Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Montag, 30.8.2010
Tag 83 - Noch 3x schlafen gehen
Colle di Nava → Colla di San Bernardo → M. Fronte → Rif. San Remo → Bassa di Sanson → Colla Melosa (Rif. Allavena)
Das Hammer-Buffet
Ja, heute stand schon wieder ein ungeplanter langer Hatsch an, aber was soll's. Ich bin da, kaputt und fertig aber lebend :-).

Die Nacht schlief ich durch. Sogar in der Frueh wachte ich nicht auf - erst durch meinen Wecker. Das zeigte mir, wie kaputt ich war. Allmaehlich packelte ich mein Zeug und begab mich um kurz vor 8 runter, wo mir gesagt wurde, dass ich noch 5 Minuten warten muesse, die ich vor der Tuer verbrachte. Heute schlief ich auch nicht in meinem Schlafsack sondern mit dem Laken und der Decke. Der Himmel sah wieder herrlich blau aus, nur etwas frisch war es. Am Fruehstueckstisch stand ich vor einem Hammer-geilen Buffet!!! Das haette ich mir in Italien nicht erwartet. [Aber bei dem Preis kann man sowas schon erwarten.]

Der Turm nach der ersten halben Stunde Hatsch.
Da gab's alles, was das Herz, nein, der Magen begehrte. Angefangen von frischen Crossaints, ueber Joghurt, frischen Semmeln, Wurst (!!!), Kaese, einfach allem. Natuerlich auch einer Schokomilch. Schnell holte ich von oben nach langer Zeit wieder einmal meine Schmugglertuete runter. Da packte ich mir doch 2 Wurstsemmeln ein! Das Fruehstueck bestand dann aus Joghurt, 2 Crossaints, Marmeladensemmeln, Kuchen u.v.m. Da haben sich die 8 € mehr voll und ganz rentiert - zumindest fuer mich :-).

Der Wanderweg nach dem Turm.
Beim Anfordern der Rechnung dauerte das Ganze so lange, dass ich erst wieder ins Zimmer ging um mit Rucksack und dem Rest runter zu kommen um dann zu zahlen. Trinkgeld gab's keines. Dem Englisch Sprechenden haette ich gerne eines gegeben, aber der war nicht da. Etwa um halb 9 stiefelte ich dann los. Sehr spaet im Vergleich zu meiner bisherigen Startzeit.

Manchmal ging's einfach auf der Strasse weiter.
Mit der Sonne im Ruecken ging der Wanderweg an einer anderen Stelle hoch als in der Karte eingezeichnet, was mich mittlerweile nicht mehr verwunderte. Schnell stieg ich die "paar" HM durch einen Wald zu einer alten Ruine hoeher von der der restliche Weg nur noch leicht ansteigend dem Hang folgte. Rechts von mir verlief ein paar Meter unter mir schon bald die Teerstrasse, auf der ich aber dank des Wanderweges hoch nicht [<> andersrum] laufen musste, sondern diese nach einem Stueck Betonwanderweg kurz ueberquerte. Abwechselnd ueber Wanderwege und Teerstrasse gelangte ich ziemlich schnell an's Etappenziel. [Um's kurz zu machen.]

Beim Blick Richtung Norden konnte ich noch wahre Berge sehen.
In der einzigen Unterkunft im Ort holte ich mir wieder die uebliche Mischung: Wasser und Cola. 50 € kostete hier die HP und Internet gibt es hier auch nicht. Fuer die naechste Etappe war[en] 8:30 angegeben. Eigentlich zuviel fuer halb 12. Bei der Huette an dem Etappenziel der kommenden Etappe rief ich an um sicher zu stellen, dass die Huette offen hatte und auch um mich nach moeglichen anderen offenen Huetten als Noteinkehr zu erkundigen. Irgendwie trieb es mich auch weiter und ich hoffte, dass die 8,5 h fuer "normal" Wandernde angegeben waren und ich diese deutlich unterbieten kann.

Einer der Baeume, die quer ueber dem Wanderweg lagen.
So machte ich mich abmarschfertig und bereitete mich auch geistig darauf vor, womoeglich erst um 20 Uhr bei der Huette anzukommen - vorausgesetzt, ich verlaufe mich nicht. Doch das schreibe ich morgen zu Ende!

Jetzt sitze ich in Breil-sur-Roya auf einer Parkbank neben einem Hotel, das noch geschlossen hat. Das wuerde mir naemlich 20 € einsparen. Zurueck zum gestrigen Tag. Auf ging's zur naechsten Etappe! Der Beschilderung folgte ich der Via Alpina folgend zum Rifugio San Remo. Dort standen 4,5 h angeschrieben, die aber nicht richtig sein konnten. Dieses Rifugio hatte im uebrigen auch geschlossen, weshalb es mir nur als Orientierungspunkt half. Schnell ging es den rot-weissen Wegmarkierungen folgend durch den Wald hoeher. Wie erwartet hatte ich wieder ein hohes Tempo drauf und schlug auf diese Weise schnell ein paar HM tot. Dann kam ich auf einer Wiese heraus, bei der die Wegfindung schon schwieriger wurde, da sich hier nicht mehr so viele Wegmarkierungen befanden.

