Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Donnerstag, 17.6.2010
Tag 9 - Der fruehe Vogel kommt frueher an
Coburger Huette → Biberwier → Wolfratshauser Huette
Der Ausblick am naechsten Tag
Gerade sitze ich hier und geniese ein Stueck Reisauflauf und eine Tasse Kaffee.

Auf 8 Uhr wurde mein Wecker gestellt. Schon vor dem Wecken wurde ich wach und stand bei dem selbigen auch auf. Wuah, hab ich keine Lust auf das fruehe Aufstehen! Aber das Wetter soll am Vormittag weit aus besser sein, was auch der Fall war. Die Sonne schien und jede Spur von Nebel war verschwunden. Erst mal musste ich noch die 2 Bier vom Vortag wegbringen. Als Fruehstueck gab es eine Scheibe Brot und bissl Kaese vom Lunchpaket der Reintalangerhuette. Und auch noch den Rest einer Gurke! Mehr ging sowieso nicht mehr rein. Gestern wechselte ich noch meine Sohlen, um diese Neuen Orthopaedischen zu testen. Bisher war ich ziemlich "erfolgreich" mit den original Scarpa Einlagen. Ich bin gespannt, wie gut sich die Neuen machen. Noch schnell Zaehne geputzt und schon ging es los.

Blick ueber die Scharte
Mit einer herrlichen Aussicht watschelte ich direkt links um die Huette und konnte sogleich die Biberwier Scharte sehen. Ein paar Minuten spaeter passierte dann das, was ich mit den Einlagen befuerchtete: Ich knickte ploetzlich um. Zum Glueck sind meine Baender mittlerweile genug gefestigt, sodass bis auf den Schreck und ein seltsames Gefuehl fuer die naechste Minuten nichts war. Die Scharte an sich hatte ich schnell erreicht und genoss auf dem Weg immer wieder den herrlichen Ausblick hinter und vor mir. Mit Spannung warte ich immer auf das, was sich hinter einer Scharte verbirgt. Dieses Mal waren es Huetten, die auf aehnlicher Hoehe wie ich waren und zu denen ich musste. Leider trennte uns ein Tal. Der Abstieg war zu Anfang sehr haarig. Sehr steil ging es auf Geroellwegen (Abfahren war leider nicht moeglich :-( ) bergab. Von Zeit zu Zeit hoerte ich immer wieder einen Stein herunterpoltern. Zum Glueck nie ueber mir. Eigentlich hatte ich nur eines im Kopf: Hoffentlich kein Schneebrett das ich ueberqueren musste. Doch ich hatte Glueck und gelangte bald in eine Hoehe, auf der auch wieder Latschen wuchsen. Dann schaffte es auch die Sonne ueber die Scharte und brannte mir von Zeit zu Zeit in den Ruecken oder die Seite. Mittlerweile erreichte ich naemlich auch ein Waldgebiet und damit sanft-weichen Untergrund. Nur einen Haken hatte das Ganze. Heute hatte ich irgendwie viele Gehfehler. Einmal umgeknickt und ca. 5 Mal weggerutscht auf so grattligen Wurzeln. Nach 2 Infotafeln ueber den Bergbau in diesem Gebiet vor langer Zeit, wobei eine Tafel an einem Bremsweg lag, der kerzengerade den Berg hochging, kam ich bald auf eine normale Forststrasse. Mittlerweile spuerte ich auch wieder die Sehne bzw. die Sehnenscheide an meinem rechten Fuss. Gestern noch schmierte ich mir meine stark ziehenden Waden mit Mobilat ein und trank ein Wasser mit einer Magnesiumtablette, aber die bloede Sehne macht mir immer wieder bei langen Abstiegen zu schaffen. Egal. Bald war ich ja im Ortskern von Biberwier, von dem an es nur noch bergauf ging. Die Rochuskapelle war eher unscheinbar und beinahe haette ich sie auch uebersehen, da sie etwas abseits des Weges lag. Entlang eines kleinen Flusses gelangte ich in den Dorfkern, wo ich bei der Tourismusinformation erst mal Pause machte. Eine Scheibe Brot und Knaeckebrot sowie bissl Kaese wollten noch verdrueckt werden. Danach ging es noch schnell auf die gegenueberliegende Strassenseite, um Geld abzuheben. Zwar hatte ich noch genug bis Oberstdorf, aber sicher ist sicher. Dann ging's weiter Richtung Norden, bis nach ca. 200 Metern ein kleiner Wanderweg nach links abzweigte, der auch den letzten Anstieg fuer Heute einlaeutete.

