Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Dienstag, 17.8.2010
Tag 70 - Blauer Himmel!!!
Refuge de Buffere → Col de Buffere → Le Monetier-les-Bains → Col de l'Eychauda → Vallouise
Endlich Sonne am Morgen!
Um 22 Uhr wurde ich gebeten, den Gastraum zu verlassen, was ich nicht schlimm fand. Huettenruhe war halt. Bei der Bestellung einer weiteren Dose Orangina schuettelte die Wirtin dann den Kopf und meinte, dass das nicht gesund sei und ich lieber Wasser trinken sollte. Oh. Dann trinke ich halt noch meine Flasche Mineralwasser aus, die ich vorher bestellte :-). Endlich mal keine gewinnorientierte Wirtin. Das Vorhaben, im Bett weiter zu schreiben scheiterte an meiner Muedigkeit. So schlief ich gleich ein, wachte aber 2x in der Nacht auf.

Oben am Pass.
Als letzter bin ich ins Bett, als erster stand ich auf. Zum Glueck hatte ich den ganzen Raum fuer mich alleine. Dieser war eigentlich fuer 4 Leute bestimmt aber schon ich belegte jeden freien Platz. Die Toilette war etwas anstrengend. Meine Beine waren mit der Tuer auf Anschlag und vor mir stand etwas Wichtiges in rot an die Tuer geschrieben - aber auf franzoesisch. Tja. Dann kann ich's ja getrost ignorieren :-). Kurz vor 7:30 Uhr, dem fruehesten Fruehstueckszeitpunkt, war ich unten und bekam gleich meine heisse Milch und das gute Brot aehnlich einem Bauernbrot hingestellt. Der Rest stand schon am Tisch: Marmelade, Muesli, Cornflakes und noch mehr. Mei war das lecker. Mind. 5 Marmeladenbrote schmierte ich mir und ass nebenbei Muesli, Cornflakes und Schokomilch aus der Schuessel. Wieder alles parallel. Bei dem Blick aus dem Fenster freute ich mich schon bald auf den Vormittag. Bisher ist der Himmel strahlend blau. Noch schnell die Rechnung beglichen packelte ich noch fertig, zog meine Schuhe an und verabschiedete mich von allen.

Das wirklich gemeine bei diesem Anblick ist, dass ich dort drueben heute noch hoch musste.
Kaum war ich 20 Meter unterwegs, kam mir der Wirt hinterher mit einer Tasche in der Hand, die er mir schenken wollte als Erinnerung, wo ich nur sagte, dass ich mich auch so immer an die Huette erinnern werde und ich nichts soweit bis nach Monaco mitschleppen wollte. Der Gluecksgriff an Unterkunft verschwand schon bald hinter dem naechsten Huegel. Die Sonne warf noch lange Schatten. Mein langes Oberteil hatte ich aber zwischen Toptasche und Rucksack verstaut - es stinkt zu sehr, um es im Rucksack aufzubewahren. Ganz gemuetlich zog sich der Weg ueber eine Wiese hoeher. Leider waren in der Ferne auch schon wieder alte Befestigungsanlagen zu sehen. Was fuer ein Mist. Der Aufstieg war auch im Nu vorbei. Es waren ja nur 400 HM zu machen, was mit dem guten Essen von Gestern ein Kinderspiel war. Den blauen Himmel konnte ich aber noch nicht geniesen, da ich noch runter, wieder hoch und ueber den naechsten Pass wollte. Also auf in's Gefecht!

Nach dem Verhatscher verlief der letzte Teil des Abstieges wieder im schattigen Wald.
Das Tal lag wieder ewig weit unter mir und der Weg ging auch nicht auf dem direkten Weg herunter sondern leicht abfallend erst einmal der einen Bergseite entlang. Lange zog sich dieser Weg hin, bis endlich die Abzweigung kam, die mich auf dem schwarz-gestrichelten Weg auf der Karte runter bringen sollte. Bei der naechsten Abzweigung war ich mir dann unklar, wohin es gehen soll. Ein Schild zeigte nach "Le Puy du Cros", aber genau da sollte ich jetzt sein. Seltsam. Also lief ich erst mal weiter in diese Richtung und kehrte nach ein paar Minuten um. Da stimmt was nicht.

