Tagebuchtage:
 
 
 
 
 
 
Montag, 16.8.2010
Tag 69 - Ich will Sonne!!!
Le Charmaix → Col de la Vallee Etroite → Le Granges → Col des Thures → Nevache → Refuge de Buffere
Der "Saustall" in meinem Zimmer.
Die 3 Dosen Bier (Naechstes Mal kaufe ich mir mehr) und die Herdplatten halfen mir, schnell einzuschlafen. Wie nicht anders erwartet, wachte ich wieder kurz nach 6 auf, blieb aber noch liegen. Der Wecker war bewusst erst auf 6:45 gestellt, um meinem Koerper Ruhe zu geben. Das nervigste wie z. B. den Abwasch hatte ich schon gestern erledigt. Jetzt ging es an's Packeln vom Rucksack und anschliessend an's Fruehstueck: Die letzte Nektarine, 1 Liter O-Saft, die Wurst und ein Grossteil des Baguettes gingen dafuer drauf, bis ich wieder papp satt war. Die noch vom Waschen nassen Sachen packte ich in eine Tuete. Erst um 8 Uhr ging es dann heute los, aber ich wollte es auch in Ruhe angehen lassen.

Eines der wenigen Fotos von mir selbst.
Der Himmel war schon wieder bewoelkt aber immerhin regnete es nicht. Meine Erkaeltung ist auch etwas besser geworden, sodass nichts gegen das Wandern sprach. Wegen der Morgenfrische hatte ich auch wieder mein langaermliges Oberteil an. Zum Pass waren es "nur" noch 1000 HM, die sich aber auf lange Strecke hinzogen. Erst mal ging es auf der Fahrtstrasse weiter. U. a. vorbei an der Unterkunftsmoeglichkeit, zu der ich urspruenglich wollte. Nach 1 km ging auch schon ein Weg von der Teerstrasse weg ueber eine Bruecke zum Dorf Les Herbiers. Teils ueber eine Schotterstrasse, teils ueber einen Wanderweg waren mit der Zusammenfuehrung des Wanderweges und der Fahrtstrasse die ich vorhin verlies auch schon die ersten 400 HM fertig. Fehlen noch 500.

Wie schon den Tag zuvor durfte ich auch heute im Nebel herumhatschen.
Wieder mal waren alte Befestigungsanlagen zu sehen. Bunker mit Schiessscharten, die diese entscheidende Stelle schuetzten. Schnell ging ich weiter. Der Pass war ja noch ein paar km entfernt. Eine Schotterstrasse ging ich weiter immer der Beschilderung zur Huette Thabor folgend auch wenn ich dort nicht vor hatte, vorbei zu gehen. Die Sicht wurde wie befuerchtet immer schlechter. Aber sie haette schlechter sein koennen. Mittlerweile versuche ich das Positive im Negativen zu suchen. Bei einer Abzweigung war wieder mal kein Schild, wo ich mit der Karte herausfand, dass es den rechten Weg entlang geht. Vorausgesetzt, diese Abzweigung ist auch eingezeichnet. Das war auch das erste Mal, dass ich beim Herausziehen der Karte meine Schutzhuelle verloren hatte und wieder 100 Meter zuruecklaufen musste. Karten lese ich naemlich waehrend dem Gehen.

In der kleinen Hoehle hausten frueher sicher Menschen.
Die Schotterstrasse endete bei einem Haeuschen von wo nur noch ein Trampelpfad weiter ging. 100 Meter spaeter fand ich eine rot-weisse Markierung. Somit war ich auf einem tatsaechlichen Wanderweg. Ein paar Minuten spaeter hoerte dieser aber abrupt auf. Wohin jetzt? Hoch musste es gehen, da verlief auch noch ein anderer Weg. Ein paar HM spaeter sah ich dann auch einen umgefallenen Wegweiser, auf dem wieder die Huette angeschrieben war und ein Trampelpfad fuehrte von dort auch weiter. Jetzt zog der Nebel endgueltig zu, aber weit ist es nicht mehr bis zum Pass. Vorbei an kleinen Schneeresten versuchte ich die Orientierung zu bewahren. Die ungefaehre Richtung kannte ich nur gab es nicht nur einen Trampelpfad, der weiter ging.

Wieder mal stand weit oben eine verlassene Kaserne :-(.
Dem Schild, dass das Refuge Thabor mit 15 Minuten auswies folgte ich dann nicht mehr sondern ging gerade aus und kam bei einem See und einem Kreuz heraus, dessen Inschrift verriet, dass ich auf dem Pass angelangt war. Soweit, so gut. Jetzt musste ich nur noch die richtige Abzweigung erwischen, sonst muesste ich wieder umkehren. Vorsichtshalber zog ich auch den Kompass zu Rate und lief oestlich weiter. Jup. Das scheint zu sein, da ich bei einem weiteren Wegweiser vorbeilief, an dem der GR angeschrieben war, auf dem ich absteigen sollte.

