los. Erst mal war ein steiler Teil zu ueberwinden und das in der Frueh... Mein Herz bumperte auch 2x ganz seltsam, aber egal. Schnell kam ich hoeher und endlich auch von dem steilen Teil heraus, den ich schon gestern beim Abstieg sehen konnte, genauso wie das flachere Stueck.Den Pass hatte ich bei meinem Tempo schnell erreicht, wo gerade auch eine Berggams o. ae. herum lief.

... auf dem ich schon bald stand.
Vom Pass ging's ueber eine Art alte Strasse inkl. kleinem Tunnel ca. 200 Meter runter, ehe ich weiter hoch zur Zanotti Huette stieg. Ich fasse mich gerade sehr kurz. Ich will spaetestens um 23 Uhr ins Bett! Bei der Zanotti Huette konnte ich es natuerlich nicht unterlassen doch nachzusehen, ob sie offen ist und ja! Es war jemand drin. Offensichtlich ein Huettenwirt. So haette ich gestern doch noch hier herkommen koennen, wobei es mir ehrlich gesagt ganz recht war, schon vorher zu rasten. Die heisse Dusche tat gut und sonst haette ich heute stinkend herumsteuern muessen. Die Gelegenheit nutzte ich und bestellte eine Cola, die ich austrank, mich noch mit ein paar Worten ueber GTA vs. Via Alpina unterhielt und dann weiter zog.

Die erste Huette. Ueber den Pass in der Ferne musste ich aber nicht mehr.
Es wartete noch ein langwieriger Aufstieg auf mich. Der grosse Vorteil war, dass die Sonne immer noch hinter dem Berg versteckt war und ich im Schatten aufsteigen konnte. Wunderschoen war dieser Wanderweg wieder. Es gab einen Fluss anzuschauen und auch den steilen Zufluss von oben. Hier hatte sich sogar noch etwas Schnee gehalten! Wie das hier wohl vor 2 Monaten ausgesehen hat? In vielen Serpentinen und einem steinigen Weg ging's hoch zum Pass. Ich erwarte von den Paessen schon gar nicht mehr viel. Irgendwie sieht dahinter mittlerweile alles aehnlich aus. Ich bin bisher ueber so viele Paesse gestiegen, dass mich nur noch etwas Unerwartetes und natuerlich das Meer bewegen koennte.

Der Abstieg verlief relativ gemuetlich und anfangs auch auf einem schoenen Weg und eine schoene Landschaft.
Die naechste Huette war aber auch schon im Talbereich zu sehen und nach 500 Metern Abstieg war ich schon dort und wunderte mich ueber die Via Alpina Wegtafel, auf der der direkte Weg nach Strepesi gezeigt wurde statt ueber den Pass wie in meinem VA Guidebook angegeben. Erst mal ging ich in das Rifugio, wo es weder O-Saft, noch spritziges Mineralwasser gab. Ja super! Dann eben 2 Cola. Waehrend ich diese in mich reinkippte, klebte ich einen meiner Zeher ab, der warum auch immer etwas aufgerieben war. Bevor ich weiter ging, fragte ich die Bedienung welcher Weg denn nun die richtige VA sei. Beide antwortete sie mir.

Viele HM nach unten standen mir noch bevor.
Als Sie mir dann noch als Antwort auf die Frage, welcher den schoener ist sagte, dass es bei dem einen halt hoch geht, war meine Entscheidung schon fast gefaellt. Da ich bei dem laengeren Weg auch noch ueber oder neben einer Hauptstrasse (lt. Karte) haette absteigen muessen, war die Entscheidung gefaellt: Ich gehe direkt nach Strepesi runter. Teils ueber einen Wanderpfad, teils ueber die Strasse ging es bergab. [Wie es ein Wanderweg immer so an sich hat, war dieser weitaus schoener als die Strasse. Die meiste Zeit folgte der Wanderweg einem Flussverlauf bis er steiler zu einer Forststrasse und letztendlich sogar auf eine Teerstrasse ueberging. Ueber 800 HM waren das. Wenn ich ueber den Pass gegangen waere, 1200 HM!!! Jede Abkuerzung nutzte ich. Viele Leute kamen mir entgegen. U. a. auch 2 vollgeschminkte alte Frauen. Igitt! Beim Runterlaufen war auch der Pass sichtbar, ueber den ich noch Heute steigen werde.

Die "Bruecke", ueber die ich musste.
Ueber eine Teerstrasse gelangte ich das Reststueck runter nach Strepesi. Einen Supermarkt fand ich auch gleich, wo ich mir 1 Dose Bier, 1 Liter Wasser, 3 Trinktueten Saft und eine Strumpfhose kaufte. Bei der Theke bestellte ich mir dann ein Sandwich, wonach sich die Frau erst mal ordentlich schneuzte und dann ohne die Haende zu waschen das Sandwich machte. Ja igitt! Rotz halt gleich direkt drauf! Natuerlich sagte ich nichts. Die Frau konnte kein Englisch. Als Ersatzprodukt nahm ich noch so eine kleine Tortenrolle mit.

Der Pass war noch lange Zeit entfernt auch wenn man ihn ueber jeden Huegel erwartet haette.
Eine Post fand ich leider auch nicht. Wie gerne haette ich das mind. 1 kg schwere und nicht mehr benoetigte Kartenpaket nach Hause geschickt! Auf einer kleinen Bank machte ich mir es fuer 15 Minuten bequem, ass die Haelfte der ekelhaften Rolle und packte die Dose Bier, die Strumpfhose und die 2 Ritter Sport die ich mir auch kaufte in den Rucksack. Den Saft trank ich ganz aus und auch die Haelfte des Wassers. Alles andere, insbesondere das Sandwich, landeten im Muell.

