Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Donnerstag, 24.6.2010
Tag 16 - 1,5 Etappen
Mindelheimer Huette → Widdersteiner Huette → Hochtannbergpass → Schroecken → Biberacher Huette
Die Mindelheimer Huette am Morgen
Gestern spielte ja auch noch Schland gegen irgend jemanden und ich versuchte immer, irgendeinen Sender reinzubekommen der das Spiel live uebertraegt. Leider bekam ich nur 3 oesterreichische Sender herein. Viel schlimmer war aber, dass irgendwelche grattligen Christen oder Evangelen meinten, die Huette mir ihren scheiss Liedern begleitet von einer verstimmten [Gitarre] mittels Laermbelaestigung zu beschallen. Ja zefix. Die sollen die Kirche im Dorf lassen oder zumindest gscheite Lieder spielen und spielen koennen!!! Horst beschloss dann gleich ins Lager zu gehen und ich schloss mich an. Erst mal belagerten fremde Dinge unsere Plaetze. Zefix!!! Faengt ja gut an, wenn mal mehr Leute auf einer Huette sind. So suchten wir uns eine andere Matratze (Jeder eine!!!). Auf einem Fensterbrett fand ich auch einen Via Alpina Fuehrer (selbst ausgedruckt). Dieser gehoerte Ivan, der schon zeitig ins Bett gegangen ist, mir aber noch erzaehlte, dass er in Weissenbach am Lech 1 Tag nach mir gestartet ist und auch nach Monaco will. Hmm.... 1 Tag nach mir?!? Damit hat er den ganzen Schnee abbekommen, wegen dem ich noch am gleichen Tag zum Prinz-Luitpold-Haus aufgestiegen bin. Er brauchte fuer die Tour auch 12 h!!! Ich war ja schon risikobereit, aber das was er gemacht hat [war] wirklich alles andere als clever [Wobei ich vermute, dass er nicht ueber's Fuchskar gelaufen ist, er war allgemein sehr langsam unterwegs]. Das wichtigste aber ist, dass er heil beim Luitpold-Haus angekommen ist. Er hat in dem Haus 2 Tage gewartet statt wie ich aussen herum nach Oberstdorf zu gehen. Nach dem ich dann im hoehergelegenen Matratzenlager doch noch eine Fussball Live-Uebertragung zu Ende hoerte um zu erfahren, dass Schland weiter ist, schlief ich fast ein... und wurde erst mal von diesen grattligen Laien-Saengern von vorhin geweckt, als diese schon fast schreiend ins Bett gingen.Die sollten echt mal ein Schweigegeluebde ablegen. Dann schlief ich bald ein..... und wurde von einer wilden Saegeorgie geweckt, aber (noch) nicht von Horst. Ivan holzte ordentlich herum, was ich aber noch nicht wusste. So wurde einfach mal pauschal Horst mit einer Decke beworfen, der gerechter weise meckerte, dass er es nicht war. Hrmpf. Nachdem Ivan Ruhe gab, legte dann Horst los und ich wollte meine Ohrenstoepsel auspacken. Nur fand ich diese nicht. Frustriert lag ich weiter herum bis mir einfiel, dass ich diese ja vllt. in meiner roten Box verstaut haben koennte, was auch der Fall war... Zzzzzzz......

Das "Teletubbieland"
Bis 7:30. Da wurde ich von der Sonne geweckt und qaeulte mich aus dem "Bett". Horst war schon beim Fruehstueck, ich selbst wollte nichts, da in ca. 2 h Entfernung schon die naechste Huette lag. So packelte ich noch schnell zusammen und los ging es um halb 9. Von Wanderern, die am Vortag von der Widdersteinhuette kamen, wusste ich, dass der Weg "frei" ist. Nach einer halben Stunde Hatsch war ich mit Horst dann etwas uneins, wohin es gehen soll, als im mittlerweile harten und sehr gut zu begehenden Schnee 2 Spuren weiterfuehrten. Er meinte, dass wir einfach geradeaus ueber ein Joch weiter sollten, wobei ich lieber auf Nummer sicher gehen wollte und die Karte konsultierte, die fast nichts brachte. Das einzige was zu erkennen war, war dass der Weg zwischen 2 Gipfeln durchfuehrte und Horst konnte auf dem anderen Weg keine Markierungen entdecken. So ging es doch noch gute 50 HM hoeher ueber das Schneefeld.

