Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Montag, 2.8.2010
Tag 55 - Entspannungshatsch bei Nebel
Godey → Derborence → Pas de Cheville → Anzeinde → La Vare → Pont de Nant
Die Unterkunft fuer diese Nacht
Die Nacht war nicht so erholsam wie gehofft. Nachdem ich die letzten Tage super schlafen konnte, ging heute nichts mehr. Die 2 Leute, die mit mir im Lager lagen, gaben die diversesten Atem und Schnarchgeraeusche von sich. Die Ohrenstoepsel wollten auch nicht richtig abdichten und juckten schon bald. Also wieder raus damit. Hunger hatte ich jetzt auch wieder. Um 1 Uhr ging ich nochmal aufs Klo, auch wenn ich nicht wirklich musste und ass ein Stueck Knaeckebrot. Gegen 2 Uhr und doch mit Ohrenstoepsel doeste ich dann ein. Der Wecker klingelte um 7:30 Uhr, den ich trotz Ohrenstoepsel gleich hoerte. Ich drueckte gleich auf "stop", nahm meine Stoepsel heraus, doeste noch 5 Minuten vor mir her und begann dann meine Sachen zu packeln. Die anderen Beiden wurden dadurch auch wach, was mir aber wg. deren naechtlichem Geschnaube egal war.

Wieder mal gab's viele bizarre Steine zu sehen.
Das Fruehstueck war dann etwas mager. Heisse Schokolade, Brot, Marmelade, ein bisschen Kaese. Das war's schon :-(. Die Rechnung fiel ueberraschend guenstig aus mit ca 70 CHF, also knapp ueber 50 Euro so wie ich mir das eigentlich vorgestellt habe. Hoffentlich finde ich noch oefters solche Unterkunefte! Beim Aufstehen gab mir aber eine Sache zu denken: Da das Bett etwas klein war, liess ich einen Fuss ueber ein Brett heraushaengen. An diesem Fuss tat mir jetzt eine Sehne weh, die "oben" drueber ging. Vorsorglich schmierte ich diese nach dem Aufstehen mit Voltaren ein. Sicher ist sicher.

Nein, es ging nicht gerade aus weiter und dann hoch sondern rechts weg...
Etwas nach halb 8 ging ich dann los. Die Sehne spuerte ich leider aber es ging ja gemaechlich eine Strasse den Berg etwas hoeher. Der Himmel sah nicht wirklich verlockend aus. Er war stark bewoelkt, soweit aber "stabil". Ich ging einfach davon aus, dass es in der Frueh nicht blitzen und donnern wuerde und wg. Regen machte ich mir keine Sorgen. Nach den paar Minuten Schotterweg hatte ich meine Sehne auch ganz vergessen. Sie tat deshalb wohl auch nicht mehr weh. Ab jetzt ging es einen Wanderweg weiter, der erst mal wieder ein paar gemachte HM vernichtete und steinig auf fast gleicher Hoehe bleibend rueber zur Strasse fuehrte, die nach Derborence ging. Anscheinend ist das hier ein Naturschutzgebiet und nicht ganz unbekannt, denn es standen viele Autos herum.

... und dann geradeaus hoch.
Jetzt ging es aber erst mal weiter hoch, aber rechts von dem Huegel entlang statt gerade aus weiter hoch. Dieser Weg hatte mich auf die andere Seite der Bergkette gefuehrt, auf der es schwer gewesen waere, rueber zu kommen. So aber stieg ich in einem Waldstueck hoeher. Wegen dem gestrigen Gewitter, das Abends einiges herunterhaute, war es auch noch etwas schwuel. Nicht stark aber doch so, dass man es deutlich spuerte. In vielen Schleifen stieg ich die 200 HM hoch und lief in einen Alp Bereich hinein, der von allen 3 Seiten von steilen Haengen beschraenkt war. Wieder einmal fuehrte der Weg nicht wie intuitiv gedacht gerade aus hoch sondern zweigte kurz vor dem Almhaus rechts ab und es ging den rechten Hang hoch wo schnell klar war, dass der Weg den Einschnitt mit dem Wasserfall hochging. Das war soweit auch kein Problem, aber das Wetter schien mehr und mehr zum Problem zu werden. Bei den kleinen Wasserfaellchen war ich schnell vorbei, stieg hoeher und dann nochmal hoeher, da der Pass noch ein paar 100 Meter entfernt war.

Dass ich bei dem unerfreulichen Wetter nicht ganz alleine unterwegs war, beruhigte mich schon etwas.
Doch bevor ich den hoechsten Punkt des Uebergangs erreichte, fing es schon zu regnen an. Na toll. Aber immerhin kein Gewitter. Ohne viel zu ueberlegen, legte ich erst mal den Schutz fuer die Kamera an, warf dann den Rucksack auf den Boden, legte auch diesem den Schutz an, dann mir selbst. So stiefelte ich jetzt doch schnelleren Schrittes weiter und war ueberrascht, wie langsam es hier doch bergab fuehrte. Haette hier ein Gewitter losgelegt, haette ich spurten koennen was meine Beine aushalten.

