Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Sonntag, 25.7.2010
Tag 47 - Ach du schoene Berghuette
Ulrichen → Millerbine → Slekigerchaeller → Bellwald → Fieschertal → Burghuette
Ulrichen im Morgenschein
Heute sollte es mal wieder ein harter Tag werden. Es ging zwar nicht viel auf und ab, dafuer aber in die Ferne. Ueber 10 Stunden Gehzeit waren in dem Guidebook angegeben, doch es sollte noch was draufgesetzt werden.

Schon bevor der Wecker klingelte, stand ich kurz auf, um den Akku im Handy zu wechseln. Durch die ganze Internet telefoniererei waren letztendlich beide Akkus leergesaugt. Dann ging ich wieder ins Bett. Heute stand ich erst "spaeter" auf, da es das Fruehstueck erst ab 7:30 gab. In meinem Zimmer war es auch eis kalt, da ich das Fenster ueber Nacht offen lies und meine zu trocknenden Sachen mit je einem Kleiderbuegel vor das Fenster an einen loechrigen Vorhang hing. Der Himmel sah schon mal nicht schlecht aus. Es gingen ein paar Wolken oben, aber nichts bedeutend Schlimmes. Das Fruehstueck war Klasse. Es gab wirklich alles, was man haben wollte. Angefangen von gekochtem Ei bis zu Aepfeln. Natuerlich nahm ich mir auch einiges an Proviant fuer unterwegs mit: 3 kleine Koernersemmeln belegt mit Wurst und Kaese sowie einen Apfel. Bezahlt hatte ich zum Glueck schon gestern, denn in der Frueh standen ein paar Leute Schlange um zu zahlen. Ich legte einfach meinen Schluessel hin und dann ade!

Einer der Einkerbungen in den Berg, in die ich reinlaufen musste.
Nach nur 5 h Schlaf startete ich viertel nach 8 die heutige Etappe, die mich auf den Gommer Hoehenweg das Tal entlang fuehren soll, ohne auch nur 1 x eine Strasse zu kreuzen. Bis auf ein paar Forststrassen war dies auch der Fall. Bei der Kapelle in Ulrichen verlies ich die Hauptstrasse und ein Weg fuehrte mich sogleich gemuetlich hoeher und schon nach kurzem zweigte der Wanderweg ab, der mich schon bald in das erste Tal hinein und hinausfuehren wird. Als Hindernis war noch ein Elektrozaun zu ueberquere, der aber keine Moeglichkeit hatte, ihn ohne den Zaun zumindest zu beruehren, zu passieren. Tja. Da half nur die ein testen [das Testen], ob wirklich kein Strom drauf ist und ich hatte Glueck. Das Nidertal hatte ich schnell neben mir gelassen indem ich dessen Fluss ueber eine kleine Bruecke ueberquerte. Dann stiess ich auf den richtigen Hoehenweg. Also eigentlich kann man den schon fast nicht als Hoehenweg bezeichnen, weil er nur 200 - 400 HM ueber dem Tal auf einer Hoehe von ca. 1600 HM fuehrte. Ein Hoehenweg hatte auf meinen Touren bisher immer um die 2000 HM. Die Kaelte von dem Morgen bekaempfte ich wieder mit schnellem Gehen, was aber wg. dem leichten Wind und dem Schatten durch Baeume oder Wolken nicht viel brachte. Die Sonne fehlte die meiste Zeit. Was fuer ein Mist, aber ich lief einfach weiter [was sollte ich auch sonst tun?].

