Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Sonntag, 4.7.2010
Tag 26 - Endlich wieder in einem Nicht-Schweiz Land
Scuol → S-charl → S-charljoch → Taufers
Blick von der Bruecke auf Scuol
Heute fuehlte ich mich aehnlich niedergeschlagen wie Gestern, auch wenn unterwges nicht so viel Bier floss.

Nachdem ich mir wegen Horst, dem Master des Schnarchens, wieder 2 Ohrenstoepsel verpasste, klappte auch das Schlafen. Um 6:30 Uhr weckte mich die Sonne, der ich mit dem Aermel meiner Jacke entgegen trat [Ueber meine Augen...]. Um 8 Uhr bimmelte mein Handy und um 8:10 stand ich dann auch endgueltig auf. Das Fenster blieb die ganze Nacht offen, da es fuer mich wieder mal beinahe unertraeglich warm wurde. Das Tal und Flachland ist einfach nix fuer mich! Das Fruehstueck war sehr reichhaltig und mit frischem Brot inkl. knuspriger Kruste. Neben 2 Broten futterte ich noch eine Schuessel Kellogs Smacks. Mehr ging nicht rein, weil heute mein Magen etwas rebellierte. Vllt. war es gestern doch zuviel Chilli. Aber es hilft ja nix. Auch mit einem Grummeln im Bauch muss es weitergehen. Zur Not habe ich ja eine Rolle Klopapier im Rucksack. Die Rechnung belief sich bei mir auf nur 50 € [inkl. diverser Biere]! Das ist wirklich ein unschlagbarer Preis fuer Schweizer Verhaeltnisse und ich wuesste keinen einzigen Grund zu meckern. Nicht mal bei der Empfangsdame :-).

Der Weg entlang der Schlucht
Kurz nach 9 Uhr ging's dann los. Zuerst bergab in die Richtung des Zentrums. Sobald S-charl angeschrieben war, in diese Richtung. Nach kurzer Zeit stand ich auf einer grossen Fussgaengerbruecke, die ueber einen Fluss fuehrte. Das Zentrum von Scuol voll im Blick sowie eine Kirche, die auf eine Erhoehung gebaut wurde, genoss ich die Aussicht. Vermutlich fuehrt die eigentliche Via Alpina direkt durch's Zentrum, wodurch man diesen Ausblick nicht haette. Nach der Bruecke folgte ich weiter der Beschilderung, welche jetzt wieder mit Via Alpina Logos versehen war. Zwar zeigte die Beschilderung nicht entlang der von mir [in der Karte] markierten Route, aber was soll's. Zu meinem Erfreuen fuehrte dieser Weg naemlich durch eine Schlucht, durch die ein Weg abwechselnd links und rechts jeweils durch Bruecken verbunden fuehrte. Das erinnerte mich wieder an die haessliche Partnach-Klamm, fuer die man auch noch Eintritt zahlen muss fuer eine Beton und naturzerstoerte Autobahn. Der Weg hier fuehrte naturvertraeglich durch die Schlucht und war leicht ansteigend dem Flussverlauf folgend. Leider war der Weg nach einer guten halben Stunde schon zu Ende genauso wie die Schlucht. Nach einem kleinen Waldstueck kam ich bei der Strasse heraus, die direkt nach S-charl fuehrte.

Die seltsam anmutenden Sandsaeulen
Ich versuchte sogar, den Wanderweg neben der Strasse zu benutzen. Nach ein paar Metern lies ich das Vorhaben bleiben. Der Weg war zugewuchert und voller Pferdeaepfel. Also wieder weiter auf der Strasse, die entlang des Flusses fuehrte, immer weiter in gemuetlicher, kaum wahrzunehmender Steigung. Das Tal wurde breiter und breiter, die Flussberandung immer mehr voll Schotter. Jedes Schotterwerk haette an diesem Flussufer und den Berghaengen die reinste Freude. Schon bald fuehrte die Strasse weiter ins linke Tal hinein. Schliesslich stand ich beim Eingang von S-charl. Zu Horst schauend zeigte ich auf die naechstbeste Einkehrmoeglichkeit. Mit einem einfachen Kopfnicken bestaetigte er. So. Das war also schon die Etappe? Fuer mich gab es erst mal 2 O-Schorle. Beim Blick die die Speisekarte ist mir jeglicher Hunger vergangen. Faelschlicherweise ging ich auch davon aus, dass S-charl schon auf italienischer Seite liegt. Hinzu kam auch noch, dass es erst kurz nach 12 Uhr war! Und was macht man da, wenn die naechste Etappe nur 4 h dauert und in Italien endet? Klar! Geld sparen! Die O-Saft Schorle hat naemlich knapp 5 € gekostet!

