Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Donnerstag, 10.6.2010
Tag 2 - Altes Ziel, neuer Pfad
Wolfratshausen → Muensing → Ammerland → St. Heinrich → Seeshaupt → Ellmann (Ott)
Blick herab auf Wolfratshausen
Da ich gestern regelrecht von der Wirtin dazu gezwungen wurde, mehr Bier zu trinken (Freibier ist generell nicht auszuschlagen!!!) hatte ich keine Zeit mehr, den Tagebucheintrag zu Ende zu bringen. Deshalb hier der Nachschlag. Auf dem Pfad zwischen dem Wehr und Wolfratshausen ist mir doch tatsaechlich eine der von mir meist gehassten Viecher davon gekrochen: Eine Schlange. Ich sah "leider" nur noch ca. 15 cm ihres grauen Schwanzes. Vllt. eine ueberdimensionale Blindschleiche? Der Schwanz war jedenfalls so dick wie der einer ausgewachsenen Kreuzotter. Das andere wichtige Ereignis war meine zuckende Wade. Als ich beim gruenen Baum ankam und mich in meinem Zimmer entspannte, pulsierten kleinste Straenge in meiner Wade abwechselnd. Das gleiche ist heute auch, aber bei weitem nicht so heftig. Da koennte man Stundenlang zusehen um zu raten, wo es das naechste Mal zuckt :-). Dann mal wieder vorwaerts zum heutigen Tag.

Um ca. 7 Uhr wurde ich wach und beschloss gleich wieder weiter zu schlafen. Fruehstueck war schliesslich erst um... hmm. keine Ahnung, was ich ausgemacht hatte. Irgendwas nach 9 Uhr. Mein Wecker riss mich dann auch rechtzeitig aus dem Schlaf und ich ging fruehstuecken. Leider gab es nicht mehr so ein bombastisches Fruehstueck wie vor 2 Jahren. Aber naja. Was soll's. Vllt. war das auch gar nicht mein Fruehstueck ;-). Fast eine Semmel schaffte ich. Nur den letzten Bissen liess ich liegen. Das fruehe Aufstehen ist halt einfach nicht mein Fall. Noch schnell die Sachen gepackt und die noch feuchten Socken ueber meine Stecken und schon ging die heutige Etappe los!

Zuerst musste ich irgendwie auf einen kleinen Brunshuegel hoch. Nur ueber den Weg war ich mir nicht ganz sicher. Aber wozu habe ich einen Mund? Anwohner sagten mir dann, dass meine Vermutung schon stimmte und ich an der vorigen Abzweigung eines Wanderpfades hoch muss. Waeh! Jetzt schon so eine Steigung? Aber's hilft nix. Da muss ich auch hoch. Fuss um Fusstritt kam ich dann oben am Golfplatz raus und schon stand die Polizei vor mir. Na toll. Ich hab doch nix gemacht! Aber die suchten wohl nach einem kaputten Schild. Das ganze hier war naemlich auch ein Waldlehrpfad, gesaeumt von Lehrschildern. Die Polizei wollte dann wissen, ob ich von unten kam und ob ich wuesste, wo Schild Nr. 5 sei. Ha! Ja! Das wusste ich tatsaechlich, weil ich genau bei einem Schild die Metallplakette gelesen hatte auf der stand "Schild Nr. 5 verwaltet von..." oder so aehnlich. Tja. Der Wanderer, dein Freund und Helfer :-).

Postbotenadresse
Und weiter ging es auf die Hauptstrasse und unter der Autobahn durch nach Muensing. Im uebrigen hatte ich heute auch meinen neuen Kompass am Start wobei ich damit eher herumspielte als sinnvolles zu tun. In Muensing angekommen durfte ich wieder Postmann spielen. Aber eher ungewollt. Auf dem Gehsteig lag ein frankierter, ungestempelter Brief von irgendeiner Praxis an eine Frau aus Darmstadt. So wurde ich wieder zum Postboten, aber nicht nach Darmstadt sondern zurueck zum Absender!!! Dessen Strasse kreuzte sich naemlich sobald mit meiner. Ansonsten haette ich den Brief einfach in einen Postkasten eingeworfen aber wer weiss schon, wie alt der Brief war. Die Frau am Empfang hat sich auch tierisch darueber gefreut und ich haute sogleich schnell von diesem Ort ab Richtung Ammerland. Wieder mal konnte ich feststellen, wie gut diese *!?$#/ Kompass Karten sind. Eine Kapelle, wo keine war und auch kein Sportplatz, wo nur eine Wiese gruente. Nach weiteren 45 Minuten war ich dann endlich am See und damit meinem ersten Zwischenziel fuer heute Abend, dem Hotel am See. Dort gab es leckeren Obazdn (wobei er nicht zu den besten gehoert) zu Mittag und 2 Glaeser Mineralwasser, kein Spezi! Kurz zuvor wurde ich auch wieder von 2 Leuten angesprochen, wo ich herkomme, weil sie mich schon 1 h zuvor gesehen haetten. So redeten wir ein bisschen. U. a., dass ich von Muenchen bis hierher gelaufen bin, um dann bei Garmisch-Partenkirchen in die Alpen zu gehen. Beim Obazdn und dem Blick auf den See wurde ich dann auch mit einer grauenhaften Sache konfrontiert. Meiner DA. Bei dieser ging es u. a. auch um die Spiegelung auf Oberflaechen. Vermutlich verfolgt mich das jetzt fuer den Rest meiner Wanderung. Nach dem Hotel am See ging es gemuetlich am See entlang, leider auf einer Teerstrasse. Da mir die 2 Personen von vorhin sagten, dass der Weg schoen schattig sei, band ich meinen Schlapphut hinten an den Rucksack. Ach genau! Von dem Golfplatz aus bzw. kurz danach konnte ich schon wieder die Alpen sehen!!! Dieses Mal habe ich auch weniger Bedenken als letztes Mal, es tatsaechlich bis zu den Alpen zu schaffen.