Dort ging wieder irgendwo der Weg hoch.
Wie aus dem Nichts riss dann auch die Wolkendecke auf und gab endlich den Blick auf die umgebenden Berge und deren Spitzen frei, die wie kleine Festungen aussahen. Der Weg ging erst mal sehr langsam bergab, vorbei an vielen Kuehen von denen viele einfach nur weiss waren. Nach einem steilen Stueck, einer Ueberquerung eines kleinen Flusses und wieder einem steilen Stueck lief ich sogleich auf einer Schotterstrasse und hatte Bekanntschaft mit einem Franzosen gemacht. Mit diesem lief ich dann auch die restliche Strecke bis nach Le Granges, wo wir nicht in der franzoesischen Huette einkehrten, sondern extra in der italienischen, da es etwas besonderes sein soll, dass sich eine CAI Huette auf franzoesischem Boden befindet.

Und schon wieder Schnee...
In der Huette bestellte sich jeder von uns ein Bier und ein Sandwich. Die Angestellten, Wirtsleute oder wer auch immer die waren haben mal wieder Fressen gezogen und eine Freundlichkeit an den Tag gelegt, dass ich am liebsten gleich weiter gegangen waere. Der Franzose lud mich zu dem Ganzen ein - auch zu dem Sandwich, dass aus trockenem Weissbrot, Schinken, Kaese und sonst nichts bestand. Kurz nach dem Franzosen bin ich dann auch weiter aufgebrochen zur naechsten Etappe. Aber das schreibe ich morgen weiter.

Schnippl die Schnapp

Die Pfuetze am Pass. Endlich oben!
So weit bin ich gestern ja nicht mehr gekommen und Lust zum Schreiben hab ich auch nicht mehr. Das Schreiben beraubt mich des Schlafes und ist auch unproduktiv: Desto weiter ich an einem Tag laufe, desto mehr muss ich schreiben, desto weniger schlafe ich. Ab der italienischen Huette "Refuge Tre Alpini", in die ich sicher keinen Fuss mehr setzen werde, ging der Weg staendig hoeher. 400 HM waren nur noch zu schaffen! In vielen Zacken schlaengelte sich der Weg mal wieder hoch. In diesem Tal waren auch sehr viele Italiener unterwegs, da dieser Teil besser an Italien angebunden ist, als an Frankreich und angeblich frueher zu Italien gehoert hat. Nach den vielen Kehren, die den Grossteil der HM ausmachten und unter Baeumen waren, ging's auf einem steppenartigen Bereich weiter hoch zum See, der gleichzeitig den hoechsten Punkt der Tour [seit der Huette] darstellte.

Die eine Spur fuer Kuehe, die andere fuer Zweibeiner
Der Himmel zog immer mehr zu und zu nieseln fing es auch noch an. Bevor meine Hose wieder an mir klebte, zog ich lieber sofort meine Regensachen an. Allmaehlich reicht's mit dem Regen! Hier oben tummelten sich wieder ein Haufen Leute, was mir bei dem Wetter auch gut gefiel. Wenn es ploetzlich zu blitzen anfaengt, bin ich wenigstens nicht alleine. Einen guten km weiter sah ich mal wieder huebsche suesse Esel, bei denen ich nicht anders konnte als sie zu streicheln. Diese armen Viecher muessen bei dem Scheiss Wetter eingezaeunt auf freier Flaeche stehen.

Le Granges - nur kurz blieb ich dort
Als ich die Abzweigung von Weitem sehen konnte, sah ich auch den Franzosen mit seiner gelben Jacke, aber er ging bei der Abzweigung links, wohingegen ich rechts weiter lief. Jetzt ging's zum Abstieg ueber, der in vielen scheinbar randomisiert gesetzten Kehren runterging. An so manchen Leuten schepperte ich dabei vorbei, aber auch an Gesteinsformationen, die senkrecht in die Hoehe ragten. Da hier alles aus einer Art Sandstein bestand, musste das auch sehr instabil sein, aber mei - solange es haelt, haelt es :-).

Inmitten der kargen Landschaft stand einsam und verlassen ein Baum.
Kurz vor dem Erreichen des "Chalet forestier" hatte ich dann auf einmal den Franzosen eingeholt. Ich glaube, er heisst David, aber egal. Nenn ich den ab sofort einfach David (ausgesprochen als Davi!!!). Der ist diesen Weg heruntergelaufen, weil er auf dem GR5 unterwegs war und ging ihn, auch wenn er nicht der Kuerzeste war. Das kommt mir irgendwie bekannt vor :-). So liefen wir zusammen die Strasse herunter, die ab dem Chalet weiterfuehrte. Bei der Chapelle des Ames trennten sich dann aber endgueltig unsere Wege und ich lief wieder alleine die Strasse entlang weiter, wo ich schon nach kurzem im Zielort Nevache ankam.

