Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Dienstag, 27.7.2010
Tag 49 - Ein wasserreicher Tag
Mund → Ausserberg → Rarnerchumma → Hohtenn → Gampel
Wieder fuehrte mich der Weg weit ueber dem Tal entlang.
Das war heute ein sehr gemuetlicher Tag an dem ich schnell vorangekommen bin. Viel gab es zu bestaunen und der Weg war oft interessant. Gestern schlief ich fast augenblicklich ein, so kaputt war ich. Die Morgensonne weckte mich dann, worauf ich wieder einschlief. Der Wecker muss mich dann endgueltig aus dem Schlaf. Langsam kramte ich mein Zeug zusammen. Ich fuehlte mich wie niedergeschlagen. Halb fertig ging ich kurz nach 7 zum Fruehstuecken, was wie erwartet ueppig war. Wurst, Kaese, Marmelade, frisches Brot. Alles war da was ich wollte - auch heisse Schokolade. Auf Nachfrage (das mache ich bei einem B&B) durfte ich mir auch 2 Brote als Proviant mitnehmen. Wie geplant startete ich kurz vor 8 Uhr die heutige Etappe.

Das erste Mal, als ich eine Suone sehen konnte.
Der Himmel war mal wieder zweideutig. Da es aber recht frisch war, hatte ich vorsichtshalber meine Hose lang gezippt. Immer wieder wehte es mir eine Wolke vor die Augen, die auch schon bald wieder verschwand. Die Wolken selbst bauschten sich auf den unterschiedlichsten Hoehen zusammen. Zuerst lief ich die Strasse entlang weiter hoch, bei dessen Kehre ich den Wanderweg erwartete. Nur kam da keiner. Hmm.... das faengt ja gut an. Dann war ich wohl bei der unteren Strasse. Also noch weiter hoch, dann ueber eine Nebenstrasse und jetzt war ich wieder auf der Via Alpina, die momentan eine einfache Strasse darstellte. Auf dieser lief ich immer auf gleicher Hoehe bis kurz vor Brick, da dort der Wanderweg abzweigte. Dieser fuehrte mich mal wieder durch ein kleines idyllisches Doerfchen und weiter fernab von der Strasse. Das ganze erinnerte mich an den Gommerschen Hoehenweg von vor 2 Tagen, da auch dieser Weg immer oben verlief ohne viel Hoehe zu verlieren oder dazu zu gewinnen. Unter mir lag Visp, auf das ich regelrecht herabschaute. Viel Getummel, viel Getoese dort unten. Einigermassen Ruhe hier oben, da ich doch noch deutlich den Autolaerm hoeren konnte.

Etwas eng fuer grosse Rucksaecke.
In meinen mittlerweile ueblichen schnellen Trott kam ich flott voran, sodass mir die 2 km wie ein Wimpernschlag vorkam und ich auf einer Strasse herauskam. Von dieser ging rechts wieder einmal ein Wanderweg weg, den ich ca. 60 HM nach oben stieg. Dann sah ich "das Wasser". Besser gesagt eine der Suonen, die mich ueber die meiste weitere Zeit begleiteten. Suonen wurden angelegt, um das Bergwasser zu bestimmten Feldern zu befoerdern, da das hier eine der wasser- und regenaermsten Kantone der Schweiz ist. Deshalb haben die Leute hier vor einigen Jahrzehnten diese Kanaele angelegt, von denen ich jetzt einen verfolge. Das schoene am ruhig fliessenden Wasser ist, dass es eine gemuetliche Steigung hat. Dementsprechend auch der Weg. Die erste Zeit (Ich lief mal wieder in einem V-Ausschnitt in ein Tal hinein) war das Anlegen einer solchen Suone wohl noch relativ einfach: Das Wasser floss rechts neben dem Weg. Das haette ich auch noch anlegen koennen.

