Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Sonntag, 11.7.2010
Tag 33 - Ein schoener Berg voll mit Grattler
Selva → Quadrach → Passo da Cancian → Rif. Cristina → Rif. Zoia
Ab diesem Haeuschen ging's nur noch ueber Wanderwege weiter
Ich glaube, gestern was vergessen zu haben niederzuschreiben. Das passiert eigentlich oefters aber das ist mir doch wichtig: Ich hab den ganzen Tag ueber nichts gegessen. Um das Geraffel hier gestern noch fertig zu schreiben, hat mir der Wirt ein Zimmer im alten Trakt des Gebaeudes zu zeigen [wieder mal nix gut Deutsch], in dem auch ein Tisch stand mit einer und der einzigen Halbe Bier fuer heute und einer frisch erworbenen Schachtel Zigaretten schrieb ich dann weiter und goennte mir zum Bier auch eine einzige Zigarette. Der Schlaf war sehr erholsam. Keiner der 2 Franzosen die auch im Lager schliefen, schnarchte. Um 7 Uhr stand ich auf. Schon eine gute Stunde vorher weckte mich schon die Sonne. Das groebste Zeug war schnell im Rucksack und ich erfreute mich wieder einer normalen Toilette. Zum Fruehstueck gab es frisch gebackene Semmeln, Marmelade und Kaese sowie eine Schokomilch fuer mich. Eine Kleinigkeit steckte ich mir als Zwischensnack ein. Kurz nach 8 Uhr hatschte ich dann endlich los. Da ich schon hier in Selva war, erwarteten mich fuer heute auch nur 6 Stunden Marsch.

So ein seltsamer Grattlerbogen fuer die, die auch mit dem Auto weit hoch fahren
Zuerst musste ich gute 1100 HM hoch zu einem Pass. Der Weg dorthin war auch gut ausgeschildert. Zuerst [zum zweiten mal] fuehrte eine Forststrasse in gemuetlicher Steigung nach oben. Leider zweigte bald ein Wanderweg ab, der ein riessen Stueck der Forststrasse ersparte - natuerlich mit dem Nachteil einer groesseren Steigung. Da ich aber erst vor einer halben Stunde losgelaufen bin, machte das reichlich wenig. Um diese Uhrzeit war es auch noch relativ kuehl. Der Weg kam bald wieder auf einer Forststrasse heraus und bei Quadrada waren schnell die ersten 400 HM geschafft. Das ging ja schon mal ganz schnell. In aehnlichem Tempo ging es weiter. Die Baumgrenze hatte ich auch schnell erreicht. Dann fing es an, zaeher zu laufen. Am Weg aenderte sich nichts, aber der Rucksack kam mir heute unglaublich schwer vor. Die Strasse endete bei der Alpe Cancian, bei der mich schon wieder die Kuehe doof anschauten. Ab jetzt ging ein Wanderweg weiter, der sich die restlichen 350 HM durch eine von Gras zersetzte Steinlandschaft schlaengelte.

Auf der anderen Seite sah's doch etwas anders aus
Den "Passo de Cancian" erreichte ich dann ueber eine Bruecke und machte eine Pause. Gestern fuellte ich noch Aquafrizzante in meine 0,5 Liter Flasche, die ich jetzt genuesslich leerte. Von hier oben hatte man noch einen schoenen Ausblick auf die schneebedeckten Gipfel. Nach ein paar Minuten musste ich dann weiter. Es fehlten noch 150 HM zum Passo di Campagneda, die auch ueber einen Fluss fuehrten der keine Moeglichkeit bot, trockenen Schuhes ueberquert zu werden. Also nahm ich etwas Anlauf, sprang erst auf ein Unterwasser gelegenes und erhoehtes Kiesbett und kam mit dem naechsten Sprung an's andere "Ufer". Die Italiener scheinen auch ein Haendchen dafuer zu haben, Wanderwege ohne sichtbare Pfade anzulegen. Genau ab dem Pass den ich zuvor ueberquerte, welcher auch einen Grenzpunkt darstellt, war kein Wanderweg mehr sichtbar. Gelbe Dreiecke schienen aber die richtige Wegmarkierung zu sein, da ich dazwischen immer wieder rot-weisse Markierungen sehen konnte. Auf dem Pass stand ein Durchgangsboden, von dem ich nicht einmal weiss, ob ich ihn durchquert hab. Eher nicht, denn der Weg ging links daran vorbei. Nach einem Blick zurueck stieg ich hinein in den naechsten "Talbereich".