Der Supermarkt: Meine Zwischeneinkehr.
Zurueck beim Schild kam mir auch schon ein Wanderer entgegen, den ich fragte, ob er wisse, wo ich auf der Karte bin. Der deutete dann auf einen etwas ueberraschenden Punkt. Also bin ich nicht ueber die schwarz gestrichelte Linie sondern ueber den roten Wanderweg abgestiegen. Jetzt war wieder alles klar, nur wollte ich den einen Weg, den ich gerade gegangen bin, nicht nochmal gehen. Also stieg ich der Beschilderung [folgend] direkt ab. Erst ging es in ein Waldstueck, von dem es zick-zack bergab ging. Die Stadt selbst erreichte ich dann ueber eine Strasse und machte mich gleich auf die Suche nach einem Supermarkt. Es war keine Zeit zu verschwenden. Bald wurde ich auch fuendig und kaufte ein. 1 Liter O-Saft und 2 Sandwiches wurden es erst mal. Im ersten Moment wollte ich dann kein Bier kaufen, aber tat es dann doch. Oben am Pass wuerde ich es bereuen, wenn ich bei diesem schoenen Wetter kein Bier mit dabei haette. Noch auf die Stufen zum Supermarkt setzte ich mich hin und zog sogar meine Schuhe aus. [Keine Ahnung, was mich bei diesem Satz fuer ein Deutschteufel geritten hat.] Eilig stopfte ich mir die Sandwiches rein und hatte sogleich auch den Liter O-Saft leer. Nach 5 Minuten ging's wieder weiter. Die naechste Etappe rief!

Endlich wieder ein Via Alpina Wegschild.
Den GR 54 Schildern folgend lief ich bald auf einer geschlaengelten Strasse neben irgendeinem Feriendorf hoch und war schon bald auf einem Wanderweg, der ausserhalb meiner Karte war, aber nur fuer ca. eine Stunde die zu laufen ist, oder 2 oder was auch immer. Via Alpina Schilder wurden unten im Tal auch angebracht, wurden dann aber sehr rar. Die meiste Zeit verlief der Weg im Wald hoch, nur selten ueber eine baumfreie Flaeche. Viele Leute ueberholte ich wieder mit meiner monotonen Aufstiegstechnik, aber um so mehr kamen mir entgegen. Sogar Kinder wurden hier zu Haufen heruntergeschleppt. Wie ich spaeter feststellte, fuhr bis oben ein Sessellift :-(. Ach fix, aber so war ich immerhin nicht alleine. Nur das Laufen auf Wegen, die nicht auf meiner Karte verzeichnet sind, bereitet mir viel Unbehagen und Sorgen, weil ein Verlaufen viel Zeit und Kraft - im schlimmsten Fall einen extra Tag kostet.

Ueber solche Wege ging's die erste Zeit wieder hoch.
Schliesslich kam ich aber bald oben in der Naehe der Gondelstation heraus. Statt aber dem Weg wie eingezeichnet zu folgen (jetzt war ich wieder auf der Karte), lief ich erst mal zur Gondelstation - warum auch immer ich das tat. Und siehe da, hier befanden sich die Markierungsschilder fuer die Via Alpina und den GR 54. Eine Einkehrmoeglichkeit war hier auch gegeben, aber die liess ich links liegen. Ueber eine Schotterstrasse ging's dann einer stillgelegten Seilbahn entlang weiter zum Pass hoch. Als ich noch rechts den See hinter mir lies, war ich schon oben. Keine Ahnung, wieso das heute so schnell und ohne wirklich viel Anstrengung ging. Ich war keineswegs kaputt. Vllt. lag's an dem 1 Liter O-Saft oder an dem guten Essen von Gestern was ich eher glaube. [Oder an der guten Muetze voll Schlaf.] Jetzt gehe ich aber auch in mein Bett - nein! Mein Zelt meine ich. Morgen habe ich aber genug Zeit zum Schreiben.

- Schnippl di Schnapp -

Die letzten Schritte zum Pass.
Also beim Pass oben hab ich aufgehoert. Der Pass war aber wieder eher langweilig. Das Ganze kommt mir immer mehr so vor, dass die Berge jetzt schon flacher werden und in ihrer Steilheit abnehmen. Da oben am Pass der Wind sehr stark blies, wollte ich dort noch keine Pause machen. So stiefelte ich noch etwas herunter und folgte dem Weg, der als einziger keine Schotterstrasse war. Nach ein paar Minuten fand ich dann auch das richtige Plaetzchen um Pause zu machen. Endlich hatte ich wieder einen blauen Himmel, etwas zu Essen und das Wichtigste: eine Dose Bier!!! So pflanzte ich mich auf einen kleinen Hang, zog die Schuhe aus, packelte mein Essen aus und los ging's mit der Gemuetlichkeit. Vor dem Bier trank ich aber erst ein Wasser um das Bier nicht so herunter zu schuetten. Den Kaese packelte ich dann auch noch aus zusammen mit dem restlichen Baguette. Ja. So laesst es sich aushalten. Dann noch ein Snickers und ein Bier. Wie sehr habe ich diese Gemuetlichkeit vermisst! Wegen dem gehe ich schliesslich wandern.

Der Berg sieht fast wie eine Pyramide aus Sand aus.
Eine halbe Stunde lang liess ich es mir gut gehen, dann machte ich mich bereit zum Weitergehen. Es lag noch ein sehr langes Stueck Abstieg und Weg vor mir. Sehr lange Kehren fuehrten mich herunter, die leider nicht all zu steil waren. So zog sich auch der Weg ewig hin. Vor allem, da ich unten den Parkplatz sehen konnte, der scheinbar nicht naeher kommen wollte. Natuerlich war ich dann irgendwann beim Parkplatz und lief nun die Schotterstrasse weiter entlang. Meine Fuesse schmerzten schon aber ich musste immer noch einige km laufen. Der Strassenhatsch zog sich lange hin, ehe endlich der Wanderweg abzweigte, der in der Naehe der Strasse verlief. Ich schaute bereits auf die Karte, ab wann ich von meinen Wanderschuhen auf die Schlappen umsteigen konnte, aber das sollte noch etwas dauern.

