Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Donnerstag, 18.8.2010
Tag 71 - Mal gemuetlich Hatschen
Vallouise → Col de La Pousterle → irgendein Parkplatz → Col de Lauzes → Freissinieres → Camping des Allouviers
Morgendunst
Die Nacht war bitter kalt. Nicht nur das. Auch im Zelt sammelte sich schon wieder Wasser an, obwohl ich den inneren Reisverschluss etwas offen lies - aber nicht weit offen, weil es eben kalt war. Mehrmals wachte ich in der Nacht auf - wohl um mich umzudrehen, was ich dann auch tat. Um 6:45 Uhr klingelte dann mein Wecker und ich fing mit dem Morgen-Prozedere im Zelt an. Zuerst in mein stinkendes langaermliges Oberteil, dann in die Socken und letztendlich machte ich gleich die Zipperhose lang. Selbst so fror es mich noch, als ich nach draussen ging um auf's Klo zu gehen.

Die Sonne, die mich oft blendete.
Wieder im Zelt stopfte ich mir die Sandwiches rein und trank noch etwas O-Saft ehe ich anfing, meine Sachen zu packen, zumindest in die Pappschachtel, da ja mein Zelt als eines der ersten Dinge rein musste. So richtig trocken war es aber auch heute wieder nicht. Ganz im Gegenteil perlten auf der Innenseite des Aussenzeltes wieder viele Tropfen herunter. Bei weitem nicht so schlimm wie letztes Mal, aber nass war es trotzdem. So packelte ich das zusammengelegte Zelt in eine Plastiktuete um den Rest in meinem Rucksack trocken zu halten. Dann war auch schon fast alles fertig. Nur noch ein Holzschild musste ich den weiten Weg zur Rezeption zurueckbringen, jetzt aber vollbepackt mit Rucksack, nassem Zelt und insbesondere einer Flasche Bier, die ich mir fuer den heutigen Weg mitnahm. Dummerweise musste ich wieder ueber den Zeltplatz zurueck, denn genau so startete die heutige Etappe.

Der Weg hoch zum ersten Pass.
Der Himmel war noch immer frei von jeder Wolke, allerdings trug ich weiterhin das lange Oberteil. Der erste Teil verlief naemlich auf gleicher Hoehe. Nach der Bruecke verlief der Weg in der Naehe des Flusses. Wieder mal halfen diverse Schilder, den richtigen Weg zu finden da ansonsten zig Moeglichkeiten existieren wuerden. Als ich die morgentliche Sonne zu Gesicht bekam, konnte ich kaum etwas sehen. Sie blendete mich so stark, dass ich auf dem Weg zwischen Baeumen und Straeuchern hindurch nur die naechsten paar Meter sehen konnte. Teils ueber Schotterwege, teils ueber kleine Pfade kam ich so voran.

Oben auf dem "Pass". Wo genau der hoechste Punkt war ist nicht ganz ersichtlich.
An einer Stelle war wieder einmal die Leitung gerissen und hat einen Grossteil des Weges danach ueberflutet. Das ist doch mal eine Abwechslung zum normalen Weg! Nach mehr als einer halben Stunde war ich dann auch beim Campingplatz, bis zu dem ich nur deshalb nicht weitergegangen war, weil ich nicht wusste, ob dieser etwas verkaufen wuerde. Tat er aber! Insbesondere frische Baguettes!!! Nur bringt mir diese Info jetzt auch wenig. Schon jetzt schmerzte die Innenseite meines linken Knies. Die letzten Tage hatte das erst angefangen, als ich ein paar Stunden unterwegs war. Das koennte vielleicht bald zum Problem werden, aber solange es nur weh tut und ich noch laufen kann, passt's ja.

