Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Samstag, 3.7.2010
Tag 25 - Jugendherberge
Jamtal Huette → Pass Futschoel → Alp Valmalei → Ftan → Scoul
Anfangs war der Weg noch ohne Schnee...
Eigentlich hab ich heute ueberhaupt keine Lust mehr, das ganze Graffl niederzuschreiben. Nur werde ich es in ein paar Wochen bereuen. Also mal zurueck zur Huette und dem Abendleben. Gemuetlich ging's dort zu. Ich glaub, gegen 23 Uhr bin ich ins Bett gekrochen. Bezahlt war schon alles. Nachdem ich 30 Minuten von Horsts Saegerei und den Atem- bzw. Schnaubgeraeuschen wachgehalten wurde, stopfte ich mir ein paar kostenlose Ohropax in die Ohren, die ich mir von der Tuebinger Huette mitnahm. Der Wecker klingelte um 6:30 Uhr, um 6:40 fing ich an, mein Graffl zu packen. Das Fruehstueck hatten wir schon dabei, weil wir das Zeug nicht mehr mit hochschleppen wollten. So gab es fuer mich eine eingekaufte Schokomilch [die kaufte ich in dieser Huette] und einen Tunfischsalat sowie Leberwurst auf Knaeckebrot. Dann noch einen Apfel. Nach dem Hungern Gestern war das auch noetig.

... und wurde immer mehr. Auch die duenne Hoehenluft wurde deutlich spuerbar.
Gegen halb 8 ging's dann auch schon los. In gemuetlicher Steigung ging's bergauf. Stueck fuer Stueck verschwand die Huette mehr hinter den Huegeln aus meinem Blickfeld, wobei der Weg durch eine wunderschoene Landschaft fuehrte: Neben einen Fluss ging es auf einem Wanderweg, aber auch teils ueber Steine, um den Fluss fuellende Fluesse zu ueberqueren - oder auch einfach nur Matsch. Ich weiss nicht genau, woran es lang, aber ich hatte das Gefuehl, dass mir [es] etwas an Kondition fehlt. Entweder lag es an der Hoehenluft oder daran, dass ich Gestern nicht richtig satt wurde. Nach den ersten 300 HM schoenen und schneefreien Wanderwegs stand ich dann vor der Abzweigung, bei der es zu 2 anderen Scharten und meiner abzweigte. Von weitem sah ich schon Eine, die zumindest bei direktem Uebergang schneefrei war. Genau in diese Richtung ging dann der Weg, nur zur guten Haelfte ueber Schneefelder. Gluecklicherweise waren genug Markiersteine schon vom Schnee befreit, sodass der Weg gut erahnt werden konnte. Horst und ich wechselten uns beim Spuren im Schnee ab, was schon mal die Kraefte schonte. Trotzdem spulte es mich und ich rang teilweise regelrecht nach Luft. Vllt. war auch der Grund, dass die Strecke in 2 h geschafft wurde statt der angeschriebenen 2,5 - trotz Schnee und ueber 20 kg Rucksack.

Die kleine Nothuette kurz vor'm Uebergang
Beim Futschoel Pass angekommen raetselte ich ueber den weiteren Weg. Waehrend rechts hinter mir ein fetter Gletscher vor sich hin schmelzte, stand ich vor einer riessigen Schneewechte, bei der ein sicheres heruntersteigen unmoeglich erschien - ausser vllt. mit Steigeisen. Ein Blick in die Karte verriet, dass der Weg erst etwas weiter oben herunter fuehrte. Also noch gute 10 HM hoeher ueber Geroelldreck um den Huegel im Pass herum und schon war der Weg herunter sichtbar. Nach ein paar Fotos ging ich auch schnell zum Abstieg ueber. Die Schweizer Schneefelder scheinen qualitativ hochwertiger zu sein. Jetzt befand ich [mich] naemlich seit dem Pass wieder auf schweizer Seite. Teilweise stieg ich sogar ueber die Schneefelder ab, statt dem nebenanliegenden Weg zu benutzen. Bald hoerte der Blockgletscher auf und es ging steil ueber viel Flora und Fauna bergab. Zwischen dem Blockgletscher und dem steilen Abstieg setzte ich mich noch fuer gute 5 Minuten auf einen Felsen, um die umringenden Berge anzuschauen und die Natur zu geniesen. Dann ging es steil bergab und meine Hoffnungen erfuellten sich, dass dieser Abstieg komplett schneefrei war. Zwar schmiss es mich einmal ordentlich hin, aber der Abstieg war trotzdem schnell erledigt.

