Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Donnerstag, 1.7.2010
Tag 23 - Ein ausgesperrter Penner unterwegs in den Bergen
Gargellen (Haus Wulfenia) → Vergaldner Alp → Tuebinger Huette
Der lange Weg, der allmaehlich hoeher ging
Nach dem gestrigen Aussperrer trank ich gleich noch mein 3-tes Dosenbier. Die Bierbegleitende Zigarette rauchte ich dann zum offenen Zimmerfenster hinaus, denn vor die Eingangstuer brachte mich keiner. Recht gemuetlich war das Aufstehen: Um 7:15 packelte ich meine Sachen und ging zum Fruehstueck. Dort musste ich mir die Story anhoeren, warum ich Gestern ausgesperrt wurde:

Ein Handelsvertreter wurde telefonisch zum UEbernachten angemeldet. Als mich die Hausbesitzer dann draussen sahen, dachten sie sich nein, der uebernachtet hier nicht. Deshalb sperrten die alles zu und machten auch alle Lichter aus. Toll! Echt Toll! Schau ich so furchterregend aus?!? Stillschweigend durfte ich mir dann das Gesuelze anhoeren. Das bringt mir auch nichts, wenn ich eine halbe Stunde ausgesperrt war. Immerhin weiss ich jetzt, warum die [die] Lichter ausgemacht haben, als ich an die Fensterscheiben geklopft hab. Vielleicht sollte ich mir mal Gedanken ueber meine Abendkleidung in Form einer super bequemen Jogginghose, meinen Sandalen und einem T-Shirt [machen]. Das Fruehstueck selbst war ganz gut. Es gab eine grosse Auswahl. Ich verputzte erst mal eine Schuessel Kellogs Smacks oder eine Nachahmung davon, dann noch eine Semmel mit Streichwurst. Zum Trinken gab es eine Schokomilch. Ziemlich mieslaunig zahlte ich dann auch die 38 € fuer die Uebernachtung und das Aussperren. Solche Grattler!!!

Zum Glueck war das Viech schon tot - vermutlich von einer heiligen Kuh totgetrampelt
Gegen 8:30 Uhr ging's dann los. Richtung Sueden liefen wir erst mal in einen Shop mit Wanderausruestung um fuer Horst einen neuen Hut zu suchen. Seltsamerweise war der billigste Hut der beste. Mit einem voll ausgeruestetem Horst, 1 Dose Bier und diversen Lebensmitteln in meinem Rucksack, der mir heute extrem schwer vorkam, ging es dann weiter. Nach ein paar Minuten Waldstrasse gelangte ich bald auf einen kleinen Wanderweg, der links neben einem Fluss verlief. In angenehmer Steigung ging es allmaehlich hoeher um bald nach einer Brueckenueberquerung auf einer Forststrasse ins Tal hinein zu laufen. Vor uns wanderten schon ein paar andere Leute, die wir bald einholten. Der Weg ging in einer leichten Steigung immer weiter ins Tal hinein bis wir bei der Vergaldner Alp ankamen. Dort pausierten wir fuer gute 20 Minuten und tranken eine Kraeuterlimonade. Schon bald kamen auch die 2 Franzosen zur Alm. Irgendwie kamen die mir bekannt vor. Genau\! Mindelheimer Huette! Mit einem kurzen Plausch fanden wir dann heraus, dass sie ein bisschen mit dem Bus gefahren sind. Pfui! Aber das Wichtigste ist, dass sie sich in ihrem Alter ueberhaupt noch soviel bewegen [Respekt!!!]. Die Juengsten schienen die mir nicht zu sein.

Blick zurueck - wer wohl dies kleines Huettlein hingebaut hat?
Der weitere Weg verlor immer mehr die Eigenschaft eines Fahrtweges, bis er endlich in einen richtigen Wanderweg ueberfuehrte. Schon ab der Alm konnte man erahnen, wo ich heute rueberlaufen werde. Die Spitz zulaufende Scharte die ich von weitem sehen konnte war es aber nicht, sondern das Joch links daneben. Ab jetzt ging's schon steiler nach oben. Schritt fuer Schritt (wie immer und was auch sonst) schlug ich die zu machenden HM tot. Auf jeder Seite waren die Berghaenge etwas hoeher immer noch stark mit Schnee belegt. Dank der genaueren Swiss Topo Karte wusste ich aber, dass zumindest auf der Via Alpina kein richtig steiler oder gar [zusaetzlich] schneebedeckter Hang auf dem Weg lag. Nach jedem steilen Stueck kam wieder ein etwas flacheres. Sozusagen bestand der Weg von Tal ab Ende der Strasse aus 3 grossen Huegeln, die mit je ca. 250 HM hoeher fuehrten. Ueber ein paar kleine Schneefelder erreichte ich dann schon bald das Vergaldner Joch in der Hoffnung, dass der nordausgerichtete Hang groesstenteils schneefrei ist, da sich das Joch auf ueber 2500 HM befand. Die steilen Wege waren dann zu meiner Erleichterung auch schneefrei, sodass der Rest ein Kinderspiel war.

