Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Dienstag, 13.7.2010
Tag 35 - Schnee!!!
Chiareggio → Passo del Muretto → Maloja (Sporthotel)
Bei einem solchen Anblick vom Chiareggio und vielen anstehenden HM wurde mir schon mulmig
Gemuetlich war der Tag heute. Trotz 3/4 Liter Wein bemerkte ich in der Frueh nichts davon [also vom Kater]. Kurz vor halb 7 stand ich schon auf. Das Packeln und sonstige Zeug war schnell erledigt, sodass ich um Punkt 7 wie bestellt unten beim Fruehstueck war. Einen Cappuchino gab es und irgendein abgepacktes Zeug, was fuer 15 € ganz ok war. Da kann ich echt nicht meckern. Ob aber das Fruehstueck mit bei den 15 € dabei war oder nicht, weiss ich nicht. 10 € habe ich mehr bezahlt fuer diverse Getraenke von Gestern, was sehr wenig ist. Diese Unterkunft ist einfach ein Geheimtipp, wenn man noch eine Kleinigkeit zum Essen mit dabei hat. Verabschiedet wurde ich von der freundlichen Dame, die mir gestern schon den guten Tipp mit der Pizzeria gab.

Da musste ich drueber...
Der Weg versprach heute auch gemuetlich nach oben zu fuehren. Ich nahm mir vor, ohne nennenswerte Pause (also alles ausser Trinkpausen) und ohne ausser Atem zu kommen, nach oben zu steigen. Ueber eine steinige Fahrstrasse ging es vorerst die meiste Zeit nach oben. Viele Kehren hatte ich zu schaffen, wobei ich immer auf den mit Gletschern bedeckten Monte Disgrazia zurueckblickte. Zwar gab es immer wieder kleine Trampelpfade, die den Umweg ueber die Serpentinen mit geringer Steigung abkuerzten, aber ich blieb meistens auf der Strasse. Ein Polizeiauto tuckerte ploetzlich an mir vorbei. Irgendwie schien das aber nicht fuer diese Strasse geschaffen zu sein. Ich wuerde hier nur mit einem Bulldog hochfahren wollen. Bei einer Wasserrinne hoerte ich das Auto heftig aufschlagen. Aber was soll's. Ist ja nicht mein Auto [und sicher auch nicht das Auto des Polizisten :-)]. Gemuetlich hatschte ich vor mir hin, immer bergauf, bis ich auf den Pass blicken konnte. Der liegt nur auf ~2550 HM und ist immer noch voll Schnee! Ja so eine Scheisse! Hoffentlich ist da noch ab und zu ein Wanderweg sichtbar. Immerhin verlief lt. Karte kein Fluss von dem Pass runter, was mich schon mal wg. der Einbruchgefahr beruhigte.

...und die waren ganz praktisch
Naeher und hoeher kam ich dem Pass, ueber ein paar kleine, vom gestrigen Regen und der fehlenden Sonneneinstrahlung noch hartem Schnee, bis ich nur noch fuer ein paar 100 Meter weiss sah ohne irgendwo einen Wanderweg entdecken zu koennen. Entweder quaelte ich mich jetzt gute 100 HM ueber den harten Schnee hoch, wozu ich Tritte schlagen muesste und wieder etwas zurueckrutschen wuerde, oder ich ziehe jetzt einfach meine Steigeisen an. Wozu hab ich die denn sonst dabei? :-). Das Anziehen war bei diesem herrlichen Wetter und einem grossen Stein in der Naehe ein Kinderspiel. So stapfte ich sicheren Trittes hoeher und hoeher. Ohne Steigeisen waere das sicherlich auch moeglich gewesen, es waere aber zu einer Tortur geworden. Schon bald konnte ich wieder einen Weg erkennen und ging rueber zu diesem durch Blockgestein fuehrenden Pfad. Die Steigeisen packte ich auch wieder ein, weil jetzt kein nennenswerter Aufstieg mehr ueber Schnee anstand. Nur in der Sache taeuschte ich mich: Der Aufstieg war sicher nicht mehr steil, dafuer aber das ca. 30 Meter breite Stueck, dass ich auf einem Feld querte [Schneefeld]. Nach 25 Metern herunterschlittern [wenn ich ausgerutscht waere] warteten ein paar Feldbrocken nur auf meinen Aufschlag :-(. Natuerlich ging alles gut und weitere 50 Meter ueber Schnee, die wg. staendigen Wegrutschen viel Kraft kosteten.

Endlich oben!
Dann kam ich beim Passo del Muretto an und meine Befuerchtungen bewahrheiteten sich. Hier war mind. genausoviel Schnee und es ging erst einmal sehr steil runter. Erst ueber ein bisschen Schotter, dann ueber Schnee, wobei ich zuerst keine Markierungen sehen konnte. Tief rammte ich meine Seiten der Schuhe in den Schnee, den ich zick-zack foermig herunterstieg bis ich endlich wieder auf Stein gelangte. [Das ganze dauerte lange Zeit und die erste Zeit musste ich befuerchten, auf dem harten Schnee auszurutschen und viele HM herunterzuschlittern und auf dem darunterliegenden Stein aufzuschlagen.] Jetzt machte ich auch Pause. Mein Magen knurrte nach dem spaerlichen Fruehstueck ordentlich und ich verputzte noch ein paar Reste: Das Knaeckebrot und eine Dose Wurst, die ich seit 3 Wochen herumschleppe. Einen halben Liter spritziges Mineralwasser nahm ich auch noch mit hoch, der super zum Essen passte.

