Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Dienstag, 10.8.2010
Tag 63 - St. Bernard
Bourgh-St.-Pierre → Plan de Sale → Col du St. Bernard
Meine heutigen Unterkunft
Es ist nicht einmal 12 Uhr und ich bin schon angekommen. Wenn ich meine Fuesse so anschaue, ist das auch gut so. Ich sitze hier gerade im Kloster, wo ich mich mit HP eingebucht habe. Alles andere scheint mir hier viel zu teuer. Gestern Nacht bin ich wie erwartet sofort eingeschlafen. Kaputt genug war ich dafuer ja. Den Wecker stellte ich auf 6:45 und stellte ihn beim Bimmeln gleich 10 Minuten weiter, wobei ich nach 5 Minuten endgueltig aufstand. Die anderen 2 Mitschlaefer waren auch schon wach, sodass ich in aller Ruhe und mit angeschaltetem Licht meine Sachen packeln und Zaehne putzen konnte. Beim Fruehstueck hatte ich alles, was ich erwartete: Brot, Marmelade, Schokomilch und Orangensaft. Bei saemtlichen Dingen bat ich um Nachschlag, da ich einen sakrischen Hunger und Durst hatte. Kurz vor 8 Uhr brach ich dann auf.

Der gesperrte Weg
Etwas ueberrascht war ich von dem naechtlichen Regen. Die Strasse war an den meisten Stellen noch nass, was fuer die Wanderwege bedeutete, dass diese sicher noch feucht waren. Ich beschloss auch, mit meinen Sandalen zu starten um so das Verrutschen des Blasenpflasters zu verhindern. Das verrutscht immer dann, wenn ich mit den Wanderschuhen unterwegs bin. Das Blasenpflaster wollte ich auch nicht fest tapen, da ich nur noch sehr wenig von dem Tape hatte. Da brauche ich dringend Nachschub. Genauso wie von den Blasenpflastern. Da hoffe ich, am Pass Nachschub zu bekommen.

Blick zum Damm. Rechts davon ging's weiter.
Wg. meinem Schuhwerk lief ich erst einmal auf einem Schotterweg weiter, auch wenn das nicht die Via Alpina war. Zumindest bis zum Staudamm wollte ich auf meine Wanderschuhe verzichten. Auf der Wanderkarte war ein solcher Weg auch eingezeichnet. Nach dem ersten Schlinger um einen Huegel stand ich dann vor einem Verbotsschild fuer Fussgaenger. Gleichzeitig zeigte ein Wanderwegschild in die Richtung. Ja fix! Was soll dann der Muell! Das mir am besten zusagende Schild suchte ich mir dann halt heraus. Auf der Schotterstrasse schepperten viele LKW's herum, weshalb wohl eher das Verbotsschild das Richtige gewesen waere, aber jetzt war's auch schon zu spaet. Nach 1 km Gehatsch stand dann das zweite Verbotsschild, wobei ein Wanderweg mit einem Fussgaenger-erlaubt-Schild nach rechts unten weg ging. Da gab ich mich geschlagen und ging den "erlaubten Pfad".

Der Damm war mehr leer als ein Staudamm.
Den Staudamm konnte ich auch sehen. Leider hoerte die gut zu laufende Schotterstrasse kurz nach dem Abknicken auf, was mir aber egal war. Einigermassen gut kam ich auch mit den Schlappen voran, auch wenn meine Zehen nass wurden. Nach 10 Minuten, die ich direkt vor dem Damm aufsteigend verbrachte, gelangte ich wieder auf eien Schotterweg. Der Damm selbst war dann etwas enttaeuschend, da sich dahinter kein riessiger Stausee, sondern nur ein kleiner Tuempel befand. Da haette ich wieder einmal viel mehr erwartet. Da der Schotterweg jeden Moment aufzuhoeren drohte und ich eine Bank fand, zog ich jetzt meine Wanderschuhe an.

Immer wieder stellte ich mir vor, wie es fuer die Menschen vor 100 Jahren gewesen sein muss, diesen Weg zu gehen.
Da ich auch staendig den Laerm vorbeifahrender LKW's und Motorraeder ausgesetzt war, die max. ein paar hundert Meter entfernt herumtoerten, entschloss ich mich einfach Musik mit meinem feinen Handy zu machen. Ein bisschen Metal in den Bergen kann nie schaden :-). In der Fronttasche der Deckelklappe kam ich auch in vollen Stereo Genuss. Mit etwas schmerzenden Fersen lief ich als Metal-hoerender-Wanderer weiter. Schnell kam ich wie befuerchtet, auf einen richtigen Wanderpfad, aber zum Glueck hatte ich schon vorhin auf der Bank mein Schuhwerk gewechselt.