Auch dieser Ausblick vom Pass war wieder gaenzlich anders als ich es mir von den Karten her vorgestellt haette.
Dann wurde es interessant. Dem Wegweiser zum Pass folgend stand ich vor einer Bruecke, die nur noch aus 2 begehbaren Traegern bestand. Als ich 3 Meter darauf lief und das Schwanken anfing, kehrte ich doch wieder um. Der andere Weg, der den Fluss entlang fuehrte endete aber nach ein paar Metern. O.K. Also das Spielchen nochmal von vorne. Dieses mal zog ich aber die Riemen meines Rucksacks sehr fest, atmete tief durch und lief hoch konzentriert ueber einen der Stahltraeger auf denen beide Fuesse nicht nebeneinander Platz haetten. Geschafft! Dann ging's mit dem Anstieg los. Erst schattig im Wald, lief ich bald unter leicht bewoelktem Himmel.

Der Weg nach San Anna.
Mist. Gerade sehe ich, dass der Rest der heutigen Bilderserie meiner leicht defekten Kamera etwas verdreckt ist :-(. [Lange zog sich auch hier der Weg nach oben, fuer's erste wieder einem Fluss folgend.] Im Eiltempo erreichte ich schliesslich auch diesen Pass [auf einem immer steiniger werdenden Wanderweg], der sich immer wieder hinter Huegelchen versteckte. Oben angekommen lag der erste Teil des Tales vor mir. [Die Landschaft sah auch wieder ganz anders aus als ich sie mir von den Karten her vorgestellt habe. Das Tal lag deutlich tiefer und eine Strasse schlaengelte sich zu einem Pass hoch den ich an dem heutigen Tag auch noch ueberqueren werde, allerdings zur Abwechslung mal quer.] Jedoch verlief der Weg entlang des rechten Hanges immer wieder auf und absteigend nach San Anna di Vinadio, wo ich in irgendein Lokal ging und mir Saft, Mineralwasser und endlich ein Sandwich holte, das auch noch gut schmeckte.

Der lange Weg auf gleicher Hoehe.
Hier wollte ich aber auf keinen Fall bleiben. Es war hier total ueberfuellt mit Grattlern. Aber auch wenn das nicht der Fall gewesen waere, waere ich weitergegangen. Vorsichtshalber rief ich aber die naechste Huette an, sagte, dass ich in 4h da sein werde und ging los. [Das erste Stueck des Weges war noch voll mit den Grattlern was sich aber schnell enderte, als der Weg immer schlechter wurde. Nach dem 400 HM Aufstieg, vorbei an Grattlern, einem See und irgendwelchen kleinen Altaeren [welche mit Steinen notduerftig gebaut wurden] machte ich kurz Halt um Schocki zu essen und die Dose Bier zu trinken. Rauf und runter ging's zum Colle della Lombarda, wobei von Frankreich her dunkle Wolken aufzogen. Ich lief gerade die Grenze entlang.

Zum Pass ging's steinig hoch.
[So konnte ich bald auch den Pass sehen ueber den ich heute noch musste, allerdings trennte mich von diesem noch das Tal, das ich ueber den Pass umgehen konnte. Allmaehlich verwandelte sich der Wanderweg mehr und mehr zu einer Fahrstrasse um. Auf dem Pass angekommen wollte ich auch schon wieder weiter. Autos mag ich nicht.] Dann folgte ein bisschen Teerhatsch [auf einer leicht absteigenden Strasse], wo nach 20 Minuten rechts der Weg zum heute letzten Pass abzweigte. Teilweise war der Weg sehr schlecht zu gehen, da ich immer wieder auf dem Geroell wegrutschte. [Zum Glueck war der Weg ansonsten gut praepariert. Ansonsten waere ich ausschliesslich auf Geroell aufgestiegen.]

Der See war nicht mal die Haelfte des Abstieges.
Jetzt ist auch Huettenruhe und ich in meinem Zimmer. Ich bin fertig. Stichpunkte: Pass war sehr windig, Abstieg sehr langwierig und fuer Fuesse schmerzhaft. Ich ueberlege mir, dass Zusammenlegen bleiben zu lassen. Jedenfalls in dieser extremen Form. Die Berge scheinen hier nur aus Paessen zu bestehen und sehr wenig miteinander verbundenen Taelern. Halbpension: Super leckere Nudeln mit Fleischsosse, dann auch leckeres Goulasch mit angebratener Polenta (letzteres schmeckte heute auch!), dann Kuchen. Huette sehr modern und wunderschoen. Bin einziger Gast heute.

Geschafft: Ankunft bei der Huette mit Abenddaemmerung.
[Und jetzt noch die ausfuehrlichere Fassung: Wie schon erwaehnt, war es am Pass sehr windig. Deshalb schaute ich mich erst gar nicht um, sondern machte mich augenblicklich an den Abstieg. Von der Huette war noch nichts zu sehen, da der Weg einerseits eine Kruemmung machte und andererseits die Huette hinter einem horizontalen "Knick" lag. Erst mal ging es links an 2 Seen vorbei. Nach einem weiteren "Knick" nach unten und der Umwandlung des Weges von Geroell zu einem weicheren Trampelpfad entlang eines dritten Sees oder Tuempels schepperte ich noch den Rest herunter und gelangte endlich zur Huette. Dort setzte ich mich erst mal auf die Bank vor der Huette und ruhte mich aus. Mann war ich kaputt! Nach 30 Minuten Erholung ging's dann auch rein mit dem ueblichen Abendprogramm.