Gestern abend durften Horst und ich auch die Heizmeister spielen und im Ofen soviel verheizen wie wir wollten. Das hatte auch mal was und wir heizten ordentlich ein. Zurueck zum Wandern. Der Weg stimmte soweit und teils ueber Schneefelder lies ich erst die Geishornspitze rechts liegen und stiess bald auf eine weitere Abzweigung, bei der der Via Alpina Weg ueber eine Art Teletubbieland mit teils schroffen Felsen fuehrte. Auf und ab ging es auf sehr unwegsamen Gelaende, was die Fuesse alle moegliche Positionen durchspielen liess. Der Ausblick auf die benachbarten Gebirge war einfach nur herrlich. Bis auf ein paar Woelkchen hatten wir auch einen blauen Himmel. So macht wandern Spass! Weiter auf und ab gelangten wir bald zur Widdersteinhuette, bei der es fuer mich fruehstueck gab. Landjaeger und eine Apfelschorle. Irgendwie hat es mir die A-Schorle angetan. Ich mag gar kein Spezi mehr. Wenn ich gepresste Aepfel mit Chemie vergleiche, ist mir eine A-Schorle einfach lieber. So. 1 Kulli ist durchgeschrieben [Die Farbe in meinem Tagebuch verblasste bei den letzten Saetzen]. Ab sofort geht es mit dem von der Mindelheimer Huette weiter [Den hat mir die Bedienung gegeben]. Nach den Landjaegern vernichteten Horst und ich auch die 2 Dosen Bier, die wir mit uns herumtrugen. Prost und guten Morgen! Bier vor 11 Uhr. Na Mahlzeit aber das Bier traegt sich in der Blase viel leichter :-). Vllt. war Horst durch das eine Bier schon besoffen. Er fing an, den Hund von der Huette zu fuettern mit siener Wurst und auch Brot. Bis, ja bis jemand aus der Huette kam und den armen Wauzi schimpfte [mit den Worten, dass er nichts annehmen darf und sie wg. dem Brot jetzt wieder zum Tierarzt darf].

Ivan, das Packgenie ;-)
Der Pass, zu dem wir 400 HM hinunter mussten war bereits inkl. Teerstrasse und Vehikeln zu sehen. Auf dem Weg zur Widdersteinhuette ueberholten wir auch noch Ivan, der schon seit 7 Uhr unterwegs war. Der lief nun auch wieder weit vor uns, weil er bei der Huette nur eine kurze Pause machte. Etwas wirklich schoenes war bei der Widdersteinhuette angebracht: Eine Via Alpina Tafel mit einer kleinen Teilkarte. Der Abstieg zum Pass erfolgte schnell ueber teilweise komplett vermatschte Wege. Ein hoch auf Kuehe, die diesen Schotterweg total zudreckten. Statt ueber die Passstrasse direkt nach Schroecken zu laufen, fuehrte der Weg ausser Sichtweite der Passstrasse zuerst mal 50 HM hoch. Eigentlich will ich ja nach Schroecken _runter_, aber so ging's halt doch wieder ein bisschen auf einer Forststrasse hoch. Belohnt wurde das Ganze dann schon: Abgesehen davon, dass ein Fleischtransporter diverse Greise freigelassen hat, die die Gegend unsicher machten, davon jemand, der echt greislich gestunken hat, war der Weg echt schoen und fuehrte entlang 2er Seen. Immer hatte ich dabei einen schoenen Ausblick auf schneebedeckte Berge. Dann ging es wieder zum finalen Abstieg, bei dem wir Ivan wieder eingeholt hatten. Dieses Mal versuchten wir ihm Tipps zu geben, wie er seinen Schlafsack besser befestigen sollte. Dieser (und auch sein 2,4 kg schweres Zelt) hing fast lose hinten am Rucksack und musste dazu fuehren, dass er mehr Energie verbrauchte. Vorher liefen wir auch noch an der Batzenalpe vorbei, die besonders lustig klingt, wenn man sich wieder ein Gespraech zwischen einem Preussen und Einheimischen vorstellt. Naja... Wie auch immer waren wir schon um 1 Uhr in Schroecken, was der Endpunkt der Via Alpina Tagesetappe waere. Bei der Bauernstube kehrten wir auch ein und futterten eine Kinderportion Fried Chicken mit Pommes. Das kostete knapp ueber 5 €, alles andere erschien mir gaenzlich ueberteuert und wir wollten hier auch nicht bleiben.