Spielzeug!
Warum der Wanderweg in der Karte bald nicht mehr durchgezogen war, stellte ich schon bald fest: Um die Suone herunter zu leiten wurden sogar kleine Tunnel in den Felsen geschlagen. Leider dachten die Leute aber nicht daran, dass dieser Weg einmal zur Via Alpina gehoeren wuerde wo Leute gehen, die grosse Rucksaecke haben! Trotz geduckter Haltung schleifte mein Rucksack des oefteren an der Decke. Diese Haltung war auch so anstrengend, dass ich noch Minuten spaeter mein Kreuz spuerte. Desdo laenger ich neben der Suone ging, desto respektvoller dachte ich an die Muehe und Not, die die damaligen Leute haben mussten um diese Srapazen der Erstellung auf sich zu nehmen! Weiter ging es hinein ins Blattschiedertal bis zur Bruecke bei der tolle Raeder zum herumspielen waren. Ja! Ich bin ein kleines Kind und wenn es etwas zum herumstellen gibt, dann muss ich daran herumfummeln. So oeffnete ich eines der Zuflusssperren um einen kleinen Spalt durch den sogleich ein kleines Rinnsal floss. Zum Glueck oeffnete ich es nicht weiter als diesen Millimeter. Wie ich spaeter lesen konnte, wird dieses Wasser auch noch verwendet!

An dem duerren Gras ist schon zu erkennen, wie trocken das Gebiet ist.
Nach der Ueberquerung der Bruecke machte ich dann den grossen Fehler dieser Etappe. Statt ein kleines Stueck rechts weiter zu gehen, nahm ich gleich die linke Abzweigung. Als dieser Weg dann etwas zu schnell bergab fuehrte wurde mir nach 5 Minuten klar, dass das nicht der Weg war, der empfohlen wurde. Diesen konnte ich naemlich schon von der anderen Seite sehen. Nur fuer schwindelfreie sollte dieser sein, also genau das Richtige fuer mich! Aber Umkehren wollte ich jetzt auch nicht mehr. Etwas mieslaunig ging ich weiter. Ein paar nette Via Alpina Wegmarkierungen waeren dafuer mal echt angebracht. Seit Wochen sah ich keine mehr davon. Nur nutzlose, die direkt an den Wegschildern haengen ohne jegliche Richtungsangabe. Ganz so langweilig war mein Weg dann doch nicht, da ich ab der naechsten Abzweigung einer anderen Suone folgen durfte. Etwas aehnliches hatte ich schon in China gesehen. Um in den Wuestenstaedten an Wasser zu kommen, wurden dort kilometerlange Tunnel gegraben, um das Wasser von den Bergen in die Staedte zu leiten. Der Unterschied war aber, dass diese Tunnel nur so hoch waren, um durchkriechen zu koennen. Ausserdem waren diese Tunnel wg. dem sandigen Boden viel einsturzgefaehrdeter.

Zur Abwechslung wurde das Wasser mal mit praeparierten Baumstaemmen umgeleitet.
Der Suone folgend kam ich wieder raus aus dem Taleinschnitt [Oder Bergeinschnitt?]. Dabei lief mir auch ein Stadtmitarbeiter ueber den Weg, der meinte, dass er jeden Tag hier nachschaut, ob die Wasserwehre und der Rest noch passt. Zum Glueck hatte ich das eine Wehr nur einen Haarspalt geoeffnet! Heraus kam ich dann auf einer Strasse, die vorbei an einem Kraeutergarten einer Kapelle und einer ueberaus sonderbaren Betonwand nach Ausserberg fuehrte. Die Sonne schien auch und so beschloss ich nach ueber 2 h flotten Hatsches eine Pause zu machen.

Wieder mal ging's in den Berg hinein und ueber die Eisenbahnbruecke drueber.
Bei der Kirche fand ich mit einer Sitzgelegenheit aus Holzsprossen auch die passende Gelegenheit. Die 2 Brote waren schnell verdrueckt. Dann verputzte ich noch ein bisschen was von dem gestern gekauften Kaese. Dazu noch ein edles Troepfchen in Form eines halben Liters Mineralwassers. Wie ein ganzes Menue kam mir das vor! In dem Dorf fragte ich auch eine Frau nach den seltsamen Platten, auf die viele Haeuschen stehen und welche ich in den letzten Tagen schon oefters gesehen hatte. Die Antwort war ganz einfach: Die dienten dazu, dass die Maeuse und Ratten nicht ins Haus kommen. Wenn ich da hier so schreibe habe ich das Gefuehl, mich schon einmal danach erkundigt zu haben.

