Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Mittwoch, 28.7.2010
Tag 50 - Leitern und neue Schuhe
Gampel → Bratsch → Feschel → Guttet → Albinen → Flaschen → Leukerbad
Der Weg nach oben.
So. Jetzt bin ich in Leukerbad, sitze hier am Tisch mit meinem Vater, der mit meinem Handy spielt. Der Tisch ist voll mit Kartenmaterial, meinem Notebook [das mir mein Vater mitgebracht hat] und DVD-Rohlingen. Ich bin gerade damit beschaeftigt, die Bilder von den Speicherkarten zu sichern und auch auf DVD zu brennen. Das Kartenmaterial bis nach Monaco habe ich auch gesichtet. Bis auf einen kleinen Hatsch im Tal ist das auch vollstaendig. Doch zuerst einmal zu dem heutigen Hatsch, der am Schluss auch noch etwas besonderes fuer mich hatte.

Die Kapelle.
Schlafen konnte ich wieder einmal exzellent. Ich goennte mir Heute sogar 7 Stunden Schlaf! Um 6:40 stand ich auf und schaute aus dem Fenster. Ein vollstaendig blauer Himmel und 2 Kuehe unter meinem Fenster, die wieder dem Einzigen nach gehen, wozu sie geschaffen sind: Fressen. Hmm. Und spaeter gefressen werden! Das Fruehstueck bot wirklich sehr viel. Sogar diverseste Kellog's Kleinpackungen von denen ich 2 Stueck verputzte. Eier, Wurst, Kaese, frisches Brot und Semmeln, Marmelade, etc. Und unendlich viel O-Saft! Eine Schmugglersemmel schmierte ich mir auch noch. Mit dieser und einer Dose Bier [im Gepaeck!] startete ich kurz nach halb 8 die Etappe, um vor meinem Vater in Leukerbad zu sein, der schon in der Frueh um 4 Uhr losgefahren sein soll!

Das erste Dorf - eines von vielen, durch die ich heute kam.
Zu Beginn der Etappe lief ich erst mal 5 Minuten noerdlich, wo mich der Wanderweg hoch nach Bratsch erwartete. Der Weg verlief zuerst in gemuetlicher Steigung auf einer vermutlich alten Strasse vorbei an irgendwelchen Prozessionsbildern nach oben. Nach ein paar dieser Bilder war ich auch schon bei einer Kapelle, die ich mir ausnahmsweise von innen anschaute. Hmm... sieht aus wie jede andere Kapelle. Etwas weiter ueberholte ich noch einen aelteren Mann, der schon frueh aufgestanden ist. Es ist immer wieder schoen zu sehen, wie auch aeltere Leute (Er war mind. 60) "hochsteigen", wenn auch langsamer. So etwas sah ich bisher aber fast nur in der Schweiz. Bald machte diese alte schmale Strasse eine Kehre. Ich aber folgte dem kleineren Wanderweg, der geradeaus weiter nach Bratsch ging - wieder mit dem Charakter eines Hoehenweges.

Und das naechste...
Und schwupps, war ich schon nach weniger als einer halben Stunde in Bratsch und hatte damit auch den Grossteil des heutigen Aufstieges hinter mir. Jetzt verlief der Weg in etwa auf gleicher Hoehe. Noch einmal konnte ich einen Blick auf den Gaisberg, oder wie auch immer der hiess, werfen. Der Berg fasziniert mich irgendwie. Wie der Ortler steht dieser einfach in der Gegend herum und man muss ihn einfach anschauen. Besonders gut an diesem Kanton finde ich die guten Wegmarkierungen bei denen man sich wirklich nicht vom Weg abkommen kann [ich nix gut deutsch].

Der abgefackelte Wald.
Die gelben Wegmarkierungen mit dem schwarzen Rand kann man auch nur schwer uebersehen. Bratsch erschien mir auf de nersten Blick wie ein Standard-Dorf bis ich zur Strasse kam und sehen konnte, wie das Dorf sich der heutigen Zeit angepasst hatte. Das war mir gerade aber sehr recht, da ich mehr oder weniger dringend musste und zwar etwas Groesseres. So stapfte ich in die naechste Bar. Ein Getraenk wollte ich mir vorher noch bestellen doch an der Bar stand niemand. So erledigte ich halt gleich mein Geschaeft. Kurz bevor ich mich aus dem Staub machen wollte, kam doch noch die Bedienung und ich bestellte mir ein kleines Wasser (fuer die Benutzung der Toilette).