Manchmal fernab von der Pass-Strasse...
Jetzt begann auch ein langgezogenes Auf und Ab. Wie gestern hatte ich auch heute das Zeitgefuehl verloren und fuehlte mich etwas kaputt. Hoffentlich hat das nichts mit dem Zeckenstich zu tun und einer Infektion oder Krankheit, die dadurch entstehen kann. Ich hoffe immer noch, dass das nur wegen den 2 Riesenetappen der 2 letzten Tage war. Wenn ich mir vorstelle, dass ich anfangs nur kleine Etappen mit insgesamt um die 6 Stunden zusammenlegte und jetzt mit ueber 10 Stunden, ist es kein Wunder, wenn ich kaputt bin. Heute belasse ich es aber bei der einen Etappe mit den 4,5 h, weil morgen ein langer Hatsch ansteht. Ausserdem soll ich in dem Hospiz oben beim Pass gut und guenstig uebernachten koennen.

... manchmal in der ersten Reihe.
Nach einer wiedergefuehlten Ewigkeit kam ich beim Punkt "Plan de Scale" raus, was fuer mich hiess, dass ich schon 400 HM der zu schaffenden 400 HM hinter mir hatte und es jetzt steiler hochgehen wuerde. [Nach Adam Riese stimmt das wohl nicht ganz :-).] In einer Stunde duerfte ich am Pass sein. Erst mal setzte ich mich aber wieder hin um meine linke Ferse zu begutachten. Wie wegen dem staerker gewordenen Schmerz vermutet, hatte sich das Blasenpflaster verschoben. So ein Mist. Diese Compeed Teile halten von alleine einfach nicht gscheit. Also weg mit dem Teil und ein Neues klebte ich so drauf, dass die Blase gerade an der Unterkante des Pflasters war um so maximale Deckungszeit zu haben. Oh. Bei Plan de Sale machte ich noch nicht Pause. Erst ein kleines Stueck weiter bei L'Hospitalet. Zuerst musste ich naemlich noch einen Haken schlagen, den ich wohl mit einem Hatsch auf der Hauptstrasse haette einfach verhindern koennen, aber was soll's. Heute hatte ich genug Zeit und das machen meine Fuesse auch noch mit.

Auch hier wurden Stufen in den Stein geschlagen.
Nachdem es 50 HM nach oben ging, lief ich naemlich fast die ganze Strecke wieder runter und das in einem Haken. Als Belohnung durfte ich dafuer wieder eines der Pferdal streicheln. Kuehe lassen sich nicht streicheln, wobei die bei weitem nicht so huebsch sind. Dann kam ich bei dem Punkt heraus, an dem ich Pause machte und auch die Fahrstrasse ueberquerte. Es wurde etwas ruhiger, da der Schwerverkehr etwas weiter unten durch einen Tunnel unter dem Pass vorbeigefuehrt wird. Der Wanderweg ging jetzt wieder von der Strasse weg und ueber recht schoene Fleckchen, bei denen jeder Strassennutzer neidisch waere, diese nicht zu sehen. Gleichzeitig ging es immer hoeher, ab und zu leider auch runter und schon bald konnte ich den Pass mit seinem Hospiz sehen. Der restliche Weg war auch noch schoen praepariert, teils mit Stufen, die in den Stein geschlagen waren, was mich an die Stufen von Olimpio erinnerte, die ich ja aufgrund von heftigem Regen und Gewittergefahr umgehen musste.

Bald war schon das Kloster (oder die Kapelle?) am Pass zu sehen.
Dann war ich auch schon am Pass, wo beim Hospiz gleich eine Info stand, dass dort ein Bett fuer eine Nacht 28 € kostet. Auf dem Pass war auch recht viel los, aber nicht so viel wie auf dem Stilfser Joch. Bei weitem nicht so viel. Am See entlang lief ich noch zur zweiten Unterkunftsmoeglichkeit, wo ich mir schon beim Betreten dachte, dass es teuer sei, auch wenn es schon auf italienischer Seite lag. Ueber 60 € haette das gekostet. Also wieder zurueck zum Hospiz und nach etwas Irrwegen wurde mir eine HP fuer unter 40 € angeboten. Passt! Nehme ich! Dort wurde ich auch gefragt, von wo ich herkomme. Muenchen meinte ich, worauf die Frage war, ob ich nach Rom gehen werde. Das haette mir vllt. ein paar Euro gespart, weil ich dann als Pilger gegolten haette. Aber wahrheitsgetreu sagte ich, dass ich nach Monaco gehen will. Fuer Leute, die gar kein Geld haben, soll's hier auch eine kostenlose Unterkunft geben. Zum Glueck mangelt's mir aber nicht an Geld. Das waere teilweise schlimm, wenn ich auf [del] kein gutes Essen nach einem langen Marsch bekommen wuerde, oder kein warmes Zimmer.

Das Kloster auf dem Pass
Da ich das Lager noch nicht beziehen konnte, fing ich schon mal an, an dem Graffl zu schreiben. Es war gerade erst kurz vor 12 Uhr! Nach fast einer Stunde sind mir die Augen zugefallen und ich bin am Tisch fuer eine Stunde eingeschlafen. Dann besorgte ich mir eine Tasse Kaffee um mich wieder etwas fitter zu machen und schrieb noch etwas weiter. Dann kam der, der das Hospiz anscheinend leitet und ich konnte in's Zimmer mit rund 8 Stockbetten, wovon eines schon belegt war. Gleich sprang ich mal unter die Dusche. Viel hatte ich ja nicht geschwitzt, aber ich stank trotzdem und die Dusche tat natuerlich auch gut.

