Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Freitag, 2.7.2010
Tag 24 - Bla bla bla
Tuebinger Huette → Hochmadenerjoch → Madlenerhaus → Galtuer → Jamtal Huette
Blick zurueck zur Huette
So, endlich da. Um halb 6 stand ich endlich bei der Jamtal Huette. Horst und ich beschlossen, die Getschnerscharte in 2850 HM Hoehe zu umgehen, was die heutige Etappe wieder mal auf ueber 30 km Strecke hochtrieb.

Gestern beim Bettgehen im Dachgeschoss wurde ich wieder mal mit meiner Arachnophobie konfrontiert. Als ich mich gerade hinlegte, hat unter mir eine Spinne die Flucht ergriffen. Ja waeh. Statt nach etwas schlagfestem zu suchen und damit der Spinne wertvolle Fluchtzeit zu geben, schlug ich einfach mit der Hand zu und fasste damit kurz das ekelhafte Viech an. Aber Hauptsache, das Teil ist tot! Bevor ich noch mehr Spinnen auf dem Dachgeschoss sah, machte ich schnell das Licht aus und schlief nach einer halben Stunde ein. Die Sonne erleuchtete solange noch das Dachgeschoss durch das Dachfenster. Wach war ich dann kurz vor 7:30 Uhr. Meine innere Uhr schien ganz gut zu gehen. Horst war auch schon wach. Auf dem Lager futterte ich dann ein halbes Knaeckebrot und eine Landjaeger, die ich mir in Gargellen gekauft hatte. Dann noch waschen, Zaehne putzen, Trinkblase fuellen, runter gehen, Schuhe anziehen und ich war abmarschbereit. Aber erst um 7:15, denn es dauert lange, meinen Rucksack optimal zu packen um das Gewicht zu verteilen. Die Huettenwirtin Birgit und Peter verabschiedeten uns dann, wobei Birgit darum bat, dass ich ihr eine Karte aus Monaco schicken koennte [oh, das hab ich total vergessen]. Hmmm. Horst konnte sich schon wieder nicht in Schweigen Huellen. Naja. Mal schaun, ob ich eine Karte schicke. [Nach der langen Wanderzeit habe ich daran ueberhaupt nicht mehr gedacht!].

Der bevorstehende Abstieg - ganz hinten ist der See zu sehen, dem Ziel dieser Via Alpina Etappe
Mit einem Apfel in der Hand startete ich dann los. Da es anfangs wieder mal ueber Geroellfelder etwas hoch ging, war es nicht mal so leicht, den Apfel nebenbei zu futtern. Durch den Mund atmen ging ja schlecht. Er war aber schnell verputzt und ich warf ihn ins Berg-Nirvana. Wie ich es von einem Hoehenweg ueber Geroellhalden gewohnt war, war auch dieses mal der Weg gut praepariert. Naja - relativ gut, da fuer den Schnee niemand etwas kann. Den musste ich auch des oefteren queren, aber immer nichts schlimmes. Total harmlos. Ich glaube, dass ich immer noch vom Fuchskar geschockt bin. Bald ging es auch hoch Richtung Hochmadererjoch. Der Schnee nahm immer mehr zu, genauso wie die Groesse der Gestein[e], weshalb wieder sondieren angesagt war. Zur Haelfte ging es eine halbe Stunde ueber Schnee, dann wieder ueber Geroell. Manchmal suchte ich den Weg zwischen riesigen Felsbrocken hindurch, manchmal in Spruengen von aus dem Schnee ragenden Felsen. Horst stapfte mir die meiste Zeit brav nach. Nach den ersten Tagen scheint sich jetzt sein Koerper auch auf's Weitwandern [mit dem hohen Gewicht] eingestellt zu haben. Bei einem Joch angekommen, musste ich doch wieder rueber zum anderen tiefergelegenen. Jedenfalls erahnte ich das aus der Markierung, die ich erst entraetseln musste. "H. M." stand fuer Hochmaderer, dessen Pfeil auf dem Fels nach links zeigte und der Pfeil bei "Vermunt" auf einem anderen Stein zeigte nach rechts hin zum anderen Joch. Zu diesem hatte ich noch ein Schneefeld zu queren.