Wieder mal ein Abstieg mit einem Ausblick auf den naechsten Aufstieg - heute aber nicht so heftig wie Gestern.
Kurz nach dem Campingplatz ging's dann mit dem ersten Aufstieg mit 700 HM los. Mit dem gewohnten morgentlichen Tempo fetzte ich los. Fuer die heutige Tour waren ueber 9h angegeben. Da war keine Zeit zu verlieren! Durch den Wald ging der Weg hoch mit stetiger Steigung. Die Zeitangaben auf den Wegschildern unterschritt ich deutlich und ehe ich mich versah, waren schon die ersten 300 HM geschafft, als ich ein paar Meter auf dem Forstweg laufen musste. Links vor mir am Berg sah ich einen felsigen Teil, unter dem ich entlang ging um nachher rechts davon aufzusteigen. Etwas bekuemmert schaute ich dann zum Himmel. Auf den blauen Himmel stuermte eine Front Wolken zu. Wieder hoffte ich, dass das [del] ich oben freie Sicht haben werde, aber die Wolken waren bisher sowieso noch zu hoch.

Gerne waere ich dort hinten irgendwo hochgelaufen aber mein Weg verlief anders.
Ueber viele Kehren ging der Weg weiter hoch und nach ein paar Ueberkreuzungen mit der Strasse war ich schliesslich schon oben auf dem Pass, auf dem sich schon wieder viele Leute tummelten, von denen wohl die meisten mit dem Auto hochgefahren waren. Vllt. lag es daran, dass der Pass nur auf 1763 HM lag, aber eine wirkliche Aussicht hatte man hier nicht. Den Forstweg entlang laufend, kam ich auch an einem Gite d'etape vorbei, was gar nicht nach einem aussah sondern eher nach einem Bauernhof. Von der anderen Seite war dann aber doch das Hauptgebaeude zu sehen und hatte auch Aehnlichkeit mit den anderen Unterkuenften. Ich lies aber diese Einkehrmoeglichkeit links liegen und machte mich an den Abstieg 400 HM runter zum Fluss. Diese Seite des Berges hatte wieder eine ganz andere Charakteristik als die andere. Es wuchsen fast keine Baeume und der Hang sah wie eine Steppe aus. Evtl. war ich jetzt soweit im Sueden, dass die Suedhaenge von der Sonne verstaerkt ausgetrocknet wurden. Ueber einen solchen Hang schlaengelte sich also der Abstieg teils auf der Strasse, teils auf Pfaden herunter. Wie schon in den letzten Tagen gab es auch hier eine unueberhoerbare Anzahl an Grillen.

Gerne waere ich dort hinten irgendwo hochgelaufen weil's einfach interessant aussieht - aber mein Weg verlief anders.
Am Fluss und damit auch am Parkplatz angekommen machte ich erst mal Pause. Das Bier wollte ich nicht weiter im Rucksack mitschleppen. Da keine Bank oder etwas anderes Brauchbares da stand, setzte ich mich einfach auf die Teerstrasse und oeffnete mein Bier. Die Haelfte der Tagesetappe war damit erledigt und es war nicht einmal 12 Uhr. Das Wichtigste ist aber, dass ich mir am Zielort einer Unterkunft sicher sein konnte, was mir den ganzen Tag ein gewisses ruhiges Gefuehl verlieh. Was mich immer noch wundert sind die vielen roten Zahlen, die auf weissem Hintergrund an Baeume gemalt sind. Vllt. sind das Wegnummern, aber so recht weiss ich auch nicht. Ich hab ja noch genug Zeit, das heraus zu finden. Mein Bart nervt mich mittlerweile auch. Die ganze Zeit bleibt das Essen drin haengen und auch der Schweiss perlt darueber auf meinen Mund. Aber ich habe mir vorgenommen, mich bis Monaco und so wie auf allen bisherigen Weitwanderungen, nicht zu rasieren. Heute morgen wechselte ich auch den linken Stumpfhosen Fuessling mit dem rechten, da beim gestrigen rechten der grosse Zeher ein Loch reingerissen hat.

