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Donnerstag, 29.8.2010
Tag 82 - Das Meer!!!
Ormea → Garessio → Colle San Bernardo → Colle del Prione → Colle San Bartolomeo → Caprauna → Colle Caprauna → Colle di Nava
Die erste Zeit ging's der Autobahn entlang.
Ja leck war das heute wieder ein Hatsch. Einer, der so ueberhaupt nicht geplant [war]. Die eine Unterkunft in Caprauna hatte nur ein Bett und das war natuerlich belegt. Sowas steht natuerlich nicht im VA-Guidebook. Fix! Ich bin erst kurz vor 7 Uhr angekommen und bi natuerlich tot und kaputt.

Bis nach Monaco muss der Stumpen noch durchhalten :-).
Schlafen konnte ich trotz der Bier nicht wirklich gut. Vor allem bekam ich eine halbe Stunde vor dem Aufstehen hoellische Bauchschmerzen, die in Durchfall resultierten. Nach der 3-ten Ladung half dann Immodium, dass alles dicht blieb. [Ich wollte nicht dehydriert in den Tag starten.] Das Fruehstueck war wieder mal sehr schlicht. Nicht einmal eine heisse Schokomilch gab es, dafuer machte ich mir eine Honigmilch. War auch ganz lecker. An Brot gab es nur vorgetoastete Scheiben . Vorgetoastet wohl, da das Brot sowieso schon alt gewesen waere. Einen Joghurt nahm ich mir auch noch. Gut vollgestopft zahlte ich mein Zimmer, stellte die Flaschen zusammen auf einen Tisch wie wenn es nach einem riessen Saufgelage aussah wobei eine Flasche noch geschlossen war und steuerte los in die heutige Tagesaufgabe.

Weg von der Strasse ging's bald rechts vom Fluss entlang.
Wie schon gestern geplant, ging ich nicht den ersten Teil gemaess der VA-Guidebooks sondern im Tal entlang. Da schon im Guidebook stand, dass der Weg ab und zu schwer zu erkennen war, wollte ich mir das ersparen. Durch die Fussgaengerzone ging ich erst mal durch, um dann entlang der Hauptstrasse weiter zu laufen. In der Frueh war noch nicht so viel los, sodass es verkehrstechnisch einigermassen ging. Meine Stoecke haben auch schon bessere Zeiten gesehen. Bei dem Stecken bei dem die Spitze vor Tagen oder Wochen abbrach ist das Plastik soweit heruntergelaufen, dass das Metall des Stocks an sich am Boden greift. Dafuer noch Wechselspitzen zu nehmen kann ich wohl vergessen.

Ueber einen solchen Weg ging's immer auf und ab.
Die Stoecke in der Hand haltend lief ich die Strasse weiter. Rechts neben dem Fluss sollte [sich] angeblich auch ein kleiner Weg befinden. Da dieser aber nicht in der Karte verzeichnet war, ging ich mit dem Autobahn-Hatsch auf Nummer sicher, in keine Sackgasse zu gelangen. Nach ca. 3 km hatte der Teerhatsch ein Ende und ich ging ueber eine Bruecke ueber den Fluss. Durch irgendein Dorf direkt hindurch lief ich schon wieder auf der VA, nur dass ich mit dem Teerhatsch ein paar Stunden eingespart hatte. Der kleine Pfad wurde bald zu einem befahrbaren irgendetwas, dass fuer mein Gefuehl zu oft rauf und runter ging.... und das in aller Frueh!

Immerhin bot die alte Burg bei Garessio etwas Ausblick.
Aber auch das hatte irgendwann ein Ende und weiter ging's auf einer fuer Fahrradfahrer geteerten Strasse, die auch hin und wieder auf und ab ging. Ich versuchte immer wieder abzuschaetzen, wie weit ich denn noch gehen muesste aber immer wieder lief ich an dem Punkt in der Ferne kurze Zeit spaeter vorbei. Damit zog sich das natuerlich ewig hin. Unterwegs lagen auch viele seltsame gruene Puschel auf dem Boden von denen ich spaeter auch noch einen Baum sah an dem Diese hingen. Schoene Erfindung der Natur um die Frucht [beim Herunterfallen] zu schuetzen.