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Also wieder Schritt, mit 2 bis 3 Stechern meiner Wanderstoecke sondieren, Schritt, ... Schritt und wumms. Schon steckte ich bis zur Huefte mit dem linken Bein drin. Zefix! Naja. Mit dem rechten Knie hob ich mich auf allen Vieren wieder raus und war ein paar Minuten spaeter beim Joch, ab dem es zum Abstieg ging. Darueber war ich auch sehr, sehr froh, da meine rechte Wade bei jedem Schritt der letzten 100 HM Aufstieg schmerzte. Dieses Stueck war naemlich sehr steil, ohne serpentinenfoermigen Wanderweg. Runter ging der Weg schon besser, aber bald waren auch dort Schneefelder zu ueberqueren. Ja mei - Schnee is schee, aber nicht, wenn man schnell vorankommen will. Die einzige Problemstelle war ein fettes Schneefeld, dass ueber einen Fluss ging und auch den Wanderweg ueberdeckte. Ein paar Steine und relativ dichte Wanderschuhe ermoeglichten auch dort eine sichere Ueberquerung. Heute hat es mich beim Abstieg auch endlich mal hingehaun, als die Vibramsohle auf irgendeinem Stein doch nicht mehr hielt. Nach dem Wandern in Schneehoehe fuehrte der Weg bald steil bergab, wo ich den "wunderbaren" Anblich eines Stausees samt Damm betrachten durfte. Ja pfui Deifel! Davor stand auch das Madlener Haus, was die heutige Zwischenetappe darstellte.

Die huebsche Huette vor diesem haesslichen Damm
Der steile Abstieg hatte auch bald ein Ende und ich stand auf einer Forststrasse. Zum Glueck zweigte der restliche Wanderweg aber nach 50 Metern schon wieder ab und ueber kleine steinige Huegel ging es gefuehlte 100 Mal auf und ab, bis nach der letzten Flussueberquerung und huebschen Pferdal endlich die Huette direkt vor mir war. Trotz ordentlichem Tempo, was ich vorgab brauchten wir 3,5 h statt der angegebenen 4 h :-(. Erst mal Essen. Das Bergsteigeressen gab's fuer uns, was aus einer Portion Spaghetties mit Tomatensosse bestand. Nudeln geben ja Energie, was ich sicher noch gebrauchen konnte. Apfelschorle gab's auch noch. Eine Stunde gab ich meinen Fuessen Erholung. Die Socken und Schuhe trockneten solange in der Sonne und vor dem Abmarsch fuellte ich nochmal meine Trinkblase auf 2,5 Liter auf. Horst und ich entschieden uns auch, nicht der Via Alpina zu folgen. Wir erwarteten beide, dass in der Getschnerscharte auf ueber 2800 HM noch zuviel Schnee liegen wuerde, um ein schnelles und vor allem sicheres Ueberqueren zu ermoeglichen. Dort oben soll naemlich auch ein Blockgletscher sein, sodass das staendige sondieren dort sehr viel Zeit in Anspruch nehmen wuerde. Ausserdem erwischt man wie ich heute schon am eigenen Leib erfahren durfte nicht jeden kleinen Ritz [Keine Ahnung, was ich damit meinte]. So hatschten wir los, um diese Berge zu umgehen.