Ab und zu wurde das Gestein sehr schroff und ab und zu fanden sich sogar pinke/lila Steine!
Nach 15 Minuten Pause auf dem Parkplatz und 50 Gramm Schocki ging's weiter und hoch zum naechsten Pass. Im Prinzip war der Trip vom Typ her vergleichbar mit dem gestrigen, nur einfacher. Oh! Haette ich beinahe vergessen. Beim Abstieg lagen auf dem Weg auch seltsame pinke Steine und eine neue huebsche Pflanze entdeckte ich auch. Aehnlich wie die Teufelskralle, nur ohne Kralle und dafuer in alle Richtungen streckende Blueten. Nach einem kurzen Stueck entlang des Flusses und einem Stueck Forststrasse fing der eigentliche Anstieg an. Viel Zick-Zack war mit dabei und viele HM. Immer mehr konnte ich von dem Pass sehen, den ich zuvor ueberquert hatte. Der Grossteil des 500 HM Anstieges hatte ich schnell hinter mich gebracht und kam auf eine freie Flaeche, bei der ich meinen Schlapphut aufsetzte, da die Sonne genau in diesem Moment anfing, auf mich herunter zu brennen.

Die Alm beim beinahe hoechsten Punkt.
Bei einem Refuge das in der Karte nicht eingezeichnet war, kam ich auch vorbei. Als ich es betrat (ich war fest davon ueberzeugt, dass ich mir ein Bier verdient hatte), war aber niemand da. So ging ich wieder weiter. Vorbei an einer Scheune lief ich die Strasse weiter. Doch stopp! So stand das nicht in der Karte. Hier sollte ein Wanderweg sein! Laut Karte verlief dieser hinter der Scheune und so stiefelte ich wieder mal durch die Natur und stiess sogleich auf den Wanderweg - die Via Alpina. Dieser zog sich dann auch noch etwas hin bis er auf der Strasse heraus kam, die zum naechsten unspektakulaeren Pass fuehrte. Wieder fand ich auf dem Weg zum Pass eine coole neue Pflanze. Aehnlich wie die vorherige, nur nicht blau sondern weiss behaarte schwarze Bluetenstengel.

Knapp unter dem Grat verlief dieser kleine Weg oft in Zick Zack.
Nun standen die 600 HM Abstieg bis zum Etappenziel an, bei denen ich viele kleine Salamander sah, die allesamt schnell vor mir weg huschten. Der Weg, den ich herunter ging schien auch nicht oft gewartet zu werden, da oft Baumstaemme ueber dem Weg lagen, unter denen man hindurch musste. Auch diese Seite des Berges war wieder deutlich trockener als die andere. Weniger Baeume wuchsen und alles war viel duerrer. Der Abstieg zog sich auch hier mal wieder laenger hin als erhofft. Wohl aber deshalb, da ich Gestern zu lange auf den Beinen stand und mir Heute schon sehr die Fuesse schmerzten - von dem Knie ganz zu schweigen, das schon den ganzen Tag nervt.

Wieder ne huebsche Puschelpflanze.
Immer wieder die Schotterstrasse kreuzend ging es zuerst bis ins Dorf "Les Roberts" runter, bei dem ich mich kurzzeitig verlief, da ich eine verblasste Wegmarkierung uebersah. Nach ein bisschen weiterem Geschepper war ich schon gleich in Freissinieres und bei der Unterkunft, bei der jedoch niemand da war. Sehr seltsam. Auf dem Weg traf ich auch einen aelteren Mann, der auch auf der Via Alpina unterwegs war und die Via Alpina in 4 Teilen macht. Der trudelte auch schon bald hier ein und sagte, dass es beim Campingplatz unten etwas zum Einkaufen gaebe, wobei der Campingplatz noch 2 km entfernt war. So fing ich an zu gruebeln... Auf einem Zettel stand auch, dass die Uebernachtung billiger ist, als mir am Telefon gesagt wurde und dass es im Hotel in 250 m Entfernung kostenloses WIFI geben wuerde, wobei fuer mich nur die Info wichtig war, dass das Hotel nicht hier ist, wo ich es eigentlich erwartet hatte.