Der Weg verlief immer ein paar HM ueber dem Tal.
Etwas anderes nervte mich an diesem Hoehenweg auch noch ungemein: Es ging staendig auf und ab. Nie blieb es laengere Zeit auf gleicher Hoehe. Hier darf man sich sicher sein, dass alle HM die man hoch macht wenige Minuten spaeter wieder zunichte gemacht werden. Aber besser als die Hauptstrasse. Ich koennte auch abkuerzen, indem ich einfach die naechsten Etappen komplett ueber die Strasse laufen wuerde, aber dann waere ich erstens nicht mehr auf der Via Alpina unterwegs und zweitens wuerden mir sicher die ein oder anderen Sehenswuerdigkeiten entgehen. Und drittens ist Asphalt scheisse, wenn sicherlich auch der schnellste Weg. Ueber dem Dorf Muenster fuehrte der Weg wieder in ein Tal, das Minstrigertal, bei dem man an dessen Ende "Unnerm" Blatt sehen konnte, einer sehr steilen Wand, die das Tal beendete. Jetzt fuehrte der Weg laengere Zeit 200 HM nach oben. Auf Muenster hatte ich so einen wunderschoenen Ausblick, hoerte von dort auch die Kirchenglocken einige Zeit laeuten. Ein Forstweg ging monoton steigend ins naechste Tal hinein, bei dem auch schon eine Einkehrmoeglichkeit auf mich wartete. Nur sah die etwas seltsam aus. Viel Plastik und buntes Zeug stand da herum, ohne dass ich eine richtige Huette sehen konnte. Ein Hundebellen hoerte ich auch noch und als ich dann noch ein Warnschild sah, dass auf einen freilaufenden Hund verwies, lief ich gleich weiter. Die naechste Einkehrmoeglichkeit war schliesslich nur ca. 1 h entfernt und schlimmer kann es dort nicht ausschauen. Als ich auf der anderen Hangseite wieder vom Tal hinausging, sah ich auch das kleine Huettlein, dass hinter dem Pavillion versteckt war.

Und gleich noch ein Weg, der "in" den Berg hineinfuehrt!
Wieder ging es in den Wald hinein und anschliessend durch eine Wiese am Hang, die voll mit violetten Blumen war. Ein wahrer Augenschmaus. Danach ging es schon wieder in das naechste und letzte Tal auf den Hoehenweg und damit auch erneut zu einer zweiten Einkehrmoeglichkeit "Selikigerchaeller", die einen ganz anderen Eindruck als die vorherige machte: Kein Plastik und auch kein Schnick-Schnack. Genau das, wonach ich gesucht habe. Dort nahm ich Platz und bestellte eine Apfelsaft-Schorle und fragte, ob ich hier meine Wurstsemmeln essen darf. Klar, kein Problem hiess es. So verputzte ich gemuetlich die restlichen Semmeln. Die andere Semmel und den Apfel verschlang ich schon eine Stunde nach dem Etappenstart, wobei der Apfel zum Teil beim Stengel angefault war. Das war wohl ein Fehlgriff. Die Einkehr machte ich nach knapp 4 h Gehzeit. Von der Strecke die heute zu gehen war, war ich damit auch etwas ueber die Haelfte. Steil fuehrte der Weg wieder bergab, ueberquerte mit einer Bruecke den Hilperschbach und kam an einem Wildgehege vorbei, in dem ich sogar kleine Rehe sehen konnte. Wie suess. Nachdem ich jetzt schon wieder viele HM zunichte gemacht hatte, ging es wieder 200 HM hoch. Ach! Bei der Huette trank ich im uebrigen noch 1/2 Liter Apfelschorle. Meinen Getraenkevorrat ruehrte ich bisher fast nicht an. Den groessten Teil der 200 HM legte ich ueber einen Fahrtweg fuer Bulldogs zurueck. Dann fiel mir ein gewaltiger Berg ins Auge, der weit entfernt und voll von Schnee war. Zuerst dachte ich an den Mont Blanc, aber dafuer waere der Berg zu nah. Spaeter erfuhr ich, dass das das Geisshorn ist.