Den ganzen Tag ging's durch solche Stollen.
Nach einer halben Stunde gemuetlichen Relaxens ging ich dann weiter. Etwas aenderte sich aber an dem Weg: Es kamen mir ploetzlich viele Leute entgegen, was mir soweit nicht zu denken gab. Unter eine Suone musste ich zur Abwechslung auch mal durch. Diese erinnerte mich an das Aquaedukt von Rom, aber nur ein "paar" Meter kurz. Gemuetlich schepperte ich wieder weiter vor mir her und lief schon bald entlang der naechsten Suone. Es ist unglaublich angenehm, neben einem kleinen, manchmal leicht rauschendem Fluesslein zu laufen. Zur Abwechslung wurde das Wasser auch mal ueber ausgehoelte Baumstaemme weitergeleitet. Schon bald ging es in den letzten Talausschnitt rein, allerdings ohne Suone. Der Weg wurde frueher offenbar zur Erstellung der Eisenbahntunnel geschaffen, die hinten in dem V-Ausschnitt zu sehen waren. Im Nu war ich auch dort und nahm die Eisenbahnbruecke um zur anderen Seite zu gelangen. Seltsamerweise stoerte mich dabei das durchsichtige Gitter am Boden nicht, ueber das ich laufen musste.

Die Haengebruecke.
Heute war es irgendwie anders mit der Hoehenangst: Sie war wie verschwunden. Genauso verhielt es sich bei der Treppe, ueber die ich ein paar Meter herunter steigen musste. 20 Minuten und 3 kleine Tunnel spaeter war ich bei der Einkehrmoeglichkeit die ich schon sehnlich erwartete. Meine Fuesse und meinen Ruecken spuerte ich naemlich schon deutlich! In Rarnerchumma bestellte ich mir ein Bier und ein paar Wieder. Noch 1,5 h trennten mich von meinem Endziel Gampel. Zu kurz, um mit Pausen wertvolle Zeit zu verschwenden. Nach der Toetung von 3 Wespen die ich tierisch nervten ging ich weiter ueber eine sehr trockene Landschaft. Hier fehlt eindeutig eine Suone :-).

Das Licht im Tunnel.
Bei der naechsten Abzweigung wurde es dann ernst: Der Weg fuehrte hinunter in eine kleine Mini-Schlucht und zuerst musste ich eine kleine Haengebruecke ueberqueren. Natuerlich wieder mit einem Lochboden. Schon vor Betreten der Bruecke hatte ich Bammel. Als ich dann in der Mitte stand, war jede Angst wie verflogen. Mein Koerper ist schon wirklich seltsam. Weiter ging es bergab ueber Treppen und durch einen kurzen Tunnel, der sogar einen Lichtschalter hatte! Abseits der Schlucht durfte ich wieder einer weiteren Suone folgen, die mich kurz vor dem Betreten der Strasse begleitete. Auf der Strasse kam ich leicht absteigend nach Hohtenn, was in etwa 200 HM ueber Gampel liegt. Von Hohtenn ging dann ein nicht immer als Wanderweg zu erkennender Wanderweg runter und schon war ich da.

Noch mehr Suonen.
Eine gewissermassen guenstige Unterkunft hatte ich im Hotel duRhone mit 65 CHF auch gefunden. Ich suchte erst nach gar keiner guenstigeren, weil es ein gutes Fruehstueck geben soll. Da bin ich gespannt! Dann ging's zum Supermarkt. Resultat: Ein Salat, Wurst, 4 Dosen Bier, Wasser, Multivitaminsaft und Koernersemmeln. Den Salat verputzte ich gleich im Zimmer, genauso wie eine Wurst und 2 Semmeln. Ich hatte Heute einen grossen Hunger! Dann machte ich mich an's Duschen und Waschen. Danach ging ich zum Migros um mich auf die Suche nach der Swisstopo Wanderkarte "Montana" zu machen, da mir diese noch bei 2 kleinen Ecken fehlt. Nicht grossartig viel, aber so ist mir wieder einmal wohler. Zum Abendessen ging ich in die nebenan liegende Pizzeria bei der ich mir wieder ein Bier bestellte, zum Essen eine Pizza ,die auch sehr koestlich geschmeckt hat. Jetzt ist es nicht einmal 23 Uhr und ich bin total kaputt.

Fast am Ziel Gampel.
Morgen kommt mein Vater nach Leukerbad um mir die restlichen Karten zu bringen! Endlich sehe ich wieder ein vertrautes Gesicht. Wegen Terminkonflikten ist der Treffpunkt Adelboden flach gefallen. Das Beste ist aber vor allem, dass ich ein Paar neue und hoffentlich passende Schuhe bekomme! Das Schreiben haengt mir mittlerweile zum Hals raus. Ich hoffe, dass sich das auch bald wieder legt. In vielen Details habe ich mich Heute ja nicht verloren, die Suonen muss man wie den Aletschgletscher einfach selbst sehen. Aber der Gletscher uebertrumpft die Suonen schon um Welten!