Der See am Pass. Auf der anderen Seite befand sich Italien.
Danach startete ich los, um mir u. a. das Museum und die Bernadiner Hunde anzuschauen, die ja echt knuffig sind. Danach ging ich in's Museum, das ich mit bezahlt hatte und las mich durch ein bisschen Text. Da hat wohl dieser heilige Bernard dieses Hospiz gegruendet, um Reisenden eine sichere Unterkunft zu bieten. Immerhin liegt der Pass auf ueber 2400 HM und scheint frueher die schnellste Verbindung zwischen Nord und Sued gewesen zu sein und viele Leute wurden ausgeraubt, haben sich verlaufen oder sind von Lawinen verschuettet worden. Genau hier kamen die Chorherren ins Spiel, die das Hospiz uebernahmen und neben Beten den Verirrten entgegen kamen und im Winter spurten. Spaeter wurden dann die Bernardiner gezuechtet, die wohl hunderten von Menschen das Leben gerettet haben. Ganze Armeen zogen hier auch ueber den Pass. Z. B. der Napoleon mit samt seinen Kanonen.

Blick zurueck zum Kloster.
Gerade bin ich noch bei der Wasserleitung entlang gelaufen, besser gesagt auf ihr, da die Steine mit der sie geschuetzt ist, gleichzeitig ein Wanderweg ist. Etwas schwindelig ist mir auch. Hoffentlich aber nur davon, dass ich heute bis auf das Fruehstueck noch nichts zum Essen hatte und nicht wegen einer moeglichen Krankheit durch den Zeckenbiss. Wegen dem Scheiss werde ich mir jetzt bis zum Ende der Tour viel zusammen spinnen. Die letzte Swiss Topo Karte ist jetzt auch durch und ab jetzt geht's mit 2 Kompass Karten weiter, die so auf einmal grottenschlecht erscheinen, dass ich sie am liebsten in den Wind schiessen wuerde. Da ist ja wirklich nichts darauf zu erkennen. Schon alleine die Hoehenlinien mit einem Abstand von 100 HM sind die reinste Zumutung. Das koennen die sich gleich sparen. Und dann noch die schlecht zu erkennenden Haenge. Man muss wirklich erst andere Karten benutzen, um zu verstehen, warum so viele Leute ueber die Kompass Karten meckern.

Die Kapelle im Kloster
Jetzt habe ich auch noch 10 Compeed Blasenpflaster gekauft. Diese sind hier in der Schweiz zwar noch sehr teuer (fuer 5 Stueck ueber 8 €), aber egal. Die duerfen mir nicht ausgehen. Das Preisschild war auch noch dran. Die machen hier nur 0,10 Franken Gewinn, wenn man den Transport nicht mit einbezieht!!! Das schreit nach einem guten Trinkgeld. Das Essen habe ich gerade fertig gebracht. Vorspeise war eine Tomatensuppe. Zum Hauptgang waren irgendwelche kleinen, vom Geschmack her aehnlich wie Pfirsich, Fruechte. Irgend ein iPhone User hat auch sein Internet ueber W-Lan freigeschaltet, sodass ich mich wieder ueber Zecken schlau machen konnte. Die gute Nachricht ist, dass Schwindel zu keinem Symptom gehoert. Vermutlich ist es doch nur eine allgemeine Muedigkeit, wobei Erschoepfung ein Symptom waere :-).

Meine Unterkunft fuer heute.
Morgen steht eine lange Tour an. Also im Vergleich zu dem Mega Hatsch von vorvorgestern nicht viel, aber mit Blasen und evtl. Regen doch viel. Das Hospiz hier ist auch der Wahnsinn. 4 Stoecke [Stockwerke], riessengross und Platz fuer eine Hundertschaft. Heute hat es aber an Bedeutung verloren, weil hier eine Autobahn hochfuehrt. Ich bin aber froh, dass es hier diese Unterbringung noch gibt, da es mehr Flair hat als ein Hotel. Nur der alte Kerl, der mit mir im Zimmer liegt, duerfte mir die Nacht evtl. zur Schnarchhoelle machen, aber die Stoepsel werden schon dicht genug halten. Wenn morgen alles gut geht, schlafe ich das erste mal seit langem wieder in einem Hotel. Das Wetter soll lt. Swiss Topo einigermassen passen. Also kein Gewitter :-).

Abendstimmung
Sollte ich morgen wirklich grippeaehnliche Erscheinungen haben, werde ich weiter als noetig absteigen und den Pass, der auf gleicher Hoehe wie dieser liegt, umgehen. Hoffentlich passt morgen aber wieder alles. Fruehstueck gibt es erst ab 8 Uhr. Fuer mich wird aber extra eines hergerichtet, sodass ich schon um 7 Uhr futtern und abhauen kann.