Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Freitag, 27.8.2010
Tag 80 - Einfach nicht mein Tag
Limonetto → Colle di Tenda → Fort Tabourde → Col de la Perle → Colla Piana → Passo del Duca → Rif. Garelli
Gemuetlich ging's durch einen huebschen Weg los.
So. Um kurz nach 14 Uhr kam ich bei Rif. Garelli an, das gestern eigentlich nur als Zwischenstation angedacht war. Jetzt bin ich aber doch gleich hier geblieben. Der Weg zur naechsten Huette haette meine Fuesse ruiniert. So komme ich eben erst in 9 Tagen in Monaco an, wenn sich sonst nichts Weiteres als das Geplante zusammenlegen laesst.

Heimat, ich bin bald wieder zurueck.
Nachdem ich mir gestern noch mein 3-tes Bier reingepfiffen hatte, ging ich in's Bett. Den Ueberzug auf dem Bett liess ich einfach drauf und schlief darauf in meinem Schlafsack eingemummt. Viel Schlaf hatte ich nicht. Nach 6h klingelte schon mein Handy, dass ich gleich weiter stellte. Dann stand ich aber auch auf und fing das Packeln an, raeumte den Kuehlschrank aus und fruehstueckte nebenbei ein paar Scheiben Toastbrot die ich mir mit Streichkaese beschmierte. Dazu Saft und ein paar der Bisquittteile.

Auf verlorenen Pfaden beim Aufstieg.
Die 1,5 Literflasche Sprite blieb unangetastet. Diese stellte ich zusammen mit anderen noch verwertbaren Resten auf den Tisch. Die ganzen Essenssachen, die ich in den Rucksack stopfte waren schon so schwer, dass ich darauf verzichtete auch noch die Dose Cola mitzunehmen. Diese glaubte deshalb sofort dran, auch wenn es mir gar nicht danach zumute war. Kurz nach 7 Uhr ging ich dann zum letzten mal die vielen Treppenstufen herunter und hinterlegte den Schluessel unter einer der Tischdecken so wie es gestern abgesprochen wurde.

Beim ersten Fort.
Den gleichen Weg wie gestern wollte ich aber nicht zuruecklaufen und ging stattdessen weiter die Strasse herunter, bis ich rechts ein kleines Gaesschen hochging, dass zwar nicht in der Karte verzeichnet war, mich aber doch auf den Weg brachte, zu dem ich wollte. Dieser fuehrte naemlich fast parallel zum letzten Wegstueck von gestern bergauf. Wegmarkierungen fand ich auch, sodass der Weg schon stimmen wird. In der Karte war zwar eine Strasse eingezeichnet, aber das waere ja nicht das erste Mal, dass die Karte keinen Sinn ergibt. So lief ich auf dem kleinen Pfad hoeher und landete doch noch auf einer kleinen Fahrstrasse die ich weiter lief.

Beim Fort, bei dem ich haette nicht vorbeikommen sollen.
Dann wurde es doch sehr seltsam mit dem "Wanderweg". Markierungen konnte ich keine mehr sehen und als ich bei der Gabelung die Strasse Richtung Pass weiterlief, ging's bei einem Haus aus nicht mehr weiter. Dafuer wehte dort eine bayrische Flagge :-). Also zurueck und auf der anderen Abzweigung weiter. Auch dort gab's keine Wegmarkierung, aber die Strasse schien zumindest in Richtung Pass hochzugehen. Irgend ein Verbotsschild konnte mich auch hier nicht aufhalten und ich lief einfach weiter. Notfalls laufe ich halt querfeld ein ueber den Hang hoch!

Und wieder auf verlorenem Weg.
Dann sah ich doch noch links von mir in weiter Ferne eine weiss-rote Markierung und lief sogleich dort rueber um nach 5 Minuten wieder fernab von Markierungen zu hatschen. Ja wie toll. Wozu markieren die ueberhaupt? Ein grosses Schild mit "Go straight up" weiter unten haette es auch getan. Mit Erreichen der Ruinen auf dem Pass hatte der Aufstieg fuer's erste auch ein Ende. Schon in der Frueh war es sehr warm und auch die 600 Meter hoeher brachten keine Temperatursenkung. Dafuer blies mir ein unglaublich starker Wind um die Ohren der mich fuer den Rest des Tages begleiten sollte. Auf dem Pass hatte ich einen schoenen Rundumblick, u. a. auch auf dem Pass ueber den ich gestern vor dem Geroellfeld gelaufen bin.