Bei diesen Windraedern lag der Pass.
Mein Ruecken schmerzt gerade beim Schreiben ungeheuerlich. Ich hab's echt uebertrieben und muss mich gleich wegen dem Ruecken auf mein Bett im Zimmer verziehen. Jetzt liege ich im Bett und mir fallen gleich die Augen zu obwohl es nicht einmal 22 Uhr ist! Das schoene an dem Tal-Hatsch war, dass man sehr viele km zurueck legte. So sah ich auch, wie die Berge immer "kleiner" wurden. Zwischen 2 Bergen in der Naehe von Garessio sah ich dann auch nichts mehr ausser den Himmel. Wie geplant war ich nach 2,5 Stunden schon in Garessio und lief in den Teil der "Stadt", den ich fuer den Hauptteil hielt. Dort legte ich an einem passenden Ort meine Sachen ab und trank die Dose Cola, die ich aus Ormea mitgenommen hatte, aus. Hunger hatte ich noch nicht. Nach dieser kurzen, 5-minuetigen Pause ging's weiter.

Der grosse Augenblick als ich das erste Mal das Meer sehen konnte.
Auf der Suche nach Wegweisern lief ich in der Naehe der Passstrasse weiter, aber kein passendes Schild kam. Dann sah ich eines mit "... Castello...". Jup, das koennte fuer den Anfang stimmen und ich hatschte los. 10 Minuten spaeter war ich dann im Castello und suchte vergeblich nach einem Wegweiser oder einem Weg, der weiter nach oben fuehrt, aber nix war. Entweder ich gehe jetzt auf der anderen Seite herunter und hoffe, den VA-Weg zu finden - vorausgesetzt der Weg ist in der Karte richtig verzeichnet - oder ich gehe wieder runter zur Strasse und laufe diese entlang nach oben, was mich 100%-ig zum Pass bringen wuerde - allerdings mit Serpentinen und auf Teer. Fuer letzteres entschied ich mich dann um keine weiteren Irrwege zu gehen.

Ich und das Meer - direkt links von meinem Topteil des Rucksack war es sichtbar.
Nach 5 Minuten stand ich so auf der Strasse und stiefelte hoeher. Dieser Pass schien auch sehr beliebt bei Motorradfahrern zu sein, von denen ein paar wie die Irren hochheizten. Da musste nur mal ein Traktor hinter einer Kurve hochtuckern und der Spass hatte ein Ende. Ich selbst habe mich auch einmal im Eilspurt auf die andere Strassenseite begeben, weil so eine Horde Deppen um die Kurve gerast ist. Ein entgegenkommendes Wohnmobil blieb auch stehen, weil sie sich viel zu weit in die Kurve legten. Schoen und seltsam war es auch, als es anfing, Blueten zu schneien. Keine Ahnung, woher diese kamen, aber es hatte etwas winterlich Schoenes an sich.

Dieses unscheinbare kleine Taefelchen ein paar Meter weg vom Wanderweg weisste den Weg.
Die Windraeder oben auf dem Pass zeigten mir, wie weit es noch hochging. Desdo naeher ich dem Pass kam, desdo lauter brummten diese. Hier oben wuerde ich verrueckt werden. [Einmal konnte ich auch noch von der Strasse weg, da ein kleiner Pfad abzweigte.] Am Pass angekommen schaute ich wieder erst mal auf die andere Seite rueber. Ganz in der Ferne sah ich dann auch etwas wasseraehnliches - oder vllt. nur Wolken? Bei der Bar auf dem Pass kehrte ich kurz ein und fragte die Bedienung danach. Yeah! Das ist tatsaechlich das Meer!!! Das war fuer mich ein grosser Moment, der etwas unerwartet kam. Nicht mehr lange, dann stehe ich beim Meer in Monaco! Zum Aufladen der Reserven gab's 1/2 Liter Wasser, eine Cola und ein mit Schinken und Kaese belegtes Irgendwas. Viel Zeit wollte ich hier nicht vergeuden sondern weiter gehen. Es war noch ein langer Weg.