Das kleine Dorf mit der Einkehr. Rechts sieht man die Wolken nur ein paar Meter tiefer.
2 andere Wandersleute schepperten hier auch noch herum, was mich etwas beruhigte. Alleine bei einem solchen Wetter fuehle ich mich immer sehr unwohl. Die beiden hatte ich auch schnell ueberholt und freute mich ueber Anzeide, als es in meinen Sichtbereich kam. Rechts von dem Dorf zog bereits eine dichte Wolke hoch. Bisher hatte ich noch Glueck und konnte dem Nebel gut davon laufen. Von weitem sah ich schon eine Einkehrmoeglichkeit mit der Aufschrift "Restauration". Als ich dann naeher kam, sah ich links von mir das Ref. Giacomini, das ich gleich anlief da es schoener aussah.

Und ab in die Suppe!
Innen wurde ich auch sehr schoen von einer Frau begruesst, auch wenn die Frau kein Deutsch und nur ein paar Brocken Englisch sprach. Im Gastraum bestellte ich mir dann erst mal eine Cola, dann nochmal eine und stellte fest, dass draussen jetzt endgueltig die Suppe stand. Jetzt ass ich aber erst mal zu Mittag und bestellte mir das erstbeste, das mir mit einem fehlenden Franzoesischkentnissen zusagte. Als Resultat bekam ich Kartoffelstreifen gemischt mit irgendwelchem Fleisch und ueberbacken mit Kaese. War auch lecker. Zur Sicherheit und da ich in diesem Moment auf Zuckergedanken pfeiffte, bestellte ich mir noch eine Cola. Waehrend ich diese trank, machte ich mich weiter abmarschbereit und zahlte mit meiner Kreditkarte. Das erste Mal :-). Ich besitze fast keine Franken mehr und will sie auch nicht mehr besitzen, da ich bald raus aus der Schweiz bin. Vllt. hebe ich mir uebermorgen im Tal aber noch etwas ab, weil man doch ab und zu Probleme hat, mit Euro zu bezahlen.

Ein bisschen ist es dann noch aufgerissen.
Wie auch immer stiefelte ich weiter, als sich der Nebel etwas verzogen hatte. Noch ein paar HM musste ich hoch zu "Col de Essets", dann stand ich voll in der Suppe. Aber egal. Nur der Regen hatte den Weg in eine Rutschpartie verwandelt. Aber es ging nicht all zu steil bergab und wenn moeglich lief ich neben dem Schlammzeug auf Gras. Nach 200 Metern Abstieg war es [-] dann endgueltig Schluss mit guter Sicht. Gute [Bis] 20 Meter konnte ich alles gut sehen, dahinter war alles unter einem weisen Schleier bedeckt. Wie ein Nebel des Todes kam es mir vor. Alles schaute gleich aus, nirgendswo konnte ich mich in der Entfernung orientieren, nur der Boden veraenderte sich von Gras hin zu Dreck, dann mal wieder zu Steinen. Es war schon etwas gruselig. Nach einer Zeit, die mir wie eine Ewigkeit vorkam, gelangte ich nach La Vare, bei dem ich nach dem Weg suchen musste, als ich durch lief. Krasser Nebel!

Bei so etwas wurde es mir echt mulmig.
Mit ein bisschen Herumgestapfe fand ich auch wieder die Wegmarkierungen. 2 seltsame weisse Zelte standen dort oben auch herum, von denen ich ausging, dass sie soweit nichts bedeuten, aber womoeglich waren das die 2 Einkehrmoeglichkeiten, die in der Karte eingezeichnet waren aber ich lief schnell daran vorbei und folgte dem Wegweiser, der nach "Pont de Nant" zeigte. Noch einmal ging es etwas steil ueber Steine herab und eine halbe Stunde spaeter lichtete sich endlich der Nebel kurz bevor ich bei "LeRichard" ankam. Endlich wieder freie Sicht!

Schon seltsame Wege
Der restliche Hatsch war in einer weiteren halben Stunde erledigt und schon war ich bei "Pont de Nant", wo fuer mich auch noch ein Platz im Matratzenlager frei war. Perfekt! Ich hatte mich schon darauf gefasst gemacht, heute Zelten zu muessen, aber bei dem Wetter verzichtete ich gerne darauf! Die Unterkunft ist eine Mischung zwischen moderner Huette und Hotel. Zuerst duschte ich mich, was nach dem Regenhatsch verdammt gut tat. Dann wusch ich meine Sachen. Dieses Mal auch wieder die Socken, von denen ein ordentlicher Mock heraus kam, als sie erst mal triefnass waren. Die Regenhose strotzte auch vor Dreck und wurde davon erloest.

Das heutige Ziel.
Schon um halb 3 war ich hier. Weiter wuerde es nur ueber einen Alternativweg gehen, der mir den verfruehten Blick auf den Mont Blanc nehmen wuerde. Ausserdem schmerzt mein rechtes Knie seit Tagen und wird es mir sicherlich danken, eine kleine Pause zu bekommen. Zum Abendessen gab es das Halbpensionsmenu. Erst mal als Vorspeise Streichwurst mit Rotkohl und Karottenstreifen. Dann Schweinebraten mit Reis und zum Nachtisch einen Kuchen. Jetzt ist es gerade kurz nach 10 Uhr und ich bin total kaputt. Mir fallen gleich die Augen zu aber ich muss noch die Strecke fuer morgen durchgehen. Meine Mitschlaefer im Lager sind auch noch wach.