Auf dem Weg zum naechsten Pass.
Zeit zum Entspannen gab ich mir aber nicht. Bei einem so starken Wind konnte ich mich auch erst gar nicht entspannen da ich befuerchtete, dass das Wetter warum auch immer umschlagen koennte. Schnell lief ich weiter, den rot weissen Markierungen folgend. Einen Hang entlang lief ich auf einer fast immer auf gleicher Hoehe verlaufenden Strasse entlang. Bisher lag ich auch gut in der Zeit, was sich schnell aenderte als ich einen Blick auf die Karte warf. Fuck! Ich bin hier falsch!!! Fix. Wie konnte mir das denn passieren. Die rot-weissen Markierungen betreffen den GR 52A, nicht die VA! Zurueck wollte ich nicht . So lief ich weiter bis zum naechsten Fort... [um] anschliessend auf einem kleinen Pfad wieder in Richtung der Via Alpina zu laufen, nur haette ich dazu einen weiteren Haken laut Karte schlagen muessen [was nicht der Fall war] und [dann] an Hunden vorbei, die mich schon von weiter Ferne anbellten. Ich aber steuerte mal wieder querfeld ein auf unmarkierten Trampelpfaden von Schafen o. ae. eine gruene Landschaft hoch bis ich endlich wieder auf dem richtigen Weg war. Dieser scheiss Umweg kostete mich mindestens eine halbe Stunde, was mir wegen dem Zeitplan fuer heute gar nicht taugte. Weiter ging's in eiligem Schritt auf diesem Hoehenweg. Noerdlich von mir lag schon das ganze Tal in Wolken. Hoffentlich weht es den Mist nicht hier hoch! Hier oben wirkte alles wie ausgestorben. Ich fuehlte mich ziemlich alleine und der Wind, die Gewissheit, dass ich noch ein paar Stunden bis zum naechsten sicheren Unterschlupf brauchen werde und natuerlich diese miese Wanderkarte trieb mich an, doch etwas schnell zu laufen.

Durch diese verbeulte Landschaft ging's nach dem Pass und einer geschlossenen Huette erst mal etwas runter.
Als ich bei "Col de la Perle" ankam, war ich schon etwas beruhigter, da ich die verlorene Zeit wieder aufgeholt hatte. Auf der gegenueberliegenden Talseite Richtung Osten stellte ich mir vor, wie ich dort noch laufen werde. Nur wusste ich nicht, dass das gar nicht und nie der Fall sein wuerde, da die VA wo anders verlaufen wuerde. Vom Pass Perle ging's auf einem Wanderweg hoeher bis er sich mit der MTB Strasse ueberschneidete und weiter hoeher. Laut Karte sollte der Weg dann wieder auf die MTB Strasse fuehren aber ich brauche wohl nicht mehr zu erwaehnen, dass die Karte fuer'n Arsch ist..... Nichts grossartiges denkend folgte ich weiter den rot-weissen Markierungen, die mit Richtung der Strasse "abknickten".

Brotzeit!
Nach gut 5 Minuten warf ich einen Blick in die Karte. Fix! Das ist gar nicht der richtige Weg! Der geht gar nicht weiter die Strasse entlang. So ein Mist. Dann stehen hier die rot-weissen Markierungen doch nicht exklusiv fuer Weitwanderwege. Also wieder zurueck und ueber den naechsten Pass, der mich in einen neuen Abschnitt der Berge fuehrte. Hier bestanden die Berge aus vielen kleinen Huegelchen, Felsen und wieder dem Anblick der Menschenleere. Hier will doch auch keiner leben! Wie erwartet hatte auch die mit einem roten Haeuschen in der Karte eingezeichnete Huette geschlossen. Wieso ist die dann bitteschoen so deutlich eingezeichnet?!?

Schon wieder zog die Suppe herauf :-(. Das besondere am Bild ist, dass keine weiteren Gipfel mehr zu sehen sind!
Erst mal ging's langsam bergab Richtung Norden. Da ich der Karte keinen Glauben mehr schenkte, hatte ich die ganze Zeit ein unbehagliches Gefuehl, ob der Weg denn wirklich der Richtige sei. Vor mir liefen dann auch eine Gruppe anderer Wanderer, sodass ich immerhin nicht mehr ganz alleine war. Ein Wegweiser beruhigte mich dann auch. Ich war auf dem richtigen Weg und kurz bevor ich die Gruppe Wanderer ueberholte, beschloss ich eine Pause zu machen. Ich hatte viel Futter im Rucksack und natuerlich auch ein Bier :-). So pflanzte ich mich ins Gras, zog meine Schuhe aus und fing das grosse Fressen an. Da ich mir sicher war, das Mineralwasser nicht mehr zu benoetigen, fing ich damit an. Dann die 2 Crossaints, dann noch das Chiabatta Brot, dass ich mir belegte und dazu noch die Dose Bier. Das tat wirklich gut. Nur das Bier war keine gute Idee, da ich mir den weiteren Weg weitaus einfacher vorstellte, aber die Karte taugt halt nix fuer solche Zwecke. Das Bier hat trotzdem geschmeckt :-).