Rif. Cristina
Der erste Weg fuehrte ueber ein paar kleine Schneefelder herunter, in denen sich noch frische Spuren befanden. Ganz alleine war ich hier oben auch nicht mehr hier und da sah ich schon andere Wandersleute. Nach 100 Hoehenmetern des Abstieges, teils ueber Geroellhalden, war die Schneehoehe auch ueberwunden und es fuehrte sogar ein gut sichtbarer Trampelpfad weiter herunter. Vorbei an kleinen Seen, von denen es auch schon auf der anderen Seite viele gab, gelangte ich tiefer und tiefer bis ich mich wunderte, warum hier ploetzlich so viele seltsame Grattler herumliefen. Ein Blick in die Karte zeigte mir auch hier die Antwort auf: Grattlerstationen. So eine Scheisse! Das Ganze wurde immer schlimmer. Ganze Grattlerhorden zogen hier herum. Ich acker mich hier hoch und Die fahren mit dem Auto? So ein Mist. Ab der naechsten Abzweigung fuehrte der Weg immer leicht bergauf und bergab verlaufend zum Rif. Cristina. Dort traute ich meinen Augen nicht. Der ganze Bereich war voll mit kleinen Steinhuetten, die wohl als Ferienunterkunft herhalten sollen. Als ob das nicht reichte, liefen hier wirklich ueberall Grattler herum, wenn sie nicht in der Sonne brutzelten. Wieso musste ich nur am Wochenende hier hochkommen? Das hier ist so ein schoenes Gebiet, wenn man nur seine Ruhe haette. Alles erschien ueberfuellt zu sein und mich der erhofften Idylle zu berauben, die ich hier unter der Woche sicher vorgefunden haette. Muss man wirklich eine Autobahn [Mit Autobahn meine ich dieses Mal wirklich eine Strasse!] fuer jeden bis vor die Huette bauen?

Die Skipiste
Beim Rif. Cristina kehrte ich ein. 1 Liter Wasser, wobei 1/2 Liter in meine Vorratsflasche floss und eine Dose Orangenlimo, wobei ich eigentlich O-Saft wollte. Wieder mal konnte kein Schwein Englisch auf der Huette. Draussen schuettete ich mir das Zeug rein, ass meinen mitgenommenen Vorrat von heute morgen und versuchte die Grattler auszublenden um die fantastische Aussicht zu geniesen. Ich stellte mir vor, wie der Via-Alpinist von gestern die Rohe genoss, da er von Do. auf Fr. in dieser Huette war. Doch ich musste noch weiter zum Rifugio Zoia. Nach fast einer Stunde Pause und lauter Grattlern um mich herum, denen das Wasser nach den 100 HM Anstieg herunterlief - oft ohne Rucksack - ging ich weiter. Ein bisschen auf einer Forststrasse, ein bisschen auf einem Wanderweg kam ich bald wieder an Ferienhaeuschen heraus. Ja so ein Scheiss! Schnell weg. Die letzte viertel Stunde fuehrte ueber einen steinigen Weg herunter, vorbei an steilen Felshaengen und an Leuten, die diese hochkletterten. Dann kam ich schon beim Rif. Zoia an und hatte damit die Etappe beendet. Die letzte Stunde hatte ich Lust, die ganze Tour einfach hin zu schmeissen. Ich bin der Hoffnung, dass sich das ganze bald wieder aendert. Bald bin ich ja auch wieder in der Schweiz in der es bisher immer schoen war.

Wunderschoenes Abendrot
Erst mal schuettete ich mir eine Dose Cola rein und buchte eine Unterkunft fuer 45 € inkl. Halbpension.l Das ist auch sehr teuer, aber mit Verhandeln geht hier nicht viel. Auch hier spricht kein Schwein Englisch oder Deutsch. Allgemein ist es verwunderlich, dass ich hier von keinem Touristen ein Wort Deutsch hoere, oder Englisch oder irgendeine andere Sprache. Das hier scheint wohl auch nicht fuer Auslaender gedacht zu sein. Das urspruenglich als Camere gebuchte Zimmer, von dem ich ausging, dass es ein wirkliches Zimmer ist, stellte sich als Matratzenlager heraus. Ich musste sogar umziehen, weil die mich nachtraeglich zu 3 anderen Wanderern in ein anderes Lager steckten. Vermutlich um die Dusche nicht putzen zu muessen. Aber so ein Irrtum kann ja mal passieren. Immerhin sind die 3 anderen Deutsche. Ein Vater mit seinen 2 Toechtern. Ich bekomme allmaehlich das Gefuehl, dass nicht italienisch Sprechende die Einzigen sind, die sich in den Bergen etwas mehr als 300 HM bewegen [Die 3 waren auch seit Tagen zu Fuss unterwegs]. Wenigstens nach 18 Uhr wird es hier etwas ruhiger, weil die Grattler noch alle den Bus oder sonst was erwischen muessen.

Die HP war wieder mal etwas enttaeuschend. Gemuesesuppe, Zuchini mit Fleisch und Apfelkuchen. Da werde ich morgen ganz schoen hungern duerfen!!! Rabatt fuer AV Mitglieder gibt es hier auch nicht, weil der CAI diese Huette (besser gesagt den Gasthof) verkauft hat :-(. Jetzt schaue ich hier doch noch das Endspiel Holland gegen Spanien an, weil direkt vor mir der Fernseher platziert wurde.