Essen am See
Entlang des Sees gab's dann haufenweise Einkehrmoeglichkeiten. 3 Stueck davon ueberging ich, um dann beim Buchscharner Seewirt einzukehren. Wasser! Mineralwasser! An das Zeug gewoehne ich mich schnell. Nur der Preis hat mich beim Bezahlen etwas stutzig gemacht: 4,90 € fuer 0,7 L Wasser?!? Aber jetzt war es ja schon egal. Die Strecke bis hierher ging ich uebrigens mit meinen alten Einlagen. Da die orthopaedischen, die ich auf dieser Tour mal ausprobieren will, etwas dicker sind und etwas mehr Zehenfreiheit nehmen, tauschte ich sie mal aus. Irgendwie hat das aber nix gebracht. Mal schauen, ob es in den Bergen einen groesseren Unterschied gibt. Nach dem 5 € Wasser hatschte ich das Reststueck bis nach Seeshaupt. Zur Haelfte auf kleineren Wegen weg von der Strasse. Wenn ich daran denke, was ich vor 2 Jahren fuer Qualen durchgemacht habe! Jetzt scheint alles zu passen. Die Tuete sitzt, die Schultern passen soweit, nur die Fuesse schmerzen hoellisch. Beim Hotel am See rief ich auch bei den Otts an um meine Uebernachtung zu sichern. Da sie dieses Mal wohl keine Zeit oder Lust hatte, mir Wuerstl warm zu machen (Eier hatte sie mir angeboten), musste ich noch in einen Supermarkt. Vor einem solchigen zog ich dann meine Schuhe aus und liess meinen Rucksack neben meinen Schuhen liegend fuer den Einkauf vor der Tuer liegen. Irgendwie wieder richtig angenehm, ohne einer Last auf den Schultern herumlaufen zu koennen. 3 Nektarinen, 3 Dosen Wurst und Knaeckebrot war meine Ausbeute fuer diesen Einkauf. Auf einem Fahrradstaender vor dem Supermarkt machte ich es mir fuer 15 Minuten nochmal gemuetlich, um meine Fuesse noch besser zu erholen und stampfte los.

Das letzte Stueck zu den Otts
Erst ueber die Bahngleise und dann unter einer gleissenden Sonne und brutaler Hitze ueber die Asphaltstrasse, bis der Waldweg kam. Pause. Meine Fuesse. Nicht, dass ich irgendwelche blutenden Stellen haette oder grosse Blasen. Meine Fuesse schmerzten einfach allgemein. Dann schnappte ich mir meine Huettenschuhe. Leichte Sandalen, die ich im Sonderangebot auf meiner letzten Tour erworben hatte. Wenn ich laenger mit denen laufe, bekomme ich fiese Reibstellen und Blasen an diversen Stellen aber fuer diese restlichen 2 km fehlt sich doch nichts. Mit der Einkaufstuete in der linken und meinen Wanderschuhen in der rechten Hand stampfte ich dann los und war schnurstracks bei den Otts, wo mich ihr Hund "Wastl" begruesste und ich wegen einem Sicherheitsabstand nicht in die Eingangstuer der Familie gehen konnte. Auch rufen half nix. Tja. Was macht man da? Schattiges Plaetzchen suchen und einfach hinsetzen :-). Nach 5 Minuten tauchte dann aber doch die Frau Ott auf und ich konnte mein Zimmer fuer heute beziehen. Vor dem Duschen setzte ich mich aber erst mal hin, kuehlte ab und kauerte mich dann auch noch ins Bett, weil ich ziemlich fertig war. Weitaus schlimmer war aber, was ich zwischen meinen Beinen entdeckte: Einen echt heftigen Wolf bei meinem rechten Oberschenkel. Waehrend dem Laufen fiel mir das noch gar nicht auf, jetzt aber kann ich kaum noch laufen. Ach Scheisse. Braucht's das jetzt? Nach dem Duschen oeffnete ich auch eine Blase, die meinen ganzen rechten kleinen Zeher umschloss. Das war so aufgedunsen, dass die nur schlimmer geworden waere. Dann setzte ich mich gemuetlich mit ein paar Bier auf den Balkon, um das Graffl hier zu schreiben, begleitet von viel Vogelgezwitscher und spaeter auch von seltsamen Tiergeschrei aus den Wald. Einen leichten Sonnenbrand an den Armen habe ich auch :-(. So, das war's. Ich Bett.