Der See beim zweiten Pass.
Eine Touristeninfo gab es dort auch und ich fragte nach der billigen Unterkunft, wo mir auch gleich eine mitgeteilt wurde. Die Dame im Buero hatte mal wieder Aehnlichkeit mit einer Schlaftablette. Aber nicht nur das. Statt mir etwas auf Englisch zu erklaeren, laberte sie auf Franzoesisch daher. Naja. Wie auch immer lief ich zu der ersten Moeglichkeit hin und fragte nach einer Unterkunft. Complete. Merde! Also wieder zurueck zur T-Info, wo ich auf dem Weg dorthin noch wo anders nachfragte, das auf dem Weg lag. Auch voll. Mist!

Esel!!! :-D
Bei der T-Info sagte mir die Frau noch eine andere Moeglichkeit, die sich nach ein bisschen herumirren als genau die herausstellte, bei der ich als zweites angefragt hatte. So irrte ich noch etwas im Dorf umher, um etwas auf eigene Faust zu finden und kehrte erfolglos zur Touristeninfo zurueck, meine Karte in der Hand haltend. Auf dem Weg der naechsten Etappe befand sich so ein rotes Haeuschen! Ob man da schlafen konnte fragte ich die Schlaftablette und nach einem Anruf war die Sache gebongt.

Saeulen aus Sandstein
Ich hatte meine Unterkunft sicher! Kein Zelt, kein Auf- und Abbau, "nur" 450 HM, die zu schaffen waren. Ueber eine kleine Bruecke gelangte ich auf die andere Seite des Flusses und lief erst mal den Fluss entlang. Nach 2 km und 100 HM machte ich dann kurz Pause. Jetzt sollte es gleich steil hochgehen und nach ein paar Minuten Pause startete ich dann los. Obwohl es ein breiter Weg war, der wohl gut mit einem Quad Bike o. ae. zum Warentransportieren genutzt wurde, ging er sackrisch steil hoch. Jeder Schritt zog noch mehr vom Rest der schon so erschoepften Energie aus mir heraus. Meine Batterie war einfach leer. Da war nix mehr zu holen. Nur noch quaelend kam ich voran, aber trotzdem schneller als alle anderen, die den Weg hoch liefen :-).

Der Weg im Tal zur Huette Buffere.
Nach der ersten Kehre lies die Steilheit des Weges endlich nach und ich konnte etwas besser durchatmen. Dass ich so fertig war, war schon sehr lange her. Nach dem Wald war es nicht mehr weit und ich kam beim Refuge an. Endlich! Dort wurde ich auch freundlich begruesst. Hier schien ich wohl den richtigen Griff gemacht zu haben. In der Gaststube war auch der Ofen geheizt, bei dem immer wieder ein Scheitel nachgelegt wurde. Zuerst mal bestellte ich mir eine heisse Schokolade und bezog danach mein Zimmer, in dem ich alleine schlafen durfte. Was fuer ein Luxus!

Die Huette Buffere.
Was mich dann sehr ueberraschte war die kostenlose Dusche, die ich wieder in vollen Zuegen genoss - vor allem um den Rest der Erkaeltung los zu bekommen. Zu meinem Ueberraschen waren hier oben doch sehr viele Nicht-Wanderer, wo ich mich beim Abendessen mit der HP bei einem Tisch einer Familie dazugesellen durfte. Die junge Tochter, noch ein Kind, schien schon besser Deutsch zu sprechen als ich franzoesisch - wie deprimierend. Aber Sie kann sicher kein Bier auf Deutsch bestellen - einer meiner besten Vokabeln :-). Die HP war erstklassig. Erst mal Gemuesesuppe, bei der mich die Kinder am Tisch alle seltsam anschauten, weil ich massig Salz in meine Suppe gab. Schon seit Wochen mache ich das und nie hat das Essen genug Salz. Mein Koerper scheint an den Mineralien zu zehren. Der Hauptgang war ein Kartoffelauflauf mit Schinken. Der Kaese und vor allem die Kruste waren einfach nur lecker. Da lud ich immer wieder nach, bis ich wirklich nicht mehr konnte. Als Nachspeise gab es einen Blaetterteig, der mit Beeren belegt war. Auch davon haette ich gerne mehr gewollt, fragte aber nicht nach, weil ich die Chefin vorher sah, wie sie die Stuecke abzaehlte. Ja. Das hat sich definitiv rentiert, hier noch hoch zu steigen. Sogar das Zimmer war warm!!!