Hinter jedem Brunshuegelchen erwartete ich den Uebergang... und das sollte noch laenger dauern.
Mit gut erholten Fuessen ging also der Hatsch weiter. Eine Landjaeger mit Brot legte ich mir vor dem Abmarsch bereit und verputzte diese auch. Richtigen Hunger hatte ich nach dem gestrigen Chilli-Vollstopfen immer noch nicht. Bisher war das Dorf eher enttaeuschend, doch der weitere Weg hinter ins Tal sehr schoen. Ueber bis auf den Weg unberuehrte Flecken gelangte ich wieder gemuetliche weitere 150 HM hoeher. Dann nochmal 100 steil ueber den Weg [eine Schotterstrasse] hoch und schon stand ich vor der Alp Plazer. Dort haette ich gerne noch was getrunken aber die vorherige Pause war zu kurz davor. Jetzt fuehrte ein reiner Wanderweg die restlichen 150 HM hoch in einem 3-fachen "das ist das Joch - ach doch nicht". Hinter jedem vermeintlichen Joch verbarg sich naemlich wieder eines. Natuerlich kam ich trotzdem schon bald oben an und machte mich schnell an den Abstieg. Das Wetter sah soweit noch stabil aus, jedoch koennte es schnell umschlagen. Besonders schoen war der Anblick des Ortlers, dessen Spitze sichtbar und komplett mit Schnee bedeckt war. Nach dem Abstieg ueber den steinigen Teil, der eine viertel Stunde beanspruchte verlief der Weg ueber eine weite Gruenlandschaft, die mit Alpenkratzdisteln uebersaeht war. Immer mehr verschwand die Spitze des Ortlers hinter der Gebirgskette, ueber die ich morgen hinweg muss. Nach den bisherigen 500 HM Abstieg suchte ich mir bei der Magitsalm ein Plaetzchen zum Ausruhen - besser gesagt, um meinen Fuessen Erholung zu geben. Horst konnte es dann nicht lassen, bei der Alm nach Bier zu fragen und tatsaechlich! Es gab Bier!

Der erste Blick auf den Ortler.
Eine Stunde hielt ich es dort aus. Dann musste es weitergehen. Die letzten 500 HM verliefen erst ueber eine Wiese und bis nach Taufers hinein ueber eine Strasse. Die 2 kleinen Bier und die Stunde Pause haben Wirkung gezeigt. Die Fuesse schmerzten in Taufers fast nicht. In irgendeinem Hotel fragte ich nach einer Unterkunft, doch ueber 60 € inkl. Halbpension war mir doch zu teuer. Die Frau rief aber bei einer anderen Moeglichkeit an und vermittelte uns eine Unterkunft im Haus Rufinatscha. 5 Minuten auf exakt dem gleichen Weg hoch, auf dem ich ein paar Minuten zuvor heruntergekommen bin, war die Unterkunft gefunden. Um weiteren Fussschmerzen vorzubeugen, gab's erst mal wieder 2 weitere kleine Bier. Dann das Standardprogramm duschen, Waesche waschen, Tagebuch schreiben. Zum Essen gab es Pizza in der Pizzeria Avinga, die in etwa 15 Minuten Gehzeit in der Naehe der Grenze lag.

Jeden morgen schmerzt mittlereile eine andere Koerperstelle. Heute war's mal wieder mein Ruecken in der Naehe meines Beckens. Aber wie schon oft geschrieben, hoert das nach einiger Zeit von alleine auf. Die lange Restzeit die zu wandern ist, gibt mir immer noch zu denken. Mittlerweile waere ich bei Muenchen-Venedig kurz vor Venedig.