Das "Plastik"-Haeuschen
Ueber eine Teerstrasse ging ich jetzt erst mal runter nach Bellwald, wo wiederum ein Wanderweg weiter bergab fuehrte. Bis zum Ende der Etappe ging es jetzt "nur" noch 500 HM runter. Die Fuesse und auch der Ruecken schmerzten heut etwas mehr als sonst. Moegliche Gruende waren einerseits die fehlende Rastzeit nach der gestrigen Hammeretappe sowie das fehlen von Wanderstoecke. Diese fixierte ich heute frueh hinten am Rucksack um den Riss in der Haut an meinem Daumen nicht tiefer einzureissen. Vorsichtshalber klebte ich auch noch ein Compeed Blasenpflaster fuer Zehen drueber. Der erste Teil des Abstieges war gar nicht fein. Oft fuehrte dieser ueber Wege, die mit runden Steinen gepflastert waren, was genau das ist, was extrem schmerzt. Gerade wenn wenn die Schuhsohle fast nicht mehr vorhanden ist. Nach dem Ueberqueren der Strasse und 5 Meter Anstieg verlief der Weg rechts ueber der Strasse. Gut gepolstert dank Baumzeug freuten sich auch meine Fuesse darueber. Dann stand ich vor der Wahl der Qual [beides ist qualvoll :-)]. Entweder ich steige jetzt nach Fieschen ab, einem Ort mit Bahnhof und sicher viel Tourismus und muesste dann weiter nach Fieschertal, oder ich steige direkt ins Fieschertal ab, was aber nicht der Via Alpina entsprechen wuerde. Letzteres war mir jetzt aber egal, weil das ueberhaupt keinen Sinn ergibt [in einen Touristenverschlag abzusteigen].

Das Geisshorn
So ging ich direkt nach Fieschertal. Unterwegs begegneten mir auch Leute, die mich fragten ob sie hier Feuer machen duerften. Haeh? Wie bitte? Ich meinte, dass ich es nicht weiss, ich Heute aber mehrfach Warnschilder wg. Waldbrandgefahr gesehen haette und ich eher kein Feuer machen wuerde. Es gibt schon seltsame Leute... Bald kam ich in Fieschertal an, wo ich die Richtung eines Wegweisers zu genau nahm und durch zaunlose Privatgaerten ging, bis ich wieder auf einer Strasse heraus kam. Beim Hotel Alpenblick stand ich dann 5 Minuten spaeter bei der Rezeption. Es ist das einzige Hotel, dass es hier gibt und auch die einzige Unterkunftsmoeglichkeit die im Fuehrer angegeben ist. Bei der Frage nach dem Preis fuer ein Einzelzimmer dachte ich schon, dass ich spinne. 85 CHF, also etwas mehr als 65 €. Dafuer bekomme ich ein klimatisiertes Zimmer im Zentrum von Triest! Dann fragte ich nach, ob die Burghuette eine Uebernachtungsmoeglichkeit anbieten wuerde, doch das Maedel an der Rezeption hatte keine Ahnung.

Fieschertal
Die Burghuette hatte ich bereits gestern als Notloesung ausgemacht. Anscheinend bekam das Gespraech auch eine aeltere Dame mit (evtl. die Chefin des Hotels), denn sie meinte, dass man dort auch uebernachten kann. Um auf Nummer sicher zu gehen, dass ich auch einen Schlafplatz bekomme fragte ich nach der Telefonnummer. Als Resultat durfte ich dann vom Hotelapparat aus kostenlos bei der Huette anrufen. Uebernachtung und Essen ist moeglich. HP kostet 60 CHF, wofuer ich hier nicht einmal ein Zimmer bekommen haette. Meine Fuesse brauchten aber erst mal etwas Erholung. So setzte ich mich in den Aussenbereich des Hotels und bestellte 2 O-Saft Schorle, befreite meine Fuesse von den Schuhen und massierte sie wie fast jedes mal ein bisschen um den Schmerz schneller auszutreiben. Nach einer halben Stunde rief ich mit meinem Handy nochmal an. Ich hatte ganz vergessen zu erwaehnen, dass ich erst jetzt nach dem Preis fragte, da ich automatisch davon ausgehe, dass Huetten billiger sind. Jetzt bestaetigte ich auch, dass ich hochkommen werde und ging die letzten 600 HM fuer Heute an.