Und schon wieder Schnee!
Kurz nach der Alm hatte ich auch Bekanntschaft mit einer kleinen Kreuzotter [gemacht], die direkt auf dem Weg lag. So wie es sich gehoert, war dieses Drecksviech aber tot [wahrscheinlich totgetrampelt von einer Kuh]. Nach 50 HM, die nach dem Joch steil bergab fuehrten, waren dann ein paar Schneefelder zu queren, aber nichts grossartiges, da einerseits der Schnee nicht hart und schoen pappig war und andererseits die Steigung nicht gross genug war, als dass man bis zum Ende des Schneefeldes [wo einen Felsen erwarten] rutschen wuerde wenn man doch mal abbricht. So stand ich bald wieder nach einem kleinen Anstieg ueber ein Schneefeld im Mittelbergjoch und konnte schon die Huette sehen, die wie eine kleine Festung auf der anderen Seite stand. Zuerst musste ich aber wieder 100 HM steil runter, bis der Weg auf fast gleichbleibender Hoehe um das Ende des diesseitigen Tales Richtung Huette fuehrte. Der letzte Teil der heutigen Etappe bestand im Ueberschreiten von Geroellfeldern mit riessigen Steinbrocken. Leider befanden sich ausgerechnet dort noch kleine 5 - 10 Meter breite Schneefelder. Mit dem Wanderstock als Sonde fand ich aber auch dort einen sicheren Weg und schon bald war ich bei der Huette.

Immer wieder gab's ganz viele Alpengloeckchen!!!
Es war 13:30 Uhr, aber ich wollte auch frueh bei der Huette sein, um etwas zu entspannen. Zuerst machten Horst und ich Brotzeit. Der Kaese, den ich seit einer Woche mit mir herumschleppte musste endlich weg. So verdrueckten wir die 360 Gramm, tranken Dosenbier und assen dazu die Gestern gekauften Laugenstangen. Mei war der Kaese gut!!! Der hat nach 1 Woche dermassen gestunken, dass meine Fuesse nach 3 Tagen Wandern im Vergleich dazu ein Witz sind.

Bei dem Supermarkt von gestern kaufte ich mir noch ein kleines Buechlein von Kompass zur Bestimmung der Pflanzen, die hier herumwachsen. Deshalb kann ich hier auch schreiben, dass es ganz viele huebsche Felder mit Alpengloeckchen gab. Die Schusternaegel von Gestern heissen auch offiziell Fruehlingsenzian. Jetzt muss ich mir die Bezeichnungen nur noch merken :-).

Zum Greifen nah und doch noch eine halbe Ewigkeit entfernt: Die Tuebinger Huette
Da es noch Donnerstag ist, habe ich heute nochmal mein eigenes Matratzenlager. Ab morgen wird es dann das erste Mal richtig voll auf einer Huette seit anbegin meiner Reise. Mit Spannung erwarte ich auch die Wegbeschaffenheit der naechsten 3 Etappen. Es geht noch hoeher und teils auch ueber einen Gletscher [keine Ahnung, was ich damit meinte - ich weiss jetzt nichts mehr von einem Gletscher]. Laut Via Alpina Fuehrer sollte das nur im Sommer gegangen werden. Ich bin aber zuversichtlich, da die Sonne mittlerweile sehr viel Schnee weggebrannt hat. Zum Abendessen gab es ein Bergsteigeressen, dass aus einem Gemueseeintopf mit Hauswurst bestand, wieder mal sehr lecker. Andere bestellten sich ein Schnitzel mit Pommes, das genauso viel kostete wie das von gestern, aber viel groesser war und sicher auch besser schmeckte [Und das auf einer Huette...]. Darauf wieder mal ein zefix! Diese scheiss Touristenabzockerei!

Bei diesem Anblick laeuft mir immer noch das Wasser im Mund zusammen.
Abends genossen Horst und ich noch die abendliche Sonne, die bis 20:30 Uhr gut Waerme spendete. Eine weitere Schweizer Karte ist auch durch. Allmaehlich naehert sich das Verhaeltnis der durchlaufenen Karten zu den [zu] durchlaufenden [die ich momentan mit mir trage] 50:50, was mir mehr Hoffnung auf das Erreichen von Monaco gibt. Wegen der langen Laufzeit ist es das erste Mal, dass das Ende nur schwer vorstellbar ist. Zum Betthupferl teilten wir uns einen Kaiserschmarrn. Morgen brauchen wir viel Energie, weil wir schon wieder 2 Etappen zusammenlegen wollen.