Und gleich nochmal ein solcher Baum.
Den Trampelpfaden folgend stand ich schon bald ohne weiterfuehrende Markierung da, sodass ich halt einfach dem naechstbesten Trampelpfad folgte, der mir am schoensten erscheinte. Nach ein paar Minuten steilen Aufstieges und immer noch keiner Markierung kehrte ich dann doch um. Da scheint etwas nicht zu stimmen. Wieder am Punkt, wo ich keine Markierung mehr fand beschloss ich bis zur letzten gesichteten Markierung zurueck zu gehen. Dann fand ich auch eine solche Markierung. Dieses Scheissteil wurde vom Wegewart auf einer Seite des Steines angebracht, die parallel zum [abzweigenden] Wanderweg war. Was fuer ein Vollpfosten von Wegewart war das denn?!? [Jetzt im Nachhinein kann ich froh sein, dass sich ueberhaupt jemand die Muehe der Wegmarkierung gemacht hat.] OK, schnell weiter!

Etappe #2: Anfangs verlief der Aufstieg schoen schattig unter Baeumen.
Der Weg fuehrte mich wieder sehr schnell in den Wald, in dem er sich weiter hoch schlaengelte. Als der Weg auf die Seite des Berges fuehrte, auf der sich nur Wiesen aber keine Baeume mehr befanden, sah's schon wieder schlecht mit Wegmarkierungen aus. Nach etwas Austesten der moeglichen Richtungen kam ich dann auch drauf, dass der Wanderweg in etwa zwischen der Wiese und den Baeumen oft direkt nach oben fuehrte. Dann kam der Punkt, an dem kein Baum mehr herumstand und vor mir nur der mit Gras bedeckte Gipfel zu sehen war. Tja, da muss ich wohl noch hoch, aber es waren nur ein paar Meter mehr.

Noch war der Weg deutlich sichtbar.
Links von mir konnte ich wieder mal einen Blick auf [das] Meer werfen. Ja, das Meer. Lange dauert es jetzt wirklich nicht mehr! Den Gipfel hatte ich erklommen. Jetzt konnte ich in weiter Ferne schon das vermutlich geschlossene Rifugio sehen. Vom Gipfel stieg ich jetzt wieder ab (was auch sonst!) und entdeckte bei der schon bald kommenden Weggabelung ein VA-Zeichen, das zusammen mit dem Wegweiser darauf schliessen liess, dass ich hier den falschen Weg hochgegangen bin, aber egal. Ich lag gut in der Zeit.

Die Wegmarkierung, die ich wg. der Sonne nicht sehen konnte.
Die Huette welche wegen ihrem orange-pinken Anstrich von weitem gut sichtbar war, erreichte ich auch recht schnell und ueberpruefte natuerlich, ob sie auch wirklich abgeschlossen war. Leider war das auch der Fall. So stapfte ich weiter. Hinter dem naechsten Huegelchen versteckte sich noch ein Haus, das aber keine Aufschrift Rifugio hatte :-(. Die Strasse fuehrte mich noch weiter hoch bis zu einem Denkmal o. ae. mit einer Statue, die wie Jesus aussah. Hier oben tummelten sich erstaunlich viele Leute - leider auch genauso viele Motorraeder. Hier machte ich erst mal Pause. Als ich meinen Rucksack hinstellte und ein paar Meter hoeher lief, hatte ich sogar das Gefuehl zu schweben.

Auch auf diesem Hang gab's keine einzige Wegmarkierung - immerhin wusste ich, dass es aufwaerts gehen muss.
Fuer den kurzen Abstieg und den restlichen Hatsch brauchte ich jetzt noch Energie. Eine Schmugglersemmel hatte ich noch. Die eine futterte ich beim Abmarsch bei dem Hotel der Zwischeneinkehr. Ein altes Baguette und einen mir total vergessenem Kaese verputzte ich auch noch. Dazu gab es Bier :-). Last but not least eine Tafel Schokolade. Das sollte als Energie reichen. Mein Ruecken tat mir echt leid. Der schmerzte schon seit Beginn der zweiten Etappe, aber da muss er jetzt halt durch. 15 Minuten Pause goennte ich mir, dann ging ich weiter der Strasse entlang. Die Motorradfahrer brausten waehrenddessen herab. Das ist schon ein tolles Gefuehl selbst hochzulaufen und andere scheppern mit dem Zweirad herum. Aber so ist das halt.

Oben am Grashuegel-"Gipfel", der eigentlich nicht auf der VA lag.
Den Weg, den ich ein paar Minuten spaeter nahm war aber nichts fuer die Motorradfahrer mehr. Der Pfad fuehrte mich gute 400 HM an einem steilen Hang herunter bis hin zu einer Schotterstrasse, der ich nun lange Zeit folgen sollte. Mir war das sehr recht, weil es schwer ist, bei einer Strasse vom richtigen Wanderweg abzukommen. Die Zeit erschien mir wieder wie die Haelfte der Haelfte der Ewigkeit [:-)]. Dieses monotone Gehatsche und die relativ gleichbleibende Umgebung taten ihr Uebriges. An meinem rechten Schuh war auch schon wieder der Steinschlagschutz an der Spitze beschaedigt, was mich bei dem Herumgeschepper die letzten Wochen nicht mehr wunderte. Die Schuhe haben ihren Dienst fast getan. Nur noch 3 Tage muessen sie durchhalten.

