Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Dienstag, 29.6.2010
Tag 21 - Schon wieder 2 Etappen
Pfaelzer Huette → Gross Furgga → Schesaplana Huette → Carschina Huette
Die Pfaelzer Huette im Morgenschein
Heute war es schon wieder so ein Mega Hatsch weil ich schon wieder 2 Etappen zusammenlegte. Anders haette es keinen Sinn gemacht

Gestern Abend sassen wir noch gemuetlich zusammen. Leider war da auch so ein Grattler dabei, der die ganze Zeit im Mittelpunkt stehen wollte. Sicher ist er viel in den Bergen unterwegs gewesen aber entweder hatte sein Denkzentrum einen Defekt, da er oft Muell redete oder er war sturz betrunken. Dieser Betagte schlief zusammen mit einem Anderen mit mir im Matratzenlager. Da war eine schlaffreie Nacht schon vorprogrammiert. Als ich dann ins Matratzenlager ging, schnappte ich meine Sachen und bezog heimlich eines der anderen Zimmer. Ich kapier sowieso nicht, warum ich nicht gleich ein solches bekommen habe. Ob ich auf der einen oder anderen Matratze liege, spielt ja keinen Unterschied, da ich nur meinen Schlafsack benutze. Ein weiterer Vorteil war, dass ich das Zimmer sogar absperren konnte, da irgendeine seltsame Person um die Huette schlich, sodass uns sogar die Wirtin gesagt hat, dass wir auf unser Zeug aufpassen sollen. Leider fand ich wenig Schlaf. Ohne Dusche pappte alles an mir. Meine Schenkel, meine Arme, alle war verdreckt. So eine Dusche waere Heute schon etwas feines gewesen. Kurz nachdem ich das Saegen aus dem Nachbarraum leise hoerte, schlief ich dann auch bald ein. Die Morgensonne weckte mich dann. Ein bisschen kaputt fuehlte ich mich schon. Trotzdem stand ich um 6:45 Uhr auf, ging Zaehne putzen, erleichterte wie jeden Morgen mein Inneres und packelte meine Sachen. Fruehstueck gab's wieder nicht, denn wir wollten gleich los.

Bissl viel Schnee lag auch noch rum
Gegen halb 8 starteten wir dann. Am Abend zuvor machte ich mir noch Gedanken ueber den Weg, der ueber das Hochjoch auf 2359 HM ging. Dort waren sehr viele Schneefelder von weitem sichtbar, was die Sache wieder mal "interessant" machen wird. Zuerst ging es wieder etwas bergauf. Der Schnee war sehr gut zu ueberqueren. In den Feldern sackte man kaum ein, was schon mal sehr positiv fuer das schnelle Vorankommen war. Dann hatte ich noch Glueck, dass noch Fussspuren von einem Vorhatscher zu sehen waren. Der Weg zog sich aber laenger [hin] als von mir geschaetzt, naemlich noch weit hinein in einen Bereich, der von der Huette aus nicht zu sehen war. Dort ging es natuerlich wieder teils ueber den Wanderweg, teils ueber Schneefelder hoeher. Um aber das Joch zu erreichen, mussten Horst und ich vom Barthuemeljoch wieder etwas runter und wieder hoch.

Der See von dem die Grattler hochkamen
Bei dem Barthuemeljoch haette es einen alternativen Weg gegeben, aber von dem Joch aus konnte ich schon die problematische Stelle mit Schnee sehen, bei der der Weg links hochging. Also doch ueber das "Via Alpina Joch". Der Weg dorthin war auch problemlos. Ab und zu musste ich zwar im Hang den Weg etwas verlassen, da dieser von Schnee bedeckt war, aber sonst war alles leicht zu gehen. Das schwierigste Stueck war bei einer Schneewechte, die unpassierbar war. Stattdessen ging ich unter dieser auf einem nassen 3 Meter breiten Hang unter dem es mit 90 Grad Steigung bergab ging. Da ich noch schreiben kann, hab ich aber auch das heil ueberstanden. Am Joch angekommen konnte ich schon die Schesaplanahuette sehen, allerdings dauerte der Hatsch dorthin noch weitere 1,5 h. Wegen der Suedexposition des Hanges lag dort weitaus weniger Schnee, sodass ich richtig schnell vorankam. Auch Horst ging es nach dem gestrigen Bier Durchhaenger wieder sehr gut. Der Weg schlaengelte sich rechts entlang des Gebirges wieder zum Gebirge hin und dann wieder weg, ueber kleine Baeche, Reste von Schneefeldern und vielen anderem Geraffel. Dann kam ich bald bei der Schesaplana Huette an.