Bei dieser Ueberwucherung stellte ich mir doch oft die Frage, ob ich auf dem richtigen Weg war.
Eine Schotterstrasse verlief jetzt sued-westlich weiter. Ab diesem Pass laufe ich jetzt auch nur noch ohne Umwege nach Monaco, was das Gehen schoener macht. Die letzten 1,5 Tage brachten mich naemlich nur weiter von Monaco weg. Auch wenn lt. Karte der Wanderweg fernab der Schotterstrasse verlief, war er doch die ganze Zeit auf dieser. 2 km spaeter stand ich dann vor einer Gabelung. Nach links zeigte ein Schild zum Pass zu dem ich wollte, aber laut Karte musste ich rechts ein paar Minuten weitergehen was ich dann auch tat. Nach 1 Minute sah ich links von mir eine huebsche kleine Quelle, die ich mir naeher ansehen wollte. Hmm... da war auch ein Via Alpina Schild. Und da sah ich dann auch rot-weisse Markierungen. Anscheinend war das die Abzweigung. Glueck gehabt, dass ich an dieser nicht vorbeigelaufen bin.

Feiner Ausblick.
Ein schoener Waldpfad der immer wieder auf und abging war nun die VA. Herrlich schoen zu gehen war dieser Weg, bis auf ein paar anstrengende Aktivitaeten um die umgefallenen Baeume zu umgehen. Ueberraschend kam ich bei einer Schotterstrasse heraus, die an dieser Stelle abgerissen war. Bei einem scharfen Knick sah ich auch keine rot-weissen Markierungen mehr sondern nur noch rote, die auf einem Trampelpfad weiter gingen. Dann laufe ich halt den Roten nach und los ging's. Nach 5 Minuten und mehr und mehr Zweifel zog ich meinen Kompass raus. Haeh?!? Ich laufe ja nach Norden! Da schien ordentlich der Wurm drin zu sein. Wieder zurueck bei dem Knick fand ich ca. 50 Meter weiter dann doch wieder eine weiss-rote Markierung. Heil dem Kompass!!!

Ueber diesen Abriss der Strasse ging's zur Schotterstrasse bei der mir nicht klar war, wo diese anfangen koennte oder endet.
Und jetzt mache ich Schluss fuer Heute. Ich bin kaputt [und die Schrift sieht immer krakeliger aus]. Ich bin zu kaputt. Es ist schon 11 Uhr. Das Fruehstueck gibt's erst ab 8 Uhr. Da sollte ich lange schlafen koennen.

- Schnippl di schnapp -

Zwar war das ein markierter Weg, aber der Falsche.
Hier der Nachtrag. Geschrieben an einem unerwartetem Ort. Wo war ich? Ach genau! Beim Verhatscher. Fix! In der Karte war von diesem scharfen Knick natuerlich nichts zu sehen. Genauso wenig von den zig Strassen, die hier oben existieren. Das wuerde die Orientierung natuerlich ungemein erleichtern. Erleichtert war ich, als ich wieder auf VA-Schilder stiess, die mich immer beruhigten, da sie sicher stellten, dass ich auf dem richtigen Weg war. In der Karte stand auch nichts von dem Waldstueck, durch das der Weg ordentlich hoch ging.

VA-Zeichen = Beruhigungspille.
In der Naehe des Grates lief ich dann weiter, oft den Blick nach Sued-Osten gerichtet, denn dort konnte ich eine Stadt sehen, die direkt am Meer lag. Diese scheint nur einen Steinwurf entfernt zu sein, vllt. 1 Tagesmarsch, aber ich will ja unbedingt nach Monaco, um im Casino noch mehr Geld zu verpulvern. Ueber gruene Grashaenge lief ich so auf den Pass gut 200 HM runter. Die Wolken wurden immer dichter, aber das besorgte [sorgte] mich nicht mehr. In diesem Gebiet scheint es von meiner in den letzten Tagen gesammelten Erfahrung normal zu sein, dass am Nachmittag Wolken zuziehen und am Abend wieder alles frei wird.

Der Weg entlang des Grates.
Nach dem Colle del Prione ging's wieder hoch. 200 HM wollten noch geschafft werden. Angenehm ging der Anstieg los indem der Weg seitlich des Hanges verlief. Dann schoss er gerade aus den Berg hoch. Na super. Ich mag's ja steil, aber so steil auch nicht. Damit waren die paar HM aber schnell totgeschlagen und mit Markierungen die mich wild durch ein Waldstueck fuehrten, knapp vorbei am Gipfel und "schon" kam ich an der Wegkreuzung raus, zu der ich in Ormea aus in vllt. 1,5 Stunden haette laufen koennen, aber was soll's [. Fehlende Verben sind natuerlich gewollt!]. Sonst haette ich diese schoenen Irrlaeufer gehabt.