Der Grat ueber den ich die naechste Zeit laufen musste - ganz klein ist rechts im Bild auch die geschlossene Huette zu sehen.
Auf der Strasse lief ich ungefaehr 8 km mit einem kleinen Abstecher auf einen Wanderpfad der mir eine oder mehrere Kehren einsparte. Bei dem Punkt, als sich die Strasse aufzweigte und 2 Strassen fast parallel weiterfuehrten, blieb ich entgegen der Wegweiser auf der tiefergelegenen Strasse. Das sparte mir ein paar HM ein, die heute einfach nicht mehr sein muessten. Meine Fuesse schmerzten wieder einmal hoellisch, aber im Gegensatz zum Ruecken gehen Fuesse ja nicht kaputt, sodass ich versuchte, den Schmerz zu ignorieren.

Das Haus, das sich gerade im Bau befand. Der Weg dahinter fuehrte mich weiter zum Denkmal.
Als die beiden parallelen Wege wieder sehr nahe aneinander verliefen, ging ich doch mal zu dem Hoehergelegeneren. Dort stand naemlich auch ein Wegweiser. Genau an der Richtung in der ich ging, zogen sich die Wolken immer dichter zusammen. Das war mir aber egal. Hier konnte man sich nicht verlaufen und die verziehen sich schon wieder. Allgemein konnte ich in den letzten Tagen ein wahres Schauspiel an Wolkentheater sehen die sich immer wieder auftuermten, verweht wurden oder einfach verschwanden. In der Ferne sah ich auch einen See.

Das Denkmal: Der heilige Brunsius?
Beim Blick in die Karte fiel mir auf, dass kurz vor dieser Ferne mein Ziel fuer heute lag. Eieiei! Aber das kam schneller zu mir als erwartet. Die Strasse verlief schon bald beim Rif. Monte Grai vorbei, das einfach gesagt abgefuckt und heruntergekommen aussah. Dort stand auch ein Wegschild zum Etappenziel Rif. Allavena, das direkt herunter in die Wolke zeigte. Also auf in die Suppe! Teils auf einem sehr steinigem Weg ging's 400 HM herunter, die wohl wegen der fehlenden Sicht wie im Fluge fertig waren und ich auf einer Strasse herauskam die gerade aus zur Huette fuehrte die mich wie eine Hochburg der Glueckseligkeit erwartete. Der heutige Hatsch hatte damit ein Ende!
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Beim Abstieg auf dem steilen Hang nach dem Denkmal.
In der Huette angekommen redete ich keine meiner italienischen Brocken sondern setzte mich erst mal hin. Ich wusste schon durch das Telefonat, dass ich hier bleiben koennte. Dann bot mir doch tatsaechlich einer an, fuer mich von Englisch zu Italienisch zu uebersetzen, wo ich doch mit ein paar Brocken italienisch HP und ein grosses Wasser bestellte. [Ich wollte einfach mal schauen wie freundlich die sind, wenn ich nicht mal ein paar Brocken Italienisch sprechen kann :-).] Schon bald fing ich das Schreiben von diesem Graffel an. Es gab ja viel nachzuholen.

Immer wieder zweigten Wege ab und fuehrten zusammen. Die meiste Zeit war ich auf solchen Wegen unterwegs.
Um wach zu bleiben schuette ich mir noch 2 Kaffee rein, die ihren Dienst ganz gut erledigten. Was es genau zur HP gab, weiss ich jetzt nicht mehr. Hauptspeise war viel Fleisch. Ach ja! Vorspeise war Nudeln mit Fleischsosse. Alles war auch lecker, auch der halbe Liter Wein. Im Anschluss bestellte ich mir noch 2 Bier, wobei ich eines ungeoeffnet gleich zurueckbestellte als ich erfuhr, dass eines 5 € kostete. Den Wirt fragte ich dann auch nach einer Zigarette, bei der mir fast schlecht wurde.

Die letzten Schritte zum Strassenende bis zum Endziel - die Suppe zog schon wieder zu.
Schmecken mir jetzt Zigaretten nicht mehr? Seit 1,5 Monaten habe ich ja schon keine mehr geraucht... und auch kein gscheites Bier mehr getrunken! Schon vor 10 Uhr wurde das Licht ausgemacht und ich sollte ins gleiche Zimmer wie die anderen beiden Gaeste. Da lies ich den Wirt fragen, ob ich in das nebenan durfte. Das sei nicht geputzt war die Antwort. Mir egal, ich hab einen Schlafsack war meine und ich hatte noch genug Zeit, um zumindest ein bisschen mehr fertig zu schreiben. Die Dusche soll hier angeblich auch defekt sein, weshalb ich ungeduscht in meinen Schlafsack ging.