Allmaehlich vereinigte sich der Wanderweg wieder mit der Strasse von vorhin - ueber die Strasse waere es sicherlich schneller gewesen :-(.
Nachdem ich mich umgeschaut hatte, zog ich wieder meine Schuhe an und fragte ein paar Franzosen vor der Tuer, wo das Hotel sei. 2 Kehren runter - und dort war ich dann auch gleich, wo ich freundlich begruesst wurde. Dann wurde mir aber gesagt, dass ich fuer die HP ins Hotel kommen muesste, da oben nicht gekocht wird. Ja neee! Und das fuer ueber 40 €?!? So fragte ich sie, ob ich die Reservierung noch canceln kann und als sie sagte, dass dies kein Problem sei, war ich schon unterwegs zum Campingplatz. Das war mir das Geld doch nicht wert und vllt. finde ich ja noch ein Zimmer weiter unten.

Der Abstieg verlief auf solchen huebschen Wegen zwischen duerren, trockenen Haengen hindurch.
So lief ich die Strasse weiter runter, die nicht Teil der Via Alpina war, aber hoch wollte ich jetzt auch nicht mehr hatschen. Nach einem kurzen Hatsch auf der Hauptstrasse und der Ueberquerung einer Bruecke war ich aber schon wieder drauf und kurz darauf schon wieder nicht, weil ich den Campingplatz ansteuerte. Bei der Rezeption fragte ich nach, ob in den naechsten 2 Doerfern Hotels sind. Ja! Aber nur im ersten in ca. 300 Meter. So stapfte ich gleich los zu dem Hotel um eine Absage zu erhalten. Alles voll. Mist. Also wieder zurueck zum Campingplatz, wo ich erst nachfragte, ob ich im Gemeinschaftsraum schlafen durfte. Das wurde aber verneint, da es baulich verboten sei. Also doch Zelten. Mit 5 € war ich mit dabei - inkl. Dusche und kostenlosem Internet!!! Das ist ja mal cool.

Essenszeit
Eine kleine bescheidene Einkaufsmoeglichkeit gibt es hier auch, bei dem das Noetigste angeboten wurde. So schlug ich schon wieder mein Zelt auf. Heute war auch Duschen angesagt. Nach dem Duschen fiel mir dann auf, dass ich etwas relativ wichtiges am Morgen vergessen hatte: Meine Haarbuerste. So ein Mist! Jetzt haengen mir morgen immer wieder von Anfang an Haare in die Fresse. Meine geliebte Haarbuerste, die mich schon 2x ueber die Alpen begleitet hat, ist weg. Aber meinen Hut wuerde ich wirklich vermissen. So ist das nicht ganz so schlimm und ich kaufe oder schnorre mit einfach eine Neue. Danach ging es an's Waesche waschen. Auch wenn es bewoelkt war, wusch ich alles durch. Mein langes Oberteil, meine Hose, etc. Das wird bis morgen schon irgendwie trocken.

Wieder Zelten. Heute gab's aber ne Dusche dazu.
An meinem linken Daumen scheint der selbe Mist wie an meinem Rechten zu passieren: Entlang der Hautfalte, die bei der Stockbenutzung am meisten beansprucht wird, bildet sich ein Riss. Der wird mir wohl auch die naechsten Tage aufreissen und bluten. Was fuer ein Mist. Da der rechte grosse Zeher auch in den anderen Strumpfhosenteil ein Loch gerissen hat, schmiss ich die Fussteile auch weg. Morgen geht's wieder ohne weiter. Fuer morgen ueberlege ich mir auch, 2 Etappen zusammen zu legen, die ueber 37 km lang waeren. Dazu hab ich meinen Wecker auf 6:15 gestellt. Mal schaun, wieviel Lust ich noch nach der ersten Etappe habe. Das Abendessen bestand aus so einem Fertigzeug mit Couscous und Fleisch-Gemuese Zeug, dass ich mir mit dem Kocher warm machte. Irgendwie gefaellt mir dieser Camping Platz auch viel besser als der Gestrige. Vor allem die Einkaufsmoeglichkeit unterbietet alle bisherigen Supermaerkte vom Preis und der Chef ist auch super freundlich. Nur muss ich gleich in's Zelt um wieder mal auf dem Boden zu schlafen. Dann gute Nacht! Um 7 Uhr will ich hier aufbrechen und vor 12 Uhr beim ersten Etappenziel weiterlaufen - wenn es das Knie zulaesst.