Die Titterlandschaft!
Der erste Teil fuehrte mich lange Zeit der Strasse entlang, die aber auch gut an HM gewann. So waren die ersten 150 HM schnell geschafft. Ab sofort war ich wieder auf einem Wanderweg unterwegs. Vorher hatte ich bei einer Weggabelung schon die Qual der Wahl, links oder rechts herum zur Huette aufzusteigen, wobei der rechte mehr Aussicht versprach und ueber ein gewisses Titter fuehrte, wo man als Mann einfach drueber muss :-). Ueber viel Wald ging es erst mal hoch. Ich dachte an den Aufstieg nach Robiei bei stroemenden Regen und mit ich glaube 900 HM. Dagegen ist das hier ein gemuetlicher Spaziergang. Bald kam ich aus den Waldbereich heraus und auf einen Weg, der zwischen seltsam abgerundete Felsen fuehrte. Seltsam deshalb, da sie wie abgeschliffen erschienen. Es war keine groessere harte Kante zu sehen, wie das z. B. bei einem Blockgletscher zu sehen ist [Ich glaube waehrend dem schreiben von diesem Teil habe ich mich nebenbei mit Hubertus unterhalten]. Spaeter erfuhr ich, dass das an dem alten Gletscher liegt, der die Steine so abgeschliffen hat. Weiter und weiter hetzte ich hoch, aber nicht so gut wie gestern. Ich fuehlte mich doch etwas ausgelaugt.

Die Burghuette
Bei Titter endeten auch die Stahlseile die ich auch in der Karte sehen konnte. Immer wieder schaute ich mich um und genoss fuer kurze Zeit die immer besser werdende Aussicht, wobei ich mich schon auf morgen freue, bei dem ich eine noch viel Bessere haben werde wenn gutes Wetter ist. Naemlich auf den unglaublich grossen Aletschgletscher! Ein letzter kleiner 100 HM Anstieg stand jetzt noch vor mir und schon konnte ich die Huette sehen. Perfekt! Ich bin da. Nein, doch noch nicht ganz. 2 steile Felsen versperrten noch den Weg, der aber durch 2 Stahltreppen "geebnet" wurde. Die Huette selbst ist urgemuetlich, wobei ein Holzofen im Gastraum fehlt. Der Huettenwart, der Bergfuehrer der die Huette aufgebaut hat und ich sind die Einzigen auf der Huette. Es ist angenehm still. Der Huettenwirt hat mir auch signalisiert, dass ich auf den Balkon rauskommen soll. Er zeigte mir dann mit einem Teleskop kleine spielende Rehkitze auf der anderen Seite. Mit Hubertus dem Bergfuehrer habe ich auch noch ein bisschen geplaudert. Von ihm weiss ich z. B. das mit den abgerundeten Steinen und dem Gletscher. Das Essen war auch sehr gut. Zuerst Gemuesesuppe, die ich wie schon so oft zuvor kraeftig nachsalzte. Dann einen gruenen Salat, der auch gut angemacht war. Als Hauptgericht gab es wohl Wildfleisch mit Kartoffeln und gelbe Rueben. Zum "Dessert" einen Kaffee mit Keks. Am Schluss war ich pappsatt. Die Gerichte waren alle schlicht, dafuer aber gut. Was hilft es mir, wenn in einem Gericht sonst was drin ist, was aber nicht schmeckt?!? Jetzt ist es hier nach 23 Uhr und ich trinke mein einziges und letztes Bier aus. Die 2 Huettenleute sind schon um 21 Uhr ins Bett, weil sie heute um 3 Uhr aufgestanden sind.