Das Meer war wirklich zum Greifen nah.
Bei der Wegkreuzung machte ich auch kurz Pause und trank mein Mineralwasser. Jetzt musste ich ja auch nur noch absteigen, dachte ich mir... Ueber einen Schotterweg ging ich weiter runter. Viele Schlinger kamen, die in der Karte nicht verzeichnet waren. So viele, dass ich einen Italiener der gerade bei seinem kleinen Haeuschen stand, auf Englisch und ein Brocken Italienisch fragte, wo denn hier der Sentiero nach Caprauna geht. Gleich bei der naechsten Kehre meinte er und das war dann auch der Fall. Ohne viel anzuschreiben zweigte ein Pfad ab. Meinen Regenschutz zog ich im uebrigen auch kurz nach der Pause ueber den Rucksack und die Kameratasche, aber das Geniesel hoerte schnell auf. Zum Glueck! Denn der Wanderweg ging sehr steil herunter. Regen waere bei dem noch staubigen steilen Part sehr schlimm gewesen.

Mittlerweile war ich's gewohnt: Nachmittags zog der Himmel wieder zu.
Nach dem kurzen knackigen Abstieg ging's dann auf fast gleicher Hoehe bleibend den Hang entlang. Teils durch schoene Waldstuecke, teils vorbei an Felsen. Auf der Strasse kam ich dann raus mit der ich in wenigen Minuten in Caprauna war. Die ganze Zeit freute ich mich schon auf ein Zimmer, eine Dusche und ein ordentliches Abendessen. Meine Fuesse schmerzten auch schon ganz schoen. In einem kleinen Dorfladen fragte ich dann mit meinen spaerlichen Italienischkenntnissen und vielen Gesten, wo hier denn eine Unterkunft sei. Da zeigte die Frau auf die gegenueberliegende Bar.

Bis ueber den zuletzt sichtbaren Brunshuegel musste ich noch drueber.
Bei der Frage nach einem Hotel entschluesselte ich nach ein paar Anlaeufen als "7 km entfernt, Alto". Wie ich spaeter feststellte, ist Alto einfach der Name eines Dorfs weiter unten. OK. Weiter zur Bar, wo schon wieder niemand Englisch sprach. Also gleiches Spiel wie vorher. Voll belegt war die Antwort. Viele Leute interessierten sich fuer mein Problem und ich "fragte", wo hier denn noch eine andere Moeglichkeit zum Uebernachten sei. Da lief eine Frau mit mir wieder zum Dorfladen. Ja. Da war ich schon. Dass es hier nix mehr gibt, hab ich auch schon erfahren. Ein auf der Bank Sitzender rief dann eine Frau aus einem Haus raus. Er hatte mitbekommen, dass ich nur Englisch spreche, kein Italienisch. Die Frau, die dann heraus kam, sprach dann endlich Englisch und erhellte mich. Bei der Bar gab es nur ein einziges Zimmer, das schon von einer Frau belegt war. Dann meinte ich, dass ich Matratze und Schlafsack dabei haette, aber es stellte sich heraus, dass Dusche und WC im Zimmer waren. Fix. Was nun?

Dieser kleine Fetzen Plastik zeigte den Wanderweg an, der nach den nicht in der Karte eingezeichneten Schleifen abzweigte.
Auf Zelten hatte ich keine Lust. Es gab hier auch keine Moeglichkeit, ein Zelt aufzustellen, ausser vllt. bei der Bar auf dem Aussenbereich. Erst mal aber ging ich in den Dorfladen und holte mir ein Wasser und eine Cola. Die naechste Etappe war nur etwas ueber 3h lang und meine Dolmetscherin fragte das Orakel [die aeltere Dame der der Laden gehoerte] beim dem [del] Supermarkt, ob es dort eine Uebernachtungsmoeglichkeit gibt. Nach viel gequatsche hiess es ja und dass ich zu San Carlo gehen sollte. Prima. Dann kann ich ja gleich los! Aber das Gequatsche ging weiter... und weiter... und mir fiel dann auch ein, dass ich das Mineralwassser und damit meine Notration schon ausgetrunken hatte. So unterbrach ich das Gequatsche um mir ein Wasser zu kaufen, entschuldigte mich auf Englisch, dass ich sehr schnell weiter musste.