Schon wieder ein kleines Murmeltier
Statt 3,5 h schafften wir den Weg in 3 h. Prima. Und jetzt eine Stunde Pause. Radler und Gulaschsuppe gab's zur Staerkung. Dann packelte ich meine Karten aus, um mir die naechste Etappen anzuschauen. FUCK! Da geht es in ein paar Tagen auf 2500 HM hoch. Spaeter sogar noch hoeher! Hoffentlich schmilzt der Schnee schnell weg und gibt den Weg frei. Jetzt wo Horst dabei ist, ist es fuer mich nicht so wild, aber wenn ich ein paar Tage alleine bin, hab ich bei Schnee im Gefaelle schon ein ungutes Gefuehl. Nach der Vormittagspause fuellte ich auch meine Trinkblase mit 2,5 Litern beim Brunnen auf. Das sollte dieses Mal auch reichen. Zwar waren noch einige hundert HM zu machen, aber nicht alles am Stueck. Ueber gruene Wiesen ging es fast eben die erste Strecke. Horst hatte auch noch seinen Hut verloren, weshalb er ein T-Shirt als Kopfbedeckung benutzte. Besser als nichts. In der Ferne sah ich schon Gipfel mit schroffem Stein, aehnlich wie in den Dolomiten. Ich ging davon aus, dass die Huette davor liegt, wurde spaeter aber eines Besseren belehrt. Bei einer Abzweigung, die keine war, folgte ich dem unteren Weg statt ein paar HM nach oben zu gehen. Der untere war nur nicht markiert, aber was soll's. Der Weg ging genau in die Richtung, in die ich wollte. Irgendeine Huette war auch zu sehen, an der wir knapp vorbeilaufen mussten. Dazu waren einige der anstehenden Hoehenmeter zu schaffen. Noch etwas weiter hockten ein Haufen Touristen herum. Ja fix. Wo ist hier die Gondelstation?!? Douglas Huette. Da geht ja wirklich eine hoch und die HM Differenz hier hoch ist weniger als 300. Na Super. Schnell weg von hier. Doof wird man natuerlich auch noch angeschaut mit einem grossen Rucksack. Ein Schneefeld und ein paar HM tiefer hatte ich dann einen wunderschoenen Blick auf das Schweizertor. Leider sieht das nur nicht aus wie ein Tor. Wie ich gerade erfuhr, soll das Tor von der anderen Seite viel besser aussehen. Mittlerweile war mir auch klar, dass das erst von der Ferne sichtbare schroffe Gestein genau hier begann. Zur Huette waren es also noch ein paar km. Da der Weg dieser Etappe suedlich ausgerichtet war, gab es auch fast keinen Schnee mehr, trotz dass er auf ueber 2000 HM verlief.