Der laaaange Weg runter nach Galtuer
Zuerst ging es hoch zum Damm. Das Madlener Haus lag leider unterhalb des Dammes. Der Damm selbst wurde erst nach dem Bau des Hauses erstellt. Da haben die Erbauer [der Huette] wohl die Arschlochkarte gezogen. Wenn ich mir vorstelle, wie das Madlenerhaus ohne Staudamm gelegen war... das muss herrlich gewesen sein. Unterhalb des Damms kam dann das, was ich erwartet hatte. Busse, Hotels, viele Autos und der Haufen damit verbundener Grattler. Ja Fuck! Hier hoch fuehrte ja auch eine Strasse, fuer die man ordentlich blechen darf. Der Weg nach Galtuer fuehrte auch ueber eine Forststrasse entlang. Geschaetzte 18 km waren zur Jamtal Huette zu schaffen. Zuerst 500 HM runter, dann 600 HM hoch. Da der Weg zuviel schlaengelte und stink langweilig war, kuerzten wir abwechselnd den besten Weg suchend ueber die von Rindviechern zerfurchten Wiesen ab. Dann lief ich teilweise neben der Strasse, teilweise wieder auf dem "Wanderweg". Besonders sind mir 2 total bescheuerte Motorradfahrer aufgefallen. Der eine nahm eine Kurve mit einem Sozius hinten drauf so stark, dass ein entgegenkommender Jeep stehen bleiben musste. Ansonsten haette er beide Fleischberge vom Motorrad runtergeholt. Ein anderer ueberholte einen Bus in einer Kurve um seinen Mitfahrenden nach zu kommen. Ja geht's denn noch bescheuerter?!? Mit schon schmerzenden Fuessen ging's zuerst an der Mautstation vorbei, dann durch Galtuer (immer rechtshaltend) und bald wieder ins naechste Tal hinein. Als Raststation hatte ich schon die Mentenalpe herausgesucht, die auch nach einer weiteren 3/4 Stunde erreicht wurde. 2 Radler, ein Spezi, Hartwurst mit Brot und 1 Stunde Pause.

Bei diesem Anblick und dem Wissen, dass es am kommenden Tag noch weiter hoch geht, wurde es mir schon mulmig
Da faellt mir ein, dass ich die gestrige Gaestekarte mit lauter Schrott ausgefuellt hab. Z. B. war Horst der Hans Schneider und ich der Michael Maurer. Nach der Pause ging's wieder weiter. Der leicht ansteigende Weg zweigte dann nach links und rechts ab. Zuerst hatschte ich links weiter, da das ein Wanderweg war. Zur Zeitersparnis ging ich dann aber doch ueber eine Bruecke zur rechten Seite rueber auf die Strasse. Der Weg versprach noch deutlich besser zu sein. Nach 1,5 h fuehrten dann beide Wege wieder zusammen und der restliche Anstieg von 160 HM ueber eine Bruecke hinauf zur Huette. So. Endlich da und damit schon wieder 2 Etappen totgeschlagen. Bei dem Hatsch dem Tal entlang sah ich auch staendig den Gletscher des Jamtalferner, der einfach nur komplett schneebedeckt war. [Das ganze machte mir schon wieder Angst, weil ich daran denken musste, dass wir in aehnlicher Hoehe am naechsten Tag weiter mussten.]

Das Huettenhotel mit dem Gletscher im Hintergrund
Beim Schreiben ist es gerade schon 22:30 Uhr! Deshalb kuerze ich ab. Essen: Schnitzel, etwas wenig aber naja. Die Salatmarinade war auch nicht der Hit. Die Huette scheint bis auf das Matratzenlager eher eine Durchlaufstation fuer Grattler zu sein. Z. B. wurde einer Gruppe das Gepaeck mit dem Jeep hochgefahren! Seit wann gibt es sowas auf einer Huette? [Die Bezeichnung Hotel mit Massenabfertigung waere besser angebracht.] Die Huette ist einfach zu gross geraten und wegen der Forststrasse und dem Gepaecklieferservice wird sich daran auch nichts aendern. Ich sitze hier auch mit einem grossen Hunger! Ich hab heute doch soviel verbrannt, dass mir das Essen heute nicht gereicht hat. Die Kartoffeln zum Schnitzel waren aber auch zu wenig. Hier gibt es auch einen Weg, bei dem ein deutsch-franzoesischer Freund einfach nur "Fickt's euch" sagen wuerde: "Kulinarischer Jakobsweg". Solche Schilder findet man das ganze Tal entlang. Mehr gibt es wohl nicht mehr zu diesem Jakobsweg zu sagen... Morgen werden wir versuchen, schon um 16 Uhr in Sevol zu sein, um Schland vs. Argentinien zu schauen.