Der abwechslungsreiche Pfad nach Caprauna - Teil I.
Das Wasser im Gepaeck startete ich um 16:40 Uhr zur naechsten Etappe. Viel HM waren nicht zu machen. Nur 300 wollten totgeschlagen werden. So stuermte ich los, den rot-weissen Wegweisern folgend durch kleine Gaesschen das Dorf hoch. Auch wenn es in der Karte nicht eingezeichnet war, passierte der Weg nach ein paar stuermischen Minuten durch kleine Pfade im Wald das Dorf Ruora, bei dem ich mich wieder einmal kurz verlief, weil eine abknickende Wegmarkierung fehlte oder eine Markierung, die von der Abzweigung sichtbar gewesen ist. Da lobe ich mir die saugute franzoesische Variante, anzuzeichnen, wenn etwas kein Wanderweg ist.

Der abwechslungsreiche Pfad nach Caprauna - Teil II.
Nach vielen unnuetzen Metern zur Mitte des Dorfes und dem Vermissen von Wegmarkierungen machte ich kehrt und waehlte die 2-te Variante von 3 Moeglichen ab dem Zeitpunkt wo keine Markierung mehr zu sehen war. Gerade eine Dusche und ein Fressi Fressi! Ok, und Saufi, Saufi. [An der Unterkunft, an der ich mich befand.] Nicht eine Suche nach Wegmarkierungen. Ein paar Ecken spaeter fand ich auch wieder Markierungen und stuermte weiter hoch. Ich weiss auch nicht, wieso das so ist, aber am Nachmittag scheine ich meine Hochphase zu haben. Ich rannte regelrecht mit Zuhilfenahme den Pfad entlang. Vielleicht war's aber auch einfach nur der Wille, so schnell wie moeglich ein Dach ueber dem Kopf zu haben? Mir war's egal, Hauptsache, ich komme schnell voran.

Die Bar in Caprauna. Zu dem Zeitpunkt der Ankuft wuenschte ich mir eine Unterkunft. Jetzt war ich froh, dass ich keine bekommen habe.
In Windeseile kreuzte der Wanderweg 1x die Strasse. Beim 2-ten Mal haette ich auch noch ein paar HM weiter hoch gehen sollen, um ueber eine Schotterstrasse wieder auf die Strasse zu queren, aber die kuerzeste Verbindung zwischen 2 Punkten in 3D ohne Wurmloecher ist nun einmal eine gerade Strasse. Also lief ich auf der Teerstrasse weiter, die ich 1km spaeter sowieso haette entlang laufen muessen. [Nach] 2km langsam ansteigenden Teerhatsches war ich dann "schon" am Pass. Eilig lief ich ueber die Strasse etwas runter bis ich einen Trampelpfad fand, mit dem ich eine Kehre abkuerzen konnte, aber wieder ein paar Meter die Strasse aufwaerts lief. Dort stand naemlich ein Wegweiser von dem aus eine Schotterstrasse weiter in Richtung meines Tagesziels fuehrte.

Ich glaub' das war auch noch in Caprauna.
Anders als vermutet verlief die Strasse sehr sehr leicht abfallend, dafuer aber ewig langsam zum naechsten Pass, den ich im Eiltempo erreichte. Wieder mal grillten dort welche, was ich schlichtweg gemein fand. Ich will auch wieder grillen! Viel Zeit, darueber nachzudenken hatte ich aber nicht. Im Gegensatz zu den Grillern hatte ich weder ein Auto um herunter zu fahren, noch ein Dach ueber meinem Kopf. Perverser Weise kam jetzt sogar wieder die Sonne heraus. Ein weiterer kleiner Wanderpfad verkuerzte die Zeit zum Abstieg um 2 Strassenkehren und ich kam bei einem Pferdestall heraus bei dem ich wohl mehr aus Intuition wenig spaeter die richtige Abzweigung nahm und am Pass heraus kam, an dem gerade die letzten Verkaufsstaende schlossen.