Am Pass Duca und wieder von der Suppe raus, musste ich erst dort runter und dann wieder hoch.
Ueber den Pass Duca musste ich jetzt, der jedoch kein Pass war, wie ich ihn mir normalerweise vorstelle, naemlich als lokales Minima um's mathematisch einfach auszudruecken, sondern links von einem steilen Hang vorbei. Warum das so war, wurde schnell klar, als ich den Pass hinter mir lies bei dem ich den Rest der Gruppe ueberholte, die auf 2 andere total fertig aussehende wartete. Hinter dem oberen Uebergang ging es naemlich steil bergab und bergab war auch genau das richtige Stichwort, denn aus der Karte war wieder mal nicht ersichtlich, dass es doch noch relativ viele HM nach unten ging, die ich dann wieder hoch musste. Was noch hinzu kam war, dass mir schon wieder die Sehne an meinem linken Fuss schmerzte wenn ich absteigen musste und der kleine Abstieg war schon sehr steil. Deshalb hatte ich spaetestens zu diesem Zeitpunkt vor, bei der Huette zu bleiben und nicht die 2 Etappen zusammen zu legen. Was soll ich mich denn abhetzen?!?

In der Karte war das als ein See eingezeichnet. Ein Tuempel waere aber die passendere Bezeichnung.
Der Abstieg alleine zog sich schon ewig hin. Wohl deshalb, weil ich wusste, dass ich jeden HM nach unten auch wieder hoch gehen muss. Eine Wolke deckte mich dann auch noch ein, die sich aber sehr schnell wieder verfluechtigte und die Sicht frei gab. Am tiefsten Punkt angekommen ueberraschte mich erneut die Zeitangabe auf den Wegweisern, da diese um 1 h im Vergleich zum vorherigen Wegweiser erhoeht wurde. Schon vorher sprang die Zeitangabe hin und her, aber egal. Weit ist es ja sicher nicht mehr.

Endlich da!
Bei der Pause zog ich mir auch den Stoffschlauch ueber den Kopf, weil es mir immer die Haare in die Fresse wehte. Beim Aufstieg wurde das aber wieder zu warm, sodass ich wieder zu meinem Schlapphut ueberwechselte. So stiefelte ich die HM wieder hoch, nur auf der anderen Seite. Das zog sich ganz schoen hin. Gerade weil ich die Huette vorher schon sehen konnte, war es um so schlimmer, dass der Weg nicht direkt zu dieser hoch ging, sondern einen Knick hin zu einem "See" machte, der aber schon halb ausgetrocknet war. Auf fast gleicher Hoehe bleibend verlief der Weg dann zur Huette rueber die wie ein kleines Juwel auf mich nach dieser langen Einoede wirkte.

Wieder ein herrlicher Sonnenuntergang, den ich in vollen Zuegen genoss.
Von vorne schaute die Huette richtig klein aus, aber von der Seite sah ich dann den maechtigen Anbau. Innen bestellte ich mir erst mal einen Saft und 1,5 Liter Aqua frizzante. Dabei ueberlegte ich, ob ich nicht vllt. gleich weiter gehen sollte, verwarf den Gedanken aber schnell. Bei 5 h Gehzeit und da es gerade schon 14 Uhr war, wuerde ich viel zu spaet ankommen. Also Schluss ist. Ich bleibe hier und geniese die Auszeit und auch das hier existierende W-Lan :-). Urspruenglich hatte ich auch nicht vor, mich zu Duschen, aber nach 3 h rang ich mich dann doch dazu durch. Diese kostete auch nur 1,50 € fuer unbegrenzte Zeit. Das ist fair und so klebe ich heute Nacht auch nicht zusammen. Das Essen war spitze. Erst Nudeln mit Schinken-Tomaten Sauce, dann Fleisch mit Kartoffelbrei und angeschwitzten Paprikas und zum grossen Finale ein noch warmes Stueck Himbeerkuchen. So laesst es sich aushalten.

... spaeter auch noch mit Abendroete.
Abends schaute ich mir noch den Sonnenuntergang an, der hier den Himmel in tiefes Rot faerbte. Morgen werde ich es auch wieder gemuetlich angehen. Es steht ein Hatsch von 5:50 h an, den ich eigentlich fuer Heute eingeplant hatte. Mir kommt es so vor, wie wenn die Wegzeiten im Guidebook gegen das Ende hin straffer werden.