Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Montag, 14.6.2010
Tag 6 - Die erste Huette
Graseck → Kaelbersteig → Schachen → Meilerhuette
Der Kaelbersteig
Jetzt bin ich gerade im Schachenhaus angekommen, etwas durchnaesst und fertig, aber die Strecke in 3h zu schaffen mit meinem Rucksack war sicher nicht schlecht. Angegeben waren 3,5 h. Doch zuerst mal zum gestrigen Abend. Nach dem Bezahlen der Futterrechnung begab ich mich ins Foyer [ich glaube, dass schreibt man ganz anders] um mir zusammen mit ein paar anderen das Spiel anzuschauen. Da war mal wieder so eine dauernd labernde Frau mit dabei. Die ganze Zeit doenste die einen Scheiss daher und regte sich dann auch noch auf, als die Pseude-Fussballwisser ihren Schmarrn von sich gaben. Spaeter wurde es dann auch noch richtig gemuetlich, als sich das Kuechenteam mit dazu setzte. Nur eine Sache war etwas mies. Ein Mitarbeiter aeffte eine neue Mitarbeiterin nach - auch in ihrer Anwesenheit. Irgendeine anderen Kuechenmitarbeiterin meinte dann, dass das nichts ausmacht, weil sie das sowieso nicht kapiert. Geeeeenau. So wird es sein. Vielleicht haelt die seit 2 Wochen angestellte Frau auch einfach nur still, weil sie gerne ihren Job behalten will?!? Ansonsten war's ein richtig schoener Abend, zu dem natuerlich auch ein Freibier beitrug. 2 Zigaretten gab es auch noch und das Foyer wurde als Raucherraum ausgerufen :-).

Einer der suessen Glubschis
Kurz vor 12 ging ich dann in mein Zimmer um etwas schreiben zu koennen und Schlaf zu bekommen. Uebrigens ist meine erste Wanderkarte fertig! Die erste von 39... Schit... hoffentlich wird das bald weniger.
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So! Jetzt bin ich endlich auf der Meilerhuette angekommen. Ja fix war das ein Hatsch! Doch zuerst mal zum heutigen Aufstieg. Der Wecker bimmelte irgendwann, aber auf jeden Fall frueh. So frueh, dass ich ihn gleich um eine Stunde verlaengerte. 1 h spaeter quaelte ich mich wieder aus dem Bett. Der Berg bewandert sich schliesslich nicht von alleine! Beim Fruehstueckstisch brachte ich wieder mal nix rein. Eine halbe Semmel schob ich mir rein, die anderen 1,5 kamen als Proviant mit. Ich wurde ganz komisch angeschaut, als ich nach 5 Minuten wieder ging. Dann bezahlte ich noch schnell und packelte wieder meine Sachen. Um kurz nach 10 Uhr hatschte ich dann los. Das Wetter sah ziemlich duester aus. Alles mit Wolken verhangen aber immerhin kein Regen. Noch kein Regen... Zuerst musste ich wieder hinunter zur Partnachklamm. Natuerlich ueber angelegte Stufen, wobei mich solche den halben Aufstieg begleiteten. Unten angekommen folgte ich dem Fluss, ueberquerte ihn ueber eine staehlerne Bruecke und schon ueberlief mich ein Schauer, als ich von weitem ein Durchgang verboten Schild sah, befuerchtete ich schon Schlimmstes. Zum Glueck bezog sich das Schild auf einen anderen Weg, sodass ich mich dieses mal alleine den Kaelbersteig hochkaempfen musste. Aber irgendwie fuehlte ich mich richtig gut. Alle 5 - 15 Minuten blieb ich fuer ca. 20 Sekunden stehen. Ueber kleine Bruecken, aus Baumstaemmen, kleinen Pfaden und vielen HM. Allmaehlich konnte ich auch auf das Graseck runterschauen und auch auf viele andere Haeuser, die mir aber immer noch mit mir auf fast gleicher Hoehe erschienen. Irgendwann waere ich auch noch beinahe auf 2 sich "liebende" Salamander (oder was auch immer das sein soll), gestiegen. Schon wieder diese putzigen Viecher :-). Nach ca. 300 HM hatte ich das Schlimmste bis zum Schachen hinter mir. Bei dem Teilstueck der Forststrasse angekommen machte ich ne kleine Pause. Eine halbe Semmel schrie danach von meinem knurrenden Magen verdrueckt zu werden!

