Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Freitag, 30.7.2010
Tag 52 - Und schon wieder Schnee...
Leukerbad → Gemmipass → Chindbettipass → Adelboden → Gilbach
So. Ich bin wieder einmal total kaputt. Wieder hab ich 2 Etappen geschafft und das bei Schneefall.

Die steile Wand, die ich hoch musste
In der Nacht konnte ich schlecht schlafen. Meine Pumpe pumpte seltsam als ich mitten in der Nacht das Bier heraus lies. Schon wieder wachte ich vor dem Wecker auf. So etwas ist mir als Student nie passiert! Womoeglich lag das aber auch daran, dass mein Promillegehalt ein Aufwachen nicht zulies :-). Kurz vor 7 bewegte ich mich dann aus dem Bett und fing an, zu packeln. Es war schon ein seltsames Gefuehl, mein Notebook wieder fuer Wochen weg zu packen, auch wenn ich es fast nur fuer E-Mails benutzt habe. Dann ging's zum Fruehstueck - mit dem Unterschied, dass wir dieses mal unser eigenes Zeug hatten: Ein gutes Bauernbrot, Wurstdosen und eine selbstgemachte Marmelade meiner Mutter, die im Vergleich zu den bisherigen abgepackelten einfach himmlisch schmeckte [An dieser Stelle noch einen besonderen Dank an meinen Vater, der extra hergefahren ist und mir dieses heimische Schmankerl ermoeglichte]. Nach dem ausgiebigen und vermutlich bestem Fruehstueck seit einer halben Ewigkeit packte ich meinen Rucksack fertig. Als ich aufwachte, hat es noch geregnet, was jetzt aufgehoert hat. So zog ich nur T-Shirt und lange Zipperhose an. Dann ging's an's Verabschieden von meinem Vater und die Tour ging kurz nach 8 Uhr los.

Letztendlich war der Weg doch ganz gemuetlich
Erst mal hatschte ich etwas bergauf, wonach mich der Weg gleich wieder bei der ersten Kurve der Strasse ueber einen Wanderweg ins Zentrum fuehrte. Ab dort ging es mit dem Aufstieg endlich los. Zuerst ueber die Dorfstrasse die an kleinen schmucken Haeusern vorbei ging, zweigte bald der Wanderweg ab. Zu Anfang war dieser noch ueber 2 Meter breit, so dass ich schon dachte, dass man mit einem Quad-Bike hochfahren kann. Dieser breite Weg ging in ein paar Kehren auf die "Wand" zu und fing an sich staerker zu schlaengeln je naeher er der Wand kam bis er direkt an der Wand verlief. Das musste wieder einmal eine schweine Arbeit gewesen sein, diesen Weg anzulegen. Bald wurde der Weg auch kleiner, unterschritt aber nie eine Breite von 1 Meter. Nicht einmal grosse Felsbrocken lagen auf dem Weg! Wie gestern vermutet, war dieser Weg tatsaechlich eine Autobahn. Das einzige, was mir Probleme bereitete waren meine beiden Wadeln, die vermutlich wg. der gestrigen Wartezeit auch bei dieser geringen Steigung etwas schrieen.

Der anfaengliche Weg nach der Zwischeneinkehr - allerdings mit "besserem Wetter"
Schnell kam ich hoch und erblickte hinter mir einen Berglaeufer mit kleinem Rucksack, der nur sehr langsam naeher kam. Das baute mich natuerlich auf, da ich meinen fetten Rucksack zu schleppen hatte :-). Ab und zu fing es auch an, zu nieseln. Besser gesagt ein leichter Graupelschauer, aber das machte mir soweit nichts. Schliesslich war ich im Aufstieg und der Regenschutz fuer Kamera und Rucksack war schon vom Start an aufgezogen. Ca. 100 Meter vor dem Gemmipass fing es dann aber an, sehr unangenehm zu werden. Der Graupelschauer nahm zu genauso wie der Wind.

Der anfaengliche Weg nach der Zwischeneinkehr - allerdings mit "besserem Wetter"
So schnell konnte ich nicht aufsteigen als dass es mich nicht gefroren hatte. Etwas ueberziehen wollte ich aber auch nicht, da ein paar Minuten weg vom Pass eine Huette oder sowas in der Art in die Karte eingezeichnet war. Bei den restlichen HM vor dem Pass waren sogar Treppen einbetoniert. Wie haesslich. Beim Aufstieg blickte ich auch immer wieder zur anderen Bergseite, bei der auf meiner Hoehe schon gut Schnee lag. Solange es aber nur ein bisschen Schnee ist, hab ich damit keine Probleme. Bis zum Pass aber lag kein Schnee und 5 Minuten spaeter und halb tiefgefroren erreichte ich das "Berghotel". [Auf den letzten Metern zum Berghotel pfiff der Wind nur noch so um die Ohren und ich war sicher leicht unterkuehlt.]

