Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Freitag, 6.8.2010
Tag 59 - Das erste mal Zelten
Refuge Bostan → Tornay → Les Allamands → Samoens → Les Faix → Salvagny
Viele Wegschlingen, viel Lust zum Abkuerzen...
Tja. Jetzt sitze ich hier in Salvagny ohne Unterkunft und "nur" mit meinen Notreserven an Essen bewappnet, aber zum Glueck habe ich mein Zelt dabei und ein Platz zum Campen wurde mir auch schon empfohlen. Die Nacht war sehr schoen und ruhig. Das Fenster war die ganze Zeit offen und das 7-Bett Zimmer hatte ich ganz alleine fuer mich. 1 Stunde vor dem Aufstehen wachte ich wieder einmal auf und machte gleich das Fenster zu um es beim Aufstehen etwas waermer zu haben. Um 7:330 Uhr klingelte dann auch der Wecker, den ich gleich 10 Minuten weiter stellte und dann aufstand. Jetzt konnte ich anfangen, mein ganzes Graffel wieder zusammen zu packen, dass ich gestern zum Trocknen ausgebreitet habe. Viele Dinge wie z. B. die Hose waren aber noch nicht trocken, was aber nicht viel ausmachte. Wofuer hab ich denn 2 Wanderhosen mit dabei? Ausserdem wollte ich das Zeug heute abend sowieso komplett durchwaschen und vor allem am fruehen Nachmittag ankommen.

... und dann ein Schlammbatzen an meinem Schuh
Dann ging ich auf's Klo, das wohl das einzig wirklich grauenhafte an der Huette ist, wobei das Hauptproblem wohl eher die Horde an Kindern war, die hier auch naechtigten. Alles war nass, nicht nur der Boden, der eher von der Naesse draussen feucht war. Ich erinnerte mich aber daran, gestern noch wg. einem rebellierenden Magen Immodium genommen zu haben und hoffte darauf, dass die Wirkung noch anhielt. Beim Fruehstueck konnte ich mich wieder mal nur wundern, wie gut das immer auf kleinen Huetten ist und wie schlecht auf vielen grossen, die doch wg. dem erhoehten Absatz mehr bieten muessten koennen. Eine heisse Schokolade gab's auch noch dazu. Dann stiefelte ich wieder hoch ins Zimmer um die nassen Sachen alle in eine Tuete zu stopfen. Nicht nur, dass diese nass waren, sie waren dadurch auch viel schwerer. Zum Glueck muss ich heute ja fast nur runter. Alles mehr oder weniger gut verpackt machte ich mich fertig und verabschiedete mich vom Wirt. Punkt 9 startete die heutige Tour.

- Schnipp Schnapp -

Der Marktplatz im Zentrum
Jetzt bin ich schon an dem See, mein Zelt ist aufgeschlagen und die erste Portion Nudeln sind gekocht. Das Wetter war beim Abmarsch recht gut. Ein paar Woelkchen, aber nicht mehr. Eine Strasse, die wieder nur mit gelaendefaehigen Fahrzeugen zu bewaeltigen ist, fuehrte mich die meiste Zeit bergab. Hier und da gab es bei den ganzen Schleifen natuerlich wieder die ein oder andere Abkuerzung, die ich trotz Schlamm nicht auslassen wollte und schon passierte es: Statt nur ein paar cm zu rutschen, schlitterte ich einen halben Meter vor mir her und landete im Schlamm. Na toll. Aber's hilft ja nix. Aufstehen und weitergehen und ein bisschen Dreck hat noch keinem geschadet. Allmaehlich kamen mir auch andere Wanderer entgegen, aber es war schliesslich Freitag, weshalb ich mir wg. Uebernachtungsmoeglichkeiten am meisten Sorgen machte. Schliesslich war ich hier auf einer sehr bekannten Weitwanderroute unterwegs. Den ersten Ausweg von dem Weg hin zu einem Wanderweg liess ich mal schoen sein. Auf eine weitere Schlitterpartie verzichtete ich beim Abstieg freiwillig.