Das vom Nebel verhaengte Schloss
Und schon ging's weiter! Ein kleines Stueck Strasse, dann wieder ein Wanderweg, dann wieder ca. 3 Meter derselbigen Schotterstrasse, um diese auf nimmerwiedersehen zu ueberqueren und schon war ich auf dem letzten Stueck Wanderweg zum Schachen hoch. Allmaehlich ging mir schon etwas die Puste aus. Eine 5-minuetige Pause brachte aber dafuer etwas Abhilfe und weiter ging es! Hm... "Weiter geht's" bekommt hier irgendwie eine neue Bedeutung. Achja! Mein Regenzeug zog ich auch allmaehlich an. Alles bis auf die Regenhose. Diese haengte ich an einen Haken bei meiner Kameratasche. Bald kam ich dann auch bei der Forststrasse heraus und stampfte dieser folgend weiter entlang. Viel ist es jetzt nicht mehr, bald bin ich beim Schachenhaus. Links zeigte sich mir die Wand, hinter der sich die Meilerhuette befand, allerdings in Wolken eingetaucht. Nach ein bis 2 weiteren km konnte ich dann das "rettende" Schachenhaus erblicken, bei dem ich hoffentlich Waerme und was warmes zu Essen bekommen sollte. Nach ein paar Kehren stand ich dann endlich vor dem Schachenhaus und es sassen welche drin. Also hat es wohl auch offen. Beim Betreten fiel mir zuerst auf, dass der Ofen an war. Juhuu! Sowas liebe ich bei einem solchen nass-kuehlen Tag. Erst mal bestellte ich mir ein Mineralwasser und Kaesekrainer mit Kartoffelsalat. Waehrend diese gefertigt wurden, fing ich schon an, mein Tagebuch zu schreiben. Irgendwie fuehlte ich mich jetzt schon etwas kaputt. Ueber 1000 HM waren das jetzt aber ich bin ja jetzt hier oben! Nach dem Essen uebermannte mich dann der Schlaf. Auch mein Ruecken hatte ein komisches Ziehen und kurzerhand schnappte ich mir meinen Pulli, verwendete ihn als Kopfkissen und legte mich auf die Bank. Nach ca. einer Stunde kam ich dann wieder zu mir und es war um 3 Uhr. Entweder jetzt oder gar nicht mehr hoch zur Meilerhuette. Der Wirt meinte auch, dass es kein Gewitter geben wird, weil der Wetterbericht nichts in dieser Richtung gemeldet hat sondern "nur" Regen. Also wieder alles angezogen, einen Blick nach aussen werfend und am liebsten waere ich doch gleich hier geblieben. Diesig, Regen, einfach wuah. Aber es hilft nix. Ich will jetzt zur Meilerhuette hoch. Ohne noch viel nachzudenken ging ich dann los, sonst haette ich es mir vielleicht anders ueberlegt.

Ein Wegstueck hoch zur Meilerhuette
Als ich ins Freie trat, waere ich am liebsten wieder in die Huette zurueck gelaufen. Scheiss Regen. Meine Regenhose hatte ich jetzt auch an, sodass meine Fuesse nur von meinem Fussschweiss durchnaesst werden. Der Regen war etwas staerker als der von heute morgen. Deshalb rauschte etwas mehr Wasser den Weg herunter, der eigentlich mein Wanderweg ist, zum Glueck aber nicht zuviel. Immer kleiner wurde das Schachenhaus und das Schloss von Koenig Ludwig, was eigentlich auch eine Huette sein koennte. Ich war schon ziemlich fertig, weshalb ich bei allen 50 HM kurz verschnaufte. Prost! Ich hab jetzt mein erstes Bier fuer heute, was wohl nicht mein Letztes sein wird. Immerhin bin ich jetzt auf der Meilerhuette! Der Aufstieg war bald schon zur Haelfte geschafft, was sich dadurch aeusserte, dass der Weg flacher wurde und entlang des Grates fuehrte. Damit hatte ich die ersten 350 von ca. 500 HM geschafft. Die Schneereste nahmen auch mehr und mehr zu, genauso wie der Nebel. Oft hatte ich weniger als 50 Meter Sicht. Ueber Matsch und kleine, schnell zu ueberschreitende Schneefelder gelangte ich schnell vorwaerts und auch aufwaerts, bis ich vor einem fetten Schneefeld stand, dass ich schon von der Tour vor 2 Jahren kannte. Toll. Der Huettenwirt vom Schachenhaus meinte erst noch, dass da sicher kein Schnee mehr liegen wird. Geeeenau. Tolle Schaetzung. Aber was soll's. Der Schnee war wie erwartet wg. der Kaelte und dem Regen sehr hart, sodass ich mich dazu entschloss, Gebrauch von meinen Steigeisen zu machen. Wozu hatte ich sie denn sonst dabei? Vermutlich waere es auch ohne gegangen aber was soll's. Als ich in den Schneehang eintrat, sah ich die erste Zeit nicht mal das Ende, was in mir ein richtiges Unwohlsein hervorrufte. Nach ein paar HM war dann Stein am Ende des "Horizonts" und schon waren meine Steigeisen nach 5 Minuten wieder ueberfluessig. Statt sie wieder zu verpacken, behielt ich sie in der Hand und hatschte so weiter, bis ich ueber den Uebergang kam.