Auch diese paar HM zogen sich lange hin.
Ich weiss ja auch nicht wieso die Schweizer in dieser Ecke alle Huetten in den Bergen als Berghotels bezeichnen, aber Selbstbedienung zaehlt bei mir definitiv nicht als Hoteleigenschaft. Da ich bei diesem Wetter nur ungern vor die Tuere gehen wollte und ich nach 1:45 Stunden Gehzeit schon Hunger hatte, holte ich mir ein Stueck Zwetschgenkuchen und eine Apfel-Schorle. Statt das das Wetter besser wurde, fing es jetzt erst richtig an. Es schneite stark und sehen konnte man wg. dem Nebel auch nichts mehr. So sass ich herum und gruebelte darueber nach, was die beste Entscheidung ist. Entweder ueber den 300 HM [oder waren das nicht eher 600 HM?] und noch mind. 2 Stunden entfernt liegenden Pass oder doch zur Schwarenbachhuette - aeh tschuldigung. Berghotel Schwarenbach natuerlich :-). Nach einer halben Stunde brach ich dann auf, mit bisher unbekanntem Ziel. Ich wollte mich erst nach 30 Minuten Gehzeit entscheiden. Dann naemlich zweigten die Moeglichkeiten endgueltig ab. Mit meinem langen Oberteil, Regenjacke und -Hose begab ich mich nach draussen.

Die Spitzen der Berge waren schon weiss eingehuellt.
Es war unfassbar, wie kalt der Wind war. Meine Kapuze des Oberteils zog ich unter die Kapuze meiner Regenjacke an und versuchte, den Kragen bis ueber meine Nase zu ziehen, die schon nach einer Minute stark wg. der Kaelte schmerzte. Die 100 HM zur "Entscheidungsgabelung" verliefen entlang des Daubensees, der zu Anfang noch stark im Nebel gehuellt war. Seit Verlassen der Huette war ich fest davon ueberzeugt, zur Huette abzusteigen, doch je weiter ich ging, desto besser wurde das Wetter. Sowohl Wind als auch Schnee waren bei der Gabelung wie weggeblasen. "Dann also doch der Pass" dachte ich mir. Falls das Wetter wieder umschlagen wuerde, koennte ich ja jederzeit umkehren. Ohne viel Anstrengung lief ich erst noch um das andere Ende des Sees herum und begann mit dem Aufstieg, den ich nach 10 Minuten kurz unterbrach, um mir das lange Oberteil auszuziehen, da es mir viel zu warm wurde. Meine Regenjacke aber zog ich als Windstopper wieder an, da ab und zu doch noch ein kuehles Lueftchen wehte.

Ein paar cm frischer Schnee.
In relativ gemuetlicher Steigung kam ich auch hier schnell voran und erblickte zu meinem Erfreuen bald andere Wanderer, die eine gute halbe Stunde vor mir kurz vor dem Pass waren. Da dort oben Schnee lag, musste ich einfach nur deren Spuren nach, ohne Markierungen suchen zu muessen! Vor der Ueberquerung dieses ersten Passes lag dann auch etwas Schnee und ich genoss es, mein Hirn komplett auszuschalten und nur noch den Fussstapfen im Schnee zu laufen ohne richtig nach Markierungen suchen zu muessen. Schon kurz nach der Huette tat mir heute auf einmal der Ruecken weh.

Ueber die Vertiefung in weiter Ferne musste ich auch noch drueber.
Aber nicht so wie vorher auf breitem Bereich sondern punktuell an einem Wirbel, so dass ich nicht einmal schmerzfrei meinen Kopf nach links und [oder] rechts drehen konnte. Wie immer ging ich auch hier nach dem Motto "scheiss drauf" weiter. Waehrend dem Wandern ist es zwar etwas besser geworden aber bis zum Abend nicht voellig weg. Auf dem ersten Pass stehend war ich dann doch etwas ueberrascht: Hier herrschte ein reger Durchgangsverkehr. Es war Freitag und viele Wanderer stroemten mir entgegen. Anscheinend hatte es auf der anderen Seite nicht geschneit und gestuermt.