Der "Bremsweg"
Ueber einen kleinen Pfad ging es bald steil bergauf. Die Sonne kaempfte sich mittlerweile immer wieder durch die Wolken und brannte auf mich herab, sodass ich wieder meinen "Schlapphut" heraus nahm. Immer hoeher ging ich hoch (was auch sonst). Mit einem Blick zurueck zur Biberwierscharte konnte ich ganz gut meine geschafften HM einschaetzen. Nach den 1000 HM Abstieg musste ich jetzt wieder 800 hoch. Zum Glueck standen viele Baeume herum. Nach allen geschaetzten 50 HM machte ich eine Minute Trink- und Verschnaufpause bei einem Baum, der mir Schatten spendete. Auch ueber jedes Lueftchen, dass mir entgegenwehte war ich sehr froh. Das ist das krasse Gegenteil zum gestrigen Tag! Aber der Weg schlaengelte sich eigentlich einigermassen gemuetlich bergauf und bald kam ich auch bei der Grubigalm heraus. Was fuer eine verfluchte Scheisse ist das den hier?!? Links von mir sah ich 300 HM hoeher die Grubigsteinhuette, was ja noch kein Problem war. Aber jeder andere Blick stiess auf Gondeln. Von diesen waren zwar nur eine in Betrieb, naemlich die, die direkt von Leermoos hochfuehrte, aber der Anblick war trotzdem furchtbar. Die Grubigalm hatte auch rein gar nichts mit einer Alm zu tun sondern war einfach nur eine Massenabfertigungsstelle... wenn mehr losgewesen waere. Irgendwie fuehlt man sich dabei wie eine Kuh, die in die automatische Melkstation geht. Bei einem Preis von 3,40 Euro pro Radler haette ich denen am liebsten auch die Theke abgeraeumt. Aber was soll's. Ein Radler nach den 800 HM hatte ich mir jetzt schon irgendwie verdient, weshalb ich es trotz innerem Widerstreben zahlte. Dann hiess es chillen. Das nicht mal richtig kuehle Radler schluerfend, liess ich von der Sonne den Rueckenbereich meines T-Shirts trocknen und auch das tief-schwarze Rueckenteil meines Rucksacks.

Blick zum Zugspitzmassiv von der Wolfratshauser Huette
Nach einer guten halben Stunde ging ich dann zu einem hastigen Aufbruch ueber. Hinter mir (also aus der Richtung, aus der ich kam) tuermten sich watteartige Wolken (keine Ahnung, wie die heissen) zusammen. Da sie auch noch etwas dunkler waren, packte ich schnell alles zusammen und lief noch die restliche Strecke zur Wolfratshauser Huette. Zuerst entlang des haesslichen Sees, um die Schneekanonen zu fuettern, dann entlang einer Schotterstrasse, bis ich bei der Weilheimer Huette eintraf. Tja. Das war es also fuer Heute. Es war kurz nach 2 Uhr und ich konnte jetzt schon anfangen, an diesem Graffl zu schreiben. Hunger hatte ich jetzt aber schon, sodass ich mir was bestellte. Eine richtige Speisekarte gab es noch nicht, sodass mir Reisauflauf und ein Kuchen vorgeschlagen wurde. Reisauflauf?! Mal was Neues auf einer Huette, weshalb ich diesen nahm - zusammen mit einem Kaffee um keine Ermuedungserscheinungen zu bekommen. Geliefert wurde ein guter Kaffee mit einem RIESSIGEN Stueck Reisauflauf und Marmelade. Feines Fressi. Nach einiger Zeit fing es dann auch noch an zu troepfeln, weshalb ich nach Innen wechselte. Mittlerweile wechselte ich auch mein Wander-stink-T-Shirt durch mein Abend-Shirt. Dann wurden mir die Schlafgelegenheiten gezeigt. Wieder einmal die Frage ob Matratzenlager oder Zimmer. Haaaaallllllooo!!! Heute bin ich wirklich der einzige Gast!!! Dann wurde ich nicht schlecht ueberrascht: Es gab eine kostenlose warme Dusche! Das musste ich danach gleich testen. Tatsaechlich! Eine kostenlose warme Dusche! Nach einer Minute sprudelte das warme Wasser. Fuer mich hiess das, gleich zu waschen. Erst mal den Dreck von den Steigeisen, der sich beim Ausstieg vom Schneebrett dranklebte, dann meine restliche Schmutzwaesche nachdem ich mich geduscht hatte. Meine Zipperhose musste ich tatsaechlich 2x waschen. Die hat soviel Dreck abbekommen! Meine Sehne versorgte ich auch mit Mobilat. Die muss Morgen fit sein fuer den Abstieg. Urspruenglich ging ich davon aus, dass es morgen fast nur bergab gehen wird, bis ich auch der Karte eine weitere Scharte (bzw. ein Joch - ich kenne nicht den Unterschied) entdeckte. Hrmpf. Auf 2000 HM. Die Huettenleute konnten mir auch nicht sagen, ob diese frei ist, weil die Saison der Weitwanderer noch nicht begonnen hat. Deshalb ging ich noch schnell mit meinen Schlappen die 2 Minuten hoch um einen Blick darauf werfen zu koennen. Direkt in dem Sommerbergjoechle lag noch viel Schnee, allerdings waren darauf Fussspuren zu sehen und aussen herum ist auch nur Gras zu sehen. Sollte also passen. Von dem umformatierten Wanderfuehrer, den man sich auf der Via-Alpina Website zusammenstellen konnte las ich auch, dass es auf der anderen Seite auch ueber Gruenflaechen runtergehen soll, was mich optimistisch stimmte. Morgen soll es den ganzen Tag regnen...