Brotzeit + Bier!
Das Wasser war gleich verschlungen und weiter ging es mit der naechsten Wanderkarte die ich mir gestern kaufte nach Erschmatt. Erst ueber die Strasse, dann ueber einen auf- und abgehenden Wanderweg neben der Strasse ging es voran. Dabei dachte ich mir nur, dass ich am liebsten gleich ueber die Strasse gelaufen waere, statt das staendige auf und ab mit zu machen. Sofort und in schnellem Tempo ging ich weiter nach Feschel, dass wieder ueber einen auf- und ab Weg erreicht wurde. Das Tempo war sehr schnell. Ich goennte mir keine Erholung, aber schliesslich waren keine wirklichen HM zu machen. Von Feschel war ich schnell in Guttet. Heute ist grosses Abklappern der Doerfer angesagt. Ab Guttet wurde es dann endlich wieder interessanter: Ich kam in einen Wald, der kein Wald mehr war.

Leukerbad - mich trennten nur noch die Albinenleitern.
Kohlige Reststuecke von Ringen verrieten mir, dass dort vor ein paar Jahren ein Feuer gewuetet hat. Genauer gesagt vor 7 Jahren, da ich mich in Leukerbad darueber schlau gemaht hatte. Kleine gruene Buesche und diverse Pflaenzchen bluehten schon wieder zwischen den toten Baeumen, was den Hang unwirklich erschienen liess. Der Weg wuerde durch einen Wald fuehren. Jetzt aber ging ich mit freier Aussicht durch das abgefackelte Holz. Mir faellt gerade auf, dass der Waldbrand sogar in der Karte als brache Flaeche eingezeichnet ist. Der Weg ging bald doch wieder in ein vom Feuer verschontes Stueck Wald und ueber einen Teil eines Vitaparcours nach Albinen. Dort machte ich auch meine Pause auf einer Steinbank mit rundem Steintisch. Die Schmugglersemmel, eine Landjaeger, eine Semmel und die Dose Bier. Mei war das lecker! Das teilte ich auch dem Rest von Albinen mit Brunftschrei aehnlichen Toenen vom Wild [mit]. So schmeckte auch das Bier viel besser!

Ein paar der Albinenleitern
Nach 20 Minuten Pause startete ich mit frisch geladenem Akku wieder durch. Oder so, denn das eine Bier praellerte schon wieder sackrisch. Gemaess Wegbeschilderung zu den Albinenleitern (Das Highlight fuer heute) hatschte ich erst mal ein gutes Stueck auf der Teerstrasse bis ich wieder mal auf einen Wanderweg kam, der etwas abseits der Strasse fuehrte. Ohne es zu merken (besser gesagt zu wissen - und das war auch gut so), ging es 200 HM hoch und ich wechselte bei der Ankunft in Flaschen wieder mal die Wanderkarte. Noch 5 Minuten Wanderweg, der etwas bergab fuehrte und ich stand vor einem tiefen Abgrund und konnte Leukerbad sehen. Herab ging es nicht einfach ueber Stahlleitern sondern Holzleitern! Bei denen hatte ich wirkliche Stabilitaetsbedenken, aber solange ich auf die Seiten der Sprossen trete und nicht in die Mitte, werden sie es schwer haben zu brechen. So kam ich die handvoll Leitern heil runter, was gar nicht mal so einfach war, da ich mal wieder zu faul war, meine Wanderstecken am Rucksack zu befestigen.

Ein paar der Albinenleitern
Meine Kammeratasche, die an der Brust haengt bzw. mehr am Wanzt, stellte sich auch des oefteren auf die Sprossen. Ein gemuetlicher Weg ging dann nach Leukerbad, wo ich schon bald im Hotel eintraf, wo schon mein Vater auf mich wartete. [Bald ist gut gesagt, da ich erst mal an dem unscheinbar erscheinenden Hotel, dass vorher ausgemacht wurde und das billigste in Leukerbad war, vorbei. Mit Freude erwartete ich schon, nach so langer Zeit und etlichen KM und Hoehenmetern wieder ein vertrautes Gesicht zu sehen.] Abends ging's zum Pizzaessen und morgen hoffentlich in eine Therme. Die neuen Schuhe hab ich heute auch einige Zeit getragen. Soweit fuehlen sie sich super an. Ich bin gespannt, wie sie sich uebermorgen beim Wandern machen. Blasenpflaster habe ich ja mit dabei :-).