Abendrot an der Biberacher Huette
Nach 2 Apfelschorle und dem Essen ging es deshalb gleich weiter zur Biberacher Huette, die auf halber Strecke der naechsten Etappe lag. Wundert mich sowieso, warum man in einem Dorf uebernachten soll, wenn es 3h weiter eine Huette gibt. Der Wegweiser zeigte erst einmal in die entgegengesetzte Richtung als erwartet, aber was soll's. 50 Meter weiter als wir ein Hotel umrundet hatten, standen wir am gleichen Platz wie zuvor. Ja zefix. Also folgte ich der Empfehlung eines Einheimischen. Direkt bei der Strasse runter, aber nur fuer 1-2 Kehren, dann zweigte der Wegweiser links bei der Bruecke runter, weg von der Strasse. Der Wanderweg ging ein paar HM steil runter, bis er bei einem Fluss herauskam, dem wir dann folgten. Dort wurde auch wieder ein weiteres Element eines Klettergartens installiert. Aber mit dem kann ich nichts anfangen wegen meiner Hoehenangst, die ich seltsamerweise nicht in den Bergen verspuere. Leider war der Weg bald zu Ende und los ging es mit dem Anstieg. 800 HM hoch zur Biberacher Huette. Mein Sonnenbrand am linken Arm machte mir schon zu schaffen, weshalb ich froh war, als der Weg von Baeumen beschattet wurde. Dafuer fuehrte der Weg sackrisch steil hoch, was mir viel abverlangte. Zwar verlief der Weg entlang einer steinigen Strasse, die aber trotz allem sehr steil war. Schleife um Schleife lief mir mehr Schweiss herunter. Zum Glueck hatte ich meine Trinkblase in Schroecken aufgefuellt. Nach ueber einer Stunde Aufsteig war der vermeintliche Pass zu sehen. Nach 2 weiteren Kehren war dann doch klar, dass das nicht der ersehnte Pass war. So lief dass ca. 5 Mal, bis dann doch endlich die Huette vor mir lag. Erleichtert traten wir ein mit der Gewissheit, dass fuer heute Ruhe ist. Ivan trafen wir auch ganz fertig auf 2/3 der Hoehe, der total fertig war [nicht nur ein bisschen fertig, sondern fast am Ende]. Urspruenglich hatte er vor, in Schroecken zu uebernachten. Als Begruendung fuer sein Weitergehen gab er dann an, dass die Uebernachtungen dort ueber 60 € kosteten!!! Ein weiterer Grund, Schroecken zu meiden. In der Huette wechselte ich nach 3 Tagen auch mal meine Unterhose und waschte gleich. Nur gab es bei den Herren-Waschraeumen keine Stoepsel bei den Waschbecken, dafuer bei den Frauen... Wie schoen, dass die Emanzipation in dieser Huette noch keinen Einzug gefunden hat :-D. Zu Essen gab es dann Sauerkraut mit Tiroler Speckknoedel. Super lecker!!!