Der faszinierende Blick zurueck. Irgendwo von diesem Joch bin ich heruntergekommen.
Dann musste ich weiter. Hier oben war es doch etwas frisch. Den weiteren Weg musste ich wohl oder uebel ueber den Schnee nehmen. Von Markierungen und einem Wanderweg war nichts mehr zu sehen. Hinzu kam, dass sich unter den Schneemassen ein reissender Fluss befand. In der Naehe von den Steinen lief und rutschte ich so weiter runter, den Fluss gut im Auge behaltend, wenn er sich einmal wieder blicken liess. Bald hoerte der Schnee auch endlich auf. Irgendwas schien das Gestein an sich zu haben, weshalb es knapp ueber 2000 zu dieser Jahreszeit immer noch Schnee gab. Immerhin hatte ich beim Abstieg Hilfe durch Fussspuren von 2 anderen Wanderern, die sich jetzt an meinen Spuren auf der anderen [Seite] orientieren koennen. Ein perfektes Zusammenspiel.

Der Steg ohne wirkliche Sicherung
Eine kleine Huerde hate ich noch zu ueberwinden: Einen kleinen Steg ueber den 5 Meter tiefer gelegenen Fluss, wobei der Steg nur auf einer Seite mit einem Seil gesichert war. Ein paar Sekunden stand ich davor und ueberlegte, bis ich das machte, was mir schon beim Abstieg geholfen hat: Hirn ausschalten und einfach weiter. Um mich weiter abzulenken, sagte ich vor mir "Schritt, Schritt, Schritt ..." hin. Meine Hoehenangst bei einem solchen Schmarrn ist echt nicht zu gebrauchen. Ueber einen huebschen Wanderweg, der etwas rauf und runter lief kam ich dann fast beim See an. Vorher musste ich aber an einem Elektrozaun vorbei. Dass es ein Elektrozaun war, spuerte ich durch einen heftigen Schlag an meinem linken Arm, denn der Wanderstock beruehrte anscheinend den Zaun. Fix tut das weh! Da sind sicher ueber 100 Volt drauf. Den "Zaun" riss ich auch mit, weshalb ich zur benachbarten Alm ging. Ein dort Arbeitender stellte dann den Zaun ab und ich richtete wieder alles, nachdem ich sicher stellte, dass wirklich kein Saft mehr drauf war. Beim See "Laegh da Cavloc" kehrte ich dann auch ein um meine Schocktherapie zu ueberwinden [Den "Schock" von dem Elektrozaun]. Der Nerv in meinem Ellbogen tat mir noch 5 Minuten danach weg! Eine kleine Cola und ein Stueck Johannisbeerkuchen goennte ich mir. Ab jetzt faengt auch das Sparen an. Die naechsten 3 Wochen werde ich fast nur in der Schweiz herumhatschen! Nach dem kurzen Imbiss ging es ueber eine Forststrasse weiter bergab, wobei ich schon Maloja sehen konnte. Eigentlich schon seit dem Pass, wie mir erst spaeter klar wurde. Nach einer Bruecke und einem kleinen weiteren Wanderweg war ich im Nu auch in Maloja.

Der See in Maloja
Jetzt begann die Suche nach einer Unterkunft. Das erste Angebot waren 55 Franken, dass Schweizer Haus wollte 120! Das wird schwierig. Also wieder zum 55 Franken Angebot. Dort stellte es sich heraus, dass ich 2x55 Franken zahlen muesste, weil es dort nur Doppelzimmer gab. Also weiter. Da muss sich doch etwas billigeres finden lassen! Bei der Post empfahlen mir 2 Frauen das Sporthotel, bei dem ich dann ein Zimmer fuer 55 Franken bekam. Wieder einmal direkt unter dem Dach im 3-ten Stock. Ich glaube die Leute finden es lustig, vollbepackte Wanderer ein paar Treppen hochzujagen! Internet gab es fuer weitere 5 Franken, von dem ich heute eifrig Nutzen machte. Doch zuerst duschte ich mich in der 2-Etagen Dusche und lief im Anschluss einen kleinen Rundweg, der mich ein bisschen entlang des Sees fuehrte. Jetzt hatte auch der Supermarkt offen auf das ich nur wartete. Die Vorraete wurden jetzt aufgefuellt: Tilsiter Kaese, Wurst, Knaeckebrot. Fuer heute Abend kaufte ich diverse Bier. Ein halber Liter Wasser [Mineralwasser] fuer Morgen und eine Kaesesemmel zum gleich essen gab es auch noch. Nach einem Monat schrieb ich auch Tini eine Postkarte, da sie mir beim Auszug mit der Wohnungsuebergabe geholfen hat. Dann telefonierte ich viel. Zeit hatte ich genug, da ich die Strecke viel zu schnell gelaufen bin. Zum Abendessen goennte ich mir ein Champignonrahmschnitzel mit Nudeln und Salat sowie eine Apfelschorle.