Auch in dieser Hoehe bluehte es schon ueberall wo der Schnee verschwunden war
Noch ueber eine Bruecke und weiter etwas angenehmer bergab ueber eine Mischung aus Strasse und Fahrweg. Mittlerweile hatte ich z. B. auch die Arnika Pflanze erkannt, genauso wie ein paar andere. Bereits zwischen den Schneefeldern wuchsen die verschiedensten Blumen. Beim Abstieg nach der Ueberquerung noch viel mehr auf Wiesen, auf denen man gerne eine Kuh sein moechte, um den ganzen Tag zu fressen, wiederzukauen, zu schlafen und weiter zu fressen. Bei der Alp Valmala wurde dann eingekehrt - sozusagen. Denn die Getraenke standen in einem Brunnen und die Kasse stand inkl. Wechselgeld offen da. Eigentlich haette ich gerne ein Bier gehabt, aber 4 € war mir dann doch zu teuer. Deshalb gab's nur eine Coca Cola fuer 3 € unter einem Sonnenschirm zusammen mit einem total bescheuerten Hund, der sinnlos herumklaeffte. Bisher waren nur 800 HM Abstieg gemeistert, weitere 800 fehlten noch. Ueber die mittlerweile gut ausgebaute Forststrasse ging es weiter bergab - am Ende sogar unter Baeumen, die wieder guten Schatten spendeten. Nach einer halben Ewigkeit und einem schoenen Wanderweg in der Naehe von Ftan kehrten wir in diesem Ort auch in eine Pizzeria ein. Da eine Pizza 16 € (!!!) kostete, teilten wir uns eine Diavolo. Ich trank dazu 2 Bier, wobei ich schon beim ersten ziemlich beschwippst war.

Der lange Weg hinunter...
Noch 300 HM runter nach Scuol. Die Bedienung gab den Tipp, dass in Scoul eine Jugendherberge direkt beim Bahnhof vor 2 Jahren eroeffnet hat. Perfekt um Geld zu sparen. Doch auf dem Weg nach Scoul fing es ploetzlich leicht das Regnen an. Na super. Da war nur eine kleine schwarze Wolke ueber mir und ausgerechnet auf mich muss es anfangen, herunter zu pissen. Naja, die Wolke ist ja bald weg dachte ich mir, doch nach 1 Minuten zog ich doch den Regenschutz ueber meinen Rucksack um mein Tagebuch zu schuetzen, dass direkt unter dem Rucksackstoff lag. Kurz danach fing es dann richtig an zu schuetten, sodass ich im Laufschritt Schutz suchte. Waehrenddessen ging der Regen in Graupelschauer ueber. Na super! Ein Baum gab mir dann Deckung. Horst stapfte mir bis zum "Unterstand" im gemuetlichen Tempo nach, da er seinen Schirm ausgepackt hat. Nach 5 Minuten hatschte ich dann im Restniesel weiter. Das war jetzt auch schon egal. Dann zweigte der Weg nach rechts ab mit der Beschriftung "Abkuerzung Scuol". Bei der Gondelstation kam ich dann raus und fragte mich zur Jugendherberge durch, die 50 Meter weiter stand.

Nicht mehr weit, dann war ich endlich in Scoul
Der Empfang dort war aber erst ab 16 Uhr besetzt. Vor 15:30 Uhr waren wir aber schon hier. Aber Fussball faengt doch um 16 Uhr an! Doch der Fernsehraum war schnell gefunden und schon lief der Vorbericht zum Fussball. Horst ging dann raus und kam nach 10 Minuten mit Bier zurueck. Ui fein. 5 Minuten vor Anstoss ging ich noch schnell zur Rezeption hoch um uns einzuchecken. Zum Glueck waren noch 2 Betten frei. Die Halbpension wurde auch gleich mitgebucht und schon ging's wieder ab in den Keller zum Fussballschauen. In der Halbzeit bezogen wir dann auch das Zimmer und ich sprang gleich noch unter die Dusche. Danach noch die 2. Halbzeit und Deutschland hat ja verdienterweise gewonnen. Jetzt muss ich wieder schauen, dass ich im Tal bin, wenn Schland im Halbfinale spielt. Danach wurden die Sachen gruendlich gewaschen und um 18 uhr gab's Essen: Chilli con carne. Sau lecker und mit "All you can eat". Natuerlich haute ich mir den Wanst voll nach dem gestrigen Hungerleiden. Den Koch freute mein Appetit, weil die anderen Anwesenden fast nur Amis waren, die wohl eher Burger wollten. 3x holte ich Nachschlag, bis nichts mehr rein passte. Abends schaute ich noch Spanien vs. Paraguay, wobei ich nach dem heutigen 5. Bier auf Rivella umstieg. Ich war ziemlich fertig und fuehlte mich wie niedergeschlagen. Danach genehmigte ich mir beim Nachbarhotel noch 2 O-Saft Schorle. Morgen gibt es nicht viel zu tun. Ein gemuetlicher Hatsch steht an.