Der Wasserfall kurz nach der Engstigenalp
Bevor ich beim Chindbettipass war, musste ich aber nochmal 100 HM ueber einen verschneiten Weg absteigen. Ein anderer Wanderer gab mir den Hinweis, dass ich evtl. abseits des Weges absteigen sollte, da er mittlerweile sehr rutschig ist. Genau das tat ich auch und war ihm sehr dankbar. Abseits des Weges versteckte sich naemlich etwas Schotter und Dreck, der mir einen sicheren Abstieg ohne Ausrutscher ermoeglichte. Auf meine neuen Schule war ich auch maechtig stolz. Die fuehlten sich schon seit der Frueh wie angegossen an. Nur die Sohle ist wieder so hart wie am Anfang, aber wenn ich erst einmal in Monaco bin ist die so weich wie meine alte. Jetzt bin ich auch optimistisch, es bis nach Monaco zu schaffen [Yeeeeeeha!]. Nach dem 100 HM Abstieg ging es wieder die 100 HM zum Pass in gemuetlicher Steigung hoch. Dabei ueberholte ich wieder mal Leute. Dieses Mal aber Aeltere vor denen ich Achtung habe. Sicher ueber 65 waren die und immer noch so fit! Am Pass angekommen hatte ich anfangs eine sehr schlechte Aussicht. Wieder einmal hatte sich eine Wolke zu mir verirrt.

Der restliche Weg das Tal entlang nach Adelboden
Nach ein paar Metern Abstieg sah ich dann aber endlich das Hochplateau der Engstlingenalp 600 HM unter mir. Schnell schepperte ich herunter, manchmal auch abseits des Weges, da Kuehe riessige Sumpffallen hinterliessen. Die letzten paar 100 Meter lief ich eben ueber eine Wiese, auf der ein vermeintlicher Wanderweg lief. Nur war das keiner, wie ich spaeter beim Studieren der Karte feststellte. Kein Wunder! Staendig musste ich im Schlamm herumhatschen. Dann konnte ich aber zum 2-ten mal bei irgendeiner Touristen-Abfertigungsstation einkehren. Hier hoch fuehrt naemlich auch eine Gondel. Ein Radler und ein paar Wiener mit Brot goennte ich mir. Zu meiner Ueberraschung war es bereits halb 3. So lief ich nach einer halben Stunde Pause gleich weiter - allerdings ohne Regenkleidung, dafuer mit langem Oberteil.

Mal wieder ein Blick zurueck...
Da es gerade schon wieder 11 Uhr ist und ich ins Bett will, gibt es hier die Kurzfassung vom Rest: 600 HM weiterer Abstieg, vorbei an einem wunderschoenen Wasserfall, der der zweitgroesste der Schweiz ist. Bei der Gondelstation unten rausgekommen, kaufte ich mir eine Cola bei einem Automaten. Statt aber 2,50 CHF zu zahlen, bekam ich nach dem Einwurf von 1x 1/2 CHF und 10 vergeblichen Versuchen, 2 CHF einzuwerfen beim druecken der Cola Taste 2,40 CHF raus. Perfekt :-). Der Restweg nach Adelboden verlief noch ueber eine halbe Stunde den Fluss Entschlinge entlang, wonach ich noch 150 HM nach Adelboden - u. a. durch ein Parkhaus - aufstieg und bei der Touristeninfo nach einer Unterkunft fragte. Nach einer aufgesuchten Unterkunft, die kein Zimmer mehr frei hatten, ging ich wieder zur T-Info und fragte, ob in Gilbach noch etwas frei waere. Das liegt naemlich auf der naechsten Etappe und ist nur 1/2 Stunde entfernt. Die Dame der T-Info buchte das dann fuer mich. Die Preise der restlichen Unterkuenfte in Adelboden sprengten naemlich allesamt mein Budget.

Der restliche Weg das Tal entlang nach Adelboden
Den Rucksack konnte ich zu Shoppingzwecken bei der T-Info lassen. Zuerst ging ich in einem Coop Supermarkt. O-Saft, Wasser und Bier! Dann suchte ich vergebens nach einem Deutsch-Franzoesisch Langenscheid Touristen-Taschenbuch - leider vergebens. Ueber die Hauptstrasse und dem Versuch, eine Abkuerzung zu nehmen, die nur durch querfeldeingehen eine Abkuerzung war, erreichte ich Gilbach und damit das Ziel meiner langen Reise [der heutigen Reise]. Gewaschen wurde heute alles moegliche, auch mein langes Oberteil von dem ich hoffe, dass es bis morgen Frueh trocknet! Zum Essen gab's einen leckeren Schweinespiess. So! fertig!