Der Weg der sich wieder unendlich lange dahinzog.
Der Wanderweg wechselte noch oft zwischen Strasse und echtem Wanderweg ab. Die Gegend erinnerte mich schon an Italien. Alles war sehr trocken. Dass mir hier kein Brandstifter unter mir das Gras in Flammen setzt! Das Dorf "Le Sarret" war fuer mich der Stichpunkt. Ab jetzt geht es nur noch der Strasse entlang! Bei einem Brunnen legte ich alles ab und schluepfte in meine Schlappen. AAh! Was fuer ein wohltuendes Gefuehl. So koennte ich noch ewig weiterlaufen! Der Hauptstrasse entlang kam ich auch in den Zielort Vallouise. Trotz vieler Unterkuenfte die im Via Alpina Fuehrer angegeben waren, fand die Touristeninformation (dieses mal mit gutem Englisch und sehr freundlich) keine freie Bleibe. Wegen dem Regen in den letzten Tagen sind wohl alle Camper in die Gites und die Hotels gezogen. Na gut. Dann gehe ich eben auf den Campingplatz!

Die Landschaft wurde deutlich trockener. Mittig im Bild konnte ich schon mein Endziel sehen.
Dort begab ich mich auch hin und konnte mein Zelt fuer 5,10 € aufbauen. Das ist doch mal ein guter Preis. Darin waere auch eine Dusche mit inbegriffen gewesen, aber auf diese verzichtete ich heute. Das nimmt nur Zeit und morgen stinke ich nach einer Stunde schon wieder. Nachdem ich das Zelt aufgebaut hatte, ging es zum Shoppen. Pizza gab es hier um die Ecke, weshalb ich nur das Fruehstueck und die Getraenke fuer den Abend einkaufen musste. 3 Liter O-Saft, 1 grosses Wasser und 10 Flaschen Bier wurden es dann. Die 10 Bierflaschen waren aber nur 0,25 Liter gross. Was fuer eine Verschwendung an Glas. Fuer's Fruehstueck kaufte ich mir diese abgepackelten Sandwiches. Auf diese Weise ausgestattet lief ich mit einer Pappbox in dem der Einkauf lag wieder den halben km zu meinem Zelt und holte mir eine Pizza.

Meine "Unterkunft"
Direkt am Campingplatz parkt ab 18 Uhr ein Pizza Van. Wieder vorm Zelt futterte ich auf meiner Thermorestmatte die Pizza und trank dazu mein erstes Bier. Die Pizza war zwar nicht so gut, aber danach war ich papp satt. Ich finde es echt schade, dass ich seit Ewigkeiten kein schmackhaftes Bier mehr getrunken habe. Des do mehr ich mich von Deutschland entferne, des do geschmackloser wird das Bier. Meine Handy Akkus musste ich aber auch dringend laden, da auf dem Refuge de Buffere keine Steckdose war! Den ersten Akku konnte ich im Camping-Buero laden lassen, waehrend ich einkaufen war. Den zweiten Akku lud ich dann im TV-Raum, in den ich mich Abends begab um an dem Graffel zu schreiben.

Sonnenuntergang im Tal
Bis nach 10 Uhr war ich damit beschaeftigt und natuerlich auch damit, die Bier zu trinken. Ein Bier gab ich an den Angestellten ab, der mich so freundlich empfangen hatte und ab halb 8 Feierabend hatte. Mit ihm plauschte ich auch noch ein wenig, bis er auch heim ging. Nachdem ich nach meinem 8-ten Bier das Schreiben sein lies und raus ging, schaute ich wieder in einen sternenklaren Himmel, den ich leider nicht geniesen konnte: Es wurde hier in der Nacht auf einmal schweinekalt :-(. So ging ich vorm Zelt-gehen noch schnell auf's Klo, wo ich prompt mit meinem Latschen in eine riessige Lache Pisse stapfte die aus einer Toilettentuer heraus floss. Ja zefix!!! Das ist ja mal richtig widerlich. So wusch ich erst einmal den betroffenen Latschen, ging endlich selbst auf's Klo und mummelte mich dann in meinen Schlafsack ein. Als Kopfkissen benutzte ich dieses mal nicht mein stinkendes, langaermliges Oberteil sondern meine Jogginghose und schlief im Klang einer Gruppe vor sich herredender Englaender ein. Oh! Eines hab ich ja ganz vergessen: Abends rief ich noch bei dem Gite der naechsten Etappe an, um mir eine Unterkunft zu sichern, um endlich all meine Sachen waschen zu koennen und um in einem Bett schlafen zu koennen.