Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Donnerstag, 1.7.2010
Tag 27 - Hans ade!
Taufers → Rifair Scharte → Verhatschen → Stilfs
Mario Land Jump'n'run laesst gruessen
Heute bin ich ziemlich fertig. Die 6,5 h Tour gibt mir zu denken, wenn ich erst mal die 10 Stunden Tour laufen "muss".

Bis Gestern in die Nacht hinein schrieb ich an diesem Graffl. Um 7:30 Uhr standen wir auf. Dann Fruehstueck, bei dem wieder vieles geboten wurde. Kurz vor 9 starteten wir erst, wobei der Weg zuerst wieder ueber die Wiese fuehrte, die wir schon Gestern auf dem Weg zum Essen ueberquert hatten. Schon bald fing der Spass an. Bevor ich direkt vor der Pizzeria stand, ging's links weg, etwas runter und gleich wieder links weg. Aber mit Verzoegerung, denn irgendein Vollpfosten von Bauer hat die Sprenkleranlage fuer sein Feld angemacht ohne Schutz fuer den Wanderweg. Das ganze erinnerte mich in gewisser Weise an Super-Mario-Land mit den Feuerwalzen ueber die man drueber muss, nur dass das Spiel jetzt in der Horizontalen spielte und mit Wasser statt Feuer. Als ob das Wetter nicht schon genug schwuel waere! Wie in einem Jump'n run Spiel spurtete ich dann los, als die letzten Tropfen vor mir niederprasselten. Mit meinem Rucksack sah das sicherlich ziemlich daemlich aus. Als ich den ersten Sprenkler sicher hinter mir gelassen hatte, kam mir das Wasser des zweiten entgegen. Shit! So bekam ich die erste Dusche. Jetzt war auch schon alles egal. Schnell spurtete ich weiter, hindurch unter die anderen Wassersprenkler, bis ich nach 50 Metern im "Trockenen" war. Ich selbst war sehr durchnaesst. meine Befuerchtungen erfuellten sich auch nicht, dass die Via Alpina auf dieser Etappe wg. Waldarbeiten gesperrt ist.

Der sakrisch steile Anstieg
So ging es sofort zum sakrisch steilen Anstieg, der die naechsten 600 HM nicht nachlassen wollte. Meine Wadeln schrieen gerade zu nach Erleichterung, weshalb ich teilweise sogar schon mit V-foermigen Fussspuren nach oben stieg. Dank den Sprenklern lief mir die Suppe schon nach den ersten paar HM vom Gesicht herunter. Im Wald selbst wurde nach kurzer Zeit klar, warum die Waldarbeiten noetig sind. Ein Sturm oder der Winter hatte sich hier kraeftig ausgetobt. Teilweise kreuz und quer lagen maechtige Baumstaemme auf und neben dem Weg verteilt, sodass nicht nur ich sondern auch Horst einmal auf allen Vieren unter einem Stamm hindurch musste. Wegen dem Grossen Rucksack hatte man ausser einem weiten Umgehen keine andere Wahl. Als der Weg dann ein paar Wasserlaeufe querte, meinte Horst, dass ich mich verletzt haette. Na super. Wieder mal hatte ich mich an meinem linken Bein verletzt ohne es zu bemerken. Da fuer eine Amputation keine Zeit war und ich 2 Beine brauche um nach Monaco zu laufen (oder nur bis nach Gsteig [das bei der Halbzeit liegt]), hatschte ich halt mit diesem kleinen Kratzer einfach weiter. Der vermeintliche Wegwart, der mir entgegen lief fragte auch wg. der Wunde ["Wunde"] nach, die aber nur wegen dem Gemisch aus Schweiss und Blut so schlimm aussah.

Soweit sind die Wegwarte noch nicht gekommen :(
Bald hatte ich auch die Baumgrenze erreicht und 100 HM weiter, die ueber einen Hang fuehrte, war ich bei der Alm angelangt, an der sich 2 Burschen um das Holz kuemmerten. Auf die Frage, ob sie etwas zu trinken anbieten, antwortete einer mit starkem Dialekt "Ja, aber nur Milch". Hmm. Da muss ich mich wohl verhoert haben. So fragte ich nach Mineralwasser und Bier. Als er dann nochmal sagte, dass sie nur Milch haetten, wurde mir klar, dass ich richtig verstanden hatte. Na dann halt Milch! So bekamen Horst und ich jeweils Milch in uralten Metalltassen geliefert, von denen sogar schon innen der Lack teils abgesplittert war. Die Milch an sich war aber richtig lecker, suess und natuerlich auch vor kurzem von einer der Kuehe gezapft. Nach einer halben Stunde ging's dann auf dem Weg hinter der Alm weiter, wobei es eher kein Weg sondern ein Suchspiel nach Markierungen auf dem Hang und dem Nachgehen war. Als der Kamm erreicht war, ging es nochmal weitere 150 HM entlang des Kamms hoeher, bis die Rifair Scharte erreicht wurde. In dieser befand sich sogar noch etwas Schnee. Wenn ich daran denke, dass meine "Schneefurcht" Grenze in den letzten 3 Wochen von 1800 HM auf 2800 HM gestiegen ist, hat die Sonne wohl volle Arbeit innerhalb dieser kurzen Zeit geliefert. Hinzu kommt auch, dass ich suedlicher unterwegs bin. Nach einem Blick zurueck ins Tal ging es dann abwaerts. Nur wohin? Laut Karte gleich links und nach ein paar Metern in diese Richtung fand ich am Wegesrand auch ein kaputtes Schilderwerk, das auf dem Boden herumlag.