Das Schweizer Tor
Etwas anderes verwunderte mich seit Beginn der Tour: Staendig sehe ich hier blauen Enzian. Wieso sind die ueberhaupt noch geschuetzt? Viele Schusternaegel bluehten hier auch. Leider aber kein Edelweiss. Da bin ich schon gespannt wann mir das ueber den Weg wuchert. Kurz vor dem Vorbeihatschen am Schweizer Tor machten wir dann unsere wohlverdiente Pause. Nach gut 6 Stunden laufen futterte ich meine 3. Kaminwurz aus Oberstdorf. Dann ging's nach 30 Minuten wieder weiter. Das Bier ruft!!! Noch einmal 200 HM hoch, dann ist das Schlimmste an dem restlichen Anstieg ueberstanden. Eigentlich macht man das ja nicht, aber so ein kleiner Felsbocken beim Schweizertor, der mitten im Weg lag, musste jetzt unbedingt herunterpurzeln. Ein Blick in die Karte zeigte auch keinen Weg suedlich vom Schweizertor, nur einen Fluss [und nach Wanderern hielt ich natuerlich auch Ausschau und ging auf Nummer sicher, dass wirklich niemand in der Purzelbahn sein konnte] und schon purzelte der Felsen herunter. Mei war das scheeee!!! Nach 100 HM kam der Brocken dann aber schon unten an :-(. Und weiter ging es. Das Schweizer Tor trat bald aus meinem Sichtbereich. Die Landschaft erinnerte mich immer mehr an die Dolomiten, nur dass es hier von Zeit zu Zeit Gruenflaechen gab. So hatschte ich weiter ueber gruene Huegel, wieder mit einem Geschlaengel zum Gebirge hin, wieder weg, bissl weiter hoch und wieder in Richtung Huette weiter. Diese war jetzt deutlich zu sehen. Schon eine oder mehrere Stunden vorher meinte ich die Huette zu sehen, wobei ich mir da noch nicht sicher war. Der Weg dorthin sollte aber noch ein Stueck Zeit in Anspruch nehmen. Bald ging's wieder ueber Schnee, aber sehr angenehm. Nichts gefaehrliches. Der Schnee scheint endlich abzunehmen. Vllt. klappt dann auch das schnelle Fortschreiten auf den kommenden Etappen wenn es wieder richtig hoch geht. Vor allem das sichere Fortschreiten!

Die Carschina Huette
Dann erreichte ich endlich die Huette, die sehr gemuetlich aber auch klein aussah. Gemuetlich war sie definitiv, klein aber ueberhaupt nicht, weil dahinter angebaut wurde. Heute machte ich auch eine Katzenwaesche. Vermutlich aber mehr, um besser schlafen zu koennen, als weniger zu stinken. Ich hatte auch das Gefuehl, ploetzlich mehr zu stinken. Mein T-Shirt hielt als Waschlappen her, dass ich nachher wusch. Nur ging das mit dem kalten Bergwasser sehr schlecht. Deshalb behielt ich den Rest an. Morgen bekomme ich endlich wieder eine Dusche, auf die ich mich wahnsinnig freue. Mit meinen Haaren koennte man auch ein Brot zum Butterbrot machen. Wegen dem Wind habe ich auch nicht die Intensitaet der Sonne mitbekommen. Deshalb hab ich einen Sonnenbrand auf meiner schon braun gebraeunten Haut bekommen. Zum Glueck keinen schmerzhaften.

Abendstimmung
Das Essen hier war der Hammer. Ich buchte Halbpension. 1. Gang war eine Cremesuppe, 2. Gang ein Salat mit guter Marinade, 3. Gang und der Hauptgang Nudeln mit Pilzen und Huehnchen. Super lecker! Hinzu kommt noch, dass das junge Huettenteam eine gemuetliche Atmosphaere verbreitete. Heute hab ich wieder mein eigenes Matratzenlager! Juhuu! Schnarchfrei! Morgen steht wieder ein Mega Hatsch an, aber vermutlich der letzte, bei dem ich in naechster Zeit 2 Etappen zusammenlege. Das bot sich in letzter [Zeit] einfach zu perfekt an.

Heute tat mir auch oefters die rechte Huefte weh, wobei ich immer weiter ging. Wie immer haben da die Schmerzen nachher aufgehoert. Gerade sitzen wir auch mit einem der aelteren Maenner von der Pfaelzer Huette an einem Tisch, der das genaue Gegenteil von der Labertasche von gestern ist. Mit dem unterhielten wir uns den Abend lang. Ein richtig uriger Mensch, mit dem wir es sicher noch laenger aushalten koennten. Leider trennen sich aber unsere Wege morgen [Hermann: Falls du das liest, melde dich doch bitte bei mir :-)]. Es geht erst 1000 runter, dann wieder 1000 hoch und wieder 1000 runter.