Ohne Markierungen waere man auf diesen Pfaden inmitten vieler verfallener Haeuser hoffnungslos verloren.
Es wurde ja schon dunkel, obwohl es erst vor 19 Uhr war. Als erstes ging ich in ein Hotel und fragte nach einer Uebernachtung. 40 € ohne Fruehstueck. Ein B&B in einer Bar am Pass kostete 45 € mit Fruehstueck. Viel mehr Moeglichkeiten gab es hier nicht. Zumindest nicht in unmittelbarer Naehe. Also auf in's Hotel (Ich glaube das war das Lorenzina), die auch ein grosses Fruehstueck fuer 8 € mehr ab 8 Uhr versprachen. Das Zimmer war auch sehr fein mit eigenem Bad und sogleich stand ich unter der Dusche, wusch meine Sachen (Socken, die schon wieder stanken, T-Shirt und Unterhose) und ging zum Essen. Meine urspruengliche Planung, keine HP zu nehmen, warf ich dann ueber Board und versuchte das verstaendlich zu machen. So kritzelte die Frau wieder auf einem Zettel herum, um mir zu sagen, dass alles in allem 70 € kostet. Ja! Schon klar! Ich wollte ja nur sagen, dass ich mich doch fuer die HP entschieden habe!

Nach einem kurzem Abstieg nach dem ersten Pass konnte man schon den naechsten Pass (der kleine gruene Fleck ganz links im Bild) sehen, der auf gleicher Hoehe ist.
Am Essenstisch bekam ich dann einen englisch sprechenden Kellner, nachdem der Italienisch Sprechende an mir wohl verzweifelte. Ja zefix nochmal! Kann man den Englisch Sprechenden nicht gleich um Hilfe bitten?!? Oder ist man zu stolz um zuzugeben, dass man in so etwas offensichtlichem wie halbwegs des Englischen maechtig zu sein nicht faehig ist?!? Der Kellner half mir schon sehr - vor allem mit der Weinkarte zurecht zu kommen. Mein Standardspruch [auf italienisch] mit dem Hauswein zog hier naemlich nicht. Das 4-Gaenge Menue (deshalb entschloss ich mich dazu, 22 € draufzulegen) war schon verdammt gut.

Der Pfad des restlichen Abstieges - fernab von der Strasse.
Ich selektierte als Vorspeise die Spezialitaet des Hauses, die aus ein paar Scheiben Fleisch mit guter Sosse bestand. Dann kamen kleine Kartoffelknoedel mit Fleischsosse. Der dritte Gang waren wieder Fleischlappen mit Beilage. Hail Meat! Als Nachspeise bekam ich Kuchen. Die HP hat sich damit voll rentiert und auch der halbe Liter Wein, der wohl insbesondere dazu beitrug, dass ich stockmuede wurde. So ging ich ins Zimmer und wollte eigentlich noch weiterschreiben. Dann aber uebermannte mich der Schlaf. Zuerst dachte ich an ein Power-Napping. Mit angeschaltetem Licht doeste ich fuer 10 Minuten vor mir her, was auch fuer ein paar weitere Minuten half, dann uebermannte mich aber doch der Schlaf und ich machte das Licht aus und schlief fast augenblicklich ein...

Ankunft auf dem Pass.
Da faellt mir noch mehr ein! Z. B. wie schoen ein Bobbycar fuer den Schotterhatsch gewesen waere! Oder z. B., dass ich bei so anstrengenden Etappen anfange mit meinen Koerperteilen zu reden, wenn auch nur gedanklich wie z. B. mit meinem Ruecken, der von Tag zu Tag bei langen Etappen mehr schmerzt: "Komm, das packst du noch. Morgen ist nicht viel zu laufen und in ein paar Tagen ist alles vorbei". Eine andere interessante Eigenschaft die sonst nur bei sehr schwuehlem Wetter oder Regen auftritt ist die Kuehlung des Wassers in meinem Trinkschlauch, die auf den letzten km durch die Kondensation meines Schweisses von den Haaren erfolgte, das wohl auf den Schlauch und den Stoff darum herum tropfte.