Eine Fleischwunde und eine Wade, die schon strammer ist als noch zu Wanderbeginn
Ueber Kuhweiden fuehrte dieser Weg hinab zur Malga del Monte, bei der meine Swiss Topo Karte aufhoerte und ich davon ausging, dass Stilfs angeschrieben ist. Denkste. Nichts aber auch gar nichts war hier auf Wegweisern von Stilfs zu lesen. Intuitiv ging's dann dem Weg von 2 Moeglichkeiten weiter auf dessen Schild nicht Forststrasse o. ae. stand. So schoen, so gut. Dieser Weg fuehrte auch in die Richtung, in der ich Stilfs vermutete. Zuerst ueber einen schoenen, leicht absteigenden Wanderweg kam der Weg bald auf eine Forsttrasse heraus und bald stand ich vor einem der Harvester-Monster, die Baumstaemme wie Zahnstocher packen konnte. Mit gutem Sicherheitsabstand wartete ich einen Moment ab, um auf das Monster zu gehen und den Monsterfuehrer auf uns aufmerksam zu machen. Der meinte, dass wir oben drueber sollten. Also nix wie 10 Meter hoch und in sicherem Abstand rueber, runter und weiter auf dem Weg, bis zur naechsten Gabelung. Dort wurde mir erst richtig bewusst, dass ich in Italien war. Die nehmen es ja mit der Beschilderung nicht so genau. Ein Weg fuehrte zur Stilfser Alm, ein anderer wo anders hin und die andere Abzweigung, die hinunterfuehrte, war nicht beschildert.

Ich glaube, dass ist der Blick zum Ortler
Dann halt zur Silfser Alm. Diese Fahrstrasse fuehrte erst bergab, dann wieder bergauf und endete scheinbar im Nirgendwo. Weiter oben schien die Strasse etwas weiter zu fuehren, jedoch ohne Markierungen. Geradeaus konnte ich hingegen einen Wanderweg ausmachen - allerdings auch ohne Markierung. Diesen liefen wir dann etwas entlang, bis es zu unwegig wurde. Das konnte nicht der Wanderweg sein. Also wieder zurueck. Horst war mittlerweile das Trinkwasser ausgegangen. Deshalb stapfte ich alleine den vermeintlichen Fahrtweg hoch, kam nach 5 Minuten zu Horst zurueck, um mich mit ihm zu beratschlagen, was wir weiter machen. Horst wollte absteigen, da er anders weiterlaufen wollte, um dann bald heim zu fahren. So beschloss ich eben auch, mit ihm den Weg runter nach Stilfs zu suchen - wo auch immer dieser liegt. Als ich bei der vorherigen Abzweigung ankam, sah ich dann wieder den Wegweiser zur Stilfser Alm. Dieser zeigte nicht ganz in die Richtung des Forstweges sondern etwas hoeher. Dort konnte ich auch die Markiersteine sehen. Ja Zefix! Was ist denn das fuer eine bescheidene Ausschilderung?!? Aber jetzt ist es auch egal. Wir gehen runter und zwar ueber den Weg, in dessen Richtung nichts zeigt. So koennen wir noch den Abend zusammen geniesen.

Unser Feinschmeckerladen
Die Forststrasse fuehrte sehr langwierig nach unten und die Fuesse schmerzten bereits. Zur Ablenkung hatte ich schon seit dem Abstieg den Ortler wieder im Blick, an dem ich morgen sehr nah vorbeikommen werde. Der Weg zog sich noch eine halbe Ewigkeit hin, bis er endlich steiler nach Stilfs herunterfuehrte. Ganz kleine Gaesschen lief ich dort entlang, die an einen steilen Hang gebaut wurden. Bei einem Spar Supermarkt machten wir dann eine ausgedehnte Pause. Bier und leckere, mit Schinken belegte Vinschgerl gab es fuer uns. Draussen sassen wir auf der Treppe und genossen zusammen die geschaffte Etappe. Gut eine Stunde war ich damit beschaeftigt, die Fliegen zu jagen. Besonders gerne mochten diese die Schuhe von Horst, in denen sich rund 10 Stueck in jedem Schuh tummelten. [Unsere Schuhe standen ausgezogen neben uns.] Ich haette die ganze Nacht vor dem Spar Markt sitzen koennen, wenn die Nacht nicht immer so kalt werden wuerde und ich nicht schlafen muesste.

Das am Hang liegende Stilfs
So ging es noch ein paar Meter weiter entlang der Gasse bis wir beim Gasthof Sonne waren. Nach etwas hin und her kehrten wir dort auch ein fuer 32 € pro Person. Duschen, Waesche waschen und Abendessen mit dem Ortler in Wolken. Zu Essen gab es Bandnudeln mit Pilzen Zu zweit bekamen wir eine Pfanne vorgesetzt, die wir nur bis zur Haelfte schafften. Nachdem Horst einen Spaziergang machte und ich begann mein Tagebuch inkl. Ueberschrift zu schreiben, entschloss er sich dazu, jetzt doch noch etwas [weiter] mitzulaufen. Hans ist sein Spitzname, den ich fuer ihn bei der Unterkunft in Gargellen angegeben hatte, bei der ich ausgesperrt wurde.