Die Meilerhuette
Hmmm... 50 Meter Sicht und kein Weg. Nur Schnee. Doch da, ein kleines Schild, auf das ich dann etwas abwaerts zulief. Dort angekommen stand aber nur was von einer Wettersteinalm und dass der Weg sehr schwierig sei, sonst nix. Tja, wenn hier die Meilerhuette nicht ist, wo dann? Bin ich an ihr vorbeigelaufen?!? Konnte nicht sein, weil ich das Schneefeld schon kannte [von vor 2 Jahren]. Allmaehlich wurde es mir auch kalt. Fix. So ein Dreck. Irgendwo muss sie sich doch verstecken. Also weiter in die Himmelsrichtung, in der die Huette liegen sollte. Erst ueber Stein, dann ein paar Meter Schneefeld, bei dem ich mich teils mit Haenden abstuetzte (bzw. mit den Steigeisen, welche immer noch von einer meiner Haende abwechselnd getragen wurde). Von der ca. 20 HM hoeher liegenden Position bekam ich dann etwas mehr Ueberblick. Vor mir lag ein Geroellfeld, dass ich vermutlich hoch musste, weil in diese Richtung die Meilerhuette lag. Nur verwunderte es mich, dass dort keine einzige Spur eines Wanderwegs zu sehen war. Dann entdeckte ich einen kleinen Bereich, welcher auch nicht vom Schneefeld verdeckt war und es war etwas erkennbar, was nach einem Wanderweg aussah und [ich] lief mal darauf zu. Alles erschien mir besser, als ein Geroellfeld ohne Weg + Markierung hoch zu hatschen. Vor allem, da um mich herum dank dem Nebel rein gar nichts zu sehen war. Und dann sah ich ploetzlich eine rote Schrift an einer Wand: *M*****->. Die mit * markierten Symbole waren einfach nicht lesbar und Meiler passte auch nicht dazu, aber scheiss drauf. Das ist der einzige Weg, der von hier weg ging. Ein paar HM spaeter lagen dann neben dem Weg kleinere Schneeueberreste, von denen der Rand aus purem Eis bestand, dass auch nur schwerlich mit den Fuessen zu zertreten war. Da hat der Regen die letzten 2 Tage gute Arbeit geleistet. Jetzt war ich froh, die Steigeisen bei dem Schneefeld angezogen zu haben. Wenn da Eis darunter gewesen waere und ich abgerutscht waere....... Noch einmal um einen Felsen rechts abgebogen und ich konnte schemenhaft etwas erkennen, was wie die Meilerhuette aussah. Ich glaub, ich bin am Ziel fuer heute. Nach weiteren 30 HM wurde dann meine Annahme bestaetigt und ich betrat schon bald "sicheres Gelaende" mit der Ueberschreitung der oesterreichischen Grenze. Jetzt bin ich auf der hoechstgelegenen Huette der Via Alpina [diese Information von den Huettenleuten ist falsch. Es ist die am noerdlichsten gelegene, aber sicher nicht die am hoechst gelegene] und tankte Hoehenluft.

- ohne Worte -
Zuerst haengte ich die Regenschutzsachen auf, bestellte mir dann ein Radler und vergewisserte mich einer Sache: Joe meinte, dass man von Deutschland aus auf oesterreichisches Gebiet scheissen wuerde. Das konnte aber nicht sein, weil das Plumsklo auf deutscher Seite lag, und der Anus Richtung Deutschland zeigte! Vielleicht besteht aber nur ein Fehler in der hygienischen Verwendung der Toilette :-).

Zum Essen gab es das Bergsteigeressen, was aus einem Eintopf bestand. Der Eintopf war endlich mal so, wie ich ihn mir vorstellte: Wenig Sosse, viel Einlage. Auch geschmacklich sehr gut. Leider nur etwas klein fuer meinen grossen Magen. Dafuer trink ich halt ein Bier mehr :-). Ne Packung Zigaretten hab ich hier auch bekommen, nachdem ich gestern schon auf Schnorrtour war. Um 9 Uhr brach auch endlich wie erhofft die Wolkendecke auf und ich hatte einen wunderschoenen Ausblick und Sonnenuntergang. Das ist also wie ein Zimmer, nur billiger :-). Heute packte ich auch das erste mal die Via Alpina Uebersichtskarte im Kleinformat aus, um meinen bisherigen Weg von Muenchen aus einzuzeichnen, bis hin zur Meilerhuette. Ab jetzt geht es also richtig los mit der Via Alpina. In diesem Sinne gute Nacht!