Der Weg entlang des Flusses XYZ
Warum mir andere Wanderer schon so frueh entgegenkamen, war mir auch schnell klar: Nach 700 HM Abstieg war der erste Parkplatz. Von jetzt an ging es sogar ueber eine Teerstrasse weiter :-(. Da nutzte ich wieder einen Wanderweg, um zumindest eine Kehre zu umgehen, die mir einen Blick in eine kleine Schlucht werfen liess, ueber die eine alte Bruecke fuehrte und schon war ich wieder auf der Teerstrasse unterwegs, wo ich auch die naechste Moeglichkeit nutzen wollte, um zwar einen Umweg, dafuer aber weg von der Teerstrasse zu gehen. Als ich dann feststellen musste, dass auch dieser Wanderweg voll mit Matsch war, kehrte ich bei der erstbesten Gelegenheit wieder auf die Strasse zurueck. Dann dauerte es nicht mehr lange und ich stand in Samoens.

Und schon wieder ein Weg der durch die letzten regnerischen Tage mehr Matsch als Weg war.
Ich sitze hier uebrigens gerade vor einer wunderschoenen Kulisse [Also bei meinem heutigen Platzl fuer's Uebernachten]: Ueberall tuermten sich die Berge hoch, vor mir ist ein kleiner See, es ist Sonnenuntergang und in der Ferne plaetschert ein Wasserfall herunter. In Samoens angekommen, startete ich mit dem Programm, das ich mir schon gestern ueberlegt habe: Zuerst besorgte ich mir Geld. Auch wenn ich einen ordentlichen Batzen mit mir trug, wollte ich auf Nummer sicher gehen. Dann holte ich mir ein Woerterbuch Franzoesisch-Deutsch, was sicher nicht das war, das ich mir vorstellte, aber egal. Danach ging ich in eine Apotheke um mir eine Zeckenzange zu besorgen und erfuhr auch, dass Zecken hier keine Seltenheit sind. Na super! Nur wundert es mich doch immer noch, dass ich in so einer Hoehe und in der ganzen Kleidung eine Zecke bekommen konnte. Der Mann in der Apotheke meinte dann auf meine Anfrage hin auch, dass ich besser zum Arzt gehen sollte um nachschauen zu lassen, ob der Kopf noch drin steckt.

Die kleine mini-Schlucht, durch die fruehers wohl ein Fluss verlief.
So hatschte ich auch auf die gegenueberliegende Strassenseite, um einen Arzt zu konsuliteren. Nach 15 Minuten Wartezeit ging ich dann wieder. [Natuerlich liess ich in der Praxis auch noch ein gutes Stueck 'Martin' vor Ort das mich seit der Frueh beschaeftigte.] Notfalls schneide ich mir den Kopf selbst heraus, wenn es lange Zeit nicht verheilt. Bepanthen hatte ich ja schon gestern draufgeschmiert. Das fiese an der Zecke war, dass sie sich beim Schienbein festgefressen hatte. Gott sind diese Viecher ekelhaft. Wie Parasiten bei denen ich Angst habe, dass sie sich immer tiefer in einen reinfressen. Von der Touristeninformation erfuhr ich dann noch, dass das kleine rote Haeuschen, dass auf der weiteren Etappe 300 HM weiter oben liegt keiene Unterkunft anbietet, weshalb fuer mich fest stand, bis Salvagny und nicht weiter zu gehen. Geil! Gerade sehe ich, dass ich mir in weisser Voraussicht eine gute-Abend-halbe-Bier eingekauft habe :-). Das ist genau das richtige zum Camping.

Wieder seltsam anmutende glatt geschliffene Steine.
Die Suche nach einem Supermarkt blieb vorerst erfolglos, doch auf dem Weg Richtung Etappenziel Salvagny fand ich doch noch einen Kleinen. Zwar fand ich kein Handwaschmittel, das ich fuer meine nasse Kleidung kaufen wollte, dafuer aber eine neue Tafel Schokolade, ein Sandwich und 2 Dosen Cola. Die Schocki in den Rucksack, den Rest verputzen. So lief ich weiter und kam endlich wieder auf einen Wanderweg, der mich links des Zuflusses zum "Giffre Torr" laufen liess. War ja klar, dass auch dieser Weg matschig war, aber immerhin ein Wanderweg. Nach links bog ich dann bei der naechsten Beschilderung [ab] und lief so ein paar Meter spaeter den Hauptstrom entlang, auf dem sich viele Raftingboote tummelten. Voller Freude sah ich endlich auch wieder ein Via Alpina Bapperl, dass auf einen Wegweiser aufgeklebt war. Eine Bruecke ging nach einiger Zeit [weg] und der Weg schlaengelte durch ein kleines Dorf hinauf. Hmm. Diese Hoehenmeter kamen etwas unerwartet, aber egal. Dann wieder etwas runter und nach einem total zermatschten Feldweg kam ich zum schoenen Teil der Etappe:

Die erste Unterkunft, die keinen freien Platz mehr hatte :-(
Durch eine kleine Schlucht, durch die kein Wasser mehr floss kam ich hoeher. Ueber Stahltreppen gingen die steilen Stuecke hoch, bei denen man andernfalls aufgrund der Feuchtigkeit auch nur auf allen Vieren hochgekommen waere. Nach vielen weiteren unerwarteten HM kam ich am hoechsten Punkt an und sah auch die Strasse, die ich als Alternativroute haette waehlen koennen, aber dieser Weg hatte sicher mehr zu bieten. Dann ging's ueber zum Abstieg, der in ein paar Minuten auch schon vorbei war. Bei le Fay kam ich heraus und musste noch knapp 60 HM bis zu den 2 Einkehrmoeglichkeiten machen.

Der eine Supermarkt fuer meine abendliche Versorgung.
Dann passierte das, was wg. den nassen Sachen in meinem Rucksack genau nicht passieren sollte: Ich war zwar schon um 2 Uhr da, allerdings gab es kein Dach ueber meinem Kopf. Etwas ratlos fragte ich bei einem Atellier nach, welches gleichzeitig einen Barbetrieb hatte, aber die Frau wusste auch nichts. Immerhin konnte diese Englisch. Bei den Unterkuenften konnte keiner Deutsch oder Englisch, weshalb ich zu meinen paar franzoesisch Vokabeln greifen musste, was wegen meiner schlechten Aussprache oft sehr schwer ist. Die Frau beim Atellier bestaetigte meine Befuerchtung und sagte mir auch, dass die naechste Huette 4 h weiter heute garantiert ausgebucht sein wird, da sie auf einem sehr bekannten Rundweg liege. Tja. Pech fuer mich. Aber ich hatte ja ein Zelt mit dabei und da meinte sie, dass ihr ein kleines Anwesen in der Naehe gehoert und ich dort campen duerfte.

Der geheime Weg zum "Campingplatz" :-)
Da faellt mir ein, dass ich in der Wartezeit beim Arzt mein grosses Geschaeft erledigt hab. Der "Arztbesuch" war also nicht umsonst :-) [Mich hat's schon gewundert, warum ich das nicht gleich geschrieben hab' :-)]. Bevor ich aber zum Camping aufbrach - es war ja nicht einmal 3 Uhr - blieb ich an Ort und Stelle und bestellte mir erst mal ein Bier. Dann fragte ich die Frau, ob sie evtl. bei der einen Unterkunft anrufen koennte, weil sie selbst nicht glauben konnte, dass es dort keinen freien Platz mehr geben wuerde. Nach kurzem bestaetigte sie dass dann auch. Gleiches Spiel bei der anderen Bleibe [Die beiden Unterkuenfte vor Ort]. Meine nasse Kleidung hatte ich auch schon ausgebreitet um sie trocknen zu lassen. Wenn, dann will ich auf keinen Fall morgen die nasse Waesche mit nach oben schleppen.

Das Zelt steht...
Beim 2-ten Bier stellte ich etwas fest, was ich schon seit den ersten Wandertagen befuerchtet hatte: Der eine blaue Zehernagel, den ich seit Wochen habe, geht ab. Genial. Was kommt denn jetzt noch alles?!? Nach dem Bier bestellte ich mir noch eine Cola und fragte nach dieser [k. A. was ich schreiben wollte], ob sie wisse, wo ich hier Brot kaufen koennte. Sie meinte in Sixt, das ca. 1 km entfernt liegt. Ihr Angebot, meinen Rucksack zu verwahren nahm ich gerne an, da ich hier wieder vorbeikommen wuerde. Ueber die Teerstrasse und vorbei an einem Lift war ich schnell in Sixt und fand nach etwas Suchen auch einen Supermarkt. Nudeln, Bolognese Sauce, O-Saft, 1,5 Liter Wasser, ein Snickers, eine Dose Bier (!!!), 2 Nektarinen. Vom Baecker dann noch ein Baguette (Fix, wie schreibt man das schon wieder?) und es ging wieder zurueck.

... und das Bier ist bald auch kuehl.
Herzlich bedankte ich mich bei der Frau und machte mich auf den Weg, den sie mir beschrieben hatte. Eine kleinen Verhatscher hatte ich, aber nach 15 Minuten war ich auf ihrem Anwesen, dass bis heute Abend noch von Verwandten genutzt wurde. Erst mal suchte ich mir eine gscheite Stelle zum campieren und fing an, mein Zelt aufzubauen. Das letzte Mal baute ich es testhalber vor ueber 2 Monaten auf, was mir etwas half. Nach 10 Minuten stand das Zelt wie eine 1. Die Thermarestmatte war auch schnell aufgeblasen e voila! Gekocht hab ich dann aber direkt vor dem kleinen Haeuschen, weil dort 2 Baenke standen. Die Verwandschaft [von der Frau, der das Haus gehoerte] trudelte bald ein und war etwas ueberrascht. Die Situation wurde aber schnell klarer als wir uns auf Englisch unterhielten und ich sagte, dass ich die Erlaubnis habe. Dann kochte ich die Nudeln auf, gab die Sosse dazu und genoss alles. Den Ausblick, dass ich ein Zelt dabei hatte und auch das Snickers zur Nachspeise :-). Beim Zelt war ich froh ein "2 Mann Zelt" zu haben. Da passe naemlich gerade ich und mein Rucksack rein. Von 2 Personen kann da gar nicht die Rede sein.

Der (!)(@*#!#@ Zeckenbiss.
Einen meiner Schlappen naehte ich auch mal wieder. Wie erwartet ist die eine Naht an der Sohle aufgegangen. Das sollte wieder fuer ein paar Wochen reichen.

Krass. Vor 1 Woche verabschiedete ich mich von meinem Vater und bin jetzt schon wieder so weit gekommen. Etwas seltsames hat das Campen hier im Nirgendwo ja schon. Es ist ziemlich kalt ab 9 Uhr und ein festes Dach ueber dem Kopf ist doch was anderes. Bisher bereue ich aber nichts. Aber warten wir mal ab, wie der morgige Tag verlaeuft. Bisher gefaellt mir Frankreich auch sehr gut. Auch die Sprache, die ich schon seit Tagen hoere. Den ganzen Tag muss ich schon daran denken, wie schoen es auf der Huette war, von der ich heute gekommen bin. Auch dort koennte ich es etwas laenger aushalten.

Abendstimmung.
Meine Hoffnung ist jetzt eigentlich nur noch, dass es die Nacht nicht regnet und ich morgen eine Bleibe mit einer Waschmoeglichkeit finde. Das Bier schmeckt uebrigens gut :-). Nur wird es immer kaelter, weshalb